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Donnerstag, 21. Mai 2015

Abschied von den Highlands

Letzten Freitag war ich nochmal auf eigene Faust in Inverness und bin diesmal über Nacht bis Samstag geblieben. Als ich Samstagabend zurückfuhr, fiel mir auf, dass das die letzte Fahrt durch die Highlands während meiner Assistentenzeit sein würde und wurde etwas melancholisch. Glücklicherweise habe ich die zwei Tage in Inverness gut genutzt.
Am Freitag bin ich zuerst ein bisschen durch die Stadt geschlendert und habe zu meiner großen Begeisterung wieder einen Einhorn-Pfeiler entdeckt. Ich glaube, viel mehr als eine allgemeine Liebe zu Einhörnern, ist es einfach die Tatsache, dass das Einhorn das schottische Wappentier ist, die mich immer wieder ausflippen lässt, wenn ich ein Einhorn sehe.
Ich bin auch zum Castle gegangen, aber da sind irgendwelche Büro-Räume und das Gericht drin, deswegen habe ich es gar nicht erst versucht hineinzugehen. Vor dem Castle steht auch eine Statue von Flora MacDonald. Als die Jacobiter 1746 die Schlacht von Culloden nahe Inverness verloren, half Flora MacDonald Bonnie Prince Charlie zur Flucht. Ich hätte mir das Schlachtfeld von Culloden (auch eine wichtige Schlacht in der schottischen Geschichte) ansehen können, allerdings hätte ich dafür wohl am besten ein Auto gebraucht und dachte mir, dass das den Aufwand nicht wert sei.
Danach war im Inverness Musuem and Art Gallery und habe wieder viel Spaß mit den Kinder-Aktivitäten gehabt. Piktische Muster zeichnen, einen Mantel in der Mode des 14. Jahrhunderts anprobieren... Sowas eben. Im Erdgeschoss des Museums ging es vor allem um die frühe und mittelalterliche Geschichte Schottlands und das schottische Wildlife. 
Man durfte ausgestopfte Füchse, Dachse und andere Tiere anfassen. Das habe ich dann aber doch nicht gemacht. Ein bisschen irritierend fand ich auch, dass in den Glaskästen, die den Lebensraum der Tiere darstellten, auch Müll lag. Eine Getränkedose, kleine Plastikteile usw. Ich weiß nicht, ob das auf die Umweltverschmutzung aufmerksam machen sollte oder ob Museumsbesucher es geschafft haben, Müll in die Kästen zu werfen.
In der zweiten Etage habe ich gelernt, dass es ein Tree Alphabet gibt. Ich weiß nicht, wofür das nützlich ist, aber der Baum, der zum Buchstaben R gehört, ist Holunder (Elder im Englischen - ich frage mich, warum im siebten Harry Potter-Buch immer von Elder-Stab gesprochen wird, wenn es doch eigentlich Holunder sein sollte). Auf dem Schild wurde extra erwähnt, dass Holunder häufig mit Magie verbunden wird. Passt also.
Der Kunstteil des Museums beschäftigte sich mit Kurzfilmen, die ich übersprungen habe. Stattdessen bin ich direkt in die Abteilung gegangen, die sich mit Leben und Identität in den Highlands beschäftigte. Es wurden einige Gegenstände aus dem Alltag in Inverness zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert ausgestellt. Außerdem gab es Tafeln, die sich mit Liedern, Legenden und Traditionen beschäftigten und zu dem Schluss kamen, den ich schon aus der Uni kannte: Viele Traditionen sind invented traditions und gar nicht so alt wie wir denken.
Als ich aus dem Museum kam, regnete es so stark, dass ich mich entschied, wieder in den schönen Secondhand-Buchladen zu gehen, in dem ich schon bei meinem ersten Besuch in Inverness war. Ich habe den Laden mit drei Büchern wieder verlassen.
Danach habe ich im Hostel eingecheckt. Leider hatten die Leute vor mir ihren Schlüssel nicht abgegeben, deswegen bekam ich keinen. Zum Glück war abends eine andere Frau an der Rezeption, die mir den Schlüssel der Putzfrauen gab, sonst wäre das sehr blöd geworden. Ich habe mich kurz ausgeruht und mich dann wieder auf den Weg gemacht (so einladend war das Zimmer nicht).
Ich bin am Fluss Ness spazieren gegangen, bis anfing zu regnen und ich zurück ins Hostel gegangen bin. Es war noch früh, aber ich war schon müde und fand es ganz nett, alleine im Zimmer zu sein. Ich habe gelesen und ziemlich früh (für meine Verhältnisse) geschlafen. Die Ankunft der zwei Tamilen, die mit mir im Zimmer waren habe ich noch mit bekommen, aber den vierten Zimmermitbewohner habe ich erst am nächsten Morgen kennengelernt.

Der nächste Morgen begann auch viel zu früh. Um Viertel nach fünf wurde ich zum ersten Mal wach, weil jemand aufstand, seine Sachen packte und ging. Eine Weile später wurde gequatscht und jemand versuchte, das Schließfach im Raum zu nutzen. Und um acht sagte der vierte Mann, ein ca. 50-jähriger Alt-Hippie, zu mir: "Are you STILL sleeping?" Ich war kurz davor zu antworten: "It is f*cking eight o'clock on a f*cking Saturday morning. What do you think I'm doing?!" Ich habe mich damit begnügt, ihn darüber zu informieren, dass ich mittlerweile wach sei und die Rezeption und Küche doch eh erst um acht aufmachten. Er sagte, es gäbe aber auch schon im Gemeinschaftsraum Kaffee, und erzählte mir von seiner Thailand-Reise, bei der er immer umsonst im Tempel gegessen habe. Ich tat so, als hörte ich zu und war sehr froh, als er den Raum auf der Suche nach Kaffee verließ. Ich beschloss, nicht im Hostel zu frühstücken und setzte mich in ein Café. Durch das Fenster konnte ich Inverness erwachen sehen. Es ist ja nicht so, dass dort derartig der Bär steppen würde, dass man unbedingt morgens um sechs aus dem Bett springen muss...
Ich bin wieder ein bisschen durch die Stadt gewandert, habe mir den Victorian Market (eine schöne Markthalle aus dem 19. Jahrhundert) und die Kathedrale angesehen und dann mit dem Bus zum Urquhart Castle gefahren. 
Als ich ganz neu in Glasgow war, meinte meine deutsche Mitbewohnerin (mit der ich nur zwei Wochen zusammen gewohnt habe), bis zum Ende meine Assistentenzeit würde ich so oft zum Urquhart Castle fahren, dass es mir irgendwann zum Hals raushinge. Nun ja, ich war jetzt zum ersten Mal. Es ist eine Burgruine direkt am Loch Ness. Schon zum St Columbas Zeiten (6. Jahrhundert) hat ein Pikten-Oberhaupt an dieser Stelle gewohnt und wurde auf dem Sterbebett von St Columba zum Christentum konvertiert (laut der Legende). Im Mittelalter war die Stelle am Ufer des Lochs ein strategisch wichtiger Punkt. Es wurde eine Burg gebaut, die durch verschiedene Hände gegangen ist; nach der Schlacht von Culloden gehörte sie auch zwischendurch den Engländern. Im 16. Jahrhundert hat der MacDonald Clan bei einem Raubzug das Schloss komplett leer geräumt (als ich das gelesen habe, erinnerte ich mich, dass uns im Schottlandseminar erzählt wurde, dass die Clans sich gerne gegenseitig die Rinder geklaut haben). 1690 wurde das Castle aufgegeben und in die Luft gejagt, damit die Jacobiter nicht einziehen konnten.
Samstag war wieder so ein four-seasons-in-one-day-Tag. Innerhalb der zwei Stunden, in denen ich da war, haben Regen und Sonne sich sicher dreimal abgewechselt. Aber dafür habe ich sowohl Fotos vom Loch Ness in der Sonne als auch im Dunst machen können. Und weiterhin habe ich kein Anzeichen von Nessie gesehen...




Ich bin nach Inverness zurückgefahren und hatte eigentlich zu viel Zeit übrig. Um die Zeit zu nutzen, bin ich noch einmal durch die Stadt gebummelt, habe dann aber entschieden, mich einfach in den Busbahnhof zu setzen und zu lesen.


Dienstag, 14. April 2015

Mit dem Rad in die Steinzeit (Orkney Tag 2)

Nachdem ich am ersten Tag Kirkwall ausführlich bewundert hatte, bin ich am zweiten Tag nach Stromness gefahren, die zweitgrößte Stadt auf Orkney. Mit dem Bus dauert das ungefähr eine halbe Stunde. Marit hatte mir vorgeschlagen, dass ich mir ein Rad in Stromness mieten und damit nach Skara Brae fahren könnte. Die Idee gefiel mir ganz gut. Besser als ständig auf irgendwelche Busse zu warten. 

Stromness Habour mit Blick auf die Stadt


Es hat etwas gedauert, bis ich gemerkt habe, dass da NICHT Harry Potter steht

Rein theoretisch sind die Orkney Islands ein ganz guter Ort zum Radfahren, weil sie relativ flach sind (übrigens gibt es auch kaum Bäume). Praktisch gibt es aber eine Sache, die das Radfahren deutlich erschweren: Es ist ziemlich windig. Ich hatte mir die Wettervorhersage angesehen; laut der sollte es etwas bewölkt mit ein paar Sonnenstrahlen werden und mit Wind zwischen 20 und 25 Meilen pro Stunde. Marit meinte, das sei gar nicht so stark. Sie habe auch schon mal 70 Meilen pro Stunde gehabt.
Nun ja, die angekündigte Windgeschwindigkeit reichte dann schon, um das Radeln zu einer Herausforderung zu machen. Der Wind war nämlich äußerst unkooperativ und kam immer von der falschen Seite (vorne oder halb vorne). Manchmal hat er mich fast auf die andere Fahrbahn gedrückt. Außerdem war es eine merkwürdige Erfahrung, dass die Nase lief aber der Wind den Schnodder wieder hochdrückte (sorry, wenn das etwas ekelig ist). Ansonsten klappte das mit dem Radfahren aber gut. Ich bin nur einmal aus Versehen auf der rechten Straßenseite gefahren - aber zum Glück auf einer Straße, auf der sonst nichts los war - aber abgesehen davon war der aktive Linksverkehr (als Fußgänger ist es ja recht egal, wo man lang läuft) nicht sonderlich verwirrend. Nur beim Rechtsabbiegen musste ich aufpassen. 
Die Orte, zu denen ich hin wollte, waren auch gut ausgeschildert. Aber manchmal waren die Schilder ein bisschen entmutigend ("Ich habe jetzt doch sicher schon die Hälfte der Strecke hinter mir." *Schild* "Wie? Immer noch vier Meilen?! Verdammt!"). Ab und zu bin ich auch einfach abgestiegen und habe geschoben.



Nach etwa einer Stunde kam ich in Skara Brae an. Laut Google Maps hätte ich nur eine halbe Stunde brauchen sollen, aber die hatten wohl Rückenwind. Skara Brae ist die am besten erhaltene neolithische Siedlung Europas. Sie ist älter als Stonehenge und die Cheops-Pyramide und wurde 1850 bei einem Sturm freigelegt. Man geht davon aus, dass von 3180 bis ca. 2500 vor Chr. Menschen in Skara Brae gelebt haben. Heute liegt die Siedlung direkt am Meer, aber zu dem Zeitpunkt der Besiedlung sah die Landschaft noch anders aus und die Küste war etwas weiter weg. Die Siedlung besteht auch acht Häusern, eins davon eine Werkstatt. Alle Häuser haben eine Feuerstelle in der Mitte, Bettrahmen (abgesehen von der Werkstatt), die früher mit Heide und Schaffellen gepolstert waren, und weiteren Möbeln aus Stein, wie einem Tisch und Regale. 




Ein Haus konnte man als Nachbau von innen besichtigen. Die Verantwortlichen haben sich viel Mühe gegeben, um das Ganze anschaulich zu gestalten und haben einen unechten Hummer und andere Lebensmittel auf den Tisch gelegt, um zu zeigen, was die Menschen damals gegessen haben. Sogar die eingeritzten Zeichen auf einem der Bettrahmen konnte man in der Nachbildung ansehen. Um diese Carvings zu schützen, wurde das entsprechende Haus in der Siedlung wieder mit einem Dach versehen. Zuerst hatte eine Glasplatte das Haus bedeckt, aber dadurch veränderte sich die Temperatur im Haus und die eingeritzten Zeichen begannen zu bröckeln - also das Gegenteil von dem, was man erreichen wollte. Deswegen befindet sich jetzt wieder ein Grasdach über diesem Haus.
In den Häusern hat man außerdem Steinbälle mit eingeritzten Mustern oder Runen gefunden. Allerdings weiß man nicht, wofür diese Bälle verwendet wurden oder war die Zeichen zu bedeuten haben. Kleine Klumpen Hämatit (rote Steine) lassen zudem vermuten, dass die Menschen in Skara Brae Kontakt mit Menschen auf Hoy, einer anderen Orkney Insel, hatten, weil Hämatit nur auf Hoy, aber nicht auf Mainland vorkommt.
Im Eintritt für Skara Brae war auch das Skaill House enthalten. Das ist ein Herrenhaus, dessen Besitzer Skara Brae entdeckt haben. Im Haus kann man Möbel und Habseligkeiten der Bewohner des Hauses bis ins 20. Jahrhundert sehen, u.a. das Geschirr von Captain Cooks Schiff.
Skaill House

Skaill Bay
Eigentlich wollte ich von Skara Brae nach Birsay weiterradeln. Diese Insel kann man bei Ebbe zu Fuß erreichen und muss sehr schön sein, denn sie ist mir von mehreren Leute empfohlen worden. Allerdings sagte Marit auch, dass es Glückssache sei, mit dem Bus dorthin zu kommen. Deswegen hielt ich es für eine gute Idee, auch dort mit dem Rad hinzufahren. Ich war etwas entmutigt, weil ich nach Skara Brae schon doppelt so lange  gebraucht hatte, wie gedacht und Birsay sollte nochmal eine Stunde entfernt sein - also zwei Stunden für mich. Aber entschlossen wie ich war, fragte ich den Mitarbeiter von Historic Scotland in Skara Brae nach dem Gezeitenplan für Birsay. Und stellte fest, dass der sichere Zeitraum, um trockenen Fußes nach Birsay zu kommen, in zwei Minuten enden würde. Der Mitarbeiter meinte dazu: "You could make it - if you are a strong swimmer." Ich kann schwimmen, aber ich bin ja nicht blöd. Also habe ich umgeplant.

Schon auf dem Weg nach Skara Brae hatte ich Schilder zum Ring of Brodgar gesehen und hatte überlegt, dahin zu fahren, aber eigentlich hatte ich das für den nächsten Tag geplant. Da ich jetzt aber überraschend Zeit hatte, habe ich mich dann doch entschieden, das nach vorne zu ziehen. Der Ring of Brodgar ist ein Steinkreis mit einem Durchmesser von etwas mehr als 100m und damit der drittgrößte auf den Britischen Inseln. Von den ursprünglich 60 Steinen haben 27 die Zeit überstanden. Im Gegensatz zu Stonehenge kann man zwischen den Steinen hindurch gehen und sie auch anfassen. Ich fand es faszinierend.
Welche Funktion der Steinkreis hatte, ist nicht ganz klar, aber man vermutet, dass er eine wichtige Rolle für zeremonielle Zwecke gespielt hat. Die Standing Stones of Stennes (ein weiterer Steinkreis) und das Grab Maeshowe befinden sich in der Nähe.


Die Rückfahrt nach Stromness war ziemlich anstrengend. Ich war müde und hatte kein großes Ziel mehr vor Augen. Außerdem beschloss der Wind weiterhin, mein Radfahren zu sabotieren. Ich musste mehrmals absteigen und schieben. Und kennt ihr die Frustration, wenn man bergab trampeln muss?
Völlig k.o. wieder in Stromness
In Stromness habe ich mein Rad abgegeben und hatte noch etwas Zeit, bevor ich den Bus zurück nach Kirkwall nehmen musste. Ich ging ins Pier Art Centre. Das meiste war moderne Kunst, mit der ich mich etwas schwer tue. Aber man hatte eine tolle Sicht auf den Hafen. Außerdem haben mich die Kommentare von Schulkindern über die Bilder, die auf den kleinen Schildern neben den Bildern standen, sehr amüsiert. Ein Mädchen sagte über ein überwiegend braun-graues Bild "a bit of it looks like a sock". Es gab auch einen Raum, in dem Bilder aus dem Kunstunterricht an Orkneys Schulen ausgestellt waren. Das fand ich eine sehr schöne Idee.

Donnerstag, 2. April 2015

Hogwarts, Hogwarts, Hoggy Warty Hogwarts

Eigentlich müsste ich meinen Blog jetzt umbenennen, denn am Samstag war es Hogwarts. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich war in Hogwarts, habe das Schloss erkundet, mich in lange Roben geworfen, mit magischen Kräutern hantiert und fliegen gelernt. Ein durch und durch magischer Tag und ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

So und jetzt nochmal ausführlich: Am Samstag stand wieder eine ISUK-Tour auf dem Programm, diesmal ging es ins Alnwick Castle (wird übrigens Ahnick ausgesprochen), in dem Teile der ersten beiden Harry Potter-Filme gedreht wurden, so wie zum Bamburgh Castle. Beide liegen in Northumberland, England. Die Tour zum Alnwick Castle war schon einmal angeboten worden, aber an dem Wochenende konnte ich nicht und wartete nur darauf, dass es wieder die Gelegenheit gab, dahin zu fahren. Ende März waren die Chancen auf gutes Wetter auch recht groß. Keine Frage also, dass Amelie und ich dahin fahren würden. Hatte ich schon erwähnt, dass es nach Hogwarts ging?
Viertel vor acht an der Uni, um acht Uhr ging es los, das kennen wir ja mittlerweile schon. Ein bisschen schlafen im Bus, weil wir am Abend vorher mit unseren Kolleginnen essen waren, eine Kaffeepause nach etwa eineinhalb Stunden in Dunbar. Eigentlich wollten wir nur an einer Raststätte an der Autobahn halten, aber die war geschlossen. Wir hatten eine Dreiviertelstunde Aufenthalt in Dunbar, ein nettes Städtchen an der Küste, in dem es etwas windig war. Amelie und ich haben uns die Beine vertreten und haben uns dann einen Tee organisiert.



Wieder in Bus stieg die Spannung, der Reiseleiter war wieder eine Herausforderung, aber wir hatten Spaß und sangen auch bei den ABBA-Liedern mit. :-D Je näher wir Hog... Alnwick Castle kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Wir bekamen eine Karte des Schlossgeländes, die sehr liebevoll gezeichnet war. Außerdem verteilte der Reiseleiter Fotos aus den Harry Potter-Filmen und gab uns die Aufgabe, die entsprechende Ecke des Schlosses zu finden.

Wir kamen in Alnwick an und das Wetter war toll. Amelie und ich entschieden uns, nicht direkt das Schloss zu stürmen, sondern erst ein Foto (oder zwei) von der Lion Bridge aus zu machen. Von dieser Brücke hat man eine gute Sicht auf das Schloss. Sie heißt Lion Bridge, weil der Gryffindor-Löwe ein Löwe auf der Mitte der Brücke steht.


Dann gingen wir zum Schloss und ja, ich habe es definitiv als Hogwarts wiedererkannt. Das Alnwick Castle ist (nach Windsor) der zweitgrößte Adelssitz Englands und gehört der Familie Percy (Percy ist diesem Fall der Nachname; es ist also mitnichten so, dass Percy Weasley Karriere im Zaubereiministerium gemacht und ein Schloss gekauft hat), den Earls und Dukes of Northumberland. Bereits im 11. Jahrhundert wurde an dieser Stelle ein Schloss gebaut, das damals aber noch von einer anderen Familie bewohnt wurde und von dem man heute nichts mehr sieht, weil es im 13. und 14. Jahrhundert komplett umgebaut wurde. Auch im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Änderungen vorgenommen. Die ISUK fassen die Geschichte des Schlosses auf dem Itinerary folgendermaßen zusammen: "over 700 years of drama, intrigue, tragedy and romance". Das trifft es vielleicht besser ein als Abriss über den Rosenkrieg. ;-) Übrigens ist nicht nur Harry Potter im Alnwick Castle gedreht worden, sondern zum Beispiel auch der Robin Hood-Film mit Kevin Costner oder Elizabeth mit Cate Blanchett. Auch Downton Abbey hat mal einen Ausflug in das Schloss gemacht.
Wir betraten also Hogwarts und wandten uns zuerst einmal der Knight's Quest zu. An einer Statue von Sir Henry Percy vorbei gelangten wir ein einen Säulengang, der um einen Innenhof herum führte. Im Säulengang gab es verschiedene Aktivitäten, Gaukler, Alchimisten, Verkleidungen und einen Seifenstand. Unter der fachkundigen Aufsicht von den Professoren Snape und Sprout - oder vielmehr einem Mann und einer Frau in mittelalterlichen Gewändern - wählten wir vier Pflanzen aus, die die Grundlage unserer Seife bildeten. Ich hatte Rosenblätter, Lavendel, Kamille und Echten Eibisch, der auf Englisch im Volksmund Marshmallow genannt wird, weil die Süßigkeiten daraus bestehen, und den ich nur genommen habe, weil ich den Namen so lustig fand. Ich hätte noch Ringelblume, Minze und ein oder zwei andere Pflanzen wählen können. Wir zerkleinerten die Pflanzen in einem Mörser, was bei dem Wind gar nicht so einfach war. Die zerriebenen Blüten wurden dann mit Haferflocken vermischt und damit das Gemisch auch zusammenblieb, verkneteten wir es mit Pflanzenfett (im Mittelalter wurde Tierfett genommen, aber das wollte man den Kindern wohl nicht zumuten) und rollten kleine Kugeln. Die mussten noch ein paar Tage trocken, aber inzwischen könnte ich die Seife benutzen. Sie sieht eher aus wie Müslikugeln, aber riecht ganz anders. Auf dem Bild links sieht man Amelies Mischung.


Nachdem Amelie und ich uns die Hände gewaschen hatten, beschlossen wir, dass wir uns als nächstes als Prinzessinnen verkleiden wollten. Es gab viele schöne Kleider im Kleiderschrank und die beiden Frauen, die darauf aufpassten, halfen uns dabei, das passende auszuwählen. Auch wenn wir Kleider anhatten, waren wir Damsels ganz und gar nicht in distress und posierten mit den gefährlichen Drachen und den Kampfpuppen.



Die Drachen hatte uns dann auch Lust auf die Dragon Quest gemacht, ein kleines Gruselkabinett mit integrierter Geschichte über Kämpfe mit Drachen und einem Quiz für Kinder, bei dem wir schon nach der zweiten Frage wussten, dass das Lösungswort "Percy" sein musste. Trotzdem hatten wir viel Spaß in der Dragon Quest (es gab einen Gang mit rotierenden Totenköpfen und ein Spiegelkabinett inklusive einer Gollum-ähnlicher Figur).
Als wir auf der Knight's Quest kamen, liefen wir einer Hochzeitsgesellschaft (mit Dudelsackspielern!) über den Weg. Ja, in Hogwarts kann man heiraten, aber die Warteliste ist wohl sehr lang. Ich könnte mich jetzt schon mal eintragen... Wir liefen über die Grünflächen von Hogwarts und suchten nach den Teilen, die auf unseren Fotos zu sehen waren. Unterwegs kamen wir an der Besenflugstunde vorbei und beschlossen, die später auch zu besuchen. Außerdem gingen wir ins Fusiliers Museum, verließen das aber auch ganz schnell wieder und liefen in die Richtung der Gärten, weil uns ein sehr großes Baumhaus als Attraktion angepriesen wurde. Für die Gärten hätte man ziemlich viel Eintritt zahlen müssen und obwohl wir das Baumhaus schon beeindruckend fanden, war Hogwarts doch viel interessanter und wir gingen zurück zum Schloss. Dort entdeckten wir dann auch beide Filmkulissen von unseren Harry Potter Bildern. 




Ich wäre gerne noch in die State Rooms, also in die tatsächlichen Gebäude des Schlosses herein gegangen, aber dafür hatten wir keine Zeit mehr, denn wir wollten nicht zu spät zu unserer eigenen Flugstunde kommen. Zwei Mädchen kamen zu spät und wurden von dem strengen Fluglehrer zurecht gewiesen.
Der ganze Besuch in Hogwarts war ein einziges Highlight und ich fand viele der Aktionen richtig toll, deswegen ist es schwierig zu sagen, ob die Besenflugstunde tatsächlich der Höhepunkt des Tages war, aber ich hatte wirklich unheimlich viel Spaß und ich kam mir kein bisschen blöd dabei vor (Ja, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr mich für bescheuert erklären könnt).
Wir hatten zwei Lehrer, ich habe leider die Namen beider vergessen, aber der eine war ein ungarischer Weltmeister im Fliegen. Zu Beginn der Stunde mussten wir uns aufwärmen, d.h. das Ticket, mit dem die Teilnehmer beschränkt wurden, in der rechten Hand halten und diese am Handgelenk einklappen, die linke in die Seite stimmen und dann gleichzeitig mit dem Po, den Knien und den Augenbrauen wackeln. Die Lehrer wählten dann vier Leute (u.a. Amelie) aus, die uns die Aufwärmübung nochmal vormachen sollten. 
Dann wurden die Besen verteilt. Wir mussten in die Knie gehen, die Hände ausstrecken und den Besen auffangen. Um das zu demonstrieren, wurde eine Frau aus der Klasse ausgewählt (wir waren eine sehr heterogene Lerngruppe was das Alter angeht), die sich etwas ungeschickt anstellte und danach immer wieder von dem Lehrer aufgezogen wurde. Als alle einen Besen hatten, wurde uns gezeigt, wie wir den Besen besteigen sollten und uns gesagt, dass wir das auf eine angeberische Weise machen sollte. Dafür benutzte der Lehrer in Wort, das ich nicht kannte. Es war auch wohl ungewöhnlich, denn der Lehrer suchte ein williges Opfer, das ihm das Wort erklären sollte. Er fand mich. "Are your a student?" Ich musste mich neben ihn stellen und das Wort definieren. Joa, ich habe auf ganzer Linie versagt. Fünfzehn Punkte Abzug von Ravenclaw.
Endlich waren alle Formalitäten geklärt und wir durften fliegen (für die ohne Fantasie: über die Wiese laufen und "Wuuusch!" rufen). Wir mussten um die Lehrer herum fliegen und sollten "Good afternoon, Sir" sagen, wenn wir an einem von beiden vorbei kamen. Der nächste Schritt war eine Art Ochs am Berge. Wir flogen auf unseren Lehrer zu, wenn er "Go!" rief, und blieben bewegungslos stehen, wenn das Kommando "Stop!" lautete. Diejenigen, die noch wackelten, wenn der Professor uns ansah, mussten wieder zurück an den Anfang. Die Übung haben wir zweimal gemacht. Einmal mit akustischen und einmal mit visuellen Signalen. Im zweiten Durchgang gab es auch das Kommando wie ein Kaninchen zu hoppeln. 
Damit war die Flugstunde beendet und die Lehrer berieten, ob wir bestanden hatten. Wir hörten die Worte "horrible" und "fools", aber ich hatte doch ein ganz gutes Gefühl. Trotzdem war ich die Einzige, die bei der Ansage: "Nobody, not a single one of you has... failed!" gejubelt hat. Ehrlich gesagt, hatte ich schon damit gerechnet, dass zumindest die Frau, die der Lehrer zu Beginn auf dem Kieker hatte, nochmal in die Nachprüfung musste oder so. Und ich fand, dass so ein bestandener Flugschein schon ein Grund zum Jubeln ist. Die Freude meiner Klassenkameraden kam etwas verspätet. Vermutlich brauchten sie einen Moment, um ihr Glück zu fassen. Wir durften noch ein paar Fotos mit den Besen machen und bekamen ein paar Tipps, wir wie uns am besten beim Fliegen fotografieren können. 


Nach dem Fliegen hatten wir noch ein bisschen Zeit, um in den Gift Shop zu gehen, aber ich hätte gerne noch mehr Zeit gehabt. Wir hatten mit dreieinhalb Stunden ziemlich viel Zeit, aber es gab noch so viel mehr zu sehen. Ich wäre gerne noch ins Castle Museum gegangen und hätte gerne die Innenräume oder die Downton Ausstellung gesehen, aber wir wollten den Hogwarts-Express, der uns zurück nach Glasgow bringen würde, nicht verpassen. Die Zeit in Hogwarts geht immer so schnell vorbei.

Es ging aber nicht direkt zurück nach Glasgow, sondern wir fuhren noch zum Bamburgh Castle. Das Schloss war schon geschlossen, aber wir wurden durch die Dünen zu einem wirklich atemberaubenden Strand geführt. Ich weiß nicht, ob gerade Ebbe war, aber das Strand war sehr breit und erstreckte sich so lang wie das Auge reichte. Es war ziemlich windig, und der Sand wirbelte ein paar Zentimeter über den Boden. Ich war ein bisschen übermütig und bin mit nackten Füßen ins Wasser gegangen. Das war eisig, aber hey, ich war dieses Jahr schon im Meer! 

 


Mir hat der Strand sehr gut gefallen, aber ich wäre lieber noch etwas länger in Hogwarts geblieben. Nach Bamburgh ging es zurück nach Hause und dann wurde auch "500 Miles" abgespielt und mitgesungen. Mittlerweile kann ich es schon so gut wie auswendig. Vielleicht wäre es mal eine Idee, dass wir das Lied beim nächsten Mal ganz ohne Unterstützung von der CD singen.

Übrigens vielen Dank an Amelie, die ganz viele von den Fotos hier gemacht hat. Ich war von Hogwarts so geflasht, dass ich selber nicht so viele Fotos gemacht habe. Außerdem drehen Muggelgeräte in Hogwarts ja sowieso durch, weil so viel Magie in der Luft liegt...

Sonntag, 22. März 2015

Ein schöner Frühlingstag

Ich hatte es ja schon geschrieben: So langsam kommt der Frühling. Gestern hatten wir zum gefühlten ersten Mal in diesem Jahr richtig tolles Wetter.
Amelie und ich hatte uns verabredet, um ins Hunterian Musuem zu gehen. In der Kunstabteilung gab es eine Sonderausstellung zum Buchdruck, die wir uns ansehen wollten. Zuerst sind wir durch die reguläre Bilderausstellung gegangen. An einige Bilder habe ich mich auch direkt wieder erinnert. Ich war ja vor Weihnachten schon mal mit Annabel in diesem Museum. An dem Tag fand ich die Art Gallery irgendwie nicht so gut. Gestern hat sie mir deutlich besser gefallen und ich war froh, nochmal hingegangen zu sein. 
Die Sonderausstellung war richtig toll. Es gab eine Nachbildung von Gutenbergs Druckpresse und ganz viele schöne alte Bücher (oft in Deutschland gedruckt). Früher waren Bücher ja schon nochmal was anderes. Ich hätte kaum eins mit einer Hand halten können. Und die Buchmalereien sind wirkliche Kunstwerke. Manche solcher Bücher hätte ich auch gerne gehabt. Völlig egal, ob sie auf Latein sind und ob ich die Schrift lesen kann oder nicht.
In einigen Büchern waren handschriftliche Anmerkungen zu sehen, was Amelie und mich zu der Diskussion brachte, ob man in Bücher reinschreiben darf. Normalerweise tue ich das ja auch nicht - nur, wenn ich mit den Büchern arbeite und dann mit Bleistift oder Buntstift. Aber die Menschen, denen diese Bücher gehörten, arbeiteten ja auch damit. Ich musste an die Glossen denken, die uns in der spanischen Linguistik hin und wieder mal über den Weg gelaufen sind: Anmerkungen auf Spanisch, wie der lateinische Bibeltext zu verstehen ist. Amelie war der Meinung, dass die Bücher viel zu schön seien, um reinzuschreiben. Ganz Unrecht hat sie damit nicht, aber immerhin haben die Leute nicht auf die Bilder geschrieben.
Nach dem Besuch der Sonderausstellung gingen wir noch schnell ins Hunterian Museum, um uns ein wenig zu gruseln (sezierte Augen und achtbeinige Ferkel in Einmachgläsern - so muss es in Snapes Büro aussehen) und kamen mit der Feststellung wieder heraus, dass wir sehr froh sind, dass die Medizin inzwischen weiterentwickelt ist und die Ärzte nicht mehr mit den ausgestellten Instrumenten in uns herum werkeln.
Dann gingen wir wieder nach draußen und stellten fest, dass ein wunderschöner Tag war. Ich hatte mir morgens schon mutig, wie ich war, meine Jeansjacke angezogen und auf gutes Wetter gehofft. Dass es aber so schön würde, hätte ich nicht gedacht.
Ganz spontan beschlossen Amelie und ich, uns ein Sandwich zu holen und im botanischen Garten zu Mittag zu essen. Während Amelie nach dem Mittagessen aber weiter musste, entschied ich, im Garten zu bleiben und zu lesen. Der Missstand, dass ich kein Buch dabei hatte, konnte schnell behoben werden, schließlich gibt es um den botanischen Garten herum mehrere Second Hand-Buchläden. Und so saß ich wenig später wieder in der Sonne und las den ersten Band der Power of Five-Reihe (eine Empfehlung von Amelie). Wenn das mal nicht ein gelungener Samstag ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

Freitag, 13. März 2015

Frühlingsboten

Letztes Wochenende war ich zu einer Familienfeier in Deutschland. Es war ein sehr schönes Wochenende und ich konnte sehr viele nette Menschen auf einmal sehen und ich habe es auch geschafft, mich mit ein paar Freundinnen zu treffen.
Ich brauchte ja nicht viel über das Wochenende, aber die Gelegenheit war gut, schon mal ein paar Sachen mit nach Deutschland zu nehmen, die ich hier nicht mehr brauche. Ausgelesene Bücher, ein paar Souvenirs etc. Allerdings stellte mich das vor ein Problem: Was brauche ich nicht mehr? Das Wetter ist noch nicht so gut, dass ich meine Wollpullis weggeben wollen würde, wer weiß, ob ich diese DVD nochmal sehen möchte und überhaupt, so eine Highland-Plüschkuh wiegt doch nicht so viel... Ja, ich gebe zu, ich konnte mich auf deswegen von manchen Sachen nicht trennen, weil damit das absehbare Ende meiner Zeit in Schottland noch absehbarer wird.

Aber das mit den Winter-Sachen ist tatsächlich ein Problem. Während es in Deutschland so warm war, dass ich im T-Shirt im Garten sitzen und lesen konnte (gut, das war in der Sonne) und nur in Jeans-Jacke mit meinen Eltern Fahrrad gefahren bin, brauche ich hier immer noch meinen Wintermantel und als ich mittags in Glasgow gelandet bin, war es kälter als fünf Stunden vorher in Deutschland.
Allerdings gibt es auch hier schon ein paar Frühlingsboten. Mitte/ Ende Februar habe ich die ersten Schneeglöckchen gesehen. Seit gut zwei Wochen blühen auch die Krokusse. An einem der ersten Märztage dachte ich mir: "Frühling ist hier!" Ich war auf dem Weg zur Schule, die Sonne schien und mein Blick fiel auf ein paar lila und weiße Krokusse. Im gleichen Moment fing es an zu regnen, zu stürmen und zu schneien. Schottland - four seasons in one day. Immer mal wieder. 
Heute Mittag war das Wetter so schön, dass mir auf dem Rückweg vom Supermarkt mein Mantel viel zu warm war und ich zuhause meinen Pulli gegen ein T-Shirt getauscht habe. Zwei Stunden später war mir das zu kalt und noch zwei Stunden später war es eine ganz schlechte Idee, im Anorak und nicht im Mantel rauszugehen. Der Frühling kommt, aber er schleicht sich an.

Samstag, 28. Februar 2015

Glasgows Museen

Auch wenn ich viel in anderen Städten unterwegs bin, habe ich in Glasgow längst noch nicht alles entdeckt. Allerdings bin ich schon dabei, mit verschiedenen Leuten (oder alleine) nach und nach die Museen in Glasgow abzuklappern. Und so langsam öffnen auch verschiedene Häuser/ Museen wieder, die über den Winter geschlossen waren. Es gibt also in den nächsten Monaten noch einiges zu entdecken.

Mit Annabel war ich im Dezember im Hunterian Museum. Das befindet sich in der Glasgow University und zeigt eine bunte Mischung von allem möglichen Kram. Ursprünglich waren die Ausstellungsstücke die private Sammlung eines Mannes namens William Hunter, der im 18. Jahrhundert lebte und scheinbar alles gesammelt hat, was ihm zwischen die Finger kam: Münzen, Bilder, ethnographische Gegenstände, Kniescheiben... Das Übliche eben. Als er starb vermachte er seine Schätze der Universität, die ein Museum dafür baute und die Sammlung erweiterte. Mittlerweile ist das Museum auf vier Gebäude aufgeteilt. Annabel und ich waren nur in der eigentlichen Sammlung Hunters und in der Hunterian Art Gallery.
Das Gebäude der Hunter Ausstellungsstücke ist wunderschön (wie so viele Gebäude der Uni). Schon allein dafür hat es sich gelohnt, in das Museum zu gehen. Manche Gegenstände der Sammlung waren zugegeben etwas gruselig, aber es gab auch schöne Porzellan-Teller, Musikinstrumente und Inuit Schneestiefel. Hatte ich schon erwähnt, dass der Typ einfach alles gesammelt hat?
Die Hunterian Art Gallery fand ich nicht ganz so überzeugend. Es gab eine Sonderausstellung zu Mackintosh und zwei oder drei Räume mit anderen Bildern. Ich fand es ganz nett, dass zu ein paar der Bildern auch Möbel dekoriert waren.

An gleichen Tag waren Annabel und ich auch in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens. Wenn es kalt ist, ist es immer eine gute Idee, sich die anzusehen, weil es drinnen schön warm ist. Mit Annabel war ich aber nicht (nur) wegen der Temperatur in den Gewächshäusern, sondern auch, weil ich es vorher nur in eins von den beiden geschafft hatte. Auch mit Nina und Sahla war ich in den Gewächshäusern. Sie sind immer wieder einen Besuch wert.
Von außen sehen sie schon schön aus und wenn man rein geht, vermischt sich manchmal die Architektur mit den Pflanzen. In einem der beiden Gewächshäuser stehen Skulpturen von überwiegend biblischen Gestalten. Rut(h) ist auch dabei. Natürlich haben sie meinen Namen mal wieder falsch geschrieben.
Nicht nur wegen des untragbaren Rechtschreibfehlers gefällt mir das andere Gewächshaus besser. Es wirkt irgendwie verwunschener als das erste, obwohl auch hier die Pflanzen in den dafür vorgesehenen Beeten wachsen. Außerdem gefällt es mir in diesem zweiten Gewächshaus sehr gut, dass zwischen den Pflanzen Verse aus einem Gedicht zu finden sind.
Ruth und Rut





Mit Emily war ich Anfang Februar in der Gallery of Modern Art (GOMA). Allerdings hatten wir etwas Pech. Abgesehen von der Ausstellung über Alasdair Gray waren alle Galerien geschlossen. Aber wir konnten einen Blick auf die seekrankmachende Tapete werfen, die die Wände der Treppenabsätze unterhalb der Kuppel ziert. Ich weiß gar nicht, ob man durch die Türen in andere Galerien gekommen wäre. Aber vermutlich schon.

Den Tag heute habe ich genutzt, um ins Riverside Museum zu gehen. Das ist ein Museum für Transport und liegt - mit ein bisschen gutem Willen - in Laufnähe meiner Wohnung. Es hat ein bisschen gedauert, bis mir klar geworden ist, dass das das Museum ist, von dem meine Schüler gesprochen haben, wenn sie sagten: "Es gibt ein Transport-Museum in Glasgow."
Vom Thema her hat es mich nicht direkt gereizt, aber Hélène war schon mal da und hat gesagt, dass es echt gut sei, außerdem ist es Museum des Jahres 2013 geworden und wird in Glasgow auch recht groß auf Wegweisern angekündigt. Es liegt direkt am Clyde und ein Segelschiff im Fluss gehört ebenfalls dazu. Auf dem Schiff war ich aber nicht, weil mir das Wetter zu schlecht war.
Die Idee, an einem Samstagmittag in das Museum zu gehen, war eher suboptimal. Es waren sehr viele Leute da. Überwiegend Familien mit kleinen Kindern (d.h. mindestens ein Kinderwagen/ Buggy). Aber gut, damit hätte ich rechnen müssen.
Ganz viele Transportmittel
Wie gesagt, mit Transport an sich kann ich nicht so viel anfangen. Deswegen hatte ich wenig Augen für die ausgestellten Autos und Motorräder. Etwas interessanter fand ich die Züge und Trams vom Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts. Ich habe gelernt, dass Glasgow die drittälteste U-Bahn hat (nach London und Budapest) und diese zuerst als Kabelbahn betrieben wurde. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut - 1897 oder so.
Viele der Ausstellungsstücke waren nicht nur technisch dargestellt, sondern wurden auch mit ihren sozialen Folgen in Verbindung gebracht. Das hat mir gut gefallen. Hinter den ausgestellten Autos von 1908 und 1930 gab es einen Schaukasten mit der Mode der Autofahrer und mehrere Tafeln widmeten sich der Problematik, in einem offenen Auto zu fahren und dabei passend gekleidet zu sein. Ob es nur Staub, Insekten oder Regen ist - irgendetwas erschwerte die Autofahrt immer. Die Schutzkleidung sah teilweise lächerlich aus, bis die Mode sich der Sache annahm und es gerade für Frauen eine Auto-Mode gab, die sich saisonbedingt auch änderte.
In einem Teil des Museums (im Grunde ist das eine große Halle, die durch ein paar Raumteiler unterteilt ist) kann man einen nachgebauten Straßenzug von vor etwa 100 Jahren betreten. Darin stehen dann verschiedene Fahrzeuge, z.B. eine von Pferden gezogene Tram und ein Leichenwagen. Aber man kann auch in die Geschäfte gehen. Es gibt einen Fotoladen, einen Sattler, einen Pub, einen Schuhmacher, ein Bekleidungsgeschäft. Nebenbei erfährt man, dass bereits die Menschen im 19. Jahrhundert Fotos von berühmten Persönlichkeiten (wie der Königsfamilie) gesammelt haben, gerne auch mit Unterschrift, dass kleinen Kindern beim Fotografieren ein Gürtel umgebunden wurde, der einerseits dekorativ war und sie andrerseits auf ihrem Stuhl halten sollte, dass die U-Bahn die "coolest and quickest means of travelling" ist, dass die Sauchiehall Street schon im 19. Jahrhundert die Mode-Straße war, und dass der Pub der Ort war, wo die Arbeiter der Schiffswerken nach der Arbeit einkehrten, rauchten und tranken, und Frauen oder Kinder nur geduldet waren, wenn diese ein Bier "to go" kauften (oder vermutlich auch ihren Ehemann/ Vater nach Hause holen wollten...). 
Apropos Schiffswerke: Im 18. und 19. Jahrhundert war der Schiffbau die Hauptindustrie in Glasgow. Außerdem war Port Glasgow ein wichtiger Handelshafen für das britische Empire. Dazu kam noch, dass in Lanarkshire, das Gebiet östlich von Glasgow, Kohleabbau betrieben wurde und der Clyde sowie verschiedene Kanäle wichtige Wege waren, um die Kohle zu transportieren. Dadurch wurde Glasgow die "Second City of the Empire", was sich aber nach dem ersten Weltkrieg änderte. 
Wegen der Schiffbau-Vergangenheit waren auch sehr viele Schiffsmodelle ausgestellt. Und ich habe zum ersten Mal von der Athenia gehört. Das war ein britisches Passagierschiff, das am 3. September 1939 auf dem Weg nach Amerika von einem deutschen U-Boot versenkt wurde, weil die Besatzung des U-Boots dachte, es sei Kriegsschiff. Die Athenia wurde in Glasgow gebaut und dorthin wurden auch die Überlebenden gebracht.
Es gibt aber auch neuere Ausstellungsstücke, z. B. ein Hippie-Van (ohne Elektrizität und fließendem Wasser), bei dem dann auch die Problematik angesprochen wurde, dass alles im Wagen klamm wurde und gelüftet werden musste, wenn die Menschen zu lange darin lebten. Auch ein anderer Van ist zu sehen. Der wurde von einem pakistanischen Künstler und drei Studenten der Glasgow School of Art in pakistanischen Stil angemalt. Außerdem gibt es eine Ecke, die sich dem Dreirad  und den verschiedenen Personengruppen, die ein Dreirad fahren (nicht nur Kleinkinder) widmet. Wegen der Mode im 19. Jahrhundert fuhren die Frauen auf Dreiräden, damit sich der Rock nicht in den Rädern des Hochrads verfing und die Fahrrad-Rischkas sind ja auch Dreiräder.
Ihr seht, ich habe ziemlich viel Zeit in dem Museum verbracht. Als ich gehen wollte, regnete es ziemlich heftig. Ja, mit sowas muss man rechnen. Schottland im Februar und so. Es hat mich trotzdem genervt. Ich bin noch etwas im Museumsshop geblieben und habe einen tollen Untersetzer mit der Aufschrift "Ye canny shuv yer granny aff a bus!" (auf Deutsch: "Du kannst deine Omma nich vom Bus schubsen tun!") gekauft. Leider wurde der Regen nicht weniger, also bin ich auf dem Rückweg zurück geschwommen. Natürlich hatte ich meine Gummistiefel nicht an...

Mr Weasleys Auto wurde auch ausgestellt! :-)