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Sonntag, 11. Januar 2015

Weihnachten in Schottland

Während alle anderen FLAs über Weihnachten nach Hause gefahren sind, habe ich es andersrum gemacht: Ich habe meine Familie überzeugt, mich in Schottland zu besuchen. Zuerst stieß mein Vorschlag auf wenig Begeisterung, aber dann freundeten sich meine Eltern und meine Schwester doch irgendwie mit dem Gedanken an und so hatte ich ab dem 22. Dezember Familienbesuch.
Ich war natürlich aufgeregt und wollte meiner Familie so viel wie möglich von Glasgow zeigen, ein schönes Weihnachtsfest feiern und es am liebsten allen recht machen, was sich alles drei zusammen als Mammutaufgabe erwies und mich doch etwas gestresst hat.

Nachdem der Flug meiner Familie eine Stunde Verspätung hatte und sie das Auto, dass sie eigentlich gebucht hatten, am Flughafen nicht vorgefunden hatten, haben wir am 22. nicht besonders viel gemacht. Ich bin zu ihnen in die Ferienwohnung gekommen, wir haben Tee getrunken, geredet und sind dann irgendwann in die Innenstadt gegangen, waren erstmal in einem Pub essen und sind dann ein wenig über die Buchanan Street gelaufen.

Abgesehen von einem Besuch an meiner Schule waren die nächsten zwei Tage vor allem durch Weihnachtsvorbereitungen und der Planung des restlichen Aufenthalts meiner Familie geprägt. Ein Auto für die ganze Woche zu bekommen, war angesichts der Feiertage nicht möglich, also buchten wir eins für den 27. nur um drei Stunden später einen Anruf zu bekommen, dass die Buchung von neun auf dreizehn Uhr verschoben werden musste, weil sie nicht garantieren können, dass morgen schon alle Autos wieder da seien. Nach kurzer Überlegung haben wir die Bestellung wieder zurück genommen und uns überlegt, am 27. eine Bustour durch die Highlands zu machen, der Mirjam zuerst ziemlich skeptisch gegenüber stand. 
Abends am 23. waren wir in einem Konzert in der Royal Concert Hall (ich hatte meinen Christmas Jumper an und fühlte mich sehr britisch), bei dem ein Orchester und zwei Chöre (einer davon ein Kinderchor) Weihnachtslieder spielten. Ich hatte ziemlich Spaß daran, den Kinderchor zu beobachten, dem es nicht ganz leicht fiel, still zu sitzen und immer wieder mit den Beinen wackelten oder auf dem Stuhl runterrutschten und dann von der Chorleiterin non-verbal ermahnt werden mussten. Der Tenor, der ein paar Lieder mit Orchesterbegleitung sang, war aber ziemlich schmalzig. Aber immerhin hat er das Ave Maria von Schubert auf Deutsch gesungen. Ich habe schon überlegt, ob ich das mal im Unterricht erwähnen sollte, so unter der Kategorie "Berufe, für die man Deutsch können sollte"...
Ab und zu durfte das Publikum mitsingen und ich musste feststellen, dass Mirjam mindestens genauso viele englischsprachige Weihnachtslieder kennt wie ich, weil sie im Chor viele davon gesungen hat. Auswendig kannten wir sie aber beide nicht, also war es ganz gut, dass unsere Nachbarn und eine nette Person fünf Reihen hinter uns einen ihrer Liedzettel an uns weiterreichten. Als letztes wurde "Twelve Days of Christmas" gesungen. Inklusvie passender Bewegungen bis Strophe fünf. Danach wurden die Bewegungen aufgeteilt, was für alle noch viel verwirrender war, glaube ich. Der Kinder mussten z.B. bei "Ten Lords a-Leaping" alle in die Luft springen, was der Dirigent dann als Kinder-Ermüdungs-Methode bezeichnete. Ich fand das Ganze sehr lustig, weil ich das Lied ja schon kannte. Meine Familie schien etwas überfordert.

Heiligabend war dann einerseits schön und andrerseits komisch. Kein Weihnachtsbaum, aber eine Zimmerpalme mit Kugeln, das Bäumchen mit Kunstschnee von Laura mit Strohsternen, meinem Adventskranz und immerhin Josef, Maria, das Jesuskind und ein Engel unserer Holzkrippe von zuhause. Wir haben Raclette machen, eins der Essen, das wir häufig an Heiligabend machen. Victoria hatte uns netterweise ihren Ofen geliehen. Außerdem gab es Christmas Cracker und Mince Pies. Es war also ein deutsch-schottisches Weihnachtsfest.
Wir saßen bei mir in der Küche, Papa las die Weihnachtsgeschichte (Luther-Übersetzung, schon etwas merkwürdig, aber sie ist kostenlos als E-Book zu haben) von meinem E-Book Reader vor - nachdem ich mir ein paar spitze Bemerkungen von Mama anhören musste, weil ich bei diesem Buch aus irgendwelchen Gründen nicht in das Inhaltsverzeichnis gehen konnte und das Dokument nach "Lukas" durchsuchen musste, weil die Alternative gewesen wäre, über tausend Seiten einzeln umzublättern. Dann haben wir ein paar Weihnachtslieder gesungen, die wir auswendig konnten, und haben Geschenke ausgepackt. Für mich wurde es ein Weihnachten der Bücher (ich habe mir richtige Bücher gewünscht, weil mich das Lesen am E-Book Reader nicht wirklich motiviert) und der Socken (Dumbledore's größter Traum :-P). Ich habe mich wohl ein bisschen oft über kalte Füße geäußert. Die werde ich aber jetzt Dank Mirjam, Mama und Amelies Oma nicht mehr haben.
Meine Eltern haben sich etwas typisch Britisches gewünscht, also bekamen sie von mir Christmas Jumpers. Der eine zeigt einen Schneemann mit hervorstehender Nase, der andere einen Weihnachtsmannkopf, bei dem der Pommel auf den Pulli genäht und nicht nur eingestrickt ist. Nach dem Kauf habe ich mir erst ein paar Gedanken gemacht, wie meine Eltern das Geschenk wohl finden würden, aber nachdem sie zwei Tage lang ganz viele Menschen in solchen Pullis gesehen haben, fanden sie die witzig.

Am ersten Weihnachtstag waren wir in der Kathedrale in Glasgow zu einem Gottesdienst mit Chor. Weil wir ein Taxi für den Weg bestellt hatten, kamen wir da viel zu früh an und bekamen sehr viel Aufmerksamkeit von den Elders, die uns begrüßten, Plätze zuwiesen, erklärten, wie der Gottesdienst ablaufen würde, dass wir gerne bei der Kommunion teilnehmen könnten und dass der Wein echter Wein und kein Traubensaft sei. Nach dem Gottesdienst sind wir über die Necropolis gelaufen, die zum Glück geöffnet war und danach zu Fuß durch die Merchant City in die Innenstadt gegangen, so dass ich meinen Eltern und Mirjam ein bisschen was von Glasgow zeigen konnte, bevor es zurück in meine Wohnung ging. Die Innenstadt war menschenleer, vielleicht 30 Leute in der gesamten Fußgängerzone und keine Autos abgesehen von ein paar Taxen. Das war fast unheimlich. Wegen des Feiertags konnten wir nicht viel machen und haben deswegen in meiner Wohnung Filme gesehen und gespielt.

Der zweite Weihnachtstag war auch sehr ruhig. Mirjam und ich haben lange geschlafen, bevor wir unsere Eltern abgeholt haben und mit ihnen ins West End gegangen sind. Eigentlich hatte ich gehofft, Mirjam ein paar der Läden zu zeigen, aber im Gegensatz zur Innenstadt waren auf der Byres Road fast nur die Cafés geöffnet. Immerhin habe ich ihnen Hogwarts die Universität von außen zeigen können. Nach einem späten Mittagessen gingen wir in den Botanischen Garten, den meine Eltern gerne sehen wollten. Leider wurde es schon dunkel und die Gewächshäuser waren geschlossen.

Am 27. stand unsere Bustour in die Highlands an. Wir führen mit Rabbies, bei denen nur 16 Leute in einen Bus passen. Dementsprechend waren wir eine schöne kleine Gruppe, die überwiegend aus Deutschen und Australiern bestand. Der Busfahrer trug einen Kilt und behauptete, dass er das trotz der Kälte gerne täte. Abgesehen von der Temperatur hatten wir aber tolles Wetter. Es hat nicht geregnet und zwischendurch kam sogar die Sonne raus.

Loch Awe

Kilchurn Castle
 Viele der Orte, die wir anfuhren kannte ich schon, aber es war schön, Luss und Oban ohne Regen zu sehen. Allerdings war es in Luss so glatt, dass ich Schwierigkeiten hatte, zu dem Steg am Loch Lomond zu kommen, ohne mich auf die Nase zu legen. Wir sahen auch zwei Schlösser, die für mich neu waren: Kilchurn Castle und ein anderes, dessen Namen ich vergessen habe. Das andere konnten wir aber auch nur aus der Ferne von einem Aussichtspunkt sehen. Die westlichen Highlands liebe ich ja sowieso und diesmal lag sogar stellenweise Schnee! In Glencoe waren nur die Bergspitzen weiß, aber wenig weiter lag genug Schnee für einen Schneeballaustausch mit den Fahrer - er hat mich getroffen, ich ihn nicht. 

Das andere Schloss :-D

Glencoe
Der Busfahrer war ohnehin sehr lustig. Er hatte einen starken schottischen Akzent, so dass meine Eltern nicht alles verstanden haben, aber er hat viele nette Anekdoten erzählt und uns eine Auswahl von schottischer und irischer Musik vorgestellt. Das Loch Lomond-Lied verfolgt mich. ;-) Diesmal war es aber eine Version von John Barrowman gesungen :-D (Er verfolgt mich auch), an deren Anfang noch für mich unerklärlicherweise "Amazing Grace" gestellt worden war.




Am Ende der Fahrt hielten wir noch an der Drover's Inn, einem sehr alten Pub aus dem Jahr 1705, in dem es - natürlich - spuken soll. Im Winter endet die Tour immer in diesem Pub, weil es zu dunkel ist, um noch etwas zu sehen. Ich hatte mich vorher schon gefragt, ob wir es noch schaffen würden, etwas von Glencoe zu sehen, weil mir aufgefallen war, dass es erst für den Nachmittag geplant war. Aber die Zeit war gut geplant. Es dämmerte zwar schon, aber es war noch genug Licht da, damit Mirjam das Foto von sich im Wollpulli vor den Bergen machen konnte, was ihr vor der Fahrt aufgetragen war. 

Am nächsten Tag flog meine Familie dann schon zurück. Es war über die Feiertage (und im Winter) natürlich ein bisschen schwierig, ihnen alles zu zeigen, was ich gerne gezeigt hätte, aber wir haben doch einiges geschafft und ich glaube, es hat ihnen auch gefallen. Außerdem wollten sie ja nicht nur ein Touristenprogramm machen, sondern mich auch besuchen. Oder zumindest hoffe ich das. ;-)

Sonntag, 16. November 2014

Ein Tag in den Highlands (schon wieder)

Der ISUK-Ausflug gestern ging wieder in die Highlands. Diesmal aber in einen Teil, den ich zumindest zum größten Teil nicht kannte - Stirling, Dunkeld Cathedrale, Pitlochry und the Queen's View am Loch Tummel. Das ganze nannte sich Highland Experience Day und beinhaltete auch einen Stopp in einer Whisky Destillerie.
Da Amelie gerade Besuch von ihrem Freund hat, war der natürlich bei der Tour mit dabei. Nach einer kurzen Schmollphase, nachdem Amelie mir gesagt hatte, dass die Konsequenz daraus sei, dass sie im Bus nicht nehmen mir sitzen würde, (und nein, das schmollen war nicht ernst gemeint) hatte ich mich schon freut, diesmal zwei Sitze für mich zu haben. Aber Pustekuchen. Diesmal war unsere Gruppe so klein, dass wir nur einen Bus hatten. Der war dafür dann aber vollgepackt bis obenhin und ich hatte einen Sitznachbarn.
Ich habe jetzt schon vier verschiedene Reiseleiter kennengelernt, aber der, den wir gestern hatten, war mit Abstand der nervigste. Obwohl auf dem Itinerary immer eine kurze Beschreibung zu den Orten steht, wären ein paar mehr Informationen manchmal nicht schlecht. Der Reiseleiter gestern redete aber definitiv zu viel. Egal, was er sagte, er nutzte mindestens doppelt so viele Worte als notwendig gewesen wäre und sprach jeden seiner Gedanken laut aus. "Ich glaube, ich gebe euch hier 30 Minuten. Obwohl... wir liegen gut in der Zeit. Wollt ihr lieber 40 Minuten haben? Aber wenn wir noch bei Tageslicht zur Queen's View wollen, sollten wir nicht so viel Zeit verlieren. Also doch besser 30 Minuten. Was meint ihr?" Grundsätzlich ist es zwar nett, dass er uns in die Entscheidung miteinbeziehen wollte, aber bei einem Bus mit ca. 100 Leuten eine demokratische Abstimmung durchführen zu wollen, wenn die Hälfte des Busses eh noch halb im Tiefschlaf ist, macht wenig Sinn. Die fünf Minuten, die dafür draufgehen, hätte er uns lieber vor Ort geben sollen... Zwischendurch überlegte ich schon, ob wir ihn nicht einfach irgendwo vergessen oder ihn auf andere Weise los werden könnten.


Wie auch immer, unsere erste Station war Stirling. Wir kamen um neun Uhr an, dementsprechend war in dem Städtchen noch nichts los. Das Castle (mit ohnehin völlig überteuertem Eintritt) war noch zu und in der Innenstadt sah man kaum Menschen. Amelie, ihr Freund und ich sind über den Friedhof unterhalb des Castles geschlendert, der eine kleine Pyramide hat (wie der Cementerio Acottolico in Rom ;-)) und dessen ältestes Grab aus dem 16. Jahrhundert stammt, vorbei an der Church of the Holy Rude (dass sie es aber auch nie hinkriegen, meinen Namen richtig zu schreiben!). Die Gemeinde wurde im 12. Jahrhundert unter David I. gegründet. Die Kirche wurde aber im 15. Jahrhundert neu gebaut.





Danach ging es viele steile Straßen herunter - habe ich schon mal erwähnt, dass Schottland verdammt hügelig ist? - in die Fußgängerzone, wo wir uns einen Tee geholt haben und dann wieder zurück zum Bus gelaufen sind.
Der nächste Halt war Dunkeld, ein weiterer kleiner Ort in den Highlands. Diesmal waren es aber östlichen Highlands. Die gefielen mir nicht ganz so gut wie Glencoe und die Gegend um Inverness. Die Stadt liegt am Fluss Tay. Kommt der Name jemanden bekannt vor? Richtig, "Die Brück' am Tay" von Fontane. Aber die Brücke, auf die sich das Gedicht bezieht, ist nicht in Dunkeld. 
"Wann treffen wir drei wieder zusammen?"

In Dunkeld gibt es eine Kathedrale, in der sich die Reliquien des Heiligen Columba befanden, bis die Kirche im 16. Jahrhundert im Zuge der Reformation zerstört und teilweise durch eine protestantische Kirche ersetzt wurde. Andere Teile der Kathedrale sind weiterhin beschädigt - das Schiff hat z.B. kein Dach. Während des Highland Rising fand in Dunkeld auch eine Schlacht der Jacobiter gegen William of Orange statt. Sie wurde von den Convenanters (den Nicht-Jacobitern) gewonnen.




Abgesehen von der Kathedrale, die leider zum Teil gesperrt war, weil Historic Scotland Restaurationsarbeiten daran durchführt, und dem Fluss gab es in Dunkeld nicht besonders viel zu sehen. Ein kleines Denkmal in der Mitte des Ortes, an dem ein kleiner Drache hochklettert. Mehr aber auch nicht. Aber am Busbahnhof gab es öffentliche Toiletten, für die man eine Art Eintrittskarte, ein kleines orangenes Stück Papier, auf dem "Perth & Kinross Council - 30p" drauf steht, kaufen musste. Später in Pitlochry gab es eine ähnliche Toilette, so dass wir gescherzt haben, ob wir nicht versuchen sollten, da mit unserer Eintrittskarte aus Dunkeld reinzukommen, und ob es nicht vielleicht Angebote wie "buy one, pee one free" geben könnte.
Eigentlich wollten wir uns die Blair Athol Distillery in der Nähe von Pitlochry ansehen. Unser Reiseleiter hatte eine Führung für uns organisiert. Aber leider stand die Destillerie an dem Tag unter Wasser und wir konnten nicht hin. Stattdessen fuhren wir zu der Aberfeldy Distillery und bekamen da für einen Aufpreis von 5,40 Pfund eine Führung inklusive Kostprobe. Der größte Unterschied bei Whisky besteht zwischen blended und single malt whisky. Ersterer ist aus verschiedenen Whiskys zusammengemischt, der zweite kommt aus einem Fass, ist also rein. Für Whisky braucht man drei Zutaten: Gerste, Wasser und Hefe. Das ganze wird zusammen geschmissen, lange stehen gelassen, gefiltert, erhitzt, abgekühlt, wieder erhitzt und abgekühlt und zum Schluss jahrelang in einem Eichenfass liegen gelassen.


Die Destillerie wurde von John Dewar's & Sons gebaut und auf diese Familien-Verbindung wurde auch in der Ausstellung (inklusive Film) besonders viel Wert gelegt. Die Ausstellung fand ich auch ganz nett, da nachdem der Fokus bei der Führung (natürlich) auf dem Herstellungsprozess lag, dort die gesellschaftlichen Aspekte, Vermarktung usw. eine Rolle spielten.
Alle schienen sich am meisten auf die Kostprobe zu freuen. Wir konnten zwischen drei Whiskys wählen. Ich habe von sowas ja keine Ahnung und habe mich dann für den entschieden, der in der Destillerie auch tatsächlich gebrannt wurde. Er schmeckte... sagen wir es mal so: Whisky und ich sind keine Freunde.
Nach dem Besuch in der Destillerie kamen wir endlich nach Pitlochry, wo wir zu Mittag gegessen haben. Ich war ja schon zu den Highland Games in Pitlochry, aber Amelie und ihr Freund kannten es noch nicht. Wir sind zuerst zum Damm über den Fluss Tummel gegangen und danach über die Hauptstraße geschlendert. Pitlochry hat mir wie schon im September sehr gut gefallen. Der Ort ist einfach niedlich.
Kurz bevor es dunkel wurde, haben wir es tatsächlich noch zur Queen's View am Loch Tummel geschafft. Ich wäre auch sehr ungemütlich geworden, wenn wir das nicht mehr geschafft hätten. Die Sicht war richtig toll. Ich war sehr froh, dass wir es noch geschafft haben. 1866 besuchte Queen Victoria diese Stelle, allerdings ist der Ort nicht nach ihr, sondern nach Queen Isabella, der Frau von Robert the Bruce benannt, die dort gerne Rast machte, wenn sie auf Reisen war. Unser Reiseleiter hat uns diese Info übrigens falsch erzählt. Er sagte, der Ort sei nach Queen Victoria benannt. Dabei stand auf der Reiseroute, die er uns gegeben hatte, dass Queen Isabella die Namensgeberin war.


Das Café und Informationszentrum an der Queen's View spielt mit der Verbindung der beiden Königinnen und stellt die Namensgebung unter der Überschrift "Tea for two?" dar. Ich frage mich, ob die Diskussion darüber, ob der Ort jetzt nach Victoria oder Isabella benannt ist, auch eine Frage nach Scottishness ist - schließlich ist Isabella die Frau eines der schottischen Nationalhelden, während Victoria mit England verbunden ist. Da kann Queen's View doch nur nach Queen Isabella benannt sein. 
Außerdem findet sich ein Zitat von Queen Victoria im Informationszentrum: "...it was raining... we could hardly see anything" (was für eine bezaubernde Persönlichkeit Victoria doch war ;-)) und der Weg zur Toilette ist auch auf lustige Art und Weise ausgeschildert.

Ich bin königlich ;-)

Der Highland Experience Day war nicht unbedingt mein liebster Ausflug mit den ISUK Tours und es ist auch erstmal mein letzter. Nächstes Wochenende bin ich London, bei Treffen der FLA und ELA Ambassadors (ein Programm, das den Fremdsprachenassistenteneinsatz noch etwas ausweitet - dazu ein anderes Mal mehr) und im Dezember finden wegen des Wetters sowieso keine Ausflüge statt. Trotzdem war der Tag schön und besonders Loch Tummel hat sich gelohnt.

Heute Abend war ich zusammen mit Amelie, ihrem Freund und Fabian bei einem Konzert der Band eines Mathelehrers unserer Schule (Amelie hat die ersten Wochen bei ihm gewohnt). Das fand in einer Bar statt, in die ich sonst nie reingegangen wäre. Aber es war sehr nett. Beim nächsten Konzert in Glasgow sind wir wieder dabei. Wir haben schon überlegt, Groupie-Poster zu machen. ;-)

Freitag, 17. Oktober 2014

Auf der Suche nach dem Monster

Wochenenden und Ferien sind toll, denn dann kann man reisen. Ich habe am Samstag mit Amelie an einer weiteren Tour der Internationalen Studenten der Uni Glasgow teilgenommen. Dieses Mal ging es nach Inverness und zum Loch Ness. Der Ticketverkauf verlief genauso wie bei der Harry Potter-Fahrt, nur war es diesmal etwas chaotischer, weil Tickets für drei verschiedene Fahrten gleichzeitig angeboten wurden.
Wie auch bei der anderen Tour sollte es um Punkt acht Uhr losgehen. Wir waren um viertel vor acht am Treffpunkt. Die Busse aber kamen zu spät. Das nicht ganz pünktlich losfahren war etwas, das sich die ganze Fahrt über durchziehen sollte. An einem Samstag so früh am Treffpunkt zu sein, ist schon eine Herausforderung. Nachdem wir Glasgow hinter uns gelassen hatten, wurden wir aber dafür belohnt, denn nach und nach schälte sich die wunderschöne schottische Landschaft aus dem Nebel.


Die Highlands sind landschaftlich etwas völlig Anderes als das was ich aus Deutschland oder auch Irland oder England kenne. Vielleicht liegt es auch daran, dass gerade Herbst ist, aber es sind so viele Farben zu sehen. Das Gras hat nicht nur verschiedene Grün- sondern auch Gelb- und Brauntöne, die sich die Berge hochziehen. Die Spitzen der Berge waren im Nebel und tiefliegenden Wolken verborgen, aber immer wieder gab es Löcher in der Wolkendecke und eine Zeit lang hatten wir eine völlig surreale Sicht auf die Berge: erst Gras, dann eine Schicht Nebel, ein bisschen Berg und darüber die dicke Wolkendecke. Ich kam mir ein bisschen wie in einer Traumlandschaft vor.



Unser erster richtiger Halt (von einer Pinkelpause mal abgesehen) war Inverlochy Castle, eine Ruine aus dem 13. Jahrhundert, die am Fluss Lochy gelesen ist. Schon Wahnsinn, dass überhaupt noch etwas von der Burg steht. 
"Inver" bedeutet übrigens "Mündung". Inverlochy ist also die Stadt an der Mündung des Lochy, genauso wie Inverness an der Mündung des Flusses Ness liegt. Die Mauern der Burg sind sehr dick - ich glaube, unsere Reiseleitung sagte etwas von zwei Metern. 
Obwohl es erstaunlich ist, dass die Burg nach all den Jahren immer noch steht, fand ich sie weder besonders beeindruckend noch magisch. Sie ist nun mal eine Ruine. Auf einer Tafel am Eingang stand, dass Queen Victoria sich bei ihrem Besuch beschwert habe, dass man ja nicht sonderlich viel sehen könne. Tja, das Häuschen ist eben nicht - und war nie - der Buckingham Palace. Die gute Frau hatte vermutlich, so wie ich in Jordanien irgendwann, keine Lust (mehr) auf alte Steine. Diese Ansammlung von alten Steinen steht aber - anders als in Jordanien (meiner Meinung nach) - in einer wunderschönen Landschaft. Hinter der Ruine fließt der Fluss Lochy und an dessen Ufer steht ein riesiger Kastanienbaum mit (natürlich jahreszeitlich bedingt) grün-gelben Blättern, die bis ins Wasser reichen.



Als nächstes hielten wir an einem Kriegerdenkmal für den zweiten Weltkrieg, an dem wir auch ein Gruppenfoto gemacht haben. Diese ganze Besessenheit (so nenne ich es mal), was den Krieg betrifft, macht mich immer noch stutzig. Merchandise-Artikel wie Nachahmungen von Lebensmittelkarten und Feldpost bis hin zu Kriegsflugzeug-Ansteckern betrachte ich ja schon äußerst skeptisch, aber denke mir, dass das vielleicht mit dem Jahrestag des Beginns des ersten Weltkriegs vor 100 Jahren zusammenhängt und man damit eventuell einfach historisches Interesse wecken will. Aber in jedem noch so pisseligen Dorf steht ein Kriegerdenkmal, vor dem Kränze aus roten Plastikblumen, die Mohn darstellen sollen, liegen und in der Stadt bin ich schon mehrmals von Leuten angesprochen worden, die für Soldaten sammeln. Ich bin mir durchaus bewusst, dass Krieg sehr traumatisch für alle Beteiligten ist und dass mit solchen Denkmalen den Gefallenen gedacht werden soll, aber trotzdem habe ich da meine Probleme mit. 
Ich bin der Meinung, dass es grundsätzlich keine Kriege geben sollte, und habe das Gefühl, dass, wenn man eigentlich an die Toten erinnern möchte, gleichzeitig dem Krieg ein Denkmal setzt; vor allem, wenn man sich ansieht, wie manche dieser Denkmäler aussehen - auf diesem war z.B. die Aufschrift "United we conquer" zu lesen. Geht das nur mir so oder ist die Aufschrift leicht unpassend? Ich verstehe auch nicht, wieso wir das Gruppenfoto vor dem Kriegerdenkmal und nicht vor der schönen Landschaft gemacht haben...



So, Ende meines Exkurs über den Kulturschock und zurück zur Fahrt. Unser nächstes Ziel war Fort Augustus, wo wir zu Mittag gegessen haben. Fort Augustus liegt direkt am Loch Ness, das wir uns nach dem Essen angeguckt haben. Im Grunde haben Amelie und ich da nicht mitgedacht. Wir hatten beide etwas zu essen dabei und hätten uns an den See setzen können. Stattdessen haben wir am Caledonian Canal gesessen, was aber auch sehr schön war. Am Kanal steht eine Statue von Nessie und ihrem Kind (mir war gar nicht klar, dass Nessie offenbar weiblich ist). Zuerst dachte ich, Klein-Nessie habe eine Schleife auf dem Kopf, aber dann habe ich festgestellt, dass es nur die Zunge war. Dafür, dass Loch Ness so sagenumwoben ist, fand ich es dann recht unspektakulär. Es war schön, keine Frage, aber Loch Lomond hat mich stärker beeindruckt und die Fahrt durch die Highlands sowieso. Allerdings ist Nessie auch nur das bekannteste Ungeheuer in den Lochs. In vielen anderen Lochs soll es auch Seeungeheuer geben. Das macht Schottland mal wieder total sympathisch für mich.



Als nächstes haben wir kurz am Loch Ness Exhibition Centre halt gemacht. Für die Ausstellung war nicht genug Zeit, aber wir konnten ein Foto mit einer potthässlichen Nessie-Statue machen ("Selfie with Nessie"), die definitiv nicht meiner Vorstellung des Ungeheuers entspricht und in den Nessie-Shop gehen, wo es neben T-Shirts und Postkarten Plüsch-Nessies in allen Formen, Farben und Größen gab. Zwischen all den Nessies habe ich Amelie aus den Augen verloren und kam ein bisschen zu spät zum Bus (zusammen mit zwei oder drei anderen). Auf dem Weg nach Inverness, unserer letzten Station wurde uns dann eingebläut, dass wir auf der Rückfahrt auf jeden Fall pünktlich sein müssten, weil der Bus um 18 Uhr losfahre und alle in Inverness lasse, die sich bis dahin nicht im Bus befinden.
Wir hatten gut zwei Stunden in Inverness. Zuerst haben wir einen Blick in die Kathedrale geworfen. Da sind mir vor allem die bunt bestickten Kniekissen aufgefallen. 







Als nächstes sind wir über die Insel im Fluss Ness gelaufen, die an Sommerabenden echt schön sein muss (inklusive Glühbirnen in den Bäumen), aber an einem etwas feuchten Oktobernachmittag  etwas von ihrem Charme verlor. Es hat zwar nicht geregnet, aber der Boden war trotzdem etwas matschig und am Himmel waren grauen Wolken. Außerdem hatte ich ein kleines Tief, vielleicht habe ich deswegen die Insel nicht ganz so genossen.

Natürlich gab es auch auf der Insel einen angemalten Baumstamm, der Nessie darstellen sollte. Man weiß ja trotz mysteriöser und unscharfer Bilder nicht, wie sie aussieht - wenn es sie denn überhaupt gibt. 1933 erschien das erste Foto von ihr in der Daily Mail, worauf ein Zirkusdirektor demjenigen, der ihm das Monster für seinen Zirkus fing, eine riesige Belohnung versprach und der ganze Wahnsinn losging, obwohl es schon vorher Sichtungen gegeben haben soll. 
Bis heute hat man, wie ihr alles wissen solltet, aber noch nichts gefunden. Was möglicherweise auch damit zusammenhängt, dass das Loch Ness von der Oberfläche her zwar nur das zweitgrößte Loch (nach Loch Lomond) Schottlands ist, aber wegen seinder Tiefe das meiste Wasservolumen hat. Es hat mehr Wasser als alle Seen Englands und Wales zusammen! Da dauert es eben ein bisschen, bis man eine Seeschlange gefunden hat. Vermutlich kann sie sich auch einfach gut verstecken. ;-) Ich hätte auch keine Lust, ständig fotografiert zu werden.

Nach dem Spaziergang über die Insel sahen wir uns noch Inverness an. Ich hatte vorher im Internet von einem tollen Secondhand-Buchladen gesehen, der auf den Fotos total schön aussah. Den haben wir gesucht und auch gefunden. Er ist wirklich sehr urig, aber das Café in der oberen Etage war leider schon geschlossen und wir hatten nicht genug Zeit, um zu stöbern, weil wir ja nicht in Inverness gelassen werden wollten. Ich hatte geplant, am nächsten Tag mit drei Spaniern nach Nordengland fahren. Sonst hätte ich nichts gegen etwas mehr Zeit in Inverness gehabt. So saß ich um 18 Uhr wieder zeitgerecht im Bus (so wie alle anderen auch) und habe mir einfach fest vorgenommen, nochmal nach Inverness zu fahren und dann über Nacht zu bleiben. Es ist zwar offensichtlich möglich, einen Tagesausflug daraus zu machen, aber das hat schon irgendwie geschlaucht und ich hätte das gerne etwas ruhiger angegangen. Ich habe ja noch ein paar Monate Zeit. Inverness im Frühjahr ist sicher auch eine Reise wert.
Noch ein Grund nach Inverss zurückzukehren - ich muss doch gucken, wie sich Professor McGonagall in ihrem Nebenberuf macht! ;-)

Sonntag, 28. September 2014

Inveraray, Glencoe und Glenfinnan Viaduct

Wir haben gerade ein langes Wochenende. Warum, weiß niemand so genau. Der Partner meiner Vermieterin meinte, die Glaswegians bräuchten keinen Grund für Ferien. Jedenfalls sind der Freitag und der Montag frei. Hélène ist ein paar Franzosen zu einem mehrtägigen Ausflug in Richtung Norden aufgebrochen und ich dachte mir, es wäre doch schade, wenn ich das Wochenende nicht zumindest ein bisschen nutzen würde.
Für eine längere Reise, war es zu spät, aber ich habe an einem Tagesausflug der internationalen Studierenden der Uni Glasgow teilgenommen. Als ich das Ziel des Ausflugs las, war klar, dass ich mitfahren musste: "Harry Potter Bridge and Highlands". Zuerst war ich mit trotzdem unsicher, weil ich die Reise zu der Brücke eigentlich mit Annabel machen wollte, die gestern aber nicht konnte. Dann habe ich aber entschieden, dass ich die Lage ja schon mal auskundschaften kann, um später nochmal mit ihr zusammen hinzufahren. Außerdem hatte ich gelesen, dass der Jacobite Steam Train am dem 22. September nicht mehr am Wochenende fährt (erst wieder in der nächsten Saison) und die Brücke ohne Zug macht ja nur halb so viel Spaß.
Das Ticket für die Fahrt musste ich am Mittwoch im Gebäude der Student Union kaufen. Vanessa, meine andere Mitbewohnerin, hat mir den Weg dahin erklärt, aber trotzdem bin ich erstmal daran vorbei gelaufen. Wie der größte Teil der Uni ist das Haus der Student Union schon ziemlich alt und die Raum"nummerierung" genauso. Ich musste das Ticket im "Reading Room" kaufen. Irgendwie passend.
Als ich kurz vor Beginn des Verkaufs da ankam, war schon eine ellenlange Schlange im Reading Room und ich fürchtete schon fast, kein Ticket mehr zu bekommen, aber dann ging erstens alles schneller als gedacht und zweitens bekam ich ohne Probleme noch eine Ticket.

Gestern ging es dann also nach Hogwarts. Der Treffpunkt war morgens Viertel vor acht an der Uni Glasgow. Viel zu früh für meinen Geschmack, aber was tut man nicht alles. die Stimmung im Bus war auch dementsprechend verschlagen, obwohl unsere studentische Reiseleitung sich große Mühe gab, mit uns alles zu reden, auf Dinge, die man aus dem Fenster sehen kann, hinzuweisen und die Fahrt zu einem schönen Erlebnis für uns zu machen. Es gab auch den passenden Soundtrack: Als wir am Loch Lomond vorbeifuhren, wurde eben dieses Lied gespielt, nachdem sie uns von dem Massaker von Glencoe erzählt hatte (der Clan MacDonald wurde von seinen Gästen, der Überlieferung nach Campbell, ermordert, weil sein Oberhaupt den Treueeid auf William of Orange nicht rechtzeitig geleistet hatte), hören wir das Lied "Massacre of Glencoe" und als wir dann tatsächlich nach Glencoe reinfuhren, gab es die Musik von "Skyfall". Der Harry Potter-Soundtrack war wohl auch mit auf der CD, wurde aber aus welchen Gründen auch immer, nicht gespielt.
Inveraray Castle
Der erste Stopp waren die Rest and Be Thankful Mountains - komischer Name, ich weiß - wo wir einen ersten Blick auf die Highlands werfen konnten. Wir blieben aber nicht lange und fuhren direkt weiter nach Inveraray, ein kleines süßes Dorf, dessen Namen ich immer noch nicht ohne Schwierigkeiten aussprechen kann. Da haben wir Halt gemacht und wir konnten uns ein bisschen umsehen. Ich habe mit den Hafen angesehen, über die Einkaufsstraße geschlendert (es gab ein Weihnachtsgeschäft) und wollte in die Kirche gehen, aber sie war leider abgeschlossen. Außerdem gibt es in Inveraray ein Schloss, das in der Weihnachtsfolge 2012 von Downton Abbey zu sehen ist. Das habe ich mir natürlich auch angesehen, allerdings konnte man nicht reingehen, weil da noch Menschen wohnen.
Das nächste Ziel war Glencoe. Nicht nur Ort des Massakers, sondern auch Drehort verschiedener Filme, u.a. Harry Potter und Skyfall. Das Tal ist auch sehr schön. Ich mag die Highlands. Aber die Straße, die dadurch führt, stört irgendwie. Außerdem hätte ich es netter gefunden, da ein bisschen spazieren zu gehen. Wir konnten zwar etwas rumlaufen, aber hatten auch nur 20 oder 30 Minuten Zeit, also lohnte sich das nicht so wirklich.


Zum Mittagessen hielten wir in Fort William, die kälteste Stadt Schottlands, wie uns später gesagt wurde. Da war es auch wirklich frisch und windig. Ich hatte mir etwas zu essen mitgebracht und fand dementsprechen die eine Stunde Mittagspause etwas lang, zumal mir Fort William nicht so gut wie Inveraray gefiel. Der nächste Stopp sollte die "Harry Potter-Bridge" sein. "Diese Aussicht hat Harry also auf dem Weg nach Hogwarts", dachte ich, als ich Schienen neben der Straße sah. Nein, ich bin überhaupt kein Geek. ;-)
Nach 30 oder 40 Minuten Fahrtzeit waren wir endlich da. Der Bus fuhr auf den Parkplatz vom Glenfinnan Viaduct. Zuerst stiegen wir auf den Aussichtspunkt, um uns die Brücke als Ganzes anzusehen. Der Weg nach oben war etwas schlammig und glitschig. Ich hätte meine Wanderschuhe ganz gut gebrauchen können. Oben angekommen konnten wir das Viaduct in ganzer Schönheit betrachtet. Ich hatte mir allerdings was anderes vorgestellt. Irgendwie hatte ich gedacht, die Brücke wäre größer. Außerdem waren wir auf dem Aussichtspunkt relativ weit weg. Unsere Reiseleitung hatte uns aber gesagt, dass wir auch bis zur Brücke hin (und unter ihr hindurch) gehen und sie sogar anfassen könnten. Nach ein paar Fotos bin ich deswegen wieder nach unten gegangen und habe mich auf den Weg gemacht, um mir die Brücke aus der Nähe anzusehen.
Loch Shiel gegenüber vom Viaduct



Unterwegs habe ich Irwin aus den USA getroffen, der auch alleine auf der Fahrt war. Die allermeisten anderen waren als kleine Gruppen angereist. Wir sind dann zusammen weitergegangen und waren unter den ersten die am Fuß der Brücke ankamen. Aus dieser Perspektive sah alles nochmal ganz anders aus, weil ich diesmal erkennen konnte, wie groß die Brücke wirklich ist. Außerdem ist die Landschaft wunderschön.
Nach und nach kamen die anderen Teilnehmer der Fahrt nach. Ein Mädchen ist mir besonders aufgefallen: Sie war sehr gut vorbereitet und hatte einen Ravenclaw-Schal dabei. Ich habe ein Foto von einer Gruppe von überwiegend Deutschen gemacht und habe mich dabei erstmal hingelegt, weil der Boden so glitschig war.
Weil Irwin und ich uns dachten, dass der Wanderweg, der auf unserer Karte vom Viaduct zur Glenfinnan Railstation eingezeichnet war, vermutlich ebenso schlammig sein würde, entschieden wir uns an der Straße entlang zum Bahnhof zu gehen. Auf dem Weg kamen wir an einer kleinen Kirche vorbei. Im Grunde war sie nicht besonders spektakulär, aber ich fand sie vor der Kulisse des Loch Shiels wunderschön.
Der Bahnhof von Glenfinnan ist winzig. Der Jacobite Steam Train fährt da auch durch. Ich dachte eigentlich, dass er gestern nicht fahren würde, aber offenbar ist er doch gefahren. Jedenfalls haben ein paar aus der Gruppe gesagt, sie hätten ihn auf der Brücke gesehen. Da war ich dann ja doch schon neidisch. Auf dem Bahnhof stand auch ein Wagen mit "Hogwartsgepäck" und auch ein Besen gehörte dazu. Die meisten Mädels sind mit ihm in die Luft gesprungen und haben ihre Beine angewinkelt, damit es so aussah, als würden sie fliegen. Das war mir dann doch etwas zu blöd, also habe ich den Besen nur in der Hand gehalten. Danach ging es erst zurück zum Parkplatz am Viaduct (im Shop vom National Trust habe ich mir eine Art Reiseführer zu den Harry Potter-Drehorten gekauft) und dann zurück nach Glasgow.
Auf dem Rückweg habe ich mich dann auch tatsächlich mit meinem Busnachbarn unterhalten. Auf dem Hinweg hat er ziemlich viel gepennt. Diesmal war ich aber ziemlich müde und bin irgendwann eingeschlafen. Es wird in Schottland mittlerweile schon ziemlich zeitig dunkel, also konnte ich eh nicht viel sehen. Nervig war nur, dass ich meinen Schlummer unterbrechen musste, um von der Uni Glasgow zu meiner Wohnung zu kommen.

Warten auf den Hogwarts-Express

Sonntag, 14. September 2014

Wo die wilden Kerle spielen

Die Fußball-WM habe ich - bis auf ein Spiel - nicht verfolgt. Auch während des Spiels Deutschland-Schottland vor ein paar Tagen habe ich lieber mit meiner Mitbewohnerin gequatscht als überhaupt erst in Erwägung zu ziehen, es mir anzusehen. Allerdings habe ich mir das Ergebnis hinterher angeguckt. Nur für den Fall, dass Schottland gewinnt und die Schüler mir das am nächsten Tag unter die Nase reiben wollten (was dann bekannterweise nicht der Fall war). Gestern habe ich mir dann aber tatsächlich eine Sportveranstaltung freiwillig angesehen und bin dafür auch noch früh aufgestanden! Ich war in Pitlochry bei den Highland Games.
Die Highland Games sind Sportwettbewerbe, die traditionelle schottische Sportarten wie Tossing The Caber (Baumstammwerfen), Putting the Ston (Steinestoßen) oder Tug O' War (Tauziehen) miteinbeziehen und gefühlt in jedem Highland Städtchen Schottlands zwischen Mai und September stattfinden. Ursprünglich wurden sie bei Versammlungen der Clans ausgetragen, um den mutigsten, stärksten, besten, was auch immer Krieger zu küren. Als Sportmittel nahmen sie dann eben das war das war: Steine und Baumstämme. Mittlerweile sind aber auch andere Sportarten dabei. In Pitlochry wurde noch Radgefahren, gelaufen und sowohl Weit- als auch Hochsprung gemacht. Auch Dudelsackmusik gehört zu den Highland Games. Es wird der beste Piper gekürt.

Meine Mitbewohnerin hatte mir von den Spielen erzählt und wollte da gerne hinfahren. Die Spiele in Pitlochry waren die vorletzten in diesem Jahr, am 20.9. sind nochmal welche, aber danach finden erst wieder welche im Mai statt. Deswegen wollte meine Mitbewohnerin auch gerne jetzt zu den Spielen. Ich fand die Idee gut und wollte gerne mit. Dann hat sich meine Mitbewohnerin aber spontan entschieden, doch nicht nach Pitlochry zu fahren. Ich habe beschlossen, dass das ja kein Grund sein muss, dass ich nicht dahin fahren muss und habe Annabel gefragt, ob sie nicht mitkommen möchte und sie hat zugesagt.
Unser Bus von Glasgow aus fuhr morgens um halb acht los - viel zu früh für unseren Geschmack. Etwa zwei Stunden später waren wir am Ziel. Pitlochry ist eine kleine Stadt am Fuße der Highlands. Mir war die Stadt direkt sympathisch. Ich würde zwar eher nicht leben wollen, aber sie ist sehr niedlich. Kleine Häuse, enge Straßen und was ich ganz toll fand, kleine Fähnchen an den Häusern. Ein bisschen wie im Bilderbuch. Im Hintergrund erheben sich die Highlands und auch ein Loch fehlt nicht.

Da es bis zum Referendum nicht mehr weit ist, wurde auch in Pitlochry fleißig Werbung gemacht und auch hier scheint die Bevölkerung die Unabhängigkeit zu favorisieren. Der Stand der Yes-Fraktion war mindestens doppelt so groß wie der von No und die Leute haben sich richtig ins Zeug gelegt: Es gab selbstgebackenen Kuchen und ein gebasteltes Yes, auf denen die Leute unterschreiben konnten. Als Annabel und ich an ihnen vorbei gingen, kam eine Frau auf uns zu und sagte: "Girls, you can't go without a yes-pin!" und machte uns einen an die Jacken. Sie brachte das so charmant rüber, dass ich mich nicht gewehrt habe. Wir haben ihr danach abter trotzdem gesagt, dass wir nicht schottisch sind. Das fand sie aber gar nicht schlimm und wir durften die Anstecker behalten. Am No-Stand gab es übrigens nur Aufkleber und keine Anstecker.

Die Spiele fanden auf einer riesigen Wiese statt, die aber offenbar für sportliche Zwecke gedacht ist, weil eine Arena abgesteckt ist und es an einer Seite Tribünen gibt. Annabel und ich kamen gerade rechtzeitig zum Einmarsch der Dudelsackspielgruppen. Schüler- und Erwachsenengruppen - es war eine bunte Mischung und alle in bestimmte Tartans gekleidet. Jedes Mal, wenn eine Dudelsackgruppe zum Vorspielen auftrat, nannt der Kommentator neben ihrem Namen auch die Art des Tartan, den sie trugen. Mit der Zeit ging mir die Dudelsackmsuik aber auf die Nerven, zumal bei dem Wettbewerb immer das gleiche Lied gespielt wurde.

Trotzdem hat mir die Atmosphäre gut gefallen. Um die Arena herum gab es Stände von örtlichen Organisationen wie den Pfadpfindern oder dem Förderverein der Schule, die Getränke oder Lose verkauften. Es gab auch Stände mit Souveniers bzw. schottischen Produkten. Dazu strahlte die Sonne so, dass es schon fast zuviel war und ich sehr darüber war, dass Annabel an Sonnencreme gedacht hatte. Die "Heavy Events", die traditionellen Sportarten der Games fand ich auch interessant anzusehen. Gut, das Tug o' War, das Tauziehen war eher unspektakulär: Die Männer standen, die Füße in den Boden gerammt, still und hielten das Seil fest, bestimmt zehn Minuten lang passierte nichts und man vergaß, dass da ein Wettbewerb stattfand und sah stattdessen beim Baumstammwerfen oder Staffellauf zu und dann aufeinmal hörte man ein Stöhnen, der Moderator rief etwas, aber wenn man hinguckte, war schon wieder nichts mehr. Das ging dann eine halbe bis dreiviertel Stunde lange so und dann hatte auf mysteriöse Weise, eine der Mannschaften das Seil zu sich rüber gezogen. 
Beim Baumstammwerfen gab es wesentlich mehr zu sehen: Die Männer hoben den Baumstamm hoch und hielten ihn senkrecht, rannten dann damit los und schleuderten ihn dann in die Luft. Beim Hammerwerfen drehten die Sportler sich um die eigene Achse, um Schwung zu holen und der Kilt wehte sehr schön um sie herum. Und bevor jetzt einer fragt: Ja, ich habe gesehen, was sie darunter trugen und nein, es war nichts nichts sondern eine Boxershorts. ;-) Die Heavy Events wurden allesamt nur von Männern absolviert. Bei den Dudelsackgruppen waren dann auch Frauen und Mädchen dabei und Tanzgruppen waren dann fast ausschließlich weiblich. 

Tossing the Caber
In meinem Programmheft wurden die einzelnen Tänze erklärt. Die Anekdoten zu ihrer Entstehung sind sehr nett. Ein Tanz erzählt die Geschichte eines Mannes, der wütend ist, weil die Wäscherin seine Hose hat einlaufen lassen. Von einem anderen wird erzählt, dass die Mitglieder einer Kirchengemeinde ihn erfunden haben, als sie im Schnee frierend auf ihren Pfarrer warteten, der zu spät kam, und sie sich irgendwie warm halten mussten.
Die nicht-traditionellen Sportarten waren für mich weniger interessant. Süß fand ich allerdings die offenen Wettrennen für Kinder. Bei einem Rennen für Mädchen bis 10 Jahre nahmen auch zwei Kinder teil, die vielleicht drei Jahre alt waren. Damit es fair blieb, wurden die Kinder dem Alter nach aufgestellt und die Dreijährigen kamen nach ganz vorne. Der Vater machte der Kleinen vor, dass sie laufen solle und sie begann sofort zu laufen - bevor der Startschuss gefallen war und musste erst mal gestoppt werden. Es war schön zu sehen, wie begeistert alle waren, ein Teil der Spiele zu sein.