Mittwoch, 8. April 2015

Besuche und Abschiede

Ich habe Osterferien. Das finde ich super. Allerdings sind die Osterferien auch meine letzten Ferien als FLA in Schottland. Das finde ich dann direkt weniger super. Ich bin noch knapp zwei Monate hier und habe das Gefühl, dass die Zeit mit der Geschwindigkeit eines ICEs an mir vorbei rast.

In der letzten Woche hatte ich gleich zweimal Besuch. Katharina, eine FLA, die in Südengland arbeitet und die ich beim Ambassador-Treffen in London kennengelernt habe, und Anja und Rebecca aus Deutschland. Katharina kam, als ich noch Schule hatte, aber zum Glück ist sie ja schon groß und konnte sich einen Tag alleine beschäftigen. Ich hatte vor den Ferien noch ein bisschen Stress, weil ich verschiedene Berichte und Präsentationen fertig machen und einen Text für den Schulnewsletter schreiben musste.
An Katharinas letzten Tag in Glasgow hatte ich dann aber frei und bin mit ihr ins West End gegangen. Das Wetter war wunderbar frühlinghaft und wir haben zugesehen, dass wir erstmal viel draußen gemacht haben. Ich habe den Kelvingrove Park neu entdeckt, nachdem ich im Winter gar nicht drin war. Das war wirklich schön. Später sind wir dann noch in die Hunterian Art Gallery und ins Kelvingrove Museum gegangen. Während ich die Art Gallery ja erst noch vor kurzen mit Amelie besucht hatte, ist es schon über ein halbes Jahr her, dass ich zuletzt im Kelvingrove Museum war. Im September hatte ich in der Ägypten-Abteilung ein Computerspiel entdeckt, bei dem man zwischen der Mumie und einem Talisman einen Weg mit Steinen legen musste (so ähnlich wie bei dem Spiel Carcassone) und dabei aufpassen, dass der Weg an keiner Seite offen ist - man bekommt natürlich immer Steine, die nicht passen, bzw. die verzweigen und jede Verzweigung muss entweder zugemacht werden oder zum Talisman führen. Die Seele soll nämlich durch das Talisman befreit werden oder so. Im September war ich zu doof für das Spiel und wollte nicht länger üben, weil Kinder hinter mir anstanden. Diesmal war das Museum leerer und ich hatte mehr Zeit. Ich habe es bis in den vierten Level geschafft und bin sogar in der Highscore-Liste gelandet. Es sind manchmal Kleinigkeiten, auf die man besonders stolz ist. ;-)

Kelvingrove Museum mit blühendem Baum
Kaum war Katharina abgefahren, kamen auch schon Rebecca und Anja. Das war ganz praktisch; ich musste die Gästematratze gar nicht wegräumen. Die beiden sind schon sehr Schottland-erfahren, aber hatten wenig bis gar nichts von Glasgow gesehen. Also habe ich versucht, ihnen in wenigen Tagen zu zeigen, dass Glasgow die schönste Stadt Schottlands ist: West End, Innenstadt, Central Station, der Ausblick vom Lighthouse, Kathedrale, Nekropolis, Clyde... Ich war ganz begeistert davon, meine Lieblingsorte im Sonnenschein zu sehen - die Sonne habe ich in letzter Zeit doch schmerzlich vermisst - und ich glaube, meinem Besuch hat es auch gut gefallen. Sie hatten natürlich auch ihre eigenen Ziele. Das Keksregal im Supermarkt zum Beispiel.

Am Karsamstag haben wir einen Ausflug in Richtung Süden gemacht. Gretna Green, Durham und the Angel of the North. Gretna Green ist die Marriage Capital des UKs. Im 18. Jahrhundert sind minderjährige Paare aus England, die ohne Erlaubnis der Eltern heiraten wollten, nach Gretna Green durchgebrannt, weil es in Schottland nicht nötig war, die Einwilligung der Eltern zu haben. Zu dieser Zeit war eine Eheschließung in Schottland gültig, solange das Eheversprechen vor zwei Zeugen ausgesprochen wurde. So konnte im Grunde jeder eine Eheschließung vornehmen. In Gretna Green war es meistens der Schmied, der "anvil priest", weswegen der Amboss auch das Symbol der Hochzeiten in Gretna Green wurde.  In Stolz und Vorurteil wird der Ort auch erwähnt, weil Wickham und Lydia dort vermutet werden. 
Mittlerweile ist das Örtchen ein Touristenziel, auch wenn da immer noch viele Leute heiraten. Um die berühmte Schmiede herum stehen süße weiße Häuschen und niedliche bis kitschige Skulpturen sowie ein Bogen, unter dem sich ganz viele Pärchen küssend fotografieren ließen.
Durham hatte ich schon mal besucht, aber diesmal hatten wir viel mehr Zeit. Außerdem war es hell als wir da ankamen. Rebecca, Anja und ich sind durch die Innenstadt geschlendert bevor wir zu Kathedrale gegangen sind. Die Kathedrale habe ich mir bei diesem Besuch auch viel genauer angesehen als beim letzten. Aber natürlich sind wir auch in den Kreuzgang gegangen, der aus den Harry Potter-Filmen bekannt ist. Wie im Alnwick Castle bekamen wir von unserem Reiseleiter Fotos, die wir mit der Architektur vor Ort ergänzen sollten. Wir hatten aber mehr Spaß daran, sie nachzustellen und Anja hat einen ganz tollen Snape hingekriegt.
Vom letzten Mal wusste ich ja noch, dass der Rasen verboten ist...

Snape erwischt Ginny und eine andere Schülerin ohne Schuluniform
Außerdem hatten wir Glück und das Chapter House war geöffnet. Professor McGonagalls Klassenzimmer. Normalerweise ist das geschlossen, aber das National Youth Orchestra machte in der ganzen Stadt für sein nächstes Konzert und ein Cello-Quartett spielte im Chapter House. Im November hatte ich durch das Fenster gelinst und gedacht, dass es wirklich wie das Klassenzimmer aussieht. Samstag fand ich es nicht mehr ganz so, vermutlich weil der Tisch und der Stuhl abgedeckt waren. Außerdem ist es merkwürdig, Cellisten im Verwandlungsklassenzimmer zu haben.
Im Gift Shop der Kathedrale habe ich außerdem geguckt, wie weit das Lego-Modell ist und sie sind ein ganzes Stück weiter gekommen. Ich fand es besonders toll, dass sie auch den Fußboden und die Orgel nachgebaut haben. Ich weiß nicht, ob mir das beim letzten Mal nicht aufgefallen ist, oder ob das auch neu war.
Der Angel of the North war nur ein Foto-Stopp und ich muss sagen, ich fand die Kelpies beeindruckender. Die Statue hat - laut Wikipedia - auch eine symbolische Bedeutung von wegen coal miners und der Übergang vom industriellen ins Informationszeitalter, aber ehrlich gesagt konnte ich das darin nicht erkennen. 

An Ostern waren wir drei in der St Mungo's Cathedral zum Gottesdienst. Das fand ich auch sehr schön. Der Pfarrer hat über die drei verschiedenen Wörter gesprochen, die in der Ostergeschichte im Johannesevangelum für "sehen" verwendet werden. Einmal im Sinne von "wahrnehmen", dann "wahrnehmen und verstehen" und zum Schluss "wahrnehmen, verstehen und glauben". Letztes Jahr Ostern in Rom, dieses Jahr in Schottland... Ich muss sagen, dass mir der Gottesdienst hier in der Kathedrale besser gefallen hat, als der auf dem Petersplatz. Aber trotzdem, nach zwei Jahren ohne die bekannten Osterlieder muss ich nächstes Jahr wieder in Deutschland feiern. 

Aber mein Post heute heißt ja nicht nur "Besuche" sondern auch "Abschiede". Die Osterferien bedeuten auch, dass Die GETs wieder nach Hause müssen. Amelie also auch. Ich bin nicht gut im Verabschieden und zögere das immer gerne raus, vor allem, wenn es um die Verabschiedung von Leuten geht, die ich mag. Bisher musste ich nur die GETs verabschieden (abgesehen von meine Besuchern, aber das ist ja was anderes) und die habe ich dann einmal in den Arm genommen und "Gute Fahrt" gewünscht. Ganz so, als würden sie nur zum einwöchigen Osterurlaub an die Ostsee aufbrechen.
Von Amelie gab es einen Abschied auf Raten: Abschiedsessen mit den Kolleginnen (vor ihrer letzten Schulwoche), ein letzter gemeinsamer ISUK-Ausflug, Abschiedstrinken mit anderen GETs, Abschiedspubbesuch mit der Scottish Country Dance Society, letzter gemeinsamer Schultag mit Kuchenessen und gestern bin ich mit Amelie, ihrem Freund und ihrer Schwester nach Falkirk, Edinburgh und Stirling gefahren und abends in einen Comedy Club gegangen. Diesmal war es wirklich ein Abschied.
Ich war schon sowohl in Edinburgh als auch Stirling, aber Edinburgh ist immer wieder schön (ich werde sicher nochmal hinfahren) und es schien die Sonne. Bei meinem letzten Ausflug auf den Calton Hill in Edinburgh bin ich schon um das National Monument herum geschlichen und wollte eigentlich gerne drauf klettern, sah aber ein, dass ich das alleine nicht schaffen würde. Ich bin zu klein. Gestern waren wir aber zu viert da und Amelie und ihre Schwester haben mich hochgezogen, während Amelies Freund am Fuß des Denkmals assistierte. Zuerst habe ich micht etwas geziert, weil ich ziemlich Schiss hatte, nicht hochzukommen und mich endlos zu blamieren, aber dann hat es doch super geklappt. Auf der Royal Mile in Edinburgh war ich auch fast versucht, mir einen Koffer im Tartan-Muster zu kaufen, habe mich dann aber doch dagegen entschieden, weil ich fürchtete, dass er trotz des stolzen Preises von 50 Pfund nicht lange halten würde. Auch die Kelpies in Falkirk kannte ich schon, aber wir waren auch beim Falkirk Wheel, einem irren Schiffshebewerk, das wie ein Reisenrad mit nur zwei Gondeln funktioniert und Schiffe von einem höher liegenden Kanal in einen tiefer liegenden transportiert und umgekehrt.
Falkirk Wheel
National Monument in Edinburgh
Robert the Bruce sonnt sich in Stirling
Im Comedy Club trafen wir dann auch Sebastian und seine Freundin sowie einen schottischen Freund von Amelie und Sebastian. Der Abend im Club war lustig. Es traten einige Nachwuchs-Stand up Comedians auf, einige besser als andere und ein Typ aus Yorkshire, den ich gar nicht verstanden habe. Danach gab es einen längeren Auftritt von einem erfahreneren Comedian, der (männlich) einen ziemlich guten Beitrag über die Menstruation und darüber hielt, dass das NHS kostenlos Kondome verteilt, aber Binden und Tampons als Luxusgüter bezeichnet werden. Ich hatte sehr viel Spaß. Aber leider ging der Abend dann auch zuende und der endgültige Abschied nahte. Amelie sagte etwas wie "Lass von dir hören!" und andere Sachen, die normale Menschen zum Abschied sagen. Ich sagte: "Gute Fahrt!" Wie bereits erwähnt, ich bin nicht gut bei Abschieden. Aber ich hoffe auch darauf, dass wir es schaffen, uns in Deutschland mal zu besuchen.

Donnerstag, 2. April 2015

Hogwarts, Hogwarts, Hoggy Warty Hogwarts

Eigentlich müsste ich meinen Blog jetzt umbenennen, denn am Samstag war es Hogwarts. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich war in Hogwarts, habe das Schloss erkundet, mich in lange Roben geworfen, mit magischen Kräutern hantiert und fliegen gelernt. Ein durch und durch magischer Tag und ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

So und jetzt nochmal ausführlich: Am Samstag stand wieder eine ISUK-Tour auf dem Programm, diesmal ging es ins Alnwick Castle (wird übrigens Ahnick ausgesprochen), in dem Teile der ersten beiden Harry Potter-Filme gedreht wurden, so wie zum Bamburgh Castle. Beide liegen in Northumberland, England. Die Tour zum Alnwick Castle war schon einmal angeboten worden, aber an dem Wochenende konnte ich nicht und wartete nur darauf, dass es wieder die Gelegenheit gab, dahin zu fahren. Ende März waren die Chancen auf gutes Wetter auch recht groß. Keine Frage also, dass Amelie und ich dahin fahren würden. Hatte ich schon erwähnt, dass es nach Hogwarts ging?
Viertel vor acht an der Uni, um acht Uhr ging es los, das kennen wir ja mittlerweile schon. Ein bisschen schlafen im Bus, weil wir am Abend vorher mit unseren Kolleginnen essen waren, eine Kaffeepause nach etwa eineinhalb Stunden in Dunbar. Eigentlich wollten wir nur an einer Raststätte an der Autobahn halten, aber die war geschlossen. Wir hatten eine Dreiviertelstunde Aufenthalt in Dunbar, ein nettes Städtchen an der Küste, in dem es etwas windig war. Amelie und ich haben uns die Beine vertreten und haben uns dann einen Tee organisiert.



Wieder in Bus stieg die Spannung, der Reiseleiter war wieder eine Herausforderung, aber wir hatten Spaß und sangen auch bei den ABBA-Liedern mit. :-D Je näher wir Hog... Alnwick Castle kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Wir bekamen eine Karte des Schlossgeländes, die sehr liebevoll gezeichnet war. Außerdem verteilte der Reiseleiter Fotos aus den Harry Potter-Filmen und gab uns die Aufgabe, die entsprechende Ecke des Schlosses zu finden.

Wir kamen in Alnwick an und das Wetter war toll. Amelie und ich entschieden uns, nicht direkt das Schloss zu stürmen, sondern erst ein Foto (oder zwei) von der Lion Bridge aus zu machen. Von dieser Brücke hat man eine gute Sicht auf das Schloss. Sie heißt Lion Bridge, weil der Gryffindor-Löwe ein Löwe auf der Mitte der Brücke steht.


Dann gingen wir zum Schloss und ja, ich habe es definitiv als Hogwarts wiedererkannt. Das Alnwick Castle ist (nach Windsor) der zweitgrößte Adelssitz Englands und gehört der Familie Percy (Percy ist diesem Fall der Nachname; es ist also mitnichten so, dass Percy Weasley Karriere im Zaubereiministerium gemacht und ein Schloss gekauft hat), den Earls und Dukes of Northumberland. Bereits im 11. Jahrhundert wurde an dieser Stelle ein Schloss gebaut, das damals aber noch von einer anderen Familie bewohnt wurde und von dem man heute nichts mehr sieht, weil es im 13. und 14. Jahrhundert komplett umgebaut wurde. Auch im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Änderungen vorgenommen. Die ISUK fassen die Geschichte des Schlosses auf dem Itinerary folgendermaßen zusammen: "over 700 years of drama, intrigue, tragedy and romance". Das trifft es vielleicht besser ein als Abriss über den Rosenkrieg. ;-) Übrigens ist nicht nur Harry Potter im Alnwick Castle gedreht worden, sondern zum Beispiel auch der Robin Hood-Film mit Kevin Costner oder Elizabeth mit Cate Blanchett. Auch Downton Abbey hat mal einen Ausflug in das Schloss gemacht.
Wir betraten also Hogwarts und wandten uns zuerst einmal der Knight's Quest zu. An einer Statue von Sir Henry Percy vorbei gelangten wir ein einen Säulengang, der um einen Innenhof herum führte. Im Säulengang gab es verschiedene Aktivitäten, Gaukler, Alchimisten, Verkleidungen und einen Seifenstand. Unter der fachkundigen Aufsicht von den Professoren Snape und Sprout - oder vielmehr einem Mann und einer Frau in mittelalterlichen Gewändern - wählten wir vier Pflanzen aus, die die Grundlage unserer Seife bildeten. Ich hatte Rosenblätter, Lavendel, Kamille und Echten Eibisch, der auf Englisch im Volksmund Marshmallow genannt wird, weil die Süßigkeiten daraus bestehen, und den ich nur genommen habe, weil ich den Namen so lustig fand. Ich hätte noch Ringelblume, Minze und ein oder zwei andere Pflanzen wählen können. Wir zerkleinerten die Pflanzen in einem Mörser, was bei dem Wind gar nicht so einfach war. Die zerriebenen Blüten wurden dann mit Haferflocken vermischt und damit das Gemisch auch zusammenblieb, verkneteten wir es mit Pflanzenfett (im Mittelalter wurde Tierfett genommen, aber das wollte man den Kindern wohl nicht zumuten) und rollten kleine Kugeln. Die mussten noch ein paar Tage trocken, aber inzwischen könnte ich die Seife benutzen. Sie sieht eher aus wie Müslikugeln, aber riecht ganz anders. Auf dem Bild links sieht man Amelies Mischung.


Nachdem Amelie und ich uns die Hände gewaschen hatten, beschlossen wir, dass wir uns als nächstes als Prinzessinnen verkleiden wollten. Es gab viele schöne Kleider im Kleiderschrank und die beiden Frauen, die darauf aufpassten, halfen uns dabei, das passende auszuwählen. Auch wenn wir Kleider anhatten, waren wir Damsels ganz und gar nicht in distress und posierten mit den gefährlichen Drachen und den Kampfpuppen.



Die Drachen hatte uns dann auch Lust auf die Dragon Quest gemacht, ein kleines Gruselkabinett mit integrierter Geschichte über Kämpfe mit Drachen und einem Quiz für Kinder, bei dem wir schon nach der zweiten Frage wussten, dass das Lösungswort "Percy" sein musste. Trotzdem hatten wir viel Spaß in der Dragon Quest (es gab einen Gang mit rotierenden Totenköpfen und ein Spiegelkabinett inklusive einer Gollum-ähnlicher Figur).
Als wir auf der Knight's Quest kamen, liefen wir einer Hochzeitsgesellschaft (mit Dudelsackspielern!) über den Weg. Ja, in Hogwarts kann man heiraten, aber die Warteliste ist wohl sehr lang. Ich könnte mich jetzt schon mal eintragen... Wir liefen über die Grünflächen von Hogwarts und suchten nach den Teilen, die auf unseren Fotos zu sehen waren. Unterwegs kamen wir an der Besenflugstunde vorbei und beschlossen, die später auch zu besuchen. Außerdem gingen wir ins Fusiliers Museum, verließen das aber auch ganz schnell wieder und liefen in die Richtung der Gärten, weil uns ein sehr großes Baumhaus als Attraktion angepriesen wurde. Für die Gärten hätte man ziemlich viel Eintritt zahlen müssen und obwohl wir das Baumhaus schon beeindruckend fanden, war Hogwarts doch viel interessanter und wir gingen zurück zum Schloss. Dort entdeckten wir dann auch beide Filmkulissen von unseren Harry Potter Bildern. 




Ich wäre gerne noch in die State Rooms, also in die tatsächlichen Gebäude des Schlosses herein gegangen, aber dafür hatten wir keine Zeit mehr, denn wir wollten nicht zu spät zu unserer eigenen Flugstunde kommen. Zwei Mädchen kamen zu spät und wurden von dem strengen Fluglehrer zurecht gewiesen.
Der ganze Besuch in Hogwarts war ein einziges Highlight und ich fand viele der Aktionen richtig toll, deswegen ist es schwierig zu sagen, ob die Besenflugstunde tatsächlich der Höhepunkt des Tages war, aber ich hatte wirklich unheimlich viel Spaß und ich kam mir kein bisschen blöd dabei vor (Ja, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr mich für bescheuert erklären könnt).
Wir hatten zwei Lehrer, ich habe leider die Namen beider vergessen, aber der eine war ein ungarischer Weltmeister im Fliegen. Zu Beginn der Stunde mussten wir uns aufwärmen, d.h. das Ticket, mit dem die Teilnehmer beschränkt wurden, in der rechten Hand halten und diese am Handgelenk einklappen, die linke in die Seite stimmen und dann gleichzeitig mit dem Po, den Knien und den Augenbrauen wackeln. Die Lehrer wählten dann vier Leute (u.a. Amelie) aus, die uns die Aufwärmübung nochmal vormachen sollten. 
Dann wurden die Besen verteilt. Wir mussten in die Knie gehen, die Hände ausstrecken und den Besen auffangen. Um das zu demonstrieren, wurde eine Frau aus der Klasse ausgewählt (wir waren eine sehr heterogene Lerngruppe was das Alter angeht), die sich etwas ungeschickt anstellte und danach immer wieder von dem Lehrer aufgezogen wurde. Als alle einen Besen hatten, wurde uns gezeigt, wie wir den Besen besteigen sollten und uns gesagt, dass wir das auf eine angeberische Weise machen sollte. Dafür benutzte der Lehrer in Wort, das ich nicht kannte. Es war auch wohl ungewöhnlich, denn der Lehrer suchte ein williges Opfer, das ihm das Wort erklären sollte. Er fand mich. "Are your a student?" Ich musste mich neben ihn stellen und das Wort definieren. Joa, ich habe auf ganzer Linie versagt. Fünfzehn Punkte Abzug von Ravenclaw.
Endlich waren alle Formalitäten geklärt und wir durften fliegen (für die ohne Fantasie: über die Wiese laufen und "Wuuusch!" rufen). Wir mussten um die Lehrer herum fliegen und sollten "Good afternoon, Sir" sagen, wenn wir an einem von beiden vorbei kamen. Der nächste Schritt war eine Art Ochs am Berge. Wir flogen auf unseren Lehrer zu, wenn er "Go!" rief, und blieben bewegungslos stehen, wenn das Kommando "Stop!" lautete. Diejenigen, die noch wackelten, wenn der Professor uns ansah, mussten wieder zurück an den Anfang. Die Übung haben wir zweimal gemacht. Einmal mit akustischen und einmal mit visuellen Signalen. Im zweiten Durchgang gab es auch das Kommando wie ein Kaninchen zu hoppeln. 
Damit war die Flugstunde beendet und die Lehrer berieten, ob wir bestanden hatten. Wir hörten die Worte "horrible" und "fools", aber ich hatte doch ein ganz gutes Gefühl. Trotzdem war ich die Einzige, die bei der Ansage: "Nobody, not a single one of you has... failed!" gejubelt hat. Ehrlich gesagt, hatte ich schon damit gerechnet, dass zumindest die Frau, die der Lehrer zu Beginn auf dem Kieker hatte, nochmal in die Nachprüfung musste oder so. Und ich fand, dass so ein bestandener Flugschein schon ein Grund zum Jubeln ist. Die Freude meiner Klassenkameraden kam etwas verspätet. Vermutlich brauchten sie einen Moment, um ihr Glück zu fassen. Wir durften noch ein paar Fotos mit den Besen machen und bekamen ein paar Tipps, wir wie uns am besten beim Fliegen fotografieren können. 


Nach dem Fliegen hatten wir noch ein bisschen Zeit, um in den Gift Shop zu gehen, aber ich hätte gerne noch mehr Zeit gehabt. Wir hatten mit dreieinhalb Stunden ziemlich viel Zeit, aber es gab noch so viel mehr zu sehen. Ich wäre gerne noch ins Castle Museum gegangen und hätte gerne die Innenräume oder die Downton Ausstellung gesehen, aber wir wollten den Hogwarts-Express, der uns zurück nach Glasgow bringen würde, nicht verpassen. Die Zeit in Hogwarts geht immer so schnell vorbei.

Es ging aber nicht direkt zurück nach Glasgow, sondern wir fuhren noch zum Bamburgh Castle. Das Schloss war schon geschlossen, aber wir wurden durch die Dünen zu einem wirklich atemberaubenden Strand geführt. Ich weiß nicht, ob gerade Ebbe war, aber das Strand war sehr breit und erstreckte sich so lang wie das Auge reichte. Es war ziemlich windig, und der Sand wirbelte ein paar Zentimeter über den Boden. Ich war ein bisschen übermütig und bin mit nackten Füßen ins Wasser gegangen. Das war eisig, aber hey, ich war dieses Jahr schon im Meer! 

 


Mir hat der Strand sehr gut gefallen, aber ich wäre lieber noch etwas länger in Hogwarts geblieben. Nach Bamburgh ging es zurück nach Hause und dann wurde auch "500 Miles" abgespielt und mitgesungen. Mittlerweile kann ich es schon so gut wie auswendig. Vielleicht wäre es mal eine Idee, dass wir das Lied beim nächsten Mal ganz ohne Unterstützung von der CD singen.

Übrigens vielen Dank an Amelie, die ganz viele von den Fotos hier gemacht hat. Ich war von Hogwarts so geflasht, dass ich selber nicht so viele Fotos gemacht habe. Außerdem drehen Muggelgeräte in Hogwarts ja sowieso durch, weil so viel Magie in der Luft liegt...

Sonntag, 22. März 2015

Ein schöner Frühlingstag

Ich hatte es ja schon geschrieben: So langsam kommt der Frühling. Gestern hatten wir zum gefühlten ersten Mal in diesem Jahr richtig tolles Wetter.
Amelie und ich hatte uns verabredet, um ins Hunterian Musuem zu gehen. In der Kunstabteilung gab es eine Sonderausstellung zum Buchdruck, die wir uns ansehen wollten. Zuerst sind wir durch die reguläre Bilderausstellung gegangen. An einige Bilder habe ich mich auch direkt wieder erinnert. Ich war ja vor Weihnachten schon mal mit Annabel in diesem Museum. An dem Tag fand ich die Art Gallery irgendwie nicht so gut. Gestern hat sie mir deutlich besser gefallen und ich war froh, nochmal hingegangen zu sein. 
Die Sonderausstellung war richtig toll. Es gab eine Nachbildung von Gutenbergs Druckpresse und ganz viele schöne alte Bücher (oft in Deutschland gedruckt). Früher waren Bücher ja schon nochmal was anderes. Ich hätte kaum eins mit einer Hand halten können. Und die Buchmalereien sind wirkliche Kunstwerke. Manche solcher Bücher hätte ich auch gerne gehabt. Völlig egal, ob sie auf Latein sind und ob ich die Schrift lesen kann oder nicht.
In einigen Büchern waren handschriftliche Anmerkungen zu sehen, was Amelie und mich zu der Diskussion brachte, ob man in Bücher reinschreiben darf. Normalerweise tue ich das ja auch nicht - nur, wenn ich mit den Büchern arbeite und dann mit Bleistift oder Buntstift. Aber die Menschen, denen diese Bücher gehörten, arbeiteten ja auch damit. Ich musste an die Glossen denken, die uns in der spanischen Linguistik hin und wieder mal über den Weg gelaufen sind: Anmerkungen auf Spanisch, wie der lateinische Bibeltext zu verstehen ist. Amelie war der Meinung, dass die Bücher viel zu schön seien, um reinzuschreiben. Ganz Unrecht hat sie damit nicht, aber immerhin haben die Leute nicht auf die Bilder geschrieben.
Nach dem Besuch der Sonderausstellung gingen wir noch schnell ins Hunterian Museum, um uns ein wenig zu gruseln (sezierte Augen und achtbeinige Ferkel in Einmachgläsern - so muss es in Snapes Büro aussehen) und kamen mit der Feststellung wieder heraus, dass wir sehr froh sind, dass die Medizin inzwischen weiterentwickelt ist und die Ärzte nicht mehr mit den ausgestellten Instrumenten in uns herum werkeln.
Dann gingen wir wieder nach draußen und stellten fest, dass ein wunderschöner Tag war. Ich hatte mir morgens schon mutig, wie ich war, meine Jeansjacke angezogen und auf gutes Wetter gehofft. Dass es aber so schön würde, hätte ich nicht gedacht.
Ganz spontan beschlossen Amelie und ich, uns ein Sandwich zu holen und im botanischen Garten zu Mittag zu essen. Während Amelie nach dem Mittagessen aber weiter musste, entschied ich, im Garten zu bleiben und zu lesen. Der Missstand, dass ich kein Buch dabei hatte, konnte schnell behoben werden, schließlich gibt es um den botanischen Garten herum mehrere Second Hand-Buchläden. Und so saß ich wenig später wieder in der Sonne und las den ersten Band der Power of Five-Reihe (eine Empfehlung von Amelie). Wenn das mal nicht ein gelungener Samstag ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Freitag, 20. März 2015

K(l)eine Künstler

Woran merkt man, dass wir Osterferien brauchen? Die Penisbilder in der Schule sprießen wie Krokusse. Ob am Smartboard, ob im Heft, ob mit Kuli, Smartboard-Stift oder aus Blue Tack (Ideen haben sie, das muss man ihnen lassen) - sowohl in Lauras als auch Victorias ersten und zweiten Klassen haben die Jungs Freude daran, alles war ihnen unter die Finger kommt, mit einem Penis zu verzieren. Da ist es ihnen auch völlig egal, wenn Amelie und ich das sehen, vermutlich legen sie es sogar darauf an, weil sich die Lehrerinnen so schön darüber aufregen. Das Ganze dann hinterher zu leugnen gehört vermutlich auch mit zum Spiel. Ich muss sagen, mittlerweile nervt es.
Ja, ich weiß, als ich elf oder zwölf war, fand ich Penisbilder auch lustig. In dem Alter fühlt man sich unheimlich erwachsen und meint das dadurch zeigen zu müssen, in dem man "erwachsene Bilder" zeichnet, versteht aber nicht, dass die dann eher ein Zeichen dafür sind, dass man eben noch nicht erwachsen ist. In Schottland scheint es auch ein größerer Tabubruch zu sein, einen Penis zu malen. Ich kann micht nicht daran erinnern, dass einer meiner Lehrer eine große Sache daraus gemacht hätte. Das Kunstwerk wurde weggewischt, vielleicht gab es einen bissigen Kommentar, aber das war es dann auch. Hier gibt es richtig Ärger.
Und von wegen erwachsen... Vor allem die Erstklässler sind winzig und wirken noch sehr kindlich, wenn man von den paar Mädels absieht, die mit rotem Lippenstift zur Schule kommen. Dann bin ich doch immer leicht geschockt, wenn ich einen Erstklässler über einen Filmcharakter sagen höre: "Ick mag zie... 'cause she's hot!" 
Und der Vollständigkeit halber: Die Mädchen sind nicht besser. In der einen Klasse sollen die Schüler ein Poster über ihren Lieblingsfilm machen. Ein Mädchen googlete lieber oben ohne Fotos eines der Hauptdarstellers und fragte mich, wie man "I like him because he has a six pack." sagen würde. Ihre Sitznachbarin war schon fleißig mit Google Translate bei der Sache und kam schnell zu dem Ergebnis, dass es Sechs Packung heißen müsse (sie hat nur "pack" nachgesehen, denn die Zahlen kann sie ja schon). Meine Einwände, dass sie auch einfach Six Pack schreiben könnten, wurde überhört, sie mussten ja Keegan Allens Oberkörper bewundern (ich glaube zumindest, dass er es war). Zu viele Hormone! Wo bleiben die Ferien?

Mittwoch, 18. März 2015

Oh wie schön ist Scottland

Der Frühling ist auf dem Weg und Amelie und ich haben Samstag einen Ausflug an die Südwestküste Schottlands gemacht. Als ich die Tour angekündigt gesehen habe, dachte ich mir "Schön, da war ich noch nie!" Nach dem Tag heute weiß ich auch, warum. :-D Nicht, dass es dort nicht schön wäre, aber angeblich ist für diese Region Schottlands "the spare bit" und irgendwie stimmt das schon. Wir haben viel mehr Schafe als Menschen gesehen. Die Schafe waren so schön puschelig und hoppelten über die Wiesen. Manche hatten schon Lämmer. Im nächsten Leben werden Amelie und ich definitiv Schafe in Schottland (oder wahlweise Irland).

Die Tour begann in Ayr, dem Geburtsort von Robert Burns (auch wenn der Stadtteil Alloway zu Burns' Zeit noch nicht zu Ayr gehörte). Als wir in dort ankamen, war alles ruhig, aber es war ja auch noch früh am Morgen. Amelie und ich gingen als erstes zum Strand. Kein Mensch da und auch das Meer war ohne jeden Wellengang. Schon fast unnatürlich diese Stille. Das Städtchen ist ganz nett. Im Stadtkern war auch ein bisschen mehr los als am Strand. 


Eigentlich wollten wir nach der Burns Statue suchen, die uns unser studentischer Reiseleiter empfohlen hatte, aber er hat uns den falschen Ort genannt. Nachdem wir uns drei Statuen, die definitiv nicht Burns waren, angesehen hatten, haben wir es aufgegeben und sind einfach so ein bisschen durch die Stadt gelaufen. Auf der Weiterfahrt sind wir an der Burns-Statue vorbei gekommen und haben auch das Burns Monument und das Cottage gesehen, in dem Burns geboren wurde. 
Außerdem kamen wir an mehreren "Wetterhähnen" vorbei, allerdings waren die Hähne Menschen, Pferde und Hexen. Als wir fast daran vorbei waren, fiel mir auf, dass mir das irgendwie bekannt vor kam... Die Wetterfahnen illustrieren Burns' Gedicht "Tam O'Shanter" (Mann betrinkt sich, beobachtet auf dem Weg nach Hause Hexen beim Tanz, wird von den Hexen verfolgt, kann ihnen entkommen, aber eine Hexe reißt seinem Pferd den Schweif ab). Es ist also doch einiges aus dem Schottland-Seminar an der Uni hängen geblieben. 
Ich hätte wohl auch Lust gehabt, mir das Cottage/ Burns Museum anzusehen, aber das war offenbar nicht vorgesehen, denn auf unserem Reiseplan wurde das Museum nicht erwähnt. Außerdem hatten wir nur eine Stunde Zeit und das hätte wohl nicht gereicht, weil wir da ja auch noch hätten hinlaufen müssen.

Es ging weiter zu unserem nächsten Ziel: Dunure Castle, eine Burgruine, in der zu besseren Zeiten Mary Queen of Scots übernachtet hat. Das Schild "Mary slept here" haben Amelie und ich leider übersehen. Wir waren zu sehr damit beschäftigt, die Sonne zu genießen. Das Dunure Castle hat Ähnlichkeiten mit dem Dunnottar Castle (Burgruine auf einer Klippe am Meer), aber glücklicherweise war das Wetter um Welten besser als im Januar und wir konnten schöne Fotos machen und in der Sonne sitzen.


Kein riesiger Bienenstock sondern ein Taubenschlag



Das Hauptziel des Ausflugs war Portpatrick. Ich hatte gedacht, dass Ayr klein war, aber Portpatrick war noch kleiner. Ein Hafen, ein paar pastellfarbene Häuser und eine Burgruine. Das war es dann auch schon mehr oder weniger. 
Amelie und ich haben mit Blick auf das Meer unser Mittagessen gegessen und haben dann das Dorf "erkundet". Wir sind erst die Klippen an der einen Seite entlang gegangen und sind dann umgekehrt, um uns das Dunskey Castle anzusehen ("dun" ist übrigens Gälisch und bedeutet "Burg"). Von außen sah die Burgruine etwas unspektakulär aus - but it's bigger on the inside. ;-) Viel kann ich eigentlich nicht schreiben, deswegen lade ich einfach ein paar Bilder hoch.







Nachdem Besuch des Castles hatten wir immer noch Zeit übrig, also haben wir ein Bier bzw. einen Tee getrunken und danach noch ein bisschen auf einer Bank am Hafen gesessen. Es ist eine ganz schöne Tradition, wie ich finde, dass Verstorbenen hier oft eine Bank gewidmet wird und diese an einem Ort aufgestellt wird, an dem die Person gerne war. Am Hafen standen bestimmt zehn Bänke in Andenken an John/ Mary/ Elizabeth/ William, der/ die immer gerne am Hafen gesessen/ gelesen/ viele glückliche Stunden dort verbracht hat. Ich finde, das ist eine schöne Erinnerung. Und es hat den positiven Nebeneffekt, dass es viele Bänke gibt.


Es war insgesamt ein schöner Ausflug. Allerdings muss ich den nächsten Natur-und-Burgruinen-Ausflug nicht mitmachen. Zwei Ausflüge dieser Art hinter einander reichen erst mal. Aber dafür freue ich mich um so mehr auf den Ausflug zum Alnwick Castle - das Schloss aus den ersten beiden Harry Potter Filmen!

Freitag, 13. März 2015

Frühlingsboten

Letztes Wochenende war ich zu einer Familienfeier in Deutschland. Es war ein sehr schönes Wochenende und ich konnte sehr viele nette Menschen auf einmal sehen und ich habe es auch geschafft, mich mit ein paar Freundinnen zu treffen.
Ich brauchte ja nicht viel über das Wochenende, aber die Gelegenheit war gut, schon mal ein paar Sachen mit nach Deutschland zu nehmen, die ich hier nicht mehr brauche. Ausgelesene Bücher, ein paar Souvenirs etc. Allerdings stellte mich das vor ein Problem: Was brauche ich nicht mehr? Das Wetter ist noch nicht so gut, dass ich meine Wollpullis weggeben wollen würde, wer weiß, ob ich diese DVD nochmal sehen möchte und überhaupt, so eine Highland-Plüschkuh wiegt doch nicht so viel... Ja, ich gebe zu, ich konnte mich auf deswegen von manchen Sachen nicht trennen, weil damit das absehbare Ende meiner Zeit in Schottland noch absehbarer wird.

Aber das mit den Winter-Sachen ist tatsächlich ein Problem. Während es in Deutschland so warm war, dass ich im T-Shirt im Garten sitzen und lesen konnte (gut, das war in der Sonne) und nur in Jeans-Jacke mit meinen Eltern Fahrrad gefahren bin, brauche ich hier immer noch meinen Wintermantel und als ich mittags in Glasgow gelandet bin, war es kälter als fünf Stunden vorher in Deutschland.
Allerdings gibt es auch hier schon ein paar Frühlingsboten. Mitte/ Ende Februar habe ich die ersten Schneeglöckchen gesehen. Seit gut zwei Wochen blühen auch die Krokusse. An einem der ersten Märztage dachte ich mir: "Frühling ist hier!" Ich war auf dem Weg zur Schule, die Sonne schien und mein Blick fiel auf ein paar lila und weiße Krokusse. Im gleichen Moment fing es an zu regnen, zu stürmen und zu schneien. Schottland - four seasons in one day. Immer mal wieder. 
Heute Mittag war das Wetter so schön, dass mir auf dem Rückweg vom Supermarkt mein Mantel viel zu warm war und ich zuhause meinen Pulli gegen ein T-Shirt getauscht habe. Zwei Stunden später war mir das zu kalt und noch zwei Stunden später war es eine ganz schlechte Idee, im Anorak und nicht im Mantel rauszugehen. Der Frühling kommt, aber er schleicht sich an.