Posts mit dem Label Freizeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Freizeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 23. Mai 2015

Schottlands Ruhrgebiet

Die Erstklässler haben vor einiger Zeit Die Vorstadtkrokodile 2 gesehen. Als Ruhrpottlerin mit Migrationshintergrund habe ich ihnen bei der Gelegenheit eine Präsentation über das Ruhrgebiet gezeigt und dabei festgestellt, dass auch die Umgebung um Glasgow herum eine Bergbau-Vergangenheit hat. Irgendwie ist das logisch. Ich hatte ja von Schiffswerken am Clyde und Stahltransport auf dem Wasser gehört, aber nicht eins und eins zusammengezählt.

Heute Vormittag bin ich nach Coatbridge gefahren und habe mir das Summerlee Museum of Industrial Life, das zur Häfte ein Freilicht- und zur Hälfte ein überdachtes Museum ist. Als ich darauf zulief, erinnerte es mich schon irgendwie an Zollverein, auch wenn der Förderturm, den ich später gesehen habe, sehr viel weniger imposant war, und in die ausgestellte Lore höchstes halb soviel Kohle passt wie in die, die man in Essen sieht. Da wurden mir die Dimensionen von Zollverein noch mal so richtig bewusst. Allerdings sind die meisten Ausstellungsstücke in Summerlee mindestens aus den 1930er Jahren, während Schacht XII von Zollverein jünger ist.
Ein Kran oder ein Kamel?

Das Museum beschäftigt sich aber nicht nur mit Bergbau sondern mit ganz vielen verschiedenen Industrien. Die Stahlproduktion scheint hier noch eine größere Rolle als Kohleabbau gespielt zu haben, aber sogar ein Webstuhl war ausgestellt, weil Weben auch lange eine wichtige Industrie um Glasgow denkt. Paisley, 11 km östlich von Glasgow, war im 19. Jahrhundert das Zentrum der Web-Industrie - und Namensgeber des Paisley-Musters (auch wenn das Muster an sich ursprünglich aus dem persischen Raum kommt).
Man kann einige Maschinen im Museum bewundern und an einer Art Simulator versuchen, ob man das Zeug dafür hat, um an einem Hochofen zu arbeiten (mir ist das Ganze zweimal um die Ohren geflogen). Es wird aber auch sehr viel Wert auf die sozialen Bedingungen gelegt. Es gibt Informationen über Fabrik- und Bergwerkbesitzer, die reich waren und viel Einfluss hatten und sich gegenseitig auf Dinnerpartys unterhalten haben, während die Arbeiter es natürlich längst nicht so gut hatten, zu siebt in einem Raum lebten, die Kinder nicht zur Schule schicken konnten und sich überwiegend von Brot, Kartoffeln und Haferbrei ernährten. Deswegen haben die Arbeiter auch "friendly societies", um sich gegenseitig zu unterstützen. Weil Hausfrauen da nicht aufgenommen wurden, gründeten sie ihre eigene Society, in der sie neue Sachen lernen konnten und mit Politik in Verbindung kamen. Die Frauen von Coatbridge machten zum Beispiel eine Ausstellung, bei der sie ihre Handarbeit-Erzeugnisse zeigten.
Wie auch im Ruhrgebiet sind viele Menschen aus anderen Ländern in die Umgebung von Glasgow gezogen, um in den Fabriken/ Bergbau zu arbeiten. Zuerst waren es vor allem Iren, später auch Asiaten und Osteuropäer. Durch diese Abteilung bin ich aber falschrum gelaufen und war etwas verwirrt, was die traditionelle litauische Tracht in der Vitrine zu suchen hatte, bevor ich das Schild im nächsten Glaskasten las.
Im Open Air-Teil des Museums kann man mit einer alten Tram zu einem Arbeiter-Straßenzug fahren (ich bin aber zu Fuß hingegangen). Jedes Haus in dem Straßenzug stellt ein anderes Jahrzehnt dar und zeigt wie die Menschen damals gelebt haben. Es ist interessant zu sehen, wie innerhalb von zehn oder zwanzig Jahren die Wohnungen größer und besser eingerichtet werden. Und aus der Wohnung der 1980er kamen mir tatsächlich Sachen bekannt vor - diese komische Puppe mit dem unförmigen Kopf zum Beispiel. Was mich allerdings irritiert hat, war die Wäscheleine zwischen den Häusern. Die Wäsche dort wird nicht lange sauber gewesen sein. 

Umfassend gebildet ging es also wieder nach Hause zum Eurovision Song Contest. Ich habe herausgefunden, dass ich bei meinem Fernseher Untertitel zu den Liedern einstellen und mitsingen kann. Das ist besonders bei den Liedern, deren Sprache ich nicht kann sehr lustig. Ich finde, es sollte die Regel werden, dass alle Teilnehmer in ihrer Landessprache singen sollen und dann die Zuschauert mit Untertiteln zum Mitsingen versorgt werden.

Einmal zum Leuchtturm und zurück

(Keine Angst, dieser Post wird nicht so ausführlich wie Virginia Woolfs To The Lighthouse ;-))

Gestern habe ich meinen Tandempartner in Montrose besucht. Wir hatten uns eine ganze Weile nicht gesehen (Montrose ist ein ganzes Stück von Glasgow entfernt - es liegt zwischen Dundee und Aberdeen) und es war sehr schön, ihn mal wiederzusehen. Außerdem habe ich so einen weiteren Flecken von Schottland kennengelernt. Ich glaube, Matthew hat sich zuerst ein paar Sorgen gemacht, ich könne mich langweilen, weil Montrose recht klein ist. Zum Vergleich: Es hat ungefähr die Hälfte der Einwohner meiner Geburtsstadt. Aber ich war ja in den Osterferien auf Orkney. Mich schockt nichts mehr. Außerdem hatte ich auf Facebook Fotos gesehen, die er von Montrose gepostet hat (u.a. besagten Leuchtturm) und die hatten mir gut gefallen. Und ich fand es nur gerecht, dass ich auch einmal den Weg auf mich nehme, um ihn zu treffen.
Bevor wir die Wanderung zum Leuchtturm wagen wollten, beschlossen wir aber doch erst mal eine Kaffee/ Tee-Pause einzulegen. Auf dem Weg zum Café zeigte Matthew mir auch seine alte Schule, die als Besonderheit eine golden angestrichene Kuppel hat. Die nächste Exkursion der Theologie kann also problemlos nach Schottland gehen. Hier gibt es nicht nur die rote Erde wie in Edom (ihr erinnert euch an Hoy); auch die schöne Kuppel des Felsendoms ist hier zu finden. Was will man mehr?
Danach sind wir zum Leuchtturm gelaufen und ich stellte fest, wie schön es an der Küste doch ist. Das Meer wird mir fehlen, wenn ich zurück nach Deutschland komme. Obwohl der Himmel nicht so ganz vielversprechend aussah, kamen wir trockenen Fußes am Leuchtturm an und auch wieder zurück in die Innenstadt, wo wir auf einmal merkten, wie schnell der Nachmittag herumgegangen war (ich hätte schwören können, dass es frühestens halb sechs und nicht viertel nach sieben war). Ich bin fest davon überzeugt, dass die Uhren sich seit dem Beginn des Jahres viel schneller drehen als vorher.

Dumbarton Castle

Als ich vor meinem Ausflug nach Inverness im Lehrerzimmer erzählte, dass ich zum Urquhart Castle wolle, fragte Laura mich, warum gerade Urquhart Castle. Irgendwie hat mich diese Frage verwirrt, weil ich davon ausgegangen war, dass das ein recht beliebtes Touristenziel ist. Schließlich liegt es am Loch Ness und was dieses Loch betrifft, flippen ja alle Touristen total aus und auch wenn ich hier lebe und arbeite, klappere ich ja schon auch die Touristenorte ab. Auf das Dumbarton Castle bezogen hätte ich diese Reaktion noch verstanden (viel kleiner) - obwohl das auch sehr schön ist.
Als ich nach Helensburgh gefahren bin, kam ich durch Dumbarton East und las auf dem Schild "Alight here for Dumbarton Castle". Ich dachte mir spontan, dass ich mir das doch auch mal ansehen sollte und bin Dienstag nach der Schule hingefahren. Es war nur eine semi-gute Idee, weil ich ziemlich hetzen musste und als ich am Castle ankam, war ich eigentlich schon zu spät dran. Ich hatte zwar im Internet die Öffnungszeiten nachgeguckt, aber Historic Scotland (oder die Mitarbeiter auf der Burg) hatten spontan beschlossen, doch schon um fünf und nicht erst um halb sechs zuzumachen, ohne das auf der Website zu vermerken. Ich war um viertel vor fünf da und mir wurde gnädigerweise eine halbe Stunde zur Besichtigung eingeräumt. 
Der erste Schock kam allerdings schon lange, bevor ich an der Burg ankam. Nämlich, als ich in die Straße einbog und Folgendes sah:
Oh, verdammt, würde ich den ganzen Berg hoch müssen?
Ich musste den ganzen Berg hoch, aber es ging erstaunlich gut, weil da Treppen waren. Die Aussicht war toll und die Burg fand ich auch super. Das Tor hat mich sehr an Ronja Räubertochter erinnert. Ich wäre gerne noch ein bisschen da geblieben, aber ich hatte ja nur 30 Minuten Zeit.

Die Wolfsklamm mit Stufen ;-)





Donnerstag, 14. Mai 2015

Ein Wochenende mit dem National Trust

Die letzte Woche war komisch. Durch einen Bank Holiday und eine britische Version des pädagogischen Tags hatte ich nur zwei Tage Schule. Ich habe zwar viel Zeit des langen Wochenendes für meine Bewerbung für das Referendariat genutzt - und musste dafür sogar noch Edinburgh zum Konsulat fahren, um mir eine, nennen wir es, Identitätsbescheinigung für den Antrag auf das polizeiliche Führungszeugnis ausstellen zu lassen (was für ein Spaß, aber immerhin habe ich dafür die Station Haymarket kennengelernt, bei der ich dank Ian Rankin und meiner Staatsarbeit immer daran denken muss, dass "getting off at Haymarket" (angeblich) Edinburgher Slang für Coitus interruptus ist...) - aber ich habe mir auch ein paar Häuser des National Trust for Scotland angesehen. Uff, entschuldigt bitte den Bandwurm-Satz.
Kurz vor meinem 26. Geburtstag bin ich schnell dem National Trust und Historic Scotland beigetreten (damit ich noch den Studententarif bekomme). Beides sind Organisationen, die sich für die Erhaltung historischer Gebäude und die Denkmalpflege einsetzen. Bisher habe ich meine Historic Scotland-Mitgliedschaft viel mehr ausgenutzt, weil ich finde, dass die die interessanteren Gebäude haben (viele der Sachen auf Orkney, die Schlösser in Edinburgh, Stirling und Urquhart etc.), aber ich wollte meine National Trust-Mitgliedschaft nicht ungenutzt lassen und eins der Häuser, das Tenement House in Glasgow, wollte ich schon seit meiner Ankunft hier sehen. Leider ist der National Trust ziemlich streng, was das Fotografieren angeht und ich konnte kaum Fotos machen.

Ein Tenement House ist ein Mietshaus. Die meisten tenements in Glasgow stammen aus dem 19./20. Jahrhundert, als die Bevölkerung in Glasgow (und Edinburgh) aufgrund der Industrialisierung boomte. Sie sind aus schönem roten oder gelben Sandstein, was zum Zeitpunkt ihrer Entstehung aber keine Rolle gespielt haben wird, weil die Luft in Glasgow so dreckig war, dass alles schwarz gefärbt wurde. Es gab sie in zwei Varianten: Küche mit Bettnische für Arbeiterfamilien oder die Luxusvariante mit einem oder zwei Räumen plus Küche für die Mittelklasse. 
Das Tenement des National Trust ist eine dieser Luxusvariante - es hat sogar ein eigenes Bad in der Wohnung. Es wurde von Agnes Toward und ihrer Mutter bewohnt. Das Großartige an der Wohnung ist, dass ihre  Bewohnerin alles aufgehoben und kaum Sachen in der Wohnung geändert hat bis sie 1965 in ein Altenheim umziehen musste. Bis in die 1950er oder so hatte sie nicht einmal Gas in der Wohnung. Sie hat auf einem Kohleofen gekocht, obwohl sie sechs Tage die Woche gearbeitet hat und das mit der Kohle sicher länger gedauert hat als mit Gas. Die Wohnung zeigt also ziemlich gut das Leben der Glaswegian Mittelklasse zu  Beginn des 20. Jahrhunderts.
Im Erdgeschoss des Hauses gibt es eine Mini-Ausstellung sowie einen kleinen Shop, aber die eigentliche Wohnung liegt im ersten Stock. Man muss klingeln und wird von einem Mitarbeiter vom National Trust reingelassen. Als ich da war, war die Bude ziemlich voll mit schätzungsweise zehn bis fünfzehn Besuchern und drei Damen vom National Trust, die über das Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts plauderten und sogar mir sagten, dass ich, wenn ich weitere Geschichten wüsste, die gerne beisteuern könnte. Das konnte ich zwar nicht, aber dafür wurde mir der Kohleofen erklärt, mir  erzählt, dass Agnes Toward und ihre Mutter einen Untermieter hatten, damit sie sich die Wohnung leisten konnten und selten im Salon waren, um so Heizkosten zu sparen. Irgendwie fragt man sich dann schon, warum sie nicht direkt die Variante genommen habe, die aus Küche mit Bettnische bestand... Vermutlich hätten sie dort das Klavier nicht unterbringen können und das war eins der wenigen Hobbies Agnes Towards.

Einen Tag später habe ich mich auf den Weg in den Pollok Country Park gemacht, den mir Hélène schon stark ans Herz gelegt hatte, und habe mir da auch das Pollok House angesehen. Was für ein Kontrast zum Tenement House! Es ist ein Adelshaus und laut dem National Trust Schottlands Antwort auf Downton Abbey. Abgesehen von alten Möbeln und einem Scrapbook aus dem 18. oder 19. Jahrhundert (ich will übrigens auch ein Scrapbook von Schottland machen, wenn ich zurück komme) konnte ich viele viele Bilder von Goya, El Greco und anderen spanischen Künstlern sehen. Besonders hervorgehoben wurde ein Bild El Grecos, das eine junge Frau mit einem Pelzkragen zeigt. Man ist sich nicht sicher, wer die junge Frau auf dem Bild ist. Die Spekulationen gehen von El Grecos Tochter bis hin zu der spanischen Prinzessin. aber völlig abgesehen von der Frage, wer auf dem Bild abgebildet ist; die größte Überraschung ist vermutlich, dass sich in einem nicht so wichtigen schottischen Haus eine beträchtliche Sammlung spanischer Kunstwerke befindet. Aber einer der Bewohner des Hauses war einer der ersten schottischen Kunsthistoriker, der sich mit Spanien beschäftigt hat und deswegen auch eine Sammlung Gemälde verschiedener Künstler angelegt hat.




Die Gärten des Pollok Houses sind auch toll. Leider waren einige Blumen schon ab- und die nächsten noch nicht aufgeblüht, aber ich fand die Anlage trotzdem sehr schön. Wenn ich Glück gehabt hätte, hätte ich auch Shire Horses sehen können. Die Frau im Pollok House hatte mich darauf aufmerksam gemacht. Leider standen die Pferde nicht auf der Weide. Dafür habe ich sehr  viele Highland Cows gesehen. Der ganze Pollok Park scheint von ihnen bevölkert zu sein. Das ist schon verrückt. Da haben Amelie und ich uns so verrückt gemacht, auf den ISUK-Touren Highland Cows zu sehen und hätten einfach nur in einen Park in Glasgow fahren müssen... Wer hatte gedacht, dass es so einfach sein könnte?


Da aller guten Dinge drei sind, habe ich am letzten Wochenende noch ein drittes Gebäude des National Trusts besichtigt. Es ist das Hill House in Helensburgh, das von Charles Rennie Mackintosh, Glasgows Lieblingsarchitekten (ich hatte ihn im Oktober schon mal erwähnt) und seiner Frau entworfen wurde. 
Von außen sieht es nicht besonders aus und ich hatte ja schon mal gesagt, dass ich seine Möbel äußerst unpraktisch finde. Mal im Ernst: Was bringt die ein Schreibtisch, der wie ein Triptychon aufgebaut ist und ein japanische Frau im Kimono zeigt, wenn man die Schreibfläche erstmal suchen muss? Was mir aber gut gefallen hat, war eine Art Alkoven, der ein bisschen wie ein Schiff aussah und bei den Kindern, die in dem Haus gelebt haben (verständlicherweise) sehr beliebt war. Außerdem fand ich die Überlegung, die Kinderzimmer nach Osten auszurichten, weil die sowieso morgens schon früh auf den Beinen sein und so das Morgenlicht ausnutzen konnten, sehr logisch. 
Helensburgh an sich ist eine kleine Stadt am Firth of Clyde. Als ich mit der Bahn ankam, dachte ich mir: "Schön ist anders", aber ich glaube, das lag vor allem an der Nachbarschaft des Bahnhofs. Von einer genaueren Erkundung des Orts habe ich aber abgesehen, weil es mal wieder regnete und ich keine Gummistiefel anhatte.

Außerdem habe ich an dem Wochenende zwei Sachen gemacht, die nicht National Trust-bezogen waren. Zum einen war ich im Glasgow Police Museum (ja, was es nicht alles gibt). In einem Raum wird die gesamte Geschichte der Glasgow City Police von 1779 bis 1975 (als sie mit der Strathclyde Police verschmolz) dargestellt. Zunächst bestand die Polizei nur aus einer Art Patrouille oder Nachtwächtern, aber - so berichtete der Museumsführer mit Stolz geschwellter Brust - diese Notwendigkeit einer Polizei und die Einstellung der Constables geschah 50 Jahre bevor in London die Metropolian Police gegründet wurde. Man muss auf jeden Vorsprung den Engländern gegenüber stolz sein, wie es scheint. 
Zuerst hatte ich den Eindruck, das Museum würde jeden einzelnen Fall, den die Polizei je aufgeklärt hat, beschreiben, aber ganz so ausführlich war es dann doch nicht. Man konnte sich verschiedene Schlagstöcke und Uniformen der Polizei im Wandel der Zeiten ansehen. Außerdem gab es Fotos von frühen Police Boxes (Tardis ;-)), wichtigen Polizisten und den ersten Frauen bei der Polizei, die zuerst nur für Verbrechen, in die Frauen oder Kinder irgendwie verwickelt waren, oder für den Begleitschutz von Frauen und Kindern zuständig waren. Einige bekannte Verbrechen wurden auch dargestellt. Darunter war der Bibel John-Fall, der in Ian Rankins Black and Blue erwähnt wird (Über das Buch haben eine Kommilitonin  ich im Schottland-Seminar an der Uni ein Referat gehalten. Damals hätte ich nicht gedacht, dass ich später nochmal von Bible John lesen würde.)

Die andere Nicht-National-Trust-Aktion war das Katzenjammerkonzert im Òran Mór (der Pub, der mal eine Kirche war und der auch einen Club im Keller - oder sollte ich Krypta sagen? - hat). Ich war zwar bei meinem Heimatbesuch im März bei einem Konzert in Bielefeld, aber das Òran Mór-Konzert konnte ich mir schon allein wegen der Venue nicht entgehen lassen. Außerdem stellte ich fest, dass der Rahmen des Konzerts sehr viel kleiner war die in Deutschland, was sehr schön war. Wenn man von den zwei Betrunkenen absieht, die immer mal wieder reingerufen haben, war das Konzert auch wirklich sehr schön. Mittlerweile kann ich mich auch zumindest mit einem Teil der neuen Lieder anfreunden, auch wenn ich die alten nach wie vor besser finde.
Nach dem Konzert bin ich mit ein paar Leuten, von denen ich zwei von Konzerten in Deutschland kannte, noch was trinken gegangen. Wir waren in einem Irish Pub im West End, wo noch Live Musik gespielt wurde und wo wir eine Irin getroffen haben, die die langen Haare eines der männlichen Mitglieder unserer Gruppe sehr toll fand (und unbedingt anfassen musste) und uns alle zum tanzen aufforderte. Muss ich erwähnen, dass sie ziemlich angetrunken war? Ich fand es sehr amüsant. Alles in allem ein sehr gelungener Abend und ein gelungenes Wochenende.

Donnerstag, 30. April 2015

Ein Ort voller Geschichte

Nach den Osterferien stellte ich fest, dass ich nur noch sechs Wochen in Schottland sein würde. Diese Zeit muss natürlich sinnvoll genutzt werden. Deswegen war ich letzte Woche Freitag in Stirling. Ich war zwar schon zweimal da, aber habe es beide Mal nicht geschafft, das Wallace Monument und das Castle zu besuchen.
In früheren Zeiten war Stirling die Hauptstadt von Schottland und zwei wichtige Schlachten in der schottisch-englischen Geschichte fanden in oder nahe Stirling statt. Die Schlacht von Stirling Bridge (1297) und die Schlacht von Bannockburn (1314). Beide Male waren die Schlachten mit den schottischen Unabhängigkeitskriegen verbunden und beide Schlachten wurden von den Schotten gewonnen.
Stirling Bridge
In der Schlacht von Stirling Bridge hat sich William Wallace besonders hervor getan. Rein zahlenmäßig hätten die Engländer gewinnen müssen. Aber die Taktik der Schotten war besser. Die Engländer überquerten die Stirling Bridge, um zum Schlachtfeld zu kommen, aber anstatt dass die Schotten dort auf die Engländer warteten, fingen die Schotten an, sie auf der Brücke zu bekämpfen und ihnen den Rückweg abzuschneiden. Außerdem war mit den Pferden auf sumpfigen Gebiet nicht so viel anzufangen. Die Engländer, die die Brücke noch nicht gesehen hatten, sahen ein, dass sie nicht gewinnen konnten und zogen sich zurück. William wurde zum Guardian of Scotland ernannt. Später hat ihn aber der englische König Edward I. gefangen genommen und wegen Hochverrat ziemlich ausführlich hingerichtet. Eine Schülerin der P5 erklärte es mir vor Ostern folgendermaßen: "They tortured him and then they hung him. And because he wasn't dead, they chopped off his head. And then they sliced his stomach and took out all the stuff inside while he was still alive so he could see himself die. Well... of course that was before they cut his head off..." ("Sie folterten ihn und dann erhängten sie ihn. Und weil er noch nicht tot war, haben sie seinen Kopf abgehackt. Und dann haben sie seinen Bauch aufgeschlitzt und die Innereien rausgenommen, während er noch gelebt hat, damit er sich beim Sterben beobachten konnte. Nun... das war natürlich bevor sie seinen Kopf abgehackt haben..."). Denjenigen, die Braveheart gesehen haben, wird das Ganze bekannt vorkommen.
Die Stirling Bridge steht noch und ich bin darüber gegangen. Bannockburn habe ich aber nicht besucht. Als ich mit Amelie, ihrer Schwester und Freund in Stirling war, sind wir daran vorbei gefahren, aber wir sind nicht ausgestiegen. Der Anführer der Schotten in dieser Schlacht war Robert the Bruce. Sein Denkmal ist natürlich in Bannockburn.
Außerdem hat Stirling neben London (Westminster Abbey) die einzige noch erhaltene Kirche, in der Königskrönungen stattgefunden haben und zwar die Church of the Holy Rude. Ja, genau, das ist die Kirche, bei der ich mich im November-Stirling-Post darüber aufgeregt habe, dass sie meinen Namen nie richtig schreiben. ;-) James VI. von Schottland (Sohn von Mary Stuart) wurde dort im Kindesalter gekrönt.

Genug mit der Geschichte, zurück zu meinem Ausflug. Amelie hatte mir vom Wallace Monument erzählt und dass man von dort eine gute Aussicht habe. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Die Tage vorher hatten wir richtig tolles Wetter, aber dann meinte eine Frau beim Zumba, dass es am Wochenende schlechter werden sollte. Ich guckte mir die Wettervorhersage an und weil das Wetter am Freitag besser sein sollte am Samstag entschied ich mich für Freitag - und fühlte mich hinterher veräppelt, weil es Samstag sehr viel schöner war. Am Freitag war es nicht direkt schlecht, aber recht bewölkt.
Am Bahnhof in Stirling angekommen, nahm ich den Bus zum Monument. Netterweise stand auf einem Plakat, welche Busse man dorthin nehmen konnte. Leider wusste ich, erstmal im Bus,  nicht, wo ich aussteigen sollte. Das altbekannte Problem. Wenn man nicht weiß, wie der Zielort aussieht, ist das Aussteigen wie Lotto spielen. Ich sah irgendwann das Wallace Monument und dachte, wir würden noch näher ran fahren, aber dann war es außer Sicht. Ich weiß nicht, ob der Bus vor der Endhaltestelle nochmal eine Schleife gedreht hätte und bin ausgestiegen und das Stück zurück gelaufen. Dass die hier auch keine Busfahrpläne in den Bussen haben und die Haltestellen vernünftig anzeigen!
Das Wallace Monument ist ein Turm auf einem Hügel. Am Fuß des Hügels kauft man die Eintrittskarte und kann dann entweder mit einem kleinen Bus hochfahren oder laufen. Ich bin gelaufen und habe die Strecke in zehn anstelle der angekündigten fünfzehn bis zwanzig Minuten gebraucht und fühlte mich toll.






Man kann den Turm besteigen. Eine enge Wendeltreppe mit läppischen 294 Stufen führt bis in die Krone. Zum Vergleich: Der Südturm des Kölner Doms hat 533 Stufen. Etwas anstrengend ist das Wallace Monument natürlich auch und man muss immer die Luft anhalten, wenn einem jemand auf der Wendeltreppe entgegen kommt. Auf einem Schild zu Beginn der Treppe steht "Bitte rechts halten" und ich dachte mir nur: "Soll ich auf einem Bein die Stufen hoch hüpfen?" Das Gute ist aber, dass drei Ausstellungsräume über die Höhe des Turms verteilt sind. Da kann man sich, wenn man vom Treppensteigen außer Atem ist, etwas ausruhen und sich informieren oder auch den Gegenverkehr ausweichen. Der erste Raum widmet sich der Geschichte der Schlacht von Stirling und man erfährt dort ungefähr das, was ich weiter oben geschrieben habe. Außerdem gibt es ein Video, in der sich William Wallace mit, ich glaube, Andrew de Morag, dem eigentlichen Heerführer der Schlacht, unterhält.
Andúril! Ups, das ist eine andere Geschichte
Im zweiten Raum wird die Frage gestellt, was eigentlich ein Held ist. Man kommt zu dem unglaublichen Schluss, dass das eine Frage der Perspektive ist. Es werden Büsten verschiedener (schottischer) Helden ausgestellt u.a. Robert Burns, Sir Walter Scott, John Knox und William Ewart Gladstone. Insgesamt habe ich festgestellt, dass die meisten dieser Helden aus dem 18. und 19. Jahrhundert kamen. Ich glaube, nur zwei stammten aus früheren Jahrhunderten. Außerdem kann man ein Schwert sehen, das angeblich William Wallace gehört hat. Das ist größer als ich!

Der letzte Raum informiert über den Bau des Denkmals. Es wurde im 19. Jahrhundert gebaut. Der erste Entwurf zeigte einen schottischen Löwen, der einen englisches Typhon (ein schlangen-/ drachenartiges Wesen aus der griechischen Mythologie), wurde aber abgelehnt, weil es dann doch zu anti-englisch war. Das Wallace Monument ist größer als das Scott Monument in Edinburgh, aber kleiner als die Freiheitsstatue (die wiederum kleiner als Big Ben ist). Und apropos Edinburgh: Sowohl Edinburgh als auch Glasgow hätten gerne das Wallace Monument gehabt. Stirling war dann ein Kompromiss zwischen den beiden Städten. Außerdem  ist die Tatsache, dass die Battle of Stirling Bridge in Stirling stattgefunden hat, natürlich ein starkes Argument.
Die Krone des Monuments ist bei zu viel Wind geschlossen, aber ich hatte Glück und konnte von dort die Aussicht genießen.

Stirling Castle auf dem Hügel
Mein zweites großes Ausflugsziel war Stirling Castle. Es liegt auf einem Hügel über der Altstadt und ich fand es ziemlich beeindruckend. der größte Teil des heutigen Schlosses wurde im 16. Jahrhundert von den Königen James IV. bis VI. gebaut. Kurze historische Information: James IV. war mit Margaret Tudor (Tochter des englischen Königs Henry VII.) verheiratet und starb im Krieg gegen England. England war in Frankreich einmarschiert, was dummerweise mit Schottland verbündet war... Damit war er der letzte König in ganz Großbritannien, der in einer Schlacht ums Leben kam. Sein Sohn, James V., wurde mit 17 Monaten zum König gekrönt. Er heiratete zwei französische Frauen (die eine starb sieben Wochen, nachdem sie nach Schottland gekommen war) und hatte drei Kinder mit Marie de Guise, von denen nur eins überlebte - Mary, Queen of Scots. Die kleine Mary wurde im Alter von sechs Tagen Königin, obwohl ihre Mutter Mary of Guise erstmal die Regierungsgeschäfte übernahm. Wie es mit Mary, Queen of Scot, endete, wissen vermutlich die meisten. Sie musste zugunsten ihres Sohns James VI. abdanken und wurde in England hingerichtet. James VI. wurde dann der erste gemeinsame König von England und Schottland, weil Elizabeth I. keine Kinder hatte. (Ich musste damit jetzt etwas angeben, schließlich hat es etwas gedauert, bis ich bei der Audioguideführung durch die ganzen James und Marys durchgeblickt habe.)
Der Audioguide zum Schloss war ziemlich gut. Während man durch den Königspalast geführt wurde, hörte man nicht nur Informationen über das Gebäude und die historischen Hintergründe, sondern immer auch eine kleine Szene, in der Schauspieler Dialoge sprachen, die die geschichtlichen Begebenheiten untermalten.


Das Schloss ist zumindest teilweise so restauriert worden, dass es wieder wie zu den Zeiten von James V und Marie de Guise aussieht. Dadurch sieht man, wie farbenfroh es damals war. Wenn man sich heute Schlösser anguckt, kommt man nicht auf den Gedanken, dass die Great Hall von außen in einem strahlenden Gelb hätte angestrichen sein können, so dass sie ein bisschen wie ein kitschiges Schloss im Phantasialand aussieht, oder dass die Decke im Schlafzimmer und Audienzzimmer des Königs so bunt angemalt worden sein könnten, dass ich mich fragte, ob das ein schlechter Scherz sei. Die knalligen Farben haben mich etwas an einen Kindergarten erinnert. Vermutlich liegt es daran, dass ich Schlösser anders (ohne die damalige Bemalung) gewöhnt bin. Trotzdem war mir das zu viel Farbe. Die Holzdecke in der großen Halle gefiel mir aber sehr gut und auch die Vorhänge an der Wand passten eher in meine Vorstellung wie ein Königspalast auszusehen hat.
Great Hall

Zimmer des Königs
Die Räumlichkeiten von James V sind nie fertig gestellt worden, weil er vorher starb. Die der Königin aber schon und da ihre Räume architektonisch die des Königs spiegeln, kann man sich schon vorstellen, wie die Räume des Königs ausgesehen hätten. Ich kann mich nicht erinnern, ob die Decken in den Gemächern der Königin auch so knallbunt waren, aber wenn das der Fall war, nahmen die reichbestickten Wandteppiche und die prunkvollen Möbel den Farben die Kraft. In diesen Räumen standen Mitarbeiter von Historic Scotland in  historischen Kostümen und machten dem Audioguide Konkurrenz. 
Das prächtige Bett, so der Mann im Schlafzimmer der Königin, habe nur eine symbolische Bedeutung gehabt und sei zum Kinder gebären da gewesen. Das eigentliche Bett der Königin habe in einem kleinem Nebenraum gestanden. Außerdem ist in diesem intimsten Raum der Königin ein Fußball gefunden worden, was zu der Vermutung geführt hat, dass die kleine Mary noch-nicht-Queen of Scots in den Räumen getobt hat. Sie war später auch eine gute Reiterin und Bogenschützin. Das Audienzzimmer war größer als das Schlafzimmer. Die Wandteppiche zeigten eine Einhornjagd. Dieses Motiv steht metaphorisch für die Passionsgeschichte Jesu, wie ich Freitag gelernt habe. Im ganzen Schloss sieht man ziemlich viele Einhörner, weil der schottische königliche Wappen einen Löwen und ein Einhorn zeigt.
Die Führung des Audioguides endete mit dem Königspalast, aber es gab noch viele verschiedene Stationen und Geschichten, die ich mir anhören und ansehen konnte. Die Küchen (die echt gut nachgestellt sind), Deckenschnitzereien, die einfach alles und jeden (von römischen Kaisern bis Frauen in der aktuellen Mode) zeigen, Mord und Totschlag in einem sonst ziemlich ruhigen Garten, ein Mann, der dachte, er könne sich selbst Flügel basteln und davon fliegen... Aber irgendwann lässt die Aufmerksamkeit nach.
Ich wollte auch eigentlich nicht mehr in das Argyll's Lodging gehen. Das Haus aus dem 17. Jahrhundert gehörte dem neunten Earl of Argyll, Archibald Campbell. Aber es war im Ticket zum Schloss enthalten und die Mitarbeiter haben mich mehr oder weniger reingezogen. Im Vergleich zum Schloss ist das Haus natürlich winzig, aber teilweise fand ich es prächtiger eingerichtet als den Palast. Aber auch das lag vermutlich daran, dass Teile des Königspalast nie fertig gestellt wurden. 
Nach einem langen Tag voller Bildung bin ich dann wieder zurück nach Glasgow gefahren.

Donnerstag, 2. April 2015

Hogwarts, Hogwarts, Hoggy Warty Hogwarts

Eigentlich müsste ich meinen Blog jetzt umbenennen, denn am Samstag war es Hogwarts. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich war in Hogwarts, habe das Schloss erkundet, mich in lange Roben geworfen, mit magischen Kräutern hantiert und fliegen gelernt. Ein durch und durch magischer Tag und ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

So und jetzt nochmal ausführlich: Am Samstag stand wieder eine ISUK-Tour auf dem Programm, diesmal ging es ins Alnwick Castle (wird übrigens Ahnick ausgesprochen), in dem Teile der ersten beiden Harry Potter-Filme gedreht wurden, so wie zum Bamburgh Castle. Beide liegen in Northumberland, England. Die Tour zum Alnwick Castle war schon einmal angeboten worden, aber an dem Wochenende konnte ich nicht und wartete nur darauf, dass es wieder die Gelegenheit gab, dahin zu fahren. Ende März waren die Chancen auf gutes Wetter auch recht groß. Keine Frage also, dass Amelie und ich dahin fahren würden. Hatte ich schon erwähnt, dass es nach Hogwarts ging?
Viertel vor acht an der Uni, um acht Uhr ging es los, das kennen wir ja mittlerweile schon. Ein bisschen schlafen im Bus, weil wir am Abend vorher mit unseren Kolleginnen essen waren, eine Kaffeepause nach etwa eineinhalb Stunden in Dunbar. Eigentlich wollten wir nur an einer Raststätte an der Autobahn halten, aber die war geschlossen. Wir hatten eine Dreiviertelstunde Aufenthalt in Dunbar, ein nettes Städtchen an der Küste, in dem es etwas windig war. Amelie und ich haben uns die Beine vertreten und haben uns dann einen Tee organisiert.



Wieder in Bus stieg die Spannung, der Reiseleiter war wieder eine Herausforderung, aber wir hatten Spaß und sangen auch bei den ABBA-Liedern mit. :-D Je näher wir Hog... Alnwick Castle kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Wir bekamen eine Karte des Schlossgeländes, die sehr liebevoll gezeichnet war. Außerdem verteilte der Reiseleiter Fotos aus den Harry Potter-Filmen und gab uns die Aufgabe, die entsprechende Ecke des Schlosses zu finden.

Wir kamen in Alnwick an und das Wetter war toll. Amelie und ich entschieden uns, nicht direkt das Schloss zu stürmen, sondern erst ein Foto (oder zwei) von der Lion Bridge aus zu machen. Von dieser Brücke hat man eine gute Sicht auf das Schloss. Sie heißt Lion Bridge, weil der Gryffindor-Löwe ein Löwe auf der Mitte der Brücke steht.


Dann gingen wir zum Schloss und ja, ich habe es definitiv als Hogwarts wiedererkannt. Das Alnwick Castle ist (nach Windsor) der zweitgrößte Adelssitz Englands und gehört der Familie Percy (Percy ist diesem Fall der Nachname; es ist also mitnichten so, dass Percy Weasley Karriere im Zaubereiministerium gemacht und ein Schloss gekauft hat), den Earls und Dukes of Northumberland. Bereits im 11. Jahrhundert wurde an dieser Stelle ein Schloss gebaut, das damals aber noch von einer anderen Familie bewohnt wurde und von dem man heute nichts mehr sieht, weil es im 13. und 14. Jahrhundert komplett umgebaut wurde. Auch im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Änderungen vorgenommen. Die ISUK fassen die Geschichte des Schlosses auf dem Itinerary folgendermaßen zusammen: "over 700 years of drama, intrigue, tragedy and romance". Das trifft es vielleicht besser ein als Abriss über den Rosenkrieg. ;-) Übrigens ist nicht nur Harry Potter im Alnwick Castle gedreht worden, sondern zum Beispiel auch der Robin Hood-Film mit Kevin Costner oder Elizabeth mit Cate Blanchett. Auch Downton Abbey hat mal einen Ausflug in das Schloss gemacht.
Wir betraten also Hogwarts und wandten uns zuerst einmal der Knight's Quest zu. An einer Statue von Sir Henry Percy vorbei gelangten wir ein einen Säulengang, der um einen Innenhof herum führte. Im Säulengang gab es verschiedene Aktivitäten, Gaukler, Alchimisten, Verkleidungen und einen Seifenstand. Unter der fachkundigen Aufsicht von den Professoren Snape und Sprout - oder vielmehr einem Mann und einer Frau in mittelalterlichen Gewändern - wählten wir vier Pflanzen aus, die die Grundlage unserer Seife bildeten. Ich hatte Rosenblätter, Lavendel, Kamille und Echten Eibisch, der auf Englisch im Volksmund Marshmallow genannt wird, weil die Süßigkeiten daraus bestehen, und den ich nur genommen habe, weil ich den Namen so lustig fand. Ich hätte noch Ringelblume, Minze und ein oder zwei andere Pflanzen wählen können. Wir zerkleinerten die Pflanzen in einem Mörser, was bei dem Wind gar nicht so einfach war. Die zerriebenen Blüten wurden dann mit Haferflocken vermischt und damit das Gemisch auch zusammenblieb, verkneteten wir es mit Pflanzenfett (im Mittelalter wurde Tierfett genommen, aber das wollte man den Kindern wohl nicht zumuten) und rollten kleine Kugeln. Die mussten noch ein paar Tage trocken, aber inzwischen könnte ich die Seife benutzen. Sie sieht eher aus wie Müslikugeln, aber riecht ganz anders. Auf dem Bild links sieht man Amelies Mischung.


Nachdem Amelie und ich uns die Hände gewaschen hatten, beschlossen wir, dass wir uns als nächstes als Prinzessinnen verkleiden wollten. Es gab viele schöne Kleider im Kleiderschrank und die beiden Frauen, die darauf aufpassten, halfen uns dabei, das passende auszuwählen. Auch wenn wir Kleider anhatten, waren wir Damsels ganz und gar nicht in distress und posierten mit den gefährlichen Drachen und den Kampfpuppen.



Die Drachen hatte uns dann auch Lust auf die Dragon Quest gemacht, ein kleines Gruselkabinett mit integrierter Geschichte über Kämpfe mit Drachen und einem Quiz für Kinder, bei dem wir schon nach der zweiten Frage wussten, dass das Lösungswort "Percy" sein musste. Trotzdem hatten wir viel Spaß in der Dragon Quest (es gab einen Gang mit rotierenden Totenköpfen und ein Spiegelkabinett inklusive einer Gollum-ähnlicher Figur).
Als wir auf der Knight's Quest kamen, liefen wir einer Hochzeitsgesellschaft (mit Dudelsackspielern!) über den Weg. Ja, in Hogwarts kann man heiraten, aber die Warteliste ist wohl sehr lang. Ich könnte mich jetzt schon mal eintragen... Wir liefen über die Grünflächen von Hogwarts und suchten nach den Teilen, die auf unseren Fotos zu sehen waren. Unterwegs kamen wir an der Besenflugstunde vorbei und beschlossen, die später auch zu besuchen. Außerdem gingen wir ins Fusiliers Museum, verließen das aber auch ganz schnell wieder und liefen in die Richtung der Gärten, weil uns ein sehr großes Baumhaus als Attraktion angepriesen wurde. Für die Gärten hätte man ziemlich viel Eintritt zahlen müssen und obwohl wir das Baumhaus schon beeindruckend fanden, war Hogwarts doch viel interessanter und wir gingen zurück zum Schloss. Dort entdeckten wir dann auch beide Filmkulissen von unseren Harry Potter Bildern. 




Ich wäre gerne noch in die State Rooms, also in die tatsächlichen Gebäude des Schlosses herein gegangen, aber dafür hatten wir keine Zeit mehr, denn wir wollten nicht zu spät zu unserer eigenen Flugstunde kommen. Zwei Mädchen kamen zu spät und wurden von dem strengen Fluglehrer zurecht gewiesen.
Der ganze Besuch in Hogwarts war ein einziges Highlight und ich fand viele der Aktionen richtig toll, deswegen ist es schwierig zu sagen, ob die Besenflugstunde tatsächlich der Höhepunkt des Tages war, aber ich hatte wirklich unheimlich viel Spaß und ich kam mir kein bisschen blöd dabei vor (Ja, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr mich für bescheuert erklären könnt).
Wir hatten zwei Lehrer, ich habe leider die Namen beider vergessen, aber der eine war ein ungarischer Weltmeister im Fliegen. Zu Beginn der Stunde mussten wir uns aufwärmen, d.h. das Ticket, mit dem die Teilnehmer beschränkt wurden, in der rechten Hand halten und diese am Handgelenk einklappen, die linke in die Seite stimmen und dann gleichzeitig mit dem Po, den Knien und den Augenbrauen wackeln. Die Lehrer wählten dann vier Leute (u.a. Amelie) aus, die uns die Aufwärmübung nochmal vormachen sollten. 
Dann wurden die Besen verteilt. Wir mussten in die Knie gehen, die Hände ausstrecken und den Besen auffangen. Um das zu demonstrieren, wurde eine Frau aus der Klasse ausgewählt (wir waren eine sehr heterogene Lerngruppe was das Alter angeht), die sich etwas ungeschickt anstellte und danach immer wieder von dem Lehrer aufgezogen wurde. Als alle einen Besen hatten, wurde uns gezeigt, wie wir den Besen besteigen sollten und uns gesagt, dass wir das auf eine angeberische Weise machen sollte. Dafür benutzte der Lehrer in Wort, das ich nicht kannte. Es war auch wohl ungewöhnlich, denn der Lehrer suchte ein williges Opfer, das ihm das Wort erklären sollte. Er fand mich. "Are your a student?" Ich musste mich neben ihn stellen und das Wort definieren. Joa, ich habe auf ganzer Linie versagt. Fünfzehn Punkte Abzug von Ravenclaw.
Endlich waren alle Formalitäten geklärt und wir durften fliegen (für die ohne Fantasie: über die Wiese laufen und "Wuuusch!" rufen). Wir mussten um die Lehrer herum fliegen und sollten "Good afternoon, Sir" sagen, wenn wir an einem von beiden vorbei kamen. Der nächste Schritt war eine Art Ochs am Berge. Wir flogen auf unseren Lehrer zu, wenn er "Go!" rief, und blieben bewegungslos stehen, wenn das Kommando "Stop!" lautete. Diejenigen, die noch wackelten, wenn der Professor uns ansah, mussten wieder zurück an den Anfang. Die Übung haben wir zweimal gemacht. Einmal mit akustischen und einmal mit visuellen Signalen. Im zweiten Durchgang gab es auch das Kommando wie ein Kaninchen zu hoppeln. 
Damit war die Flugstunde beendet und die Lehrer berieten, ob wir bestanden hatten. Wir hörten die Worte "horrible" und "fools", aber ich hatte doch ein ganz gutes Gefühl. Trotzdem war ich die Einzige, die bei der Ansage: "Nobody, not a single one of you has... failed!" gejubelt hat. Ehrlich gesagt, hatte ich schon damit gerechnet, dass zumindest die Frau, die der Lehrer zu Beginn auf dem Kieker hatte, nochmal in die Nachprüfung musste oder so. Und ich fand, dass so ein bestandener Flugschein schon ein Grund zum Jubeln ist. Die Freude meiner Klassenkameraden kam etwas verspätet. Vermutlich brauchten sie einen Moment, um ihr Glück zu fassen. Wir durften noch ein paar Fotos mit den Besen machen und bekamen ein paar Tipps, wir wie uns am besten beim Fliegen fotografieren können. 


Nach dem Fliegen hatten wir noch ein bisschen Zeit, um in den Gift Shop zu gehen, aber ich hätte gerne noch mehr Zeit gehabt. Wir hatten mit dreieinhalb Stunden ziemlich viel Zeit, aber es gab noch so viel mehr zu sehen. Ich wäre gerne noch ins Castle Museum gegangen und hätte gerne die Innenräume oder die Downton Ausstellung gesehen, aber wir wollten den Hogwarts-Express, der uns zurück nach Glasgow bringen würde, nicht verpassen. Die Zeit in Hogwarts geht immer so schnell vorbei.

Es ging aber nicht direkt zurück nach Glasgow, sondern wir fuhren noch zum Bamburgh Castle. Das Schloss war schon geschlossen, aber wir wurden durch die Dünen zu einem wirklich atemberaubenden Strand geführt. Ich weiß nicht, ob gerade Ebbe war, aber das Strand war sehr breit und erstreckte sich so lang wie das Auge reichte. Es war ziemlich windig, und der Sand wirbelte ein paar Zentimeter über den Boden. Ich war ein bisschen übermütig und bin mit nackten Füßen ins Wasser gegangen. Das war eisig, aber hey, ich war dieses Jahr schon im Meer! 

 


Mir hat der Strand sehr gut gefallen, aber ich wäre lieber noch etwas länger in Hogwarts geblieben. Nach Bamburgh ging es zurück nach Hause und dann wurde auch "500 Miles" abgespielt und mitgesungen. Mittlerweile kann ich es schon so gut wie auswendig. Vielleicht wäre es mal eine Idee, dass wir das Lied beim nächsten Mal ganz ohne Unterstützung von der CD singen.

Übrigens vielen Dank an Amelie, die ganz viele von den Fotos hier gemacht hat. Ich war von Hogwarts so geflasht, dass ich selber nicht so viele Fotos gemacht habe. Außerdem drehen Muggelgeräte in Hogwarts ja sowieso durch, weil so viel Magie in der Luft liegt...