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Montag, 13. Juli 2015

Rückblick und Tipps

Ich musste für verschiedene Organisationen einen "end of year survey" ausfüllen und über meine Zeit in Schottland und meine Erfahrungen berichten und Verbesserungsvorschläge machen. Das ist sicher auch ein ganz guter letzter Blogeintrag und weil ich, bevor ich nach Schottland geflogen bin, nach Erfahrungsberichten und Blogs früherer FLAs gesucht habe, dachte ich, ich könnte hier auch noch ein paar Tipps für zukünftige Fremdsprachenassistenten geben.

Rückblick:
Das dreiviertel Jahr in Schottland war auf jeden Fall ein Abenteuer. Ich habe viel erlebt, viele Menschen kennengelernt und viele neue Erfahrungen gemacht. Es war das erste Mal, dass ich länger als drei Wochen in einem englischsprachigen Land verbracht habe, was natürlich dazu geführt hat, dass ich eine ganze andere Perspektive hatte. Ich habe britischen Alltag kennengelernt, viel von Schottland gesehen und mit Sicherheit meine Sprachkenntnisse verbessert.
Wenn ich später Englisch unterrichte, werde ich meinen Schülern viel über Schule in Schottland erzählen können. Aber ich habe auch einen Einblick in das universitäre Leben bekommen, was für mich sehr interessant war. Ich wünschte, wir hätten in Deutschland auch so eine society-Kultur wie ich es an der Glasgow Uni gesehen habe.
In der Schule habe ich gemerkt, wie wichtig Kommunikation, Organisation und Zeitmanagement sind (ja, das wusste ich auch schon vorher, aber habe es doch in der einen oder anderen Situation nochmal vor Augen geführt bekommen) und habe selber auch gemerkt, wo ich noch an mir arbeiten muss. Außerdem habe ich einige Beobachtungen dazu gemacht, wie Klassensituationen den Unterricht beeinflussen, wie Schüler (-gruppen) sich innerhalb eines Schuljahres verändern können und wie vielfältig Schüler-Lehrer-Beziehungen sind. Und ich hoffe doch sehr, dass die Erfahrungen, die ich im Umgang mit den Schülern gemacht haben, mir auch im Referendariat helfen werden.

Ich bin der Meinung, dass es sich auf jeden Fall lohnt, diese Erfahrungen zu machen, auch wenn man Angst hat, dass neun Monate eine ziemlich lange Zeit sind, um von Familie und Freunden getrennt zu sein, und/ oder im Studium zu verpassen. Wenn man eine Fremdsprache studiert, sollte man einige Zeit in einem Land gelebt haben, in dem diese Sprache gesprochen wird. Außerdem bin ich der Meinung, dass jeder Auslandsaufenthalt einen unabhängiger und selbstbewusster macht.

Tipps:

Bewerbung und Interview: 
  • Man muss ziemlich viel einreichen, also sollte man nicht erst kurz vor Bewerbungsschluss anfangen, alle Unterlagen zu sammeln. 
  • Für das Interview kann ich sagen: Macht euch nicht so viele Gedanken! Ich habe das Gefühl, dass es von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist, aber über NRW kann ich sagen, dass es ziemlich entspannt und ist nichts Übermenschliches verlangt wird. Man sollte eine Ahnung des aktuellen Tagesgeschehens haben und ein bisschen was über das Schulsystem des anderen Landes wissen (meine Interviewerin hat aber auch nicht gemerkt, dass ich das englische und nicht das schottische Schulsystem beschrieben habe - mir ist das auch erst aufgefallen, als ich in Schottland war) und in der Lage sein, ein paar halbwegs logische Didaktik-Ideen zu entwickeln (allerdings wissen die Lehrerinnen auch wenig von der wirklichen Situation vor Ort - zumindest ich hatte das Gefühl, dass sie die deutschen Schüler als Maßstab vor Augen hatten). Hier habe ich etwas ausführlicher von meine Bewerbung und dem Interview berichtet.

Vorbereitungen:
  • Spart vorher genug Geld. Das Gehalt bekommt man immer erst am Ende des Monats, d.h. dass man den gesamten ersten Monat vorstrecken muss. Das ist blöd, weil man im ersten Monat viele Ausgaben hat (Miete + Kaution, eventuell Sachen für die Wohnung, Hostel für die ersten Tage etc.). Es werden 1000 bis 1500€ empfohlen. Ich habe nicht so viel gebraucht, aber ich hatte auch Glück, weil ich für mein Zimmer keine Kaution zahlen musste und alles in der Wohnung vorhanden war.
  • Bevor ich geflogen bin, habe ich eine Kiste mit Material gemacht, das ich mitnehmen wollte. Ich muss aber sagen, dass die meisten Ressourcen, die ich wirklich gebraucht habe, digitaler Natur waren. Das Wichtigste, was ihr an Materialien mitnehmen solltet, sind Fotos. Und zwar von allem. Von eurer Stadt, von Deutschland, von Schulen, Weihnachtsmärkten, Pfandautomaten, Laternenumzügen, Karneval, Mülltonnen, Supermärkten - was auch immer euch irgendwie sinnvoll erscheinen könnte. Ich habe zu den verschiedenen (christlichen) Festen Präsentationen gemacht und da eben auch immer Fotos eingefügt und ich glaube, die Schüler fanden es schon cool, wenn sie mich darauf auch entdecken konnten. Ich fand es so persönlicher; die andere Assistentin an meiner Schule wollte das lieber nicht machen, was ich auch verstehen kann, aber ich glaube nicht, dass es irgendwie schädlich für mich war, dass ich die Schüler Foto von mir als 10-jährige gesehen haben. Ansonsten habe ich auch Lieder mit den Präsentationen verbunden (z.B. "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne"), was den Schülern meistens gefallen hat. Die Lieder gibt es natürlich auf diversen Video-Seiten, aber es ist vielleicht nicht schlecht, euch eine Liste zu machen. Außerdem funktioniert YouTube oft nicht in der Schule. 
  • In der Broschüre vom PAD steht auch was von kleineren Werbegeschenken für Verlosungen o.ä. Das hatte ich nicht dabei, allerdings fand eine Schülerin meinen deutschen Kuli von irgendeiner Bank, glaube ich, so cool, dass sie ihn gegen einen Bleistift eingetauscht hat. Wenn ihr also irgendwie an sowas kommt, könnt ihr das natürlich mitnehmen und da unter's Volk bringen. 
  • Wenn ihr rechtzeitig vorher mit eurer Schule Kontakt habt, könnt ihr auch nach fragen, was ihr mitbringen sollt, allerdings hatte ich bei meiner PT das Gefühl, dass sie sich nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht oder es mit ihren Kolleginnen abgesprochen hatte. 
  • Ich habe ein paar Bücher mitgenommen, aber das hat sich nicht so richtig gelohnt. Zwei Lernkrimis habe ich in der Schule gelassen, aber ich habe gar nicht mit ihnen gearbeitet, weil ich, was das Sprachliche angeht, im Grunde nur sprechen geübt habe oder im Unterricht, den die Lehrerin geplant hatte, dabei war und geholfen habe. Ich hatte auch ein paar Pixi-Bücher dabei, die ich auch in der Schule gelassen habe, aber auch mit ihnen habe ich nicht viel gearbeitet. Was ich zum Lesen vorbereitet habe, war kurze Geschichten in sehr einfachen Sätzen zu schreiben und die mit Bildern zu versehen, so dass die Schüler (Zielgruppe war Grundschule) anhand der Bilder und den Wörtern, die sie kennen, den Text verstehen konnten. Eine Kollegin hat das Ganze weitergeführt und in eine Schreibaufgabe verwandelt, in dem sie Teile aus den Sätzen gelöscht hat und die Schüler eigene Wörter einfügen mussten, um so eine neue Geschichte zu schreiben.
  • WICHTIG: Die meisten Gedanken macht man sich natürlich über die Zeit im Ausland, aber man sollte auch daran denken, dass die Zeit in Deutschland weitergeht. Wenn ihr noch nicht mit dem Studium fertig seid, müsst ihr vielleicht Prüfungen machen, wenn ihr wiederkommt, für die ihr euch vorher anmelden müsste. Oder je nachdem, wohin ihr ins Referendariat geht, fällt die Anmeldefrist in die Zeit, die ihr im Ausland seid. Sucht euch also jemanden, dem ihr eine Vollmacht ausstellt, damit die Sachen für euch geregelt werden. Macht der Person eine Liste mit Fristen und Dokumente, die eingereicht werden müssen, und stellt sicher, dass diese Dokumente bereits zusammen gestellt sind. 
Ankunft:
  • Ich bin knapp eine Woche vor Schulbeginn nach Glasgow geflogen, um eine Wohnung zu suchen. Zwar hatte ich vorher schon auf diversen Seiten im Internet geguckt, ich denke nicht, dass man einen Vertrag abschließen sollte, bevor man sich die Wohnung und die Umgebung mit eigenen Augen angesehen hat. Vermutlich reicht es, sich auf einer Wohnungssuchplatform (wie flatshare oder easyroommate) einen Account zu machen (auf Gumtree kann man übrigens suchen, ohne einen Account zu haben) und im Nachhinein denke ich, dass es vielleicht sinnvoll gewesen wäre, für eine oder zwei Wochen in einen Bezahl-Account zu investieren. Ich habe auch ohne einen bezahlten Account etwas gefunden, aber auf einige interessante Anzeigen konnte ich nicht antworten, weil wir beide einen kostenlosen Account hatten. FLAs haben einen Studentenstatus und müssen keine Council Tax zahlen (man bekommt eine Bescheinigung vom British Council).
  • Bei der Wohnungssuche wird einem immer geraten, das nicht alleine zu machen. Das kann potenziell problemtisch werden, wenn man nicht wie ich eine Freundin aus Deutschland mitnimmt. Aber ich weiß, dass einige andere FLAs sich über Facebook oder Sonstiges verabredet haben und dann kann man ja auch zusammen gehen. Ansonsten gilt: Wenn einem die Gegend und/ oder der Vermieter komisch vorkommt, lieber was anderes suchen. Ich habe vorher gegooglet, welche Nachbarschaften als problemtisch gelten und im Erfahrungsbericht war mir vom Norden und Osten Glasgows abgeraten worden. Andrerseits habe ich einige kennengelernt, die in Ibrox gewohnt haben (problematisch wegen des Fußballstadions) und damit durchaus zufrieden waren. Am praktischsten, um Studenten zu treffen, ist das West End, aber da ist es auch manchmal etwas teurer. Ich fand es praktisch, in einer WG zu wohnen, weil man so schon mal Leute kennenlernt und es billiger ist.
  • Am Freitag vor dem ersten Schultag bin ich den Weg mit dem Bus schon mal Probe gefahren. Wenn ihr das macht, seht zu, dass ihr zu gleichen Uhrzeit losfahrt, wie am nächsten Tag auch. Ich hatte das Problem, dass der Bus morgens von einer anderen Haltestelle abfuhr als mittags.
  • Eigentlich müsstet ihr ein Treffen mit eurer local authority in den ersten Tagen haben, um den ganzen Papierkram auszufüllen. Es ist nicht schlimm, wenn man bis dahin noch keine Wohnung und kein Konto hat. Allerdings ist es günstig, dann schon zumindest eine Wohnung zu haben (sonst werden die Ergebnisse des ganze Papierkrams ans Hostel/ den Couchsurfer oder wo ihr sonst eure ersten Nächte verbringt, geschickt). Ein Konto kann man erst eröffnen, wenn man eine feste Adresse hat. Eine Bank finden, kann schwierig werden. Manche wollen ein Council Tax-Formular oder eine Rechnung, die an euch in die Wohnung geschickt wurde, sehen. Das Rental Agreement reichte nicht (immer). Wenn ihr bei einer Bank abgewiesen werdet, versucht es einfach bei der nächsten. 
  • Ihr müsst euch auch bei einem Arzt anmelden.
  • Auf alle bürokratischen Sachen werdet ihr aber auch von eurer local authority und dem British Council (mehrfach) hingewiesen.
Transport:
  • Die öffentlichen Verkehrsmittel in Glasgow sind privatisiert, d.h. es gibt mehrere Busunternehmen. Es gibt ein Ticket, um alle Verkehrmittel in Glasgow (Bus, U-Bahn, Zug) zu nutzen: die ZoneCard. Aber die ist teuer und lohnt sich nur, wenn man wirklich jeden Tag verschiedene Verkehrsmittel nutzt (außerdem muss man festlegen, welche Zonen man nutzen will, sie gilt nicht in ganz Glasgow). Ich hatte eine Zehn-Wochen-Ticket für den First Bus und habe kaum einen anderen Bus genutzt, weil First Bus Glasgow schon ziemlich gut abdeckt. Man muss halt nur gucken, in welchen Bus man einsteigt. Außerdem habe ich mir eine Smartcard für die U-Bahn gekauft. Damit sind die U-Bahn-Fahrten günstiger als wenn man sie normal kauft. 
  • Für weitere Wege habe ich mir die Railcard 16-25 geholt. Sie kostet zwar 30 Pfund, aber man zahlt dafür ein Drittel des normalen Zugpreises weniger. Sie gilt ein Jahr und auch dann, wann man während des Jahres 26 wird. Wenn man älter als 25 ist, kann man sich eine Bescheinigung der Uni ausstellen lassen, dass man noch studiert. Wie gut es damit geht, weiß ich nicht. Auch eine Coachcard für die Überlandbusse kann sinnvoll sein, denn auch damit bekommt man Rabatte beim Fahrpreis.
Schule:
  • Der Dresscode an meiner Schule war (für mich) nicht so streng, aber angesichts der Tatsache, dass die Schüler Schuluniformen tragen und die Lehrer doch auch ziemlich gut angezogen zur Schule kommen, habe ich die Jeans und gemusterte T-Shirts (abgesehen von Blümchen) doch im Schrank gelassen. Blusen habe ich nur selten getragen, aber recht häufig einen Rock oder Kleid.  An anderen Schulen war der Dresscode aber auch strenger.
  • Seid nicht enttäuscht, wenn die Schüler nicht das Niveau haben, dass ihr von deutschen Schülern im Englischunterricht kennt. 
  • Meine Kolleginnen waren immer offen für Ideen und haben mich Sachen machen lassen. Von anderen Schulen habe ich leider auch anderes gehört, aber versuchen sollte man es immer, finde ich. Einfach mal mit den Lehrern sprechen, einen Vorschlag machen und gucken, wie der angenommen wird. Man sollte natürlich schon irgendwie realistisch bleiben und Einwände/ Ratschläge ernst nehmen. Amelie und ich hatten z.B. vor St. Martin überlegt, wir könnten mit den Kindern Laternen basteln. Im Goethe-Institut hatte und eine Frau eine Laterne gezeigt, die man ganz einfach aus einer abgeschnittenen Wasserflasche basteln kann. Laura fragte uns daraufhin, ob wir denn die Wasserflaschen alle selber abschneiden würden (sie sah vermutlich mehrere abgeschnittene Finger auf sich zukommen). Da haben wir dann schnell beschlossen, es mit den Laternen sein zu lassen. 
  • Wie oben erwähnt: Kommunikation, Organisation und Zeitmanagement sind sinnvoll. Wenn ihr mit den Schülern etwas Außergewöhnlicheres machen wollt, fragt rechtzeitig bei den Lehrern an und erzählt denen, was ihr euch vorstellt, wie das organisiert werden soll, wie lange ihr dafür braucht und ob ihr eventuell Hilfe dabei braucht.
  • Projekte sind schön, bieten Abwechslung und helfen dabei, die Schüler besser kennenzulernen und eine Funktion an der Schule zu haben. Hilfe gibt es beim British Council (wir haben da eine Liste mit vergangenen Projekten als Inspiration bekommen) oder auch bei UK-German-Connection. Bei Projekten ist ein Zeitplan ganz wichtig. Aber man muss auch flexibel sein und Schritte/ Aufgaben anpassen, für schnelle Schüler in der Hinterhand haben oder streichen können.
  • Klingt vielleicht blöd, aber ich finde das auch wichtig: Unterhaltet euch mit den Lehrern auch mal über andere Sachen als den Deutschunterricht. Dazu müssen natürlich die Gelegenheit und die Bereitschaft der Lehrer da sein. Aber ich fand es immer sehr schön, mit Laura und Victoria zusammen zu Mittag zu essen und dabei über verschiedene Dinge zu quatschen - sei es mein letzter Wochenendausflug oder die Gerüchte, die über die Lehrer in der Schülerschar umher gehen.
Freizeit/ Reisen:
  • Auf jeden Fall reisen! Wenn man Glück hat, hat man einen Tag frei. Wenn man ganz viel Glück hat, ist es der Montag oder der Freitag. Aber es gibt ja auch Ferien und die Zeit solltet ihr nutzen, um euch viel vom Land anzugucken.
  •  In Hostels bekommt man mit dem internationalen Studentenausweis oder eine Jugendherbergskarte Vergünstigungen (das steht dann im Zweifelfall auf der Seite).
  • Ich bin Historic Scotland und dem National Trust für ein Jahr beigetreten. Historic Scotland hat sich gelohnt, der National Trust nicht ganz so. Am besten vorher mal gucken, welche Sehenswürdigkeiten die beiden anbieten. 
  • ISUK Tours an der Uni Glasgow bieten Tages- und manchmal auch Wochenendausflüge zu Studentenpreisen für Studenten in Glasgow und Paisley an. Man muss die Karten an der Uni kaufen. Es gibt eine Facebookseite (und -gruppe), die die Fahrtziele und Ticketverkäufe veröffentlicht.
  • Besucht Assistenten in anderen Städten.
  • Um Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen bieten sich, gerade in Städten mit Unis, die Societies (Clubs) der Unis an. An der Uni Glasgow ist eigentlich für jeden was dabei (von joggen über Harry Potter bis zu religiösen Gruppen). Über die German Society habe ich z.B. meine Tandempartner gefunden - etwas was ich auch sehr empfehlen kann. Man spricht dann zwar auch wieder Deutsch, darf aber auch mal hemmungslos alle Fragen über die englische Sprache stellen, die man sich sonst nicht zu fragen traut. 
Das ist jetzt eine ziemlich lange Liste mit Tipps geworden, aber ich hoffe, dass sie weiter hilft. Ich weiß, dass ich vor meiner Abreise total nervös war, und versucht habe, so viele Informationen wie nur möglich zu bekommen. Es klingt vielleicht doof, aber macht euch keinen Stress. Es wird schon alles klappen. Manchmal muss man Geduld haben; manchmal klappen Sachen nicht auf Anhieb, aber verliert nicht den Mut. Ihr werdet sicher eine tolle Zeit haben!

Dienstag, 9. September 2014

Gastbeitrag: Die Zweite Meinung zur ersten Woche in Glasgow


„Glasgow?!?! Of all places?“
(Das wurde ich von einer Engländerin gefragt, als ich ihr von meinen Urlaubsplänen erzählte. Sie würde da nie Urlaub machen, weil Glaswegian so schwer zu verstehen sei.)
Keine Sorge, dass wird keine Wiederholung dessen, was ihr aus Ruts Berichten eh schon wisst. Rut kann das ohnehin viel besser als ich. ;) (Ich habe sie nicht dafür bezahlt, dass sie das schreibt. Ehrlich! ;-) Rut)

Tipps & Tricks:
Fish Supper not Fish&Chips
Eine erste ganz wichtige Lektion lernten wir am ersten Abend: Wer Fish und die normalerweise dazugehörigen Chips will, muss brav ‚Fish Supper‘ bestellen. Unwissend, wie ich war, hab ich mal einfach dem netten jungen Mann hinter der Theke mitgeteilt, dass wir ‚Fish&Chips’ wollen, aber single… Zum Glück hat er trotzdem verstanden, dass wir schon auch gern die frittierten Kartoffelsticks dazu hätten oder er hat mein nachgeschobenes ‚single‘ einfach nicht gehört. Hoffentlich. Ich muss zugeben, ich hätte schon etwas komisch geguckt, wenn er nur den Fisch eingepackt hätte. Das Positive, trotz des etwas happigen Preises: eine Portion reicht für zwei Personen.

Wo Fuchs und Hase sich „Gute Nacht!“ sagen
Wer hätte gedacht, dass wir jemals einen Fuchs in freier Wildbahn sehen würden und nicht nur im Zoo. Äh, freie Wildbahn? Wohl eher Glasgow City. Nach unserem Treffen mit den anderen FLAs sind wir eine Haltestelle zu weit gefahren und landeten auf der anderen Seite des Clyde. (Ich denke, der Busfahrer hat gekonnt unser Klingeln überhört.) Wir mussten nun also die Brücke überqueren und was da hinter uns zuerst aussah wie ein streunender Hund entpuppte sich bei näherem Hinsehen als Fuchs. Innerlich habe ich ihn schon zum Fluss gescheucht, da ich meine Impfausweise zu Hause gelassen hatte. Aber er war auch selbst nicht so sehr an uns interessiert, und ist Richtung Flussufer verschwunden.
Den Hasen zur Überschrift haben wir dann auch ein oder zwei Tage später entdeckt.

Lieber zu früh als zu spät aussteigen
Wie schon angedeutet, ist Busfahren in Glasgow eine Herausforderung. Mein Rat: lieber zu früh als zu spät aussteigen und auf seine Intuition hören. Anzeigen im Bus funktionieren selten und sind noch seltener hilfreich. Aber keine Sorge: Man kommt schon immer dahin, wo man hin will, es sei denn man will zum ‚Tenement House‘ ;)
Noch eine Regel zum Busfahren: Bei Zweifeln bezüglich des Wetters, immer den Bus nehmen. Es sei denn man hat das Seepferdchen.

Niemals an roten Ampeln stehen bleiben
Jedenfalls scheint das eine Art ungeschriebenes Gesetz im City Centre zu sein. Wer an roten Ampeln stehen bleibt und wartet, outet sich automatisch als Tourist. (Und wenn man es genau nimmt, sind einige Ampelphasen auch viel zu lang, um gehorsam zu warten.) Nach ein paar Tagen macht man es den Leuten dann einfach nach und überquert die Straße nach einem kurzen prüfenden Blick, ob nicht doch noch ein Bus angerauscht kommt. Es gibt in der Shoppingzone auch nur Einbahnstraßen, was die Sache um einiges erleichtert.

Food Blogger
Ich habe tatsächlich von (fast) jeder unserer Mahlzeiten Fotos gemacht. Aber das Essen im Òran Mór war nun mal „to die for“. Hier hat Rut jetzt endlich den Platz, um die kulinarischen Bilder unterzubringen ;) (Juhuuuu)



Wie man sieht war alles gar nicht so schlimm wie meine Kommilitonin befürchtete. Ich würde die Stadt auch noch mal besuchen, allein schon wegen dem Ziegenkäse im Òran Mór, den Museen, dem Clyde und den Studentenrabatten. Und vor allem, weil es einfach schön war, eine Woche in einer Stadt zu verbringen, in der man noch nie war und sie so zu erkunden, wie man es nie macht. Wohnungsbesichtigungen machen ist Sightseeing aus einer anderen Perspektive. Es hat Spaß gemacht. Es war anders. Es war ein Abendteuer. Und am Ende des Abenteuers konnte ich Rut guten Gewissens allein zurücklassen. (So allein ist sie ja in der neuen Wohnung auch nicht dank netter Mitbewohnerinnen.)


Denise

Samstag, 6. September 2014

Vielleicht doch Hogwarts?

Die erste Woche in der Schule liegt hinter mir. Es war aufregend. Uns war gesagt worden, dass wir am ersten September um 9 Uhr in der Schule sein sollten. Weil ich an der falschen Bushaltestelle gewartet hatte (es ist auch einfach fies, wenn es mehrere Haltestellen auf einer Straße gibt), musste ich durch Glasgow irren, bis ich einen anderen Bus fand, mit dem ich fahren konnte und kam erst um Viertel nach neun an. Das war dann aber auch kein Problem. Ich habe noch keinen festen Stundenplan, also ist alles im Moment noch ziemlich flexibel (was allerdings auch heißt, dass ich gerade nicht weiß, wann ich Montag erwartet werde). Allerdings sind mir vorgestern die Erwartungen an mich mitgeteilt worden. Ich soll mit den älteren Hörverstehen üben und für die Kleinen ein Projekt vorbereiten. Außerdem bin ich einen Tag in der Woche an den Grundschulen und werde da etwas noch nicht weiter Definiertes machen. Wenn ich keine Vorgaben bekomme, singe ich vermutlich mit denen oder so.
Dafür, dass der Ort mitten im Nichts liegt, ist die Schule ziemlich groß. Ich weiß immer noch nicht, wie ich auf dem kürzesten Weg in das Lehrerzimmer für Fremdsprachen komme, aber bisher habe ich immer hin gefunden. Es gibt zwar auch ein Lehrerzimmer für alle Lehrer, aber im Grunde sitzen die Lehrer immer nur in den "Bases" von ihrem Fach. Anstelle von Klassenräumen gibt es Lehrerräume und sogar ich habe einen kleinen Raum bekommen, den ich gestalten kann (das sogenannten modern language studio). Der wurde auch eine Weile von den Kunstlehrern genutzt, aber in der letzten Woche habe ich mich darin breit gemacht, Postkarten aufgehängt etc. Ich kann den Raum nutzen, wenn ich mit kleineren Gruppen arbeite. Insgesamt gibt es drei Fremdsprachenlehrerinnen an der Schule, die Deutsch, Spanisch und Französisch unterrichten, wobei Deutsch am häufigsten angeboten wird. Ich habe das Gefühl, dass Französisch gerade gar nicht dabei ist. In einem Spanischkurs war ich auch schon mal dabei, nachdem ich erzählt habe, dass ich Englisch und Spanisch studiere.
Die Schule ist ziemlich modern ausgestattet. In allen Räumen gibt es Smartboards und Computer und daneben ist eine Whiteboard. Als ich den Lehrerinnen erzählt habe, dass in meinen Praktikumsschulen überwiegend mit Tafel, Kreide und OHP gearbeitet wurde, sind die fast hinten über gefallen. Allerdings habe ich auch schon die Nachteile des elektronischen Schulbuchs gesehen - zumindest wenn es so umgesetzt wird, wie an dieser Schule. Es ist cool, wenn man Videos oder Audiodateien über ein Smartboard abspielen kann, aber wenn die Schüler selber kein Buch haben, ist es ungünstig, wenn sie Aufgaben machen sollen. In einer Stunde sollte die Klasse Zahlen von Deutsch auf Englisch schreiben. Dabei kam es dann zu einem Problem, weil manche Schüler schneller fertig waren und die Aufgaben eigentlich heruntergescrollt hätten werden müssen, aber andere noch nicht so weit waren. In der Hinsicht hat die computergesteuerte Tafel dem OHP nichts voraus.
Ich habe mich jetzt schon in recht vielen Klassen vorgestellt, am häufigsten aber bei den Erst- und Zweitklässlern (11-13 Jahre). Ihr Niveau im Deutschen ist nicht mit den Englischkenntnissen von Fünft- und Sechstklässlern in Deutschland vergleichbar, obwohl die meisten von ihnen Deutsch in der Grundschule hatten. Ich habe mich mit Namen, Alter und Geburtstag bei allen vorgestellt und bei den Zweitklässlern noch gesagt, was ich Lieblingssachen sind. Mehr ging nicht. Die Zweitklässler haben mir Fragen gestellt: auf Deutsch nach dem Lieblingstier, -essen, -fußballmannschaft - auf einmal musste ich mir eine Lieblingsfußballmannschaft und ein Lieblingsauto zulegen und auf Englisch zu mir allgemein. Die Fragen, die sie auf Englisch stellten reichten von "What's life like in Germany?" über "Is German food different than Scottish food" bis hin zu "Do you like unicorns?" Natürlich wurde ich auch gefragt, was ich zu der Frage nach der Unabhängigkeit Schottlands dächte. Ich habe gesagt, dass ich mich nicht entscheiden werde, weil ich nicht Schottisch bin und deswegen nicht sagen kann, ob mir das für die Identität wichtig genug ist, das Risiko mit der Unabhängigkeit aufzunehmen. Das reichte den Schülern nicht wirklich. Aber die Lehrerin (die sehr stark ihre No-Haltung vertrat), fragte mich, ob ich dafür stimmen würde, wenn NRW unabhängig sein wollen würde, was ich verneint habe. Sie erklärte dem Schüler daraufhin, dass das doch auch eindeutig ein Nein zu der Schottlandfrage wäre. Darin stimme ich mit ihr zwar nicht überein, weil ich finde, dass man NRW nicht mit Schottland vergleichen kann, aber da es in Bezug auf die Frage nach der Unabhängigkeit Schottlands danach ruhig war, habe ich nichts gesagt. Eine Schülerin, ich meine sogar, dass sie in der ersten Klasse ist, fragte mich, ob ich schon mal ein Konzentrationslager besucht habe, und zeigte mir nach der Stunde ihr Heft, in dem sie etwas über ihre Mutter geschrieben hatte, die aufgrund der Arbeit ihres Mannes eine Zeit lang in Berlin gelebt hat und ihrer Tochter schon einiges über die NS-Zeit erzählt hat. Solch tiefgehende Fragen haben mich überrascht (bzw. hat es mich überrascht, dass sie von einer der jüngeren Schüler kam). Die Frage, welches One Direction Mitglied ich am meisten mag, war weniger überraschend und gleichzeitig viel schwieriger zu beantworten. Ach ja, am zweiten Tag hat auch ein pfiffiger Schüler festgestellt, dass meine Stadt "to eat" heißt.

Ein bisschen wie Hogwarts ist die Schule übrigens doch. Nicht nur, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass die Treppen an bestimmten Tagen woanders hinführen und manche Türen keine Türen sind, sondern Wände, die nur so tun als ob - nein, es gibt auch Häuser. Die Schüler sind tatsächlich in Häuser unterteilt. Der Sinn erschließt sich mir noch nicht so ganz und offensichtlich haben die Häuser damit zu kämpfen, dass die Schüler sich nicht mit ihnen identifizieren, aber wie auch immer, es existieren drei Häuser und zweimal die Woche treffen sich die Schüler nach Häusern getrennt aber jahrgangstufenübergreifend in tutor groups und machen gruppendynamische Aufgaben. Das finde ich eigentlich nicht schlecht, allerdings scheinen die jedes Jahr die gleichen Aufgaben zu machen (Motto für das Haus erfinden, ein Schild für das schwarze Brett entwerfen, ein Lied für das Haus raussuchen etc.) und die älteren Schüler haben darauf offensichtlich keine Lust. Das kann ich auch gut  verstehen. Die Schüler können aber auch durch Schulleistungen, guten Benehmen oder Siege im Sport Punkte für ihre Häuser holen. Ich finde das sehr lustig, auch wenn ich weiß, dass JKR sich das Häusersystem nicht ausgedacht hat. Mal sehen, wie sichtbar die Häuser im Schulalltag sind.

Freitag, 29. August 2014

Zwischen spitting und ark building

In den letzten zwei Tagen war das Wetter richtig gut. Wir konnten zwar nicht im Sommerkleidchen durch die Stadt laufen, aber es war doch sehr viel sommerlicher als ich den letzten Wochen in Deutschland. Leider hatte das heute ein Ende. Nach dem Aufstehen haben wir schon gesehen, dass es in der Nacht geregnet hatte und der Himmel bedeckt war. Aber wir haben ja Anoraks, also kein Problem - dachten wir.
Zuerst haben wir uns eine Wohnung angesehen. Dieses Mal sind wir direkt richtig ausgestiegen. Überhaupt sind wir heute den ganzen Tag kein einziges Mal zu weit gefahren  (ein Wunder). Allerdings haben wir ziemlich lange gebraucht, um das Haus zu finden. Hausnummern werden überbewertet. Wer konnte auch ahnen, dass die Adresse in ganz klein über den Klingeln stehen würde? Die Frau, der die Wohnung gehört, meinte auch, sie habe uns schon aus dem Fenster unten rumlaufen gesehen. Die Wohnung ist klein und irgendwie völlig anders als die anderen beiden, die ich bisher gesehen habe, aber dafür liegt sie ziemlich gut. Nach der Besichtigung sind wir zu meiner Schule gefahren, um schon mal zu gucken, wo ich am Montag hin muss. Zwischendurch waren wir wirklich in the middle of nowhere. Ich denke, die Entscheidung, in Glasgow zu wohnen, ist gut, auch wenn es zur Schule etwas länger dauert.
Nachmittags stand eine vierte Wohnungsbesichtigung auf dem Programm. Da haben wir eine französische FSA getroffen, die ich schon vorgestern kennengelernt habe. Sie wohnt da auch. Die Vermieterin war sehr nett und hat mir auch gesagt, ich solle mir das genau mit der Wohnung überlegen, weil der Weg zu meiner Schule sehr lang sein würde. Im Grunde ist der Weg aber wohl von fast jeder Stelle in Glasgow aus lang. Es sei denn, ich ziehe irgendwohin, von wo aus ich ewig bis ins Stadtzentrum brauche. Das wäre auch nicht so in meinem Sinne.
Da die letzte Wohnung fußläufig zum Rangers-Stadion lag und Denise da gerne hin wollte, haben wir beschlossen, da eine Spaziergang hinzumachen. Es hatte zwar den ganzen Tag über immer mal wieder etwas geregnet, aber meisten war nach einem kurzen Schauer wieder alles vorbei. Denise hat vorgestern eine Map for young people aus dem Hostel mitgenommen, in der Einheimische ihre Stadt erklären. Unter anderem schreiben sie, dass es in Schottland eigentlich nur zwei Jahreszeiten gibt (Winter und Juli) und dass, wenn die Touristen sich über den Regen ärgern, die Schotten eher von "Spitting" (spucken) sprechen würden, da bei echtem schottischen Regen der Mitteleuropäer schon eine Arche bauen würde. Bisher hatten wir eher das spitting erlebt. Aber auf unserem Weg zum Stadion hätten wir eine Arche ganz gut gebrauchen können. Wir sind völlig durchweicht. Ich muss mir auf jeden Fall Gummistiefel kaufen, bevor der Herbst hier richtig anfängt. Eine Regenhose wäre vermutlich auch nicht schlecht. Oder ich muss einfach mehr mit dem Bus fahren. Allerdings habe ich in den letzten Tagen schon folgendes gelernt:
Auf die Busse ist nicht wirklich Verlass (in keinem der Busse heute tat es die Haltestellenanzeige).
Auf das Wetter ist erst recht kein Verlass.

Donnerstag, 28. August 2014

Die ersten Tage in Glasgow

26.8.
Wir sind morgens geflogen, mein Vater hat mich zum Flughafen gebracht, wo mich meine Tante und mein Onkel überrascht haben, indem sie ebenfalls da waren, um mich zu verabschieden. Die Zeit zum Abflug ging sehr schnell rum: Kaffee trinken, verabschieden, Sicherheitscheck etc. Mit einer halben Stunde Verspätung flogen wir los. In Glasgow kamen unsere Koffer ziemlich zügig (zum Glück) und den Shuttlebus in die Innenstadt fanden wir auch ohne Probleme. Schwieriger war es, unser Hostel zu finden. Wir sind wohl etwas zu früh ausgestiegen und irrten ohne eine nennenswerte Karte (abgesehen von der kleinen in meinem Reiseführer) durch die Innenstadt. Irgendwann waren wir dann aber da, konnten unser Gepäck lagern und saßen dann eine Stunde am River Clyde, bevor wir ins Hostel einchecken konnten. Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf die Suche nach der Touristeninformation, um einen besseren Stadtplan zu bekommen. Besonders erhellend war die Touri-Info nicht, aber ich habe eine Karte mit Straßenverzeichnis bekommen. Außerdem haben wir schon mal die Fußgängerzone und die beiden großen Shoppingcentre entdeckt. Abends aßen wir Fish and Chips an unserem Platz an Fluss.
Wieder im Hostel war ich dann etwas verzweifelt wegen der Wohnungssuche. Ein Mädchen hatte mir abgesagt, weil sie doch lieber jemanden für ein Jahr und nicht nur neun Monate haben will. Kann ich vrestehen, ist für mich aber doof. Auf einmal fragte ich mich, ob ich überhaupt genug Leute angeschrieben habe und was ich mache, wenn ich kein Zimmer finde. Ich habe dann das gemacht, was man machen sollte, wenn alles doof ist, und bin ins Bett gegangen.

27.8.
Morgens hatten wir einen Besichtigungstermin. Weil unser Hostel Frühstück nur für einen Aufpreis anbietet, haben wir uns einen Tee/ Kaffee to go und ein Brötchen geholt und das am Fluss gegessen. Dann ging es los zu der Wohnung. Busfahren hier ist echt eine Herausforderung. Man muss den Arm rausstrecken, damit der Bus anhält, und auf den Fahrplänen an den Haltestellen stehen die Stops mysteriös verschlüsselt. Die benennen ihre Haltestellen nämlich nach der Straße plus den Abzweig (also z.B. Hope Street after Waterloo Street). An den Haltestellen steht dann nur der Name der großen straße. Bei unserem Bus war dann außerdem noch die Anzeige im Bus kaputt. Prompt sind wir viel zu weit gefahren und mussten zurücklaufen. Aber wir hatten großzügig Zeit eingeplant. Die Wohnung war gar nicht schlecht. Im Treppenhaus dachte ich erst oh je - es war dunkel und die Farbe an den Wänden blätterte ab, aber die Wohnung ist sehr gut in Schuss. Das Zimmer ist hell, überall liegt Teppichboden, es gibt eine Waschmaschine, Spülmaschine und einen großen Küchentisch. Einen Schreibtisch im Zimmer habe ich nicht. Ich weiß nicht, ob mich das stört. Die Mitbewohnerin schien nett, aber ich hatte etwas Schwierigkeiten, sie zu verstehen.
Nach der Besichtigung habe ich mir erstmal eine schottische Simkarte gekauft, damit die Wohnungssuche etwas erleichtert wird. Danach sind wir weiter durch die Stadt gelaufen und sind gebummelt. Für abends hatten die französischen Assistent(inn)en ein Treffen in einem Pub, der einmal eine Kirche war, organisiert. Denise und ich mussten mit dem Bus hinfahren und waren - typisch Deutsch - natürlich viel zu früh. Allerdings wussten wir auch, dass wir nicht ewig bleiben können würden, und wir waren etwas skeptisch, wie das mit dem Französisch laufen würde, denn auf Facebook hatten außer mir nur französischsprachige Menschen zugesagt.
Es war dann tatsächlich so, dass die drei Mädels, die als erstes da waren, fast nur französisch gesprochen haben. Ich habe sie mehr oder weniger verstanden, aber sprechen geht bei mir im eigentlich gar nicht mehr. Schade. Aber ich fand es auch doof, dass sie trotzdem kaum Englisch geredet haben. Später kamen andere dazu, die sich dann auch mit uns auf Englisch unterhalten und dafür gesorgt haben, dass die, die in der Nähe saßen, auch Englisch redeten. Allerdings war die eine schon verwirrt, dass auch Nicht-Franzosen zu dem Treffen erschienen waren. Die beiden Mädels und der Freund der einen waren wirklich nett und ich hoffe, dass ich sie in den nächsten Wochen besser kennenlerne.
Der Pub war sehr cool. Von innen sieht man nicht mehr viel von der Kirche, weil eine Holzdecke eingezogen wurde, aber die ist sehr schön bemalt. Von außen kann man wirklich denken, dass es eine Kirche ist, auch wenn man sich dann fragen muss, warum Stühle und Tische davor stehen und warum ein Stahlreifen um den Kirchturm herum geht (der Reifen hat mich an einen heruntergefallenen Heiligenschein erinnert - keine Ahnung, was der da soll). Denise und ich haben beide einen sehr leckeren Salat mit gegrilltem Ziegenkäse gegessen. Nebenbei habe ich per SMS noch einen Besichtigungstermin ausgemacht.

28.8.
Heute haben wir etwas länger geschlafen.Vormittags wollten wir eigentlich in das Tenement House - ein Haus, das wie im 19. Jahrhundert eingerichtet ist, gehen, aber wir haben es nicht gefunden. Die Busse habe uns verwirrt, wir sind zu spät ausgestiegen bzw. wurde die Bushaltestelle, die wir uns ausgesucht hatten, nicht angefahren. Nachdem wir einmal im Kreis gelaufen waren, haben wir die ganze Aktion abgeblasen und haben uns die Vintage-Läden im West End angeguckt. Das war teilweise eine andere Welt. Sollte ich irgendwann mal eine Downton Abbey Party machen, weiß ich, wo ich mich einkleiden werde. 
Nach unserem Bummel durch das West End sind wir zur Glasgow University gegangen. Die hatten wir gestern schon von außen gesehen. Das ist vielleicht eine Uni! Die sieht echt aus wie Hogwarts. ich habe irgendwas falsch gemacht in meinem bisherigen Studium. Ich hätte ihn Glasgow Erasmus und in Burgos PAD machen sollen...
Nachmittags hatten wir noch einen Besichtigungstermin. Die Wohnung liegt an einer sehr langen Straße. Wir haben den Bus genommen und sind - wie sollte es auch anders sein - falsch ausgestiegen. Aber wir haben das Haus rechtzeitig gefunden und hatten noch Zeit, das Angebot im Supermarkt einer deutschen Kette nebenan zu begutachten.
Diese Wohnung war auch nicht schlecht. Die Mitbewohnerin habe ich sehr viel besser verstanden. Ansonsten ist die Wohnung hell, das Zimmer ist ausreichend groß und hat sogar einen Schreibtisch. Nur die Lage ist nicht so doll. In die Innenstadt haben wir mit dem Bus etwa eine halbe Stunde gebraucht. Zur Schule brauche ich - laut Auskunft im Internet - eine Stunde. Ich muss überlegen, was mir wichtiger ist. Schreibtisch oder der Weg zur Schule.

Morgen werde ich noch zwei Wohnungsbesichtigungen haben und ich fahre einmal zu meiner Schule, nur um mir schon mal anzugucken, wo ich hin muss, damit ich am Montag nicht wieder drei Haltestellen zu spät aussteige. Im Idealfall entscheide ich mich morgen für ein Zimmer und kann dann direkt den Papierkram erledigen. Ich soll beim Treffen mit dem Council am Montag zumindest eine vorläufige Adresse haben (ob das Hostel da gilt?) und ich weiß nicht, ob ich das Konto zu dem Zeitpunkt auch schon brauche. Wenn ja, müsste ich das am Wochenende eröffnen und das geht erst, wenn einen festen Wohnsitz habe. Was ist das alles anstrengend.