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Samstag, 21. Februar 2015

Karneval

Wenn meine unerwarteten Ferien eine Woche später gewesen wären, wäre ich wohl nach Deutschland geflogen, um Karneval zu feiern. Mir ist erst zu spät klar geworden, dass ich vermutlich die Schule um eine Beurlaubung hätte bitten können. Aber andrerseits hätte ich dann nicht das machen können, was ich Montag und Dienstag getan habe: mit Engelsflügeln in der Schule rumlaufen, mich über die verwirrten Blicke der Schüler amüsieren und ihnen etwas über Karneval erzählen. Nur "Das Fliegerlied" hätte ich vermutlich auch in Deutschland zwanzigmal gehört.

Aber alles von vorne: Amelie und ich hatten beschlossen, am Rosenmontag und Karnevalsdienstag verkleidet zur Schule zu kommen. Für Amelie war das nicht so schwierig, weil sie die unerwarteten Ferien in Deutschland verbracht hat und ein Kostüm mitbringen konnte. Ich hatte nur mein Halloween-Kostüm da und das Kleid ist zu kurz für die Schule. Dann ist mir aber eingefallen, dass Victoria für das Krippenspiel Engelsflügel gekauft hat und habe mir ein Paar davon für die zwei Tage geliehen. Mit zwei Sicherheitsnadeln gesichert passten die Flügel dann auch. Trotzdem bin ich der Meinung, dass sie eher für Kinder gedacht sind, egal was Victoria sagt. Dazu hatte ich meinen (einzigen) Motto-Schal vom Kölner Karneval um. Ja, das war etwas warm.
Und ich flieg, flieg, flieg...
Ich hatte zwei Präsentationen für die Schüler. Eine für die Erst- bis Drittklässler (die Erstklässler mussten im Anschluss daran die Personenbeschreibung üben --> "Er hat kurze, braune Haare.", "Sie hat rote Haare." "Sie sind groß.") und eine für die Viertklässler und Higher, in der mehr Hintergrundinformationen und eine Hörverstehesnübung drin waren. "Das Fliegerlied" war in beiden Präsentationen drin, weil es durch die Wiederholungen schön einfach ist (und weil es auf Hochdeutsch ist). Das war dann auch die Hörverstehensübung für die älteren Schüler. Ich habe ihnen einen unvollständigen Liedtext gegeben und sie mussten die Lücken füllen. Das Video, das ich ausgesucht hatte, zeigt außerdem den Tanz als Cartoon-Version und ab und zu werden ein Flugzeug, ein Tiger, eine Giraffe, ein Känguru und ein Fisch eingeblendet. Die meisten Kinder haben es geliebt und versuchten, den Tanz mitzumachen. Ab und zu haben die Lehrerinnen und ich den Tanz auch mitgetanzt. Laura kannte das Lied schon, Victoria noch nicht, aber es ist ja recht eingängig. Nur ein Schüler sagte mir direkt, dass er das Lied dumm fände. Als ich ihm sagte, dass ich es bereits das zwölfte Mal in zwei Tagen hören würde, erwiderte er. "Your brain must be exploding!" So ganz Unrecht hatte er damit nicht. Die Higher beschwerten sich am Mittwoch übrigens, dass ich meine Flügel nicht mehr tragen würde. Aber am Aschermittwoch ist doch alles vorbei... ;-)
Ich habe übrigens erfahren, dass in Großbritannien am Tag vor Aschermittwoch Pancake Day ist. Man isst Pfannkuchen, bevor die Fastenzeit anfängt. Daraufhin habe ich den Kindern erklärt, dass Karneval eine Mischung aus Halloween (wegen des Verkleidens) und Pancake Day (wegen der Fastenzeit) ist.

Am Dienstag hat die German Society eine Karnevalsfeier gemacht. Als ich das erfahren habe, habe ich mich total gefreut, auch wenn Emily mich vorwarnte, dass es vermutlich nicht so gut wie in Deutschland würde. Ich bin auch nicht mit besonders hohen Erwartungen dahin gegangen, aber es wurde dann sehr nett. Amelie, Eva und Sebastian waren mit von der Partie. Ich hatte mir noch spontan eine Krone gekauft und mich als Prinzessin verkleidet. Es gab ein Karnevalsquiz, das eine andere Gruppe und wir gewannen. Unsere Gruppe hieß übrigens "Fuck Duesseldorf", was bei eineinhalb Kölnern, einer Mainzerin und einem Karnevalsneuling irgendwie unvermeidbar war. :-P Wir bekamen alle ein Strüßje. Gut gelaufen. 
Die Frau mit der goldenen Maske, Batman und Rut I. von Glasgow ;-)
Strüßje!
Vor dem Quiz ging es noch ganz gesittet zu (wir warfen uns im Kreis Luftballons zu - was meine Krone regelmäßig ins Rutschen brachte), aber irgendwann kam dann doch die Karawane, "Cowboy und Indianer" und natürlich auch "Das Fliegerlied" und wir Deutschen (ich gehe davon aus, dass es zumindest überwiegend Deutsche waren) stürmten die Tanzfläche, tanzten all die dämlichen Tänze und sangen lautstark mit. Zwischendurch fragte ich mich, ob das vielleicht der Moment war, in dem die Schotten dachten: "Die spinnen, die Deutschen" und es bereut haben, sich auf den Wahnsinn Karneval eingelassen zu haben. :-D Aber ich hatte Spaß. Viva Caledonia!


Sonntag, 8. Februar 2015

Mein Körper für die Wissenschaft

Nein, ich lasse mich nach meinem Tod nicht sezieren, aber ich habe letzte Woche an einem psychologischen Experiment teilgenommen. Eine Studentin hatte über die German Society nach deutschen Muttersprachlern gesucht. Es ging um Schimpfwörter. Ich war neugierig.
Als ich dann letzten Freitag um viertel vor neun frierend vor dem psychologischem Institut stand, habe ich mich dann verflucht, aber da konnte ich ja schlecht noch einen Rückzieher machen (vor allem, war ich dann ja eh schon wach). Ich musste zuerst einen Fragebogen ausfüllen, wann und in welchem Ausmaß ich welche Sprache verwende. Auf einmal habe ich mich wichtig gefühlt - ich wurde offiziell als zweisprachige Person gezählt (bei mir ist das so ein Kopf-Ding; ich glaube, ich fühle mich erst dann zweisprachig - oder mehrsprachig - wenn ich Englisch genauso gut kann wie Deutsch und zwar in allen Facetten). Nach dem Fragebogen bekam ich einen Reifen auf den Kopf gesetzt, an dem eine Kamera befestigt war. Ich musste verschiedene Wörter auf Englisch und Deutsch lesen und dabei wurde meine Reaktion aufgenommen. 
Irgendwie war das abgefahren. Ich kann mir auch nicht vorstellen, was die Studentin jetzt genau mit den Messungen macht, die sie bekommen hat, aber das ist ja nicht mein Problem. Ich habe hinterher Schokolade bekommen. Der Morgen fing also doch noch gut an.

Sonntag, 21. Dezember 2014

See, in Germany...

Die Koordination mit den Grundschulen ist schwierig, weil es mehrere sind, die mit nur einem Tag in der Woche für alle unter einem Hut gebracht werden müssen, aber trotzdem war ich jetzt immerhin bei den meisten mehr als einmal da. Das ist nochmal was ganz anderes als in der High School - und das obwohl ich überwiegend die P6 oder P7 (also die letzten zwei Jahre an der Grundschule) sehe. Zweimal war ich auch bei einer Klasse der ganz Kleinen dabei. Die einen hatten Sport, die anderen Deutsch. Zum Sportunterricht müssen sich die Kleinen natürlich umziehen. Strumpfhosen und Knöpfe sind eine große Herausforderung, wenn man fünf oder in manchem Fällen sogar erst vier Jahre alt ist... Nach der Stunde versuchte ein Junge, den Rock seiner Nachbarin anzuziehen, weil er die Stapel vertauscht hatte, und bemerkte seinen Fehler erst als er die Lehrerin fragte, was er mit dieser merkwürdigen Schnalle machen solle. An dem Tag habe ich auch gemerkt, dass es gar nicht so blöd gedacht ist, dass unsere Kinder erst mit sechs Jahren eingeschult werden. Soweit ich mich erinnere, konnten wir uns in der ersten Klasse alle alleine anziehen. Hier musste die Lehrerin jedem zweiten Kind helfen. Das dauert bei einer Klasse mit knapp zwanzig Kindern natürlich. Ich hätte da keinen Nerv zu. Auf der anderen Seite muss man sagen, dass die Grundschulkinder sehr niedlich sind. So viele Zwerge, die da rumflitzen und einen mit großen Augen angucken, wenn die Lehrerin verkündet, dass ich aus Deutschland komme. Einmal war ich gerade drei Sekunden im Klassenzimmer, da kam auch schon eine P1-Schülerin angewuselt und sagte: "My Mum is having a baby!" Das ist doch wirklich putzig! Vermutlich hat sie das jedem Menschen erzählt, den sie getroffen hat. :-D
Zum Glück müssen sich die Kinder im Deutschunterricht nicht umziehen und ich werde vermutlich nicht mehr am Sportunterricht teilnehmen. Als ich dabei war, ging es erst mal darum, zu hospitieren und zu sehen, wie Unterricht an der Grundschule überhaupt läuft. Ich habe an jeder Schule betont, dass ich keine Erfahrung mit Grundschuldidaktik habe und dass ich das letzte Mal eine Grundschule von innen gesehen habe, als ich selbst noch Schülerin dort war. Auch, wenn die P7 Schüler so alt sind wie die Fünftklässler in Deutschland, ist die Art, wie unterrichtet wird, völlig anders als in Deutschland (viele Wiederholungen, sitzen auf dem Fußboden im Schneidersitz usw. allerdings werden auch recht häufig Videos aufgenommen oder Poster entweder mit dem iPad oder altmodisch auf Papier erstellt). Ich habe es für wichtig gehalten, ihnen das zu sagen, einmal, damit sie wissen, was sie von mir erwarten können und andrerseits, damit ihnen klar ist, dass sie mir was die Didaktik betrifft weit überlegen sind, während ich natürlich besser Deutsch kann. Eine Lehrerin hat in der ersten Stunde, in der ich hospitiert habe, mich immer gebeten, die Wörter auf Deutsch zu sagen und war dann ganz froh, festzustellen, dass ihre Aussprache nicht total für den Eimer ist. Mir haben die meisten Grundschullehrerinnen gesagt, dass ihr Deutsch leider nicht ganz so gut ist. Ich bin noch gespannt wie das wird.
In den letzten Wochen habe ich in den Grundschulen über Weihnachten in Deutschland gesprochen. Eine Klasse hat mir "Stille Nacht, heilige Nacht" auf Deutsch vorgesungen. Die Kinder in der Klasse sind total motiviert, nutzen Deutsch erstaunlich natürlich (sagen z.B. "Gern geschehen", wenn ich mich bei ihnen auf Englisch (!) bedanke) und haben sich letzte Woche total gefreut, mich zu sehen. Während der Freiarbeit wollten drei Jungen unbedingt mit mir Dame spielen und ein paar Mädchen haben mir Figuren aus Loom-Bändern gemacht. Die sind echt putzig.
In der Grundschule diese Woche wurde ich von zwei Klassen ins Weihnachts-Kreuzverhör genommen worden. Ob in Deutschland auch der Weihnachtsmann käme und ob Kinder ihm Kekse und Milch hinstellen würden. Welche Weihnachtslieder wir in Deutschland sängen und ob diese auf Englisch oder Deutsch seien. Ob es in Deutschland Krippenspiele gebe. Und und und... Jede Frage schien mit den Worten "See, in Germany..." zu beginnen. Ich finde es super, dass die Kinder so viele Fragen stellen. An der High School scheinen sie sich das nicht mehr zu trauen oder sie sind nicht mehr so neugierig. Allerdings habe ich die Fragen manchmal nur mit Schwierigkeiten verstanden, meistens weil die Kinder so leise gesprochen haben und die Schule akustisch eine Katastrophe ist. Die Lehrerin hat nur manchmal auf meine hilfesuchenden Blicke reagiert. :-D Bei einer Frage, wusste ich dann echt nicht, was ich antworten sollte. Wenn ich das richtig verstanden habe, wollte der Junge wissen, wie die ehemals englischen Weihnachtslieder auf Deutsch klingen würden (ich hatte ihnen erzählt, dass es z.B. für Rudolph mit der roten Nase Übersetzungen gibt). Aus Verlegenheit habe ich ihnen Rudolph auf Deutsch vorgesungen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das noch bereuen werde, denn sicher hat irgendeiner meiner High School Schüler einen Bruder, eine Cousine oder ein Nachbarskind in der Grundschulklasse, das die Sache dann brühwarm weiter erzählt und ich nächste Woche oder nach den Weihnachtsferien gefragt werde, warum ich in der High School nie singe...

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Schulgeschichten

Angesichts meiner Posts mag manch einer schon auf die Idee gekommen sein, ich ginge hier gar nicht arbeiten sondern nur auf Reisen. Das stimmt so nicht, ich habe mittlerweile zwar mehr von Schottland gesehen als manch Schotte, aber vier Tage die Woche bin ich brav in der Schule (ja, ich habe seit längerem einen Stundenplan) und versuche die Schüler dazu zu bewegen, mit mir Deutsch zu sprechen. Nun ist die Schule aber entweder nicht bloggenswert, weil nicht besonders interessant, oder sehr interessant aber schwierig, auf einem Blog zu beschreiben, weil der ja öffentlich einzusehen ist und die child protection hier sehr ernst genommen wird. Aus diesem Grund habe ich hier bisher weder den Namen meiner Schule noch den meiner Council Area genannt (ich glaube, es kommen zumindest drei Councils infrage, bei denen ich in Glasgow wohnen kann). Ich werde natürlich auch keine Namen von irgendwelchen Schülern oder Schulklassen nennen und die drei Lehrerinnen, mit denen ich am meisten zu tun haben, bekommen hiermit folgende Pseudonyme: Laura, Victoria und Shona.

Die Lehrerinnen sind echt super. Shona hat nicht so viele Deutschklassen, deswegen arbeite ich vor allem mit Laura und Victoria zusammen und das geht richtig gut. In den allermeisten Fällen stoßen Amelie und ich mit unseren Ideen (seien es nur längere oder kürzere Projekte, Vorschläge für einzelne Stunden oder Dekorationswut in der Base) auf Begeisterung und können sie ohne Probleme umsetzen. Von anderen Schulen habe ich da auch ganz andere Sachen gehört. Vor ein paar Wochen brachte es Laura, glaube ich, in etwa wie folgt auf den Punkt: "Stell dir vor, du sagt: 'Wir brauchen hier unbedingt ein Schloss.' Dann würden Victoria und ich sagen: 'Ja, lass uns ein Schloss bauen! Neuschwanstein!'"
Die meisten Schüler sind auch sehr nett. Die Kleinen sind natürlich noch sehr quirlig und haben Spaß daran, mich lautstark im Gang zu begrüßen oder im Klassenzimmer meinen Namen in einer Endlosschleife zu wiederholen (letzteres nervt ziemlich). Manchmal verwechseln sie mich mit Amelie (wir sehen uns wirklich unglaublich ähnlich, wenn wir nicht altermäßig eineinhalb Jahre auseinander liegen würden, würde ich wetten, dass wir bei der Geburt getrennt wurden - Nicht.), aber das macht ja nichts. Im Zweifelsfalle bin ich "Miss". Heute sprach mich auch eine mit Mrs Rut an.
Die Älteren sind ruhiger, aber lächeln mich auf dem Gang auch meistens an, wenn sie mich sehen. Zwei Mädchen aus der Vierten Klasse haben es ja auch in ihrer Klasse angeleiert, dass ich eine Geburtstagkarte von ihnen bekommen habe. Und die Fünftklässler finde ich ohnehin super. Sie sind nur zu sechst und ein bisschen schüchtern, aber gleichzeitig interessiert. Ich habe es noch nicht geschafft, es ihnen abzugewöhnen, dass sie vorher immer den Satz aufschreiben, bevor sie ihn sagen, aber ich habe das Gefühl, dass ihre Formulierungen wagemutiger werden. Vor gut einem Monat oder so musste ich mir wirklich ein Grinsen verkneifen, denn eine der Schülerinnen begann ihren Satz mit: "Weil... oh, no, if I use 'weil', the verb goes to a different place... Denn..."

Um euch einen kleinen Einblick in meine Erlebnisse der letzten drei Monate zu geben, dachte ich, ich mache mal zwei Listen.

Worüber ich mich in der Schule freue:
  • dass die Schüler sich jedes Mal freundlich bedanken, wenn ich sie 10-15 Minuten mit intensiven Deutschsprechen in Vierergruppen gequält habe 
  • wenn ich es schaffe, die Schüler zum Erstaunen zu bringen: "When we eat a sandwich in Germany, we usually have only one slice of bread. There is no bread on the top of the sandwich." - "And how do you eat the sandwich?" (Die Diskussion über die verrückten Deutschen, die kein Doppeldecker-Sandwich haben, wurde noch im Gang fortgeführt. Dabei hatte ich ihnen nicht mal gesagt, dass meine Großeltern ihr Butterbrot oft mit Messer und Gabel gegessen haben)
  • wenn meine Schüler sofort nach Deutschland ziehen wollen: keine Schuluniform, ein Straßenfest, bei dem Bonbons geschmissen werden und gleich drei Leute, die einem an Weihnachten Geschenke bringen - Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind (irgendwas ist da heute schief gelaufen)
  • und wenn die Schüler, die gerade noch nach Deutschland ziehen wollen, dann feststellen müssen, dass sie dann ja Deutsch können müssten...
  • wenn die Arbeit, die Amelie und ich uns gemacht haben, wertgeschätzt wird: Zu St. Martin haben wir beide eine Laterne gebastelt, die die Schüler schon ziemlich beeindruckt haben (vor allem, weil wir ein elektrisches Teelicht reingetan haben). Aber die Aktion hat noch weitere Kreise gezogen. Laura und Victoria haben sowieso direkt ihre Begeisterung kundgetan, aber haben dann an dem Info-Abend der Grundschuleltern, bei dem sich alle Departments vorstellen sollten, den Eltern unsere Laternen gezeigt und haben ihnen erzählt, dass die FSAs sie gebastelt haben. Wir haben uns natürlich total darüber gefreut. Zwei Wochen später sagte eine der Integrationshelferinnen/ Lernassistentinnen zu mir, dass sie mit ihrer Jugendgruppe jetzt auch Laternen basteln würde. Sie hat sich dann nochmal von mir erklären lassen, wie wir den Boden gemacht haben.
  • einfach goldige Kommtare wie "Be nice, she doesn't speak English!" als eine der Erstklässlerinnen dachte, ich verstünde kein Englisch und erstmal ihre Klassenkameraden zur Besinnung rief. Die Lehrerin und ich hatten vergessen, dass ich mich in der Klasse noch nicht vorgestellt hatte.

Was mich traurig macht oder frustriert:
  • Schüler, die einfach nur ihren Text vorlesen, den sie geschrieben haben, und danach nicht mal auf Fragen zu ihrem Text antworten können, weil sie offensichtlich kein Wort von dem verstanden haben, was sie gerade geschrieben haben (ja, das ist möglich)
  • Ein-Wort-Antworten ("Could you please answer in a whole sentence?" ist mein am häufigsten genutzer Satz)
  • wenn ich auf die Frage "Wie heißt du?" nur leere Blicke ernte - von den Viertklässlern
  • Schüler, deren erster Satz zu mir ist, dass sie kein Deutsch können. Es ist eine Sache, wenn sie offensichtlich schüchtern sind oder mir vorher sagen, dass sie nicht besonders gut sind (dann versuche ich immer sie zu beruhigen und sage, dass wir es doch üben, damit sie besser werden), aber die Art wie manche ihre Einstellung "Ich kann ja eh nichts" zur Schau stellen, finde ich schwierig. Vor allem, da ich mir denke, dass doch nach teilweise jahrelangem Deutschunterricht irgendwas hängen geblieben sein muss. (Oder auch nicht, siehe Punkt 1 und 3...)
Außerdem gibt es natürlich Schüler, die ziemlich anstrengend sind. Normalerweise schicken mit Laura und Victoria nur die unproblematischen Schüler, so dass ich bisher nur zweimal Schüler zurück in die Klasse geschickt haben, weil sie sich einfach gar nicht vernünftig verhalten haben und ich sie nicht bändigen konnte (ein Junge hat z.B. seinen Nachbarn einmal quasi gebissen - wenn ich das richtig verstanden habe, hat er nur die Haut am Arm des anderen zwischen die Lippen genommen, aber das reichte mir schon). Ich glaube, am Anfang wollten die Schüler auch einfach testen, ob ich sie wirklich zurück schicken würde, wenn sie Blödsinn machen, denn die Fälle fanden alle im September oder Anfang Oktober statt. Ein besonders chaotischer Junge hat auch schon zweimal versucht, sich in meinen Raum zu schleichen. Nachdem ich aber mit der Lehrerin vereinbart habe, dass er never ever zu mir geschickt werden wird, falle ich auch nicht mehr auf seine Beteuerungen, er sei geschickt worden, herein.

Ich bin sicherlich nicht perfekt in meinem Umgang mit den Schülern oder der didaktischen Aufbereitung der Materialien, aber ich lerne dazu. ;-)

Montag, 3. November 2014

Geburtstag in der Ferne

Ich habe gerne Ende Oktober Geburtstag. Nicht nur, weil ich meine Geburtstagsfeier an Halloween/ gruselige Themen anlehnen kann, sondern auch weil ich den Herbst mag. Wenn die Blätter der Bäume sich langsam gelb und rot färben und später bunte Laubhaufen, in die man reinspringen kann, auf dem Boden liegen, finde ich das ganz toll. Natürlich habe ich als Kind auch schon Nachteile an dem Datum gesehen, wie z.B. dass ich nie eine Feier im Garten machen konnte. Im Studium habe ich einen weiteren Nachteil meines Geburtstags kennengelernt. Mit wem feiern, wenn man neu in der Stadt und der Geburtstag nicht mal drei Wochen nach Uni-Beginn ist?
Bisher habe ich meinen Geburtstag dreimal an neuen Orten gefeiert. In Essen habe ich mich für meine Mitbewohnerinnen entschieden, im Erasmus-Semester kamen die beiden Lisas an dem Wochenende nach meinem Geburtstag, so dass ich meinen Geburtstag einfach gedanklich um zwei Tage nach hinten verschoben habe. Hier war mein Geburtstag irgendwie ruhiger als vor vier Jahren in Spanien.
Bereits zur deutschen Mitternacht bekam ich die ersten Anrufe und (Sprach-) Nachrichten und eine Stunde später nochmal. Morgens hatte ich Schule. Die Lehrerinnen, oder zumindest Laura und Victoria, wussten, dass ich Geburtstag hatte (schließlich hatte ich das in der Vorstellung bei den Schülern mindestens zwölfmal gesagt, und ich hatte im Lehrerzimmer ein paar Sachen erzählt, die ich bis zu meinem Geburtstag noch erledigen musste) und als ich ins Lehrerzimmer kam, lagen da eine Karte und zwei kleine Geschenke. Total lieb! Die Geschenke mussten aber bis zur Pause warten, erstmal ging es in den Unterricht.
Die Viertklässler hatten irgendwie mitgekriegt, dass mein Geburtstag war, und haben mir eine Karte gebastelt, die sie mir zwischen zwei Kleingruppen in meinen Raum brachten. Sie hatten Laura gefragt, was ich denn gerne mögen würde und sie hatte ihnen Harry Potter gesagt, woraufhin sie die Karte Harry Potter-mäßig gestalteten, inklusive "You're a wizard, Rut". Soweit ich das sehen konnte, haben alle in der Karte unterschrieben. Sowas von süß, meine Schüler! Sie wollten auch in meinen Raum rüberkommen und mir ein Geburtstagslied singen, aber Laura hat es ihnen nicht erlaubt. Die anderen Klassen haben aber nicht rausgefunden, dass ich Geburtstag hatte.
In der Pause haben wir eine kleine Geburtstagsfeier im Lehrerzimmer gemacht. Ich hatte Kuchen gebacken und Laura und Victoria hatten Kuchen und Apfelsaft gekauft - "Ihr Deutschen trinkt doch so gerne Apfelsaft". Ich habe ihre Geschenke aufgemacht. Darin waren eine Tasse mit Sehenswürdigkeiten von Schottland und ein Memoryspiel mit schottischen Begriffen (also durchaus mit pädagogischen Anspruch ;-)). Ich habe mich sehr gefreut.
Nachmittags kamen die Spanier von dem Englandabenteuer und Amelie vorbei. Ich hatte außerdem meine Mitbewohnerinnen zu Tee und Kuchen eingeladen, aber Hélène war mit ihrem Besuch aus der Heimat unterwegs, so dass sich nur Vanessa dazu setzte. Es war eine sehr nette Runde. Wir haben viel geredet und sowohl meinen selbstgebackenen als auch den Kuchen, den die Lehrerinnen für mich besorgt hatten, verputzt und Unmengen Tee getrunken.

Jeder Geburtstag ist anders. Ich war mir nicht ganz sicher, wie dieser werden würde - ganz ohne Besuch von Freunden aus Deutschland oder der Familie.Vielleicht war das ein Grund, warum ich meinem Geburtstag dieses Jahr nicht so freudig entgegen geblickt habe wie sonst schon mal, und mich lange nicht entscheiden konnte, wie, mit wem und wann ich überhaupt feiere. Im Rückblick kann ich aber sagen, dass es ein schöner Geburtstag war. Es war nichts besonderes, einfach ein Beisammensein mit netten Menschen. Natürlich haben einige gefehlt, mit denen ich auch gerne gefeiert hätte. Aber ich fand es großartig, dass sich all die Leute, die da waren, Zeit genommen und sie mit mir verbracht haben. Ich komme so langsam in das Alter, in dem das Zeit nehmen das Wichtigste zu sein scheint, weil man irgendwie keine Zeit mehr hat.

Samstag, 4. Oktober 2014

Ein Treffen bei Goethe

Beim Treffen vom British Council hatte ich ja das Gefühl, eine Exotin zu sein, weil außer mir nur ein anderer deutscher Assistent dabei war. Umso mehr habe ich mich also auf das Treffen im Goethe-Institut gefreut, wo wir deutschen dann "unter uns" sein würden, auch wenn ich mir nicht so ganz vorstellen konnte, wie das werden würde, weil ich nur von drei FSA in Schottland wusste und mir das recht wenig vorkam. Ich habe also haarscharf kombiniert, dass wir mehr als drei sein müssten, da es sich für so eine geringe Anzahl nicht lohnen würde, eine eigene Veranstaltung zu machen.
Bevor ich dann gestern im Goethe-Institut auf die anderen Assistenten getroffen habe (ja, es gibt definitiv mehr als drei von unserer Sorte), wartete am Mittwoch in der Schule eine angenehme Überraschung auf mich. Die Lehrerinnen hatten schon vorher davon gesprochen, dass noch ein "German girl" an die Schule kommen würde, aber aus irgendwelchen Gründen war ich davon ausgegangen, dass es sich um eine Austauschschülerin handeln würde, schließlich sind wir PAD-Assistenten schon seit einem Monat im Einsatz und ich konnte mir ohnehin schlecht vorstellen, dass wir zu zwei FSAs an meiner Schule sind. So groß ist die nämlich auch mal wieder nicht. Allerdings musste ich dann aber feststellen, dass es sich bei Amelie, die auf einmal in der Modern Language Base hockte (und mich anhand meiner Jack Wolfskin-Jacke direkt als Deutsche identifizierte), mitnichten um eine Austauschschülerin handelte sondern um meine neue Kollegin. Sie ist nicht über den PAD sondern als GET (German Educational Trainee) da, macht aber dasselbe wie ich, bleibt nur nicht so lange und wird sehr viel schlechter bezahlt. 
Ich habe mich mit Amelie direkt gut verstanden und wir haben natürlich auf Deutsch miteinander gequatscht (irgendwie ist man ja doch bequem), was dazu führte, dass die Lehrerinnen auf angefangen haben, Deutsch zu reden. Das war schon komisch. Normalerweise rede ich mit ihnen Englisch. Aber sie können ja Deutsch, das vergesse ich nur manchmal, weil der Unterricht zum allergrößten Teil auf Englisch läuft.

Die GETs waren dann auch alle beim Goethe-Institut-Treffen dabei und so kamen wir auf ein Anzahl von ca. 25 Leuten. Die GETs machten eindeutig den größeren Teil aus. Ganze neun Leute hatten das Kürzel FLA, aber es kann natürlich sein, dass nicht alle PAD-Assistenten zum Treffen gekommen sind. Könnt ihr mir bei all den Abkürzungen eigentlich überhaupt noch folgen?
Wir wurden mit Tee und Keksen begrüßt und sollten uns zunächst in einer Kugellagerrunde miteinander austauschen. Im Grunde fand ich die Idee gut, leider waren die GETs bisher kaum oder gar nicht an ihren Schulen gewesen, so dass der Austausch etwas schwierig war. Außerdem war der Raum nicht geeignet, weil er so eng war, dass sie der Innenkreis kaum bewegen konnte, und weil, wenn die Hälfte der Leute sprachen, es sehr laut wurde. Nach zwei Präsentationen über das Goethe-Institut wurden wir in Gruppen aufgeteilt, in denen wir Workshops besucht haben: Grundschule, Spiele im Unterricht und Einführung in die Bibliothek. Besonders der Grundschul-Workshop hat mir weitergeholfen, weil ich bis dahin überhaupt keine Ahnung hatte, was ich in der Grundschule überhaupt machen soll. Vor allem die Handpuppen zum Deutsch lernen haben es mir angetan. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass es eine gute Entscheidung war, nicht Grundschullehramt zu studieren.

Es war sehr nett, die anderen Assistenten (ob nun PAD oder GET) zu treffen und nach Ende der Veranstaltungen sind viele noch zusammen was trinken gegangen und haben über das geredet, was beim Goethe-Treffen zu kurz gekommen ist: das Wetter auf den Orkney Inseln, das Abenteuer Wohnungssuche, Pläne für die kommenden Monate... Ganz spontan hat dann noch Anna, die in Aberdeen als Assistentin eingesetzt ist, noch bei mir übernachtet, weil sie sich gerne noch Glasgow ansehen wollte, aber kein Zimmer gefunden hat. Da helfe ich dann ja gerne weiter.

Samstag, 6. September 2014

Ich bin exotisch

Am Mittwoch hatten wir ein Treffen mit dem British Council, der den Fremdsprachenassistenteneinsatz auf der britischen Seite koordiniert. Schon am Montag musste ich mit Erstaunen feststellen, dass ich die einzige deutsche Assistentin in meiner Council Area bin. Bei dem Treffen mit unserer Local Authority (dem Council, in dem unsere Schule liegt) waren ca. 15 französischsprache Menschen, 5 Spanischsprachige und ich. Damit hatte ich nicht gerechnet, aber ich wusste, dass im Bereich Glasgow noch mindestens ein Deutscher eingesetzt ist. Den habe ich Mittwoch bei dem Treffen auch gefunden und gemerkt, dass er der einzige andere deutsche Assistent bei uns in der Gegend ist.
Dementsprechend schwierig war es für mich beim Human Bingo, das wir zur Auflockerung und zum Kennenlernen gespielt haben, jemanden zu finden, der schon man in meiner Heimatstadt war. Ich hatte schon mit Absicht Essen genommen, weil niemand meine Geburtsstadt kennt. Und trotzdem: Wie viele Franzosen oder Spanier machen Urlaub in Essen? Wenn ich aus Berlin oder München kommen würde, wäre das vermutlich nochmal was ganz anderes. Aber auch die anderen Sachen im Bingo, die auf mich zutrafen, waren wenig verbreitet. Ich habe niemanden gefunden, der im gleichen Monat wie ich geboren wurde, meine Schuhgröße hatte oder meinen Sport macht. Gut, bei der Schuhgröße hätte ich vielleicht ein bisschen intensiver suchen müssen, aber abgesehen davon... Ich bin ein Exot! :-D
Es ist auch ganz lustig, dass mir die Lehrerinnen an der Schule nicht glauben wollte, dass es so wenig andere deutsche Assistenten gibt. Sie haben mich immer gefragt, ob ich auch andere Deutsche getroffen hätte und ich musste es meistens verneinen. Anfang Oktober ist aber ein Treffen, das vom Goetheinstitut aus organisiert wird. Da sollte ich ja wohl noch ein paar andere deutsche Assistenten treffen. Ich bezweifele ja, dass sie sich die Mühe machen und ein Treffen in Glasgow organisieren würden, wenn es nur zwei oder drei von uns in ganz Schottland gäbe. 

In der Schule falle ich auch auf. Meine Mentorin hatte mir geschrieben, dass die Assistenten sich normalerweise "casual" anziehen würde, aber trotzdem habe ich von vorne herein beschlossen, auf Jeans zu verzichten. Die Lehrerinnen laufen alle im Rock, Hosenanzug oder Kostüm rum. Die Schüler tragen Schuluniform. Da wollte ich nicht in Jeans aufkreuzen. Ich habe mir jetzt auch schwarze Schuhe gekauft, weil ich meine roten Schuhe zwar mag, aber mir darin wie ein bunter Hund vorkomme. Bisher hat niemand meine Schuhe kommentiert, aber ich dachte mir trotzdem, dass es vielleicht besser wäre, schwarze anzuziehen.
Apropos Kleidung: Beim Treffen mit dem British Council wurde uns auch gesagt, wir sollten auf unsere Kleidung achten, da die meisten Schule keine Jeans akzeptieren würden. Das beinhaltet auch, das die Röcke nicht zu kurz sein dürfen. Da musste ich fast lachen. Kürzer als die Röcke meiner Schülerinnen könnten unsere kaum sein. Teilweise gucken die Röcke der Mädels nur fünf Zentimeter unter ihrer Jacke hervor. Ich argwöhne ja, dass sie die hochziehen und umkrempeln.