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Sonntag, 31. Mai 2015

Die letzten Tage in Schottland

Denise ist am Sonntag nach Schottland gekommen, um hier ein paar Tage Urlaub zu machen. Am Dienstag fliegt sie zurück - und nimmt mich mit. Es ist schön, dass ich nicht alleine nach Deutschland zurückfliegen muss und jemanden dabei haben werde, die sehr gut versteht, warum ich traurig bin, dieses schöne Land zu verlassen.

Am Montag war Feiertag, also haben Denise und ich ihren Urlaub mit eineinhalb Tagen in Edinburgh begonnen. Mal wieder Edinburgh. Ich war in den letzten neun Monaten jetzt sicher vier oder fünfmal da. Einige Glaswegians würden mir das vermutlich schon als Verrat ankreiden. Glasgow und Edinburgh verbinden ähnliche Gefühle wie Düsseldorf und Köln. Ich kann nicht sagen, welche Stadt mir besser gefällt. Edinburgh ist wunderschön, keine Frage, aber ich finde die Stadt fast schon zu puppenstubenhaft und touristisch. Glasgow ist da irgendwie natürlicher. Ich liebe beide Städte. Deswegen sind Denise und ich Sonntag auch erstmal so durch die Stadt gestreift, bevor wir mit der Literary Pub Tour Bildung und Trinken verbunden haben. Ich habe die Tour schon vor zwei Jahren gemacht. An manche Sachen habe ich mich noch erinnert, andere sind mir wieder eingefallen und wieder andere sind entweder letztes Mal nicht gesagt worden (ganz besonders gegen Ende hatte ich das Gefühl, dass andere Schriftsteller erwähnt wurden), oder ich habe sie schichtweg nicht verstanden. Vor zwei Jahren hatte einer der beiden Schauspieler einen sehr starken schottischen Akzent. Dieses Mal wäre es mir vermutlich leichter gefallen, ihn zu verstehen, aber die Schauspieler sprachen sehr deutlich und kaum mit Akzent. Was auch anders zum letzten Mal war, war dass wir einen Mann und eine Frau war, was manchen Streitpunkten zwischen ihnen nochmal eine leicht andere Perspektive als beim letzten Mal gab. Ich fand die Tour wieder grandios und habe auch gemerkt, wie viele Sachen ich durch mein Studium und durch meine Staatsarbeit schon wusste und war stolz auf mich.
Montag waren Denise und ich zuerst im Castle. Wir hatten geplant, um halb acht aufzustehen und kamen uns damit sehr früh vor. Aber Jugendherbergen sind mittlerweile offenbar ein Ort für Frühaufsteher. Dass die ersten das Zimmer schon um vier Uhr verließen, bekam ich gar nicht mit. Allerdings waren es die anderen beiden Zimmermitbewohner, mit denen wir unseren Spaß hatten. Sie hatten einen Wecker gestellt, waren aber früher aufgestanden und hatten das Zimmer verlassen. Um sieben oder so klingelte also deren Handywecker und hörte nicht auf. Wir wurden sicher zehn Minuten beschallt, bis die zwei sich erinnerten, dass sie wohl was vergessen hatten...

Das Castle machte um halb zehn auf und als wir um zwanzig nach neun an der Esplanade ankamen, warteten da schon viele Menschen, die auch alle rein wollten. Wir kamen aber erstaunlich schnell voran und haben eine Führung mitgemacht. Auch hier erinnerte ich mich an ein paar Sachen vom letzten Besuch, habe aber auch einiges gehört, was ich vorher noch nicht wusste. Zum Beispiel ist James II. gestorben, weil er bei seiner Frau mit einer Kanone angeben wollte ("He liked the big guns.") und dann beim Abfeuern sich selbst so stark verletzte, dass er daran zugrunde ging. 
Diesmal habe ich auch die schottischen Kronjuwelen und den Stone of Scone gesehen. Schön sind die ja nicht unbedingt. Aber der Hauptzweck ist vermutlich, damit anzugeben. Und bescheiden sind Könige wohl nie.
In der Great Hall gab es ein Re-Enactment von einer Hofdame von Mary Queen of Scots, die die Lebensgeschichte der Königin erzählte und die neue Mode zeigte, die eben diese aus Frankreich mitgebracht hatte. "Shades of Green" waren in Frankreich der neuste Schrei, während unsere schottische Adelige noch in einem gelb-roten Kleid herumlief.
Wir haben noch einige Orte auf der Burg abgelaufen, die ich bei meinem letzten Besuch nicht gesehen hatte, darunter einen Raum mit netten Fensterbuchten, in die man sich bei Partys sicher gut zurückziehen und lästern könnte und die Kerker der Burg. Dort gab es ein paar Audio-Aufnahmen, auf denen Gefangene sprachen. Über den spanischen Akzent des einen mussten wir sehr lachen.
Nach der Burg gingen wir uns Writer's Museum und nach einer Mittagspause, liefen wir - weil wir noch nicht genug gelaufen waren - zum Parlament und Arthur's Seat, beschlossen aber, nicht bis ganz nach oben zu laufen. 

Auf dem Weg zurück zum Hostel kamen wir an einem Bus vorbei, in dem eine Mini Kunst/ Design-Ausstellung war. Ich habe kaum etwas von der Ausstellung gesehen, weil ich mich die ganze Zeit mit einem Videospiel beschäftigte, bei dem man einen Vogel über eine leere Leinwand fliegen lassen und Erdbeeren einsammeln lassen musste. Dort, wo der Vogel lang flog, entstand ein Bild, das im nächsten Level farbig ausgemalt und noch einen Level später weiter ergänzt wurde. Das war wunderbar entspannend und Denise musste mich förmlich davon los reißen.

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag hatte ich Schule und Denise musste ich alleine beschäftigen.
Mittwoch war bei mir in der Schule ein internationales Sportfest für die Erstklässler, eine Kooperation von mindestens Sport, Deutsch und Kunst. Die Schüler wurden in verschiedene Ländergruppen unterteilt (u.a. Deutschland, Schottland, Malaysia und Kenia) und traten in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. Ältere Schüler sagten die Disziplinen und die Gewinner auf Deutsch an und eigentlich hätten die Schüler Sätze in den jeweiligen Landessprachen ("Hallo", "Ich komme aus...", "Viel Glück" usw.) lernen sollen, aber unser Suaheli- und Chinesisch-Kenntnisse waren dann doch zu schlecht, um das glaubhaft unterrichten zu können. Stattdessen haben sie die Sätze auf Deutsch gelernt. Die Kunstlehrerin hatte für Fahnen und Plakate gesorgt.
Ich durfte beim Sportfest dabei sein und habe die meiste Zeit bei den Schülern verbracht, die die Ansagen gemacht haben, und habe ihnen geholfen, die Wörter auszusprechen. "800m Mittelstreckenlauf" ist wirklich schwierig. Als Muttersprachlerin habe ich mich dann auch verpflichtet gefühlt, ab und zu etwas Deutsch zu sprechen und habe völlig willkürlich den Schülern "Los! Beeil dich!" oder "Gut gemacht!" zugerufen. Es war schon irgendwie lustig. Weniger lustig war, das auf dem Weg zurück zu Schule der Bus erst nicht ansprang, so dass 30 Schüler aus unserem Bus umgeladen wurden und der Rest auf den Mechaniker warten musste, und der Bus, als er dann endlich fuhr, rauchte und die Schüler aus der letzten Reihe nach vorne zu den Lehrern trieb, weil es hinten so stank, und wir alle froh waren, zur Schule zurückzukehren ohne dabei in die Luft zu fliegen.
Donnerstagabend haben Denise und ich Emily zum Essen getroffen. Ich muss mich schließlich nach und nach von alle den netten Menschen hier verabschieden. Aber ich hoffe ja, sie alle wiederzusehen.

Freitag waren wir in der Burrell Collection. In dem Museum werden Bilder, Statuen und anderer Kram gezeigt, den der reiche Unternehmer William Burrell gesammelt hat. Das Gebäude ist sehr cool, weil es eigentlich ein modernes Gebäude ist, aber immer wieder Torbögen oder Fenster aus alten Gemäuern eingebaut hat. 
Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich auch mit dem Leben im 16. und 17. Jahrhundert. Dort kann man die Handarbeitserzeugnisse junger Mädchen der Zeit sehen. Es war schon krass, was die damals gestickt haben. Nicht nur Kissen, sondern auch z.B. Bezüge für Spiegelrahmen. Und die Stickereien waren dann teilweise noch mit Perlen verziert oder mit speziellem Garn aufgepeppt. Eine Frau auf einem Kissen hatte zum Beispiel lockige Haare aus gekräuseltem Garn. Wahnsinn, wie viel Arbeit da drin steckt. Aber die Mädchen hatten damals wohl auch nicht viel zu tun.
Wir waren auch bei den Ställen und hatten diesmal Glück, denn wir haben die Shire Horses gesehen, die gerade zum Ausritt aufbrachen. Leider zeigte sich das Wetter am Freitag von seiner schottischsten Seite. Der Vormittag war sehr schön, aber gerade als wir zum Bus zurück laufen wollten, fing es an zu regnen. Und zu hageln. Wir liefen zurück zur Burrell Collection und stellten uns da unter.



Abends waren wir im Doctor Who Symphonic Spectacular im SSE Hydro. Ein Konzert, bei dem verschiedene Musik-Stücke vom Soundtrack der Serie von einem Orchester und Chor live vorgetragen wurden und auf einer Leinwand zusammengeschnittene Szenen gezeigt wurden. Außerdem kamen einige der Aliens auf die Bühne! Das Spektakel begann mit einer Durchsage der Cybermen, dass die Menschen gehorchen müssten und Blitzfotografien nicht kompatibel mit der cyber technology seien. Peter Davison, der fünfte Doktor, führte durch das Programm und stellte gleich zu Beginn fest, dass Glasgow  eine besondere Bedeutung für Doctor Who hat, weil mehrere Mitglieder der Produktion in Glasgow geboren seien (wenn man den Großraum Glasgow etwas wohlwollend dehnt, stimmt das sogar) und sagte, dass er einen Algorithmus entwickelt habe und 87 zukünftige Doctors und 149 zukünftige Produzenten im Publikum säßen und Doctor Who somit für die nächsten 200 Jahre gesichert sei. 
Zwischendurch kamen die Daleks auf die Bühne und versuchten, dem Orchester und dem Dirigenten ihren Willen aufzuzwingen, aber zum Glück hatte der Dirigent einen Sonic Baton (baton = Taktstock). Auch die Ood tauchten mehrmals auf der Bühne auf. Genauso wie The Silence und andere Geschöpfe aus der Serie. Das Konzert war unglaublich cool und ich habe mich sehr gefreut, dass auch das Lied der Ood gespielt wurde.
Es war auch lustig, die anderen Zuschauer zu beobachten. Die richtigen Hardcore-Fans hatten Plätze im Parkett und wurden von Daleks und Cybermen umrundet. Ein Dalek fuhr sogar direkt in die Menge. Ich weiß nicht, ob das ein Versehen oder Absicht war. Um uns herum auf den Rängen saßen eher die gemäßigten Fans, die meistens nur Doctor Who T-Shirts trugen, wobei der Fes auch ein beliebtes Fan-Kleidungsstück war.

Für gestern hatten wir eigentlich geplant, ans Loch Lomond zu fahren, aber weil das Wetter im Moment so unberechenbar sind, haben wir uns dann doch entschieden, in Glasgow zu bleiben. Im Endeffekt hatten wir dann so gutes Wetter, dass wir doch zum Loch Lomond hätten fahren können, aber das konnten wir ja nicht wissen. Wir waren stattdessen im West End. Im Kelvingrove Museum haben wir und die Dinosaurier-Ausstellung angesehen und sind dann an der Uni vorbei zum Botanischen Garten gegangen, um da zu Mittag zu essen. In einem Secondhandladen habe ich mir noch einen Ladies Kilt gekauft und von dort sind wir in die Innenstadt geschlendert. Ein Tag mit viel Laufen und gutem Wetter zum Abschied nehmen von einigen der schönsten Ecken Glasgows.

Heute habe ich gepackt und festgestellt, dass ich zu viel Kram habe. Einige Pullis und Bücher (!) habe ich schon zum Charity Shop gebracht und werde auch meinen Anorak und Schuhe hier lassen. Es ist unglaublich, was man in neun Monaten alles so ansammeln kann. Zum Glück ist in Denises Koffer noch ein bisschen Platz für meine Sachen.

Mittwoch, 8. April 2015

Besuche und Abschiede

Ich habe Osterferien. Das finde ich super. Allerdings sind die Osterferien auch meine letzten Ferien als FLA in Schottland. Das finde ich dann direkt weniger super. Ich bin noch knapp zwei Monate hier und habe das Gefühl, dass die Zeit mit der Geschwindigkeit eines ICEs an mir vorbei rast.

In der letzten Woche hatte ich gleich zweimal Besuch. Katharina, eine FLA, die in Südengland arbeitet und die ich beim Ambassador-Treffen in London kennengelernt habe, und Anja und Rebecca aus Deutschland. Katharina kam, als ich noch Schule hatte, aber zum Glück ist sie ja schon groß und konnte sich einen Tag alleine beschäftigen. Ich hatte vor den Ferien noch ein bisschen Stress, weil ich verschiedene Berichte und Präsentationen fertig machen und einen Text für den Schulnewsletter schreiben musste.
An Katharinas letzten Tag in Glasgow hatte ich dann aber frei und bin mit ihr ins West End gegangen. Das Wetter war wunderbar frühlinghaft und wir haben zugesehen, dass wir erstmal viel draußen gemacht haben. Ich habe den Kelvingrove Park neu entdeckt, nachdem ich im Winter gar nicht drin war. Das war wirklich schön. Später sind wir dann noch in die Hunterian Art Gallery und ins Kelvingrove Museum gegangen. Während ich die Art Gallery ja erst noch vor kurzen mit Amelie besucht hatte, ist es schon über ein halbes Jahr her, dass ich zuletzt im Kelvingrove Museum war. Im September hatte ich in der Ägypten-Abteilung ein Computerspiel entdeckt, bei dem man zwischen der Mumie und einem Talisman einen Weg mit Steinen legen musste (so ähnlich wie bei dem Spiel Carcassone) und dabei aufpassen, dass der Weg an keiner Seite offen ist - man bekommt natürlich immer Steine, die nicht passen, bzw. die verzweigen und jede Verzweigung muss entweder zugemacht werden oder zum Talisman führen. Die Seele soll nämlich durch das Talisman befreit werden oder so. Im September war ich zu doof für das Spiel und wollte nicht länger üben, weil Kinder hinter mir anstanden. Diesmal war das Museum leerer und ich hatte mehr Zeit. Ich habe es bis in den vierten Level geschafft und bin sogar in der Highscore-Liste gelandet. Es sind manchmal Kleinigkeiten, auf die man besonders stolz ist. ;-)

Kelvingrove Museum mit blühendem Baum
Kaum war Katharina abgefahren, kamen auch schon Rebecca und Anja. Das war ganz praktisch; ich musste die Gästematratze gar nicht wegräumen. Die beiden sind schon sehr Schottland-erfahren, aber hatten wenig bis gar nichts von Glasgow gesehen. Also habe ich versucht, ihnen in wenigen Tagen zu zeigen, dass Glasgow die schönste Stadt Schottlands ist: West End, Innenstadt, Central Station, der Ausblick vom Lighthouse, Kathedrale, Nekropolis, Clyde... Ich war ganz begeistert davon, meine Lieblingsorte im Sonnenschein zu sehen - die Sonne habe ich in letzter Zeit doch schmerzlich vermisst - und ich glaube, meinem Besuch hat es auch gut gefallen. Sie hatten natürlich auch ihre eigenen Ziele. Das Keksregal im Supermarkt zum Beispiel.

Am Karsamstag haben wir einen Ausflug in Richtung Süden gemacht. Gretna Green, Durham und the Angel of the North. Gretna Green ist die Marriage Capital des UKs. Im 18. Jahrhundert sind minderjährige Paare aus England, die ohne Erlaubnis der Eltern heiraten wollten, nach Gretna Green durchgebrannt, weil es in Schottland nicht nötig war, die Einwilligung der Eltern zu haben. Zu dieser Zeit war eine Eheschließung in Schottland gültig, solange das Eheversprechen vor zwei Zeugen ausgesprochen wurde. So konnte im Grunde jeder eine Eheschließung vornehmen. In Gretna Green war es meistens der Schmied, der "anvil priest", weswegen der Amboss auch das Symbol der Hochzeiten in Gretna Green wurde.  In Stolz und Vorurteil wird der Ort auch erwähnt, weil Wickham und Lydia dort vermutet werden. 
Mittlerweile ist das Örtchen ein Touristenziel, auch wenn da immer noch viele Leute heiraten. Um die berühmte Schmiede herum stehen süße weiße Häuschen und niedliche bis kitschige Skulpturen sowie ein Bogen, unter dem sich ganz viele Pärchen küssend fotografieren ließen.
Durham hatte ich schon mal besucht, aber diesmal hatten wir viel mehr Zeit. Außerdem war es hell als wir da ankamen. Rebecca, Anja und ich sind durch die Innenstadt geschlendert bevor wir zu Kathedrale gegangen sind. Die Kathedrale habe ich mir bei diesem Besuch auch viel genauer angesehen als beim letzten. Aber natürlich sind wir auch in den Kreuzgang gegangen, der aus den Harry Potter-Filmen bekannt ist. Wie im Alnwick Castle bekamen wir von unserem Reiseleiter Fotos, die wir mit der Architektur vor Ort ergänzen sollten. Wir hatten aber mehr Spaß daran, sie nachzustellen und Anja hat einen ganz tollen Snape hingekriegt.
Vom letzten Mal wusste ich ja noch, dass der Rasen verboten ist...

Snape erwischt Ginny und eine andere Schülerin ohne Schuluniform
Außerdem hatten wir Glück und das Chapter House war geöffnet. Professor McGonagalls Klassenzimmer. Normalerweise ist das geschlossen, aber das National Youth Orchestra machte in der ganzen Stadt für sein nächstes Konzert und ein Cello-Quartett spielte im Chapter House. Im November hatte ich durch das Fenster gelinst und gedacht, dass es wirklich wie das Klassenzimmer aussieht. Samstag fand ich es nicht mehr ganz so, vermutlich weil der Tisch und der Stuhl abgedeckt waren. Außerdem ist es merkwürdig, Cellisten im Verwandlungsklassenzimmer zu haben.
Im Gift Shop der Kathedrale habe ich außerdem geguckt, wie weit das Lego-Modell ist und sie sind ein ganzes Stück weiter gekommen. Ich fand es besonders toll, dass sie auch den Fußboden und die Orgel nachgebaut haben. Ich weiß nicht, ob mir das beim letzten Mal nicht aufgefallen ist, oder ob das auch neu war.
Der Angel of the North war nur ein Foto-Stopp und ich muss sagen, ich fand die Kelpies beeindruckender. Die Statue hat - laut Wikipedia - auch eine symbolische Bedeutung von wegen coal miners und der Übergang vom industriellen ins Informationszeitalter, aber ehrlich gesagt konnte ich das darin nicht erkennen. 

An Ostern waren wir drei in der St Mungo's Cathedral zum Gottesdienst. Das fand ich auch sehr schön. Der Pfarrer hat über die drei verschiedenen Wörter gesprochen, die in der Ostergeschichte im Johannesevangelum für "sehen" verwendet werden. Einmal im Sinne von "wahrnehmen", dann "wahrnehmen und verstehen" und zum Schluss "wahrnehmen, verstehen und glauben". Letztes Jahr Ostern in Rom, dieses Jahr in Schottland... Ich muss sagen, dass mir der Gottesdienst hier in der Kathedrale besser gefallen hat, als der auf dem Petersplatz. Aber trotzdem, nach zwei Jahren ohne die bekannten Osterlieder muss ich nächstes Jahr wieder in Deutschland feiern. 

Aber mein Post heute heißt ja nicht nur "Besuche" sondern auch "Abschiede". Die Osterferien bedeuten auch, dass Die GETs wieder nach Hause müssen. Amelie also auch. Ich bin nicht gut im Verabschieden und zögere das immer gerne raus, vor allem, wenn es um die Verabschiedung von Leuten geht, die ich mag. Bisher musste ich nur die GETs verabschieden (abgesehen von meine Besuchern, aber das ist ja was anderes) und die habe ich dann einmal in den Arm genommen und "Gute Fahrt" gewünscht. Ganz so, als würden sie nur zum einwöchigen Osterurlaub an die Ostsee aufbrechen.
Von Amelie gab es einen Abschied auf Raten: Abschiedsessen mit den Kolleginnen (vor ihrer letzten Schulwoche), ein letzter gemeinsamer ISUK-Ausflug, Abschiedstrinken mit anderen GETs, Abschiedspubbesuch mit der Scottish Country Dance Society, letzter gemeinsamer Schultag mit Kuchenessen und gestern bin ich mit Amelie, ihrem Freund und ihrer Schwester nach Falkirk, Edinburgh und Stirling gefahren und abends in einen Comedy Club gegangen. Diesmal war es wirklich ein Abschied.
Ich war schon sowohl in Edinburgh als auch Stirling, aber Edinburgh ist immer wieder schön (ich werde sicher nochmal hinfahren) und es schien die Sonne. Bei meinem letzten Ausflug auf den Calton Hill in Edinburgh bin ich schon um das National Monument herum geschlichen und wollte eigentlich gerne drauf klettern, sah aber ein, dass ich das alleine nicht schaffen würde. Ich bin zu klein. Gestern waren wir aber zu viert da und Amelie und ihre Schwester haben mich hochgezogen, während Amelies Freund am Fuß des Denkmals assistierte. Zuerst habe ich micht etwas geziert, weil ich ziemlich Schiss hatte, nicht hochzukommen und mich endlos zu blamieren, aber dann hat es doch super geklappt. Auf der Royal Mile in Edinburgh war ich auch fast versucht, mir einen Koffer im Tartan-Muster zu kaufen, habe mich dann aber doch dagegen entschieden, weil ich fürchtete, dass er trotz des stolzen Preises von 50 Pfund nicht lange halten würde. Auch die Kelpies in Falkirk kannte ich schon, aber wir waren auch beim Falkirk Wheel, einem irren Schiffshebewerk, das wie ein Reisenrad mit nur zwei Gondeln funktioniert und Schiffe von einem höher liegenden Kanal in einen tiefer liegenden transportiert und umgekehrt.
Falkirk Wheel
National Monument in Edinburgh
Robert the Bruce sonnt sich in Stirling
Im Comedy Club trafen wir dann auch Sebastian und seine Freundin sowie einen schottischen Freund von Amelie und Sebastian. Der Abend im Club war lustig. Es traten einige Nachwuchs-Stand up Comedians auf, einige besser als andere und ein Typ aus Yorkshire, den ich gar nicht verstanden habe. Danach gab es einen längeren Auftritt von einem erfahreneren Comedian, der (männlich) einen ziemlich guten Beitrag über die Menstruation und darüber hielt, dass das NHS kostenlos Kondome verteilt, aber Binden und Tampons als Luxusgüter bezeichnet werden. Ich hatte sehr viel Spaß. Aber leider ging der Abend dann auch zuende und der endgültige Abschied nahte. Amelie sagte etwas wie "Lass von dir hören!" und andere Sachen, die normale Menschen zum Abschied sagen. Ich sagte: "Gute Fahrt!" Wie bereits erwähnt, ich bin nicht gut bei Abschieden. Aber ich hoffe auch darauf, dass wir es schaffen, uns in Deutschland mal zu besuchen.

Freitag, 20. Februar 2015

Unerwartete Ferien

Letzte Woche hatte ich überraschenderweise frei. Montag und Dienstag waren schulfrei, am Mittwoch war In Service Day (an den Tagen müssen nur die Lehrer zur Schule und Material/ Unterricht vorbereiten und planen), zu dem muss ich nicht, und auch den Donnerstag hatte ich außerplanmäßig frei. Ferien!
Besonders viel habe ich mit den unerwarteten Ferien aber nicht gemacht. Den Freitag, Samstag und Sonntag habe ich auf dem Sofa gelegen, Doctor Who gesehen - ich bin jetzt mit den neuen Staffeln durch und habe zwar noch keine Angst vor Steinengeln, aber eine gewisse Abneigung gegen Computerstimmen, gruseligen Kindergesang und flackerndes Licht entwickelt - und habe erfolgreich eine Erkältung abgewehrt. 

Montag war ich beim Pub Quiz der German Society. Es wurden vor allem Fragen zu Deutschland (Sport, Politik, Kultur und Geographie) gestellt, aber es gab auch ein paar Allgemeinwissen-Fragen und eine Kategorie zu Harry Potter. Das fand ich sehr klasse und konnte es kaum glauben, weil ich gedacht hatte, die Bemerkung, dass es eine Harry Potter-Kategorie gäbe, sei ironisch gemeint. Leider gab es auch bei dieser Kategorie Fragen, die ich nicht beantworten konnte (nein, damit hätte ich auch nicht gerechnet) zum Beispiel die deutsche Verkaufszahl des letzten Harry Potter-Bandes in den ersten 24 Stunden in Deutschland. Ich habe es halt nicht so mit Zahlen. Ganz zum Schluss mussten wir das Brandenburger Tor aus Strohhalmen und Blue Tack bauen. Gar nicht so einfach. 
Ich war mit Vanessa, eine Schottin und einer anderen Deutschen in einem Team. Wir beiden Deutschen haben uns um die Fragen über die Bundesländer und die deutschen Lieder gekümmert, auch wenn wir bei den Liedern teilweise sehr auf dem Schlauch standen (ich kenne von Cro eben nur "Traum"). Im Endeffekt haben wir den vierten Platz gemacht. Da konnte uns auch unser unglaublich genialer Name "Uncreative Bratwürstchen" nicht retten. Aber es war auch nicht schlimm. Der Abend war sehr lustig und ich muss zugeben, dass ich eine diebische Freude daran hatte, wenn die Moderatorin versuchte, unseren Gruppennamen auszusprechen, und als sie ungläubig auf meine Antwort auf die Frage, was man in Hogwarts kitzeln muss, um in die Küchen zu kommen, starrte. ;-) Die Gewinner des Quizes bekamen übrigens einen Kasten Bier, damit hätte ich ja eh nichts anfangen können. 

Am Dienstag bin ich nach Edinburgh gefahren. Ich musste meine Ferien ja irgendwie nutzen. Außerdem habe ich es bei meinen letzten Besuchen in Edinburgh nie geschafft, auf den Calton Hill zu gehen. Der war dann mein erstes Ziel. Ich bin auch auf das Nelson Monument gestiegen, ein Turm mit 143 Stufen - also weniger als halb so viele als der Südturm vom Kölner Dom - der für Admiral Nelson errichtet wurde, auf dessen Spitze eine große Kugel ist, die jeden Tag um 13 Uhr zeitgleich mit der Kanone im Castle herunterfällt und die Uhrzeit angibt. Es war ziemlich windig und etwas bedeckt, aber ich bin doch recht lange auf dem Hügel geblieben und habe Fotos gemacht.
National Monument und Nelson Monument

Dugald Steward Monument
Nette Ermutigung beim Aufstieg auf das Nelson Monument

Danach bin ich in die Innenstadt gegangen und hatte den festen Plan, ins Writer's Museum zu gehen. Wenn ich nicht so wild entschlossen gewesen wäre, hätte ich irgendwann aufgegeben, denn es war ziemlich schwierig, das Museum zu finden. Es ist in einem Hof und ich musste ziemlich hartnäckig danach suchen, weil es im Reiseführer nicht sonderlich gut beschrieben war. Später habe ich festgestellt, dass ich erstens schon mal auf diesem Hof war, als wir 2013 mit der Uni in Edinburgh waren und einen Literary Pub Crawl gemacht haben und zweitens auch von der anderen Seite auf den Hof hätte kommen können und mir so einen großem Umweg erspart hätte. Wie auch immer. Das Museum ist sehr nett gemacht. Es widmet sich R. L. Stevenson, Robert Burns und Walter Scott. Man kann persönliche Gegenstände und Bilder sehen. Es gab gute Info-Tafeln und ein paar Audio-Installationen. Außerdem haben sie einen süßen Museumsshop, in dem ich Anstecker und Magneten gekauft habe. Allerdings war mein Besuch zeitlich etwas ungünstig, weil ich gleichzeitig mit einer Studentengruppe da war und das Museum winzig ist. Teilweise wurde ich aber wohl für eine Teilnehmerin der Gruppe gehalten. Jedenfalls sprach mich einer der Profs (wie ich dachte) an und fragte mich, ob ich schon mal hier gewesen sei und ob es nicht erstaunlich sei, dass man Jahre in Edinburgh leben kann und nichts von diesem Museum weiß. Allerdings frage ich mich gerade, wieso der Prof, wenn er es denn war, mich für eine seine Studentinnen halten sollte. Die Gruppe bestand auf gut 30 Leuten. Da kennt er hoffentlich alle zumindest vom sehen.
Von dem Museum aus bin ich zu St. Giles Cathedral gegangen. Die hätte ich mir schon bei der Exkursion mit der Uni gerne angeguckt, aber das war schwierig, weil es ja gerade Festival-Saison war und auch der Platz vor der Kirche voll mit Fringe-Menschen war. Die Kathedrale an sich hat mich jetzt nicht sooo beeindruckt, aber habe ich zu viel A Song of Ice and Fire gelesen oder sieht diese Lampe ein bisschen wie ein Drachenkopf aus?

Das Burns-Gedächtnisfenster

Letzte Zeile ;-)
Als nächstes bin ich zum Greyfriars Kirkyard gegangen, um endlich mal das Grab von Greyfriars Bobby, dem Polizeihund, der jeden Tag am Grab seines Herrchen gesessen hat, zu sehen. Ich wollte gerade gehen, als ein Mann, der da wohl Touren gibt, ein paar Touristen erklärte, dass auf diesem Friedhof ganz viele Gräber mit Harry Potter-Namen seien, u.a. Thomas Riddle, Black und McGonagall. Ich habe mich nochmal auf die Suche gemacht, aber nur das Grab mit Namen einer Black-Familie gefunden (keiner der Vornamen passte zu den Harry Potter-Figuren) und den Namen McGonagall auf einer Tafel am Eingang des Friedhofs. Weil es kalt und schlammig war, habe ich die Suche abgebrochen und habe überlegt, was ich als nächstes machen sollte, weil ich mir keinen wirklichen Plan gemacht hatte.
Millennium Clock


Eigentlich wollte ich noch zum Castle. Ich bin jetzt Mitglied bei Historic Scotland und komme da umsonst rein. Aber es war zehn Minuten bevor die letzten Besucher herein gelassen wurden und ich wollte nicht hetzen. Also bin ich ins Museum of Scotland gegangen. Da hat mir eine große Spieluhr besonders gut gefallen. Die Millennium Clock stellt das Vergehen der Zeit sowie das Gute und Schlechte der Menschheit da (wie ich gerade nochmal nachgelesen habe). Ansonsten wurde im Museum das Leben der Menschen in verschiedenen Teilen der Welt in unterschiedlichen Bereichen (z.B. Musik oder Kleidung) gezeigt. Es gab auch eine Tierabteilung, die ich ausgelassen habe, und eine große Ausstellung zur schottischen Geschichte, für die ich kaum Zeit hatte.



Am Donnerstag kam Charly zu Besuch. Ich habe sie erstmal mit zum Zumba geschleppt. An den folgenden Tagen habe ich ihr ein bisschen was von Glasgow gezeigt und wir sind zum Loch Lomond gefahren und haben über die etwas missglückten Romantik-Versuchen (Valentinstag) am Ufer gelästert. An einer Stelle lagen Rosenblätter und ein Herz aus Kerzen - im Grunde ganz süß, aber nicht, wenn das ganze mitten im Uferschlamm steckt und man sich da nicht hinsetzen kann. Auch das Gruppen-Date mit neun anderen Paaren (angesichts der Sektgläser auf dem Tisch) neben einem laut brummenden Tankwagen für das Wasserflugzeug fanden wir nur bedingt romantisch, auch wenn Vanessa später einwandte, dass das ja auch eine Hochzeit gewesen sein könnte. 
Orangenmarmelade mit Paddington
Außerdem haben wir am Sonntag ein britischen Frühstück und später ein Süßigkeiten-Picknick in meinem Zimmer gemacht. Wir hatten Orangenmarmelade mit Paddington drauf. Als ich vor ein paar Jahren in einem Londoner Hotel "marmelade" probiert habe, fand ich sie nicht besonders lecker, aber diese schmeckt mir ziemlich gut. Vermutlich nur wegen Paddington. ;-) Erstaunlicherweise schmeckt sie auch auf Pumpernickel (Charly hat mir gefühlt einen Rucksack voll mitgebracht). Beim Süßigkeiten-Picknick habe ich auch die britische Antwort auf Schokoküsse, Tunnock's Teacakes, probiert. Emily hatte mich schon mal gefragt, ob ich die schon gegessen hätte, also schien das jetzt der passende Moment zu sein. Der Keks unter den Teacake ist auf jeden Fall besser als bei den Schokoküssen. Die weiße Füllung ist aber nicht so gut wie die bei den Schokoküssen. Zwischendurch sind wir übrigens im Glasgow Green spazieren gegangen. Wir mussten ja die Kalorien wieder abtrainieren. Überhaupt musste die arme Charly seeeehr viel laufen, als sie hier war. Zukünftige Besucher seien hiermit gewarnt. ;-)

Dienstag, 13. Januar 2015

Jahreswechsel - Es könnte alles so einfach sein

Kaum war meine Familie wieder in Deutschland, bekam ich schon den nächsten Besuch: Nina, eine Deutsch-Assistentin, die ich in London kennengelernt habe, und Sahla, eine Freundin/ französische Assistenten-Kollegin von Nina. Die beiden wollten in den Weihnachtsferien Schottland bereisen und ich hatte ihnen angeboten, ein paar Nächte in Glasgow zu übernachten. Ich war ein bisschen geschafft vom Familienbesuch - wir mussten ja die letzten vier Monate aufholen - aber Nina und Sahla waren vorbildliche Gäste. Einen Tag lang habe ich ihnen Glasgow gezeigt, aber abgesehen davon haben sie ihr Programm selbst gestaltet und ich konnte mich um Sachen wie Wäsche waschen kümmern, was man eben so zwischen Weihnachten und Silvester macht.

Silvester war eine komplizierte Angelegenheit dieses Jahr. Ganz eigentlich wollten zwei Freundinnen aus Deutschland kommen und mit mir Hogmanay (= das hippe schottische Wort für Silvester) in Edinburgh feiern. Daraus wurde aber leider nichts. Also fragte ich Hélène, ob ich mit ihr und ihren französischen Freunden feiern könnte, was grundsätzlich kein Problem war, allerdings wollten sie zu einer Party, die mir, nachdem ich mir die Fotos aus dem letzten Jahr angesehen hatte, nicht unbedingt zusagte. Und dann war da noch Marit, die ebenfalls Hogmanay in Edinburgh feiern wollte, da ein Zimmer in einem Hostel gebucht hatte und spontan einen Platz frei hatte.
Nun wollten Nina und Sahla aber auch gerne an Silvester nach Edinburgh und hatten keine Unterkunft. Drei Leute auf einem Schlafplatz für eine Person ist ein bisschen schwierig, aber nach einigem Hin und her hatte Marits Vermieterin Mitleid mit uns und sagte, wir könnten ebenfalls eine Nacht bei ihr verbringen, wenn wir Schlafsäcke mitbrächten. Die konnten organisiert werden, also fuhren wir zu dritt nach Edinburgh.

Als wir dort ankamen, war der Busverkehr in der Innenstadt schon so gut wie umgeleitet, so dass wir eine Weile bis zum Hostel laufen mussten und das erste Feuerwerk verpassten. Es gab nämlich jeweils ein Feuerwerk um neun, um zehn, um elf und um zwölf Uhr.
Während Nina und Sahla sich nur das Feuerwerk von einem der Hügel ansehen wollten, gingen Marit und ich zur Hogmanay Street Party. Die Princes Street war eine Partymeile, an der es in regelmäßigen Abständen Fish and Chips Stände, Alkoholzelte und Buden mit heißen Getränken und süßen Teilchen standen. Außerdem gab es alle paar Meter einen Bildschirm, auf dem alte Michael Jackson-Lieder und die Weather Girls zur Karaoke einluden. Wer nicht selber singen wollte, konnte zu einer der Bühnen gehen, wo Konzerte stattfanden. Marit und ich gingen zur Waverley Station, wo wir uns Twin Atlantic und eine andere Band anhörten. Mir hat die Musik nicht so gut gefallen, aber möglicherweise lag das daran, dass die Verstärker komisch eingestellt waren und bei uns sehr viel Bass und sehr wenig Melodie ankam. So im Nachhinein auf Youtube finde ich sie ganz gut.

Mit ein bisschen Fantasie sieht man das Castle ;-)
Zuerst haben Marit und ich versucht, möglichst nah an die Bühne zu kommen, aber es wurde irgendwann seeeehr eng und die Leute waren angetrunken und machten so viel Blödsinn (inklusive Plastikflaschen werfen), dass wir wieder den Rückzug antraten - nur um dann vor dem Techniker-Zelt zu stranden und nicht weiter zu kommen. Von da hatten wir aber eine ziemlich eine gute Sicht auf das Schloss und das letzte Feuerwerk und weil es sowieso schon kurz vor Mitternacht war, beschlossen wir, da stehen zu bleiben. Das Feuerwerk vor der Schloss-Kulisse war schön, aber für deutsche Verhältnisse etwas kurz. Gut, wir sind eben in Schottland, da wird ja auch ganz offiziell schon vor zwölf Uhr geböllert. Nach dem Feuerwerk und einem gemeinsamen "Auld Lang Syne" mit überkreuzten Armen und Händereichen (etwas, das ich gerne live erleben wollte ;-)) verlief sich die Streetparty ziemlich schnell. Die meisten Menschen gingen in Richtung Ausgang. Marit und ich machten noch einen Abstecher auf den Weihnachtsmarkt und stießen mit deutschem Glühwein auf das neue Jahr an.
Ich fand Hogmanay sehr lustig und könnte mir vorstellen, das in nächster Zeit nochmal zu machen. Dann bräuchte ich aber definitiv einen Tier-Onsie, eine Mütze, die wie ein Tier aussieht oder zumindest einen Haarreifen mit verrückten Dekorationen. Irgendwie schien das der Dress Code bei der Party gewesen zu sein. ;-)

Am ersten Januar hatte Marit einen Ausflug (mit Übernachten) am Loch Lomond geplant, bei dem ich spontan noch mitkommen konnte. Sie hatte eine Zugverbindung rausgesucht, für die wir nur noch die Tickets kaufen mussten. Aber dann kamen wir am Bahnhof in Edinburgh an und die Frau an der Information sagte uns, dass Scotrail den ganzen Tag nicht fahren würde (Marit hatte auf der Scotrail-Seite nachgeguckt) und dass kein Zug weiter als Edinburgh fahren würde. Das hieß im Klartext: Kein Zug nach Glasgow und erst recht keiner nach Balloch (Loch Lomond).
Wir standen wir vom Donner gerührt da und konnten es nicht glauben. Ja, Neujahr ist ein Feiertag. Ja, am 25. Dezember fuhren auch keine Züge. Aber: Kein Feiertagsfahrplan? Wir konnten doch nicht die einzigen sein, die an diesem Tag von Edinburgh nicht in Richtung Süden aufbrechen wollten. Und überhaupt: Die Züge aus London, die normalerweise bis Glasgow fahren, fuhren - aber nur bis Edinburgh. Glasgow ist die größte Stadt Schottlands. Wie kann es sein, dass sie sich an einem Tag, ob nun Feiertag oder nicht, in etwas verwandelt, das kaum mehr als ein Kaff ist?
Zum Glück wusste ich, dass Überlandbusse fuhren. Also sind wir zum Busbahnhof weitergegangen. Dort wurde uns gesagt, wir könnten die Tickets nur direkt beim Busfahrer kaufen, wenn der noch Platz hätte. Er hatte noch Platz, aber wollte das Geld passend haben. Natürlich hatten wir die 22 Pfund nicht klein. Aber wir trafen einen Deutschen, der uns zwei Pfund schenkte. Wir konnten ihm im Gegenzug helfen und seinen 20-Pfundschein in kleinere Scheine wechseln.
So kamen wir immerhin nach Glasgow. Anstatt an den bonnie banks of Loch Lomond spazieren zu gehen, liefen wir zu meiner Wohnung (denn natürlich gab es keinerlei innerstädlichen Verkehr) und gingen abends ins Kino, um uns "The Theory of Everything" anzusehen. Ein netter Film, teilweise etwas zu vorhersehbar (Was passiert wohl, wenn die gestresste Ehefrau zum ersten Mal zum Kirchenchor kommt und den gutaussehenden Chorleiter trifft, der sie direkt bedeutungsvoll ansieht?), aber ich habe mich bisher kaum mit Stephen Hawking auseinander gesetzt und fand es spannend, so mal ein bisschen was über ihn zu erfahren. Außerdem hat Lupin mitgespielt. Das habe ich aber erst herausgefunden, als ich schon im Kino saß.

Am nächsten Tag fuhren alle Busse und Bahnen wieder normal und wir konnten zum Loch Lomond aufbrechen. Am Bahnhof angekommen, wussten wir nicht genau wohin und nahmen uns in Taxi zum Bed & Breakfast, was aber im Nachhinein nicht nötig gewesen wäre. Der Landlord im Bed & Breakfast war sehr nett. Es tat ihm furchtbar Leid, dass er uns das Geld für die eine Nacht, die wir absagen mussten, nicht zurückgeben konnte, aber bot uns an, Frühstück zu machen und abends Abendbrot für uns zu kochen. Das fanden wir eine gute Idee und stärkten uns mit leckeren Pilz-Käse-Crêpes.
Das Wetter war leider nicht das beste. Es regnete und hagelte immer mal wieder. Deswegen warteten wir erstmal eine Zeit ab und lasen bzw. schrieben, bevor wir es wagten, uns auf den Weg zu machen. Auf unserem knapp dreistündigen Spaziergang hatten wir alle Wetterlagen. Regen, Hagel, Sonne, Wind... Zwischendurch war es wirklich schön.


Auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft sahen wir auch noch einen Regenbogen. Wir liefen gewissermaßen direkt darauf zu unter unter ihm hindurch. Marit meinte, wir sollten doch mal gucken, ob wir den Goldtopf am Ende des Regenbogens finden. Aber es regnete. Also lieber keine Umwege.
Es war dann ein bisschen schade, dass wir nur eine Nacht bleiben konnte, vor allem, weil das Wetter am nächsten Tag (zumindest in Glasgow) viel besser war. Allerdings musste Marit noch bis auf die Orkneys reisen und ich war auch nicht böse darum, vor Schulbeginn immerhin noch eineinhalb Tage ohne Ausflug oder Besucher zu haben.

Montag, 15. Dezember 2014

Es weihnachtet sehr

Weihnachtsbeleuchtung am George Square
Nur noch neun Tage bis Weihnachten (und eine Woche bis meine Familie nach Glasgow kommt), die ganze Stadt ist schon seit Wochen mit kitschigen Lichterketten und Rentieren geschmückt und obwohl ich nicht sagen würde, dass ich schon richtig in Weihnachtsstimmung bin, habe ich doch schon viele weihnachtliche Sachen gemacht.
Die Weihnachtsvorbereitungen begannen für Amelie und mich schon im November, weil wir gerne allen ersten Klassen einen Adventskalender basteln wollten - es sind sechs Klassen. Wir haben es auch geschafft. In jedem Klassenraum hängen jetzt an einer Schnur pro Klasse aufgereiht 14 verzierte Briefumschläge und 10 beklebte Klopapierrollen - das ganze Department hat mit gesammelt und Victoria schlug sogar vor, wir sollten einen Wettbewerb daraus machen, wer am meisten Rollen sammelt (man muss die Lehrerinnen einfach gern haben). Jeden Tag finden die Schüler ein neues Wort, das etwas mit Weihnachten zu tun hat, das sie dann in ihr Heft schreiben müssen. An manchen Tagen befindet sich außerdem ein Gegenstand im Umschlag oder der Rolle, den sie an ihren Papier-Weihnachtsbaum kleben können. Die Weihnachtsbäume sind der zweite Teil für unsere Aktion für die Erstklässler. Jede Klasse soll einen Weihnachtsbaum schmücken - mit selbstgemalten Kugeln, Sachen aus dem Adventskalender und Sternen, die sie durch gutes Verhalten im Unterricht gewinnen können. Der schönste Baum im Raum gewinnt (den Teil hat Victoria irgendwie falsch verstanden - heute meinte sie zu mir, dass die Bäume ihrer Klasse doch viel schöner seien als die von Lauras).
Die Zweitklässler haben Lebkuchen nach einem deutschen Rezept gebacken. Sie haben das Rezept im Deutschunterricht bekommen und mussten die Vokabeln lernen, bevor sie es dann in Hauswirtschaft nachbacken mussten. In einer der Hauswirtschaftstunden war ich dabei, habe den Schülern geholfen, der Lehrerin beim Deutsch ausgeholfen und habe mit den Schülern die deutschen Wörter wiederholt. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass letzteres nicht ganz so günstig war, weil sie nämlich immer aufhörten das zu tun, was sie gerade taten (Teig ausrollen, Plätzchen ausstechen) und ein paar Minuten überlegten. Dabei war die Zeit für das Backen schon knapp bemessen.
An der Schule hat auch bereits ein Weihnachtsbasar stattgefunden, bei dem ich Victoria und Laura geholfen habe, Waffeln zu backen - ein Klassiker auf jedem deutschen Schulfest, aber hier schien es irgendwie etwas Exotisches zu sein. Dabei waren es noch nicht mal die runden Waffeln mit den fünf Herzen sondern die eckigen, die auch etwas dicker sind. Auf dem Weihnachtsbasar gab es außerdem einen Hotdog- und einen Schokoladenbrunnenstand, einen Flohmarkt und einen Stand mit Samosas und Pankoras sowie ein Mädchen, das Henna-Tattoos machte und Auftritte von Musikschülern. Ich fand es ganz lustig bei dem Weihnachtsbasar dabei zu sein - vor allem, weil ich viele Schüler mal ohne Uniform gesehen habe. Am Ende hat mich Laura netterweise nach Hause gefahren. Sie hat mir auch ein kleines Bäumchen mit Kunstschnee geschenkt, das ich gerade wieder ein bisschen aufpäppeln muss (die Fensterbank war nicht die beste Idee für einen Standort, weil sie direkt über der Heizung ist...). Trotz meiner vernachlässigenden Pflege habe ich mich aber sehr über die Pflanze gefreut.
Unsere Base ist auch schon festlich geschmückt, weil Amelie einen Plastiktannenbaum in der Abstellkammer gefunden und aufgestellt hat. Außerdem hat sie echte Tannenzweige und Kugeln mitgebracht und malt ständig Weihnachtsbilder aus, die sie aufhängt. Außerdem haben Amelie, Laura, Victoria und ich alle eine Weihnachtskugel aus Papier (in 2D) mit unserem liebsten deutschen Wort beschriftet und dann angemalt und aufgehängt.
Zuhause habe ich mir einen Adventskranz gebastelt. Das war alles andere als leicht. Irgendwie habe ich in der Innenstadt keinen Blumenladen gefunden. Also habe ich den Nachmittag des ersten Advents in einem Einkaufszentrum verbracht und auf dem riesigen Gelände das Gartencentre gesucht (und gefunden). Die Kränze, die es da gab, waren zwar nur zum Aufhängen an der Tür. Darauf konnte man keine Kerzen befestigen, also habe ich ihn auseinander genommen. Ich habe mir auch eine Lichterkette und einen Stern im Poundland gekauft und mein Zimmer damit dekoriert.

Die meisten weihnachtlichen Aktivitäten außerhalb der Schule habe ich im Dunstkreis (so nenne ich es mal) der German Society gemacht. Mit Emily war ich auf dem Glaswegian Weihnachtsmarkt. Der besteht aus einer bunten Mischung verschiedener Stände, die meisten bieten Essen aus verschiedenen Ländern an (Currys, Bratwurst, Panekoken, schottischer Käse, Crêpes, Känguru-Burger...). Es gibt eine Bayrische Hütte, in der unverschämt teurer Glühwein (und andere alkoholische Getränke) verkauft und Rockmusik gespielt wird. Aber es gibt auch einen Schokokuss-Stand wie in Essen. Da musste ich natürlich einen kaufen. Insgesamt würde ich sagen, dass der Weihnachtsmarkt in Glasgow ein netter Versuch, aber mehr nicht ist.
Weihnachtsmarkt in Glasgow mit Rentier



Der Weihnachtsmarkt in Edinburgh dagegen ist richtig gut. Ich war mit Matthew, Emily und ein paar von Emilys Freundinnen (eine inklusive Partner) da. Die anderen wollten gerne den ganzen Tag Deutsch reden, weil eine mündliche Prüfung bevor stand und das haben wir (fast) durchgehalten. 
Der Weihnachtsmarkt hat mich wirklich sehr an Deutschland erinnert. Die Aufmachung der Stände, das Angebot... Ich konnte sogar gebrannte Mandeln kaufen. Es war so sehr wie ein deutscher Weihnachtsmarkt, dass ich zwischendurch Heimweh nach euch in Deutschland hatte, weil ich so gerne mit euch über den Essener (oder meinetwegen auch einen anderen) Weihnachtsmarkt gegangen wäre. 
Weihnachtsmarkt in Edinburgh
 
















Nach einem ersten Besuch des Weihnachtsmarktes gegen Mittag schlenderten wir durch die Stadt, gingen zum Castle hoch, am Elephant House (in dem JKR große Teile des ersten Harry Potter Bandes geschrieben hat) und Greyfriar's Bobby vorbei und in die Fudge Kitchen, wo wir alle ein Stück Fudge kauften, gingen wir in der Dämmerung wieder auf den Weihnachtsmarkt. Dort ließen wir Mädchen es uns dann nicht nehmen, auf mit dem Doppeldecker-Karussell mit den Pferden zu fahren. Matthew musste Fotos machen. Auf das Kettenkarussell, bei dem man zuerst noch auf 60 m Höhe hochgefahren wurde, trauten wir uns dann doch nicht. Es war das erste Mal, dass ich während meines Einsatzes hier in Edinburgh war - ich weiß gar nicht warum, denn die Stadt gefiel mir wieder sehr gut.





Der Weihnachtsmarkt im Dunkeln
Ein paar Tage nach dem Ausflug nach Edinburgh gab es eine Weihnachtsfeier von der German Society. Vanessa und ich haben vorher Lebkuchen-Eulen (nach dem Rezept aus der Schule) gebacken. Bei der Weihnachtsfeier gab es auch Glühwein und ich habe eine der Deutsch-Dozentinnen meiner Tandempartner kennengelernt. Ich fand es klasse, dass sie und ihr Kollege sich auch kurzzeitig zwischen die Studenten gemischt haben. Ob die Studis das auch so toll fanden, weiß ich nicht, aber jetzt weiß ich immerhin, über wen sie reden. Und zumindest die Dozentin (mit ihrem Kollegen habe ich nicht gesprochen), wirkte sehr nett.

Eine Weihnachtsfeier in der Schule steht noch bevor. Am letzten Schultag sollen/ können alle im Christmas Jumper zur Schule kommen. Die Pullis mit einem weihnachtlichen Motiv (euch vermutlich bekannt aus Bridget Jones ;-)) erfreuen sich hier großer Beliebtheit. Von kleinen Kindern bis zu erwachsenen Männern trägt sie jeder. Ich habe mir auch schon einen gekauft. Schließlich will ich am letzten Schultag meinen Kolleginnen in nichts nachstehen. Von Emily habe ich schon die Bestätigung bekommen, dass ich sehr festlich aussehe. Als festlich würde ich ihn vielleicht nicht beschreiben, aber ich finde ihn lustig.