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Dienstag, 12. Mai 2015

Harry Potter und die Versammlung der Botschafter

Am ersten Mai-Wochenende war ich wieder in London. Die FLA/ ELA Ambassadors haben sich getroffen, um über ihre Projekte zu sprechen und die Zeit als Botschafter zu evaluieren. Meine Projektpartnerin Amy und ich wurden sogar gefragt, ob wir unser Projekt als Beispiel für eins der besonders Gelungenen vorstellen wollten. Das hat uns sehr gefreut. Ich hatte vorher gar nicht das Gefühl gehabt, dass unser Projekt so herausragend war. Wir haben viel positives Feedback bekommen und nachdem, was ich von anderen Projekten gehört habe, hatten Amy und ich einerseits viel Glück mit unseren (Betreuung-) Lehrerinnen, die uns bei dem Projekt unterstützt aber nicht zu sehr bemuttert oder eingeschränkt haben, und haben andrerseits auch gut zusammengearbeitet.
Außer uns beiden haben noch fünf andere Projektgruppen vorgestellt. Die ersten vier haben am Freitag vorgestellt, die anderen beiden (dazu gehörten Amy und ich) am Samstag. So hatte ich genug Zeit, mir Gedanken zu machen, dass die bereits vorgestellten Projekte alle viel besser seien als unseres. Die restliche Zeit des Evaluationseminars haben wir in Kleingruppen darüber gesprochen, welche Probleme aufgetreten sind, wie wir die gelöst haben, wie nachhaltig unsere Projekte sind usw. Es war schön, die anderen wiederzusehen. Allerdings waren einige auch nicht mehr dabei. Ich weiß nicht, ob sie einfach keine Zeit hatten oder ausgestiegen sind.
Freitagabend war ich mit mehreren FLAs und ELAs was trinken. Es hat etwas gedauert, bis unsere große Gruppe sich entschieden hatte, wo wir hin wollten, aber letztendlich haben wir einen Pub gefunden. Eine Gruppe ELAs hat es sich einfacher gemacht und hat einfach Alkohol im Supermarkt gekauft. Wir fühlten uns aber zu alt, um wie Schüler auf Klassenfahrt heimlich irgendwo Alkohol zu trinken - wobei mich die Vorstellung, die Ambassador-Beauftragte von UK-German Connection würde wie die Lehrer Zimmerkontrolle machen, amüsiert hat. Aber wir haben es auch nicht übertrieben (wir sind ja vernünftig) und waren am nächsten Morgen wieder einsatzbereit.
Wir haben sogar so hart gearbeitet, dass wir kaum etwas von der Geburt der kleinen Prinzessin mitbekommen haben. Denise hatte mir morgens geschrieben, dass es so unfair sei, dass ich in London sei (und sie nicht), da doch die Geburt kurz bevor stünde. Meine Zimmermitbewohnerin und ich haben kurz darüber gescherzt, dass wir zum Krankenhaus gehen könnten, aber das war es dann auch. In der Tee-Pause machte es dann die Runde, dass Prince George eine Schwester habe. Alle holten ihre Handys raus. Bilder der rosa-angestrahlten Tower Bridge, der Seeleute der Royal Navy, die das Wort "sister" bilden und des BT Towers, der "It's a girl" verkündete, wurden herumgezeigt. Aber sonst? Nichts. Gut, die ELAs diskutierten direkt, ob man die Monarchie nicht abschaffen sollte, aber angesehen davon wurde die Geburt von Platz vier der britischen Thronfolge nicht erwähnt. Wir hätten doch wohl mal zum Buckingham Palace gehen und ein Gruppenfoto mit der Verkündigung machen können...
Eigentlich wollte ich mit ein paar anderen nach Ende des Seminars zur Tower Bridge. Angelina, Lena, Melanie und ich hatten beschlossen, am Sonntag in die Harry Potter Studios zu gehen. Also hatten wir Zeit. Allerdings wollten wir erst zum Hostel, um unsere Koffer wegzubringen, und bekamen dann von Katharina eine SMS, dass die Brücke mittlerweile nicht mehr angestrahlt wurde. Schade.
Ursprünglich hatte wir, die Harry Potter-Gruppe, Katharina und Elisabeth (die Gruppe, mit der ich im November Mockingjay gesehen habe), auch überlegt, uns ein Musical am Samstagabend anzusehen. Leider kamen wir mit der Planung nicht in die Pötte und haben keine Karten mehr bekommen. Im Endeffekt sah es dann so aus, dass Katharina und Elisabeth sich mit einer Freundin von Katharina trafen, Lena sich mit einer anderen FLA Matilda ansah und Angelina, Melanie und ich Karten für Miss Saigon kauften. Es handelt von einer Vietnamesin, die sich in den letzten Wochen des Vietnamkriegs in einen amerikanischen Soldaten verliebt und ein Kind von ihm bekommt. Sie werden aber durch den Abzug der Soldaten getrennt und er weiß nichts von seinem Sohn... Sehr dramatisch das Ganze. Aber die Sänger waren gut. Ab und zu hätte ich mir ein bisschen mehr geschichtliches Wissen über den Vietnamkrieg gewünscht. An einer Stelle war ich total verwirrt, es klärte sich aber alles durch einen Rückblick auf.

Sonntag ging es dann nach Hogwarts! Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz in den letzten neun Monaten schon geschrieben habe. :-D Hogwarts ist an so vielen Orten. Die Harry Potter-Studios nehmen da nochmal einen besonderen Stellenwert ein, denn sie sind sozusagen die Essenz von Harry Potter (also der Filme). Aber andrerseits hatte ich in Alnwick Castle oder Durham eher das Gefühl, wirklich in Hogwarts zu sein. Die Studios sind riesige Hallen, in die Szenenbilder und Requisiten gestopft sind. Man kann den Gemeinschaftsraum der Gryffindors, den Jungenschlafsaal, Dumbledores Büro, die Zaubertränke-Kerker und das Haus der Weasleys sehen. Überall stehen Statuen, Porträts und Puppen mit den Kostümen der Schauspieler. Die Zauberstäbe, der Feuerkelch, die Horkruxe, eine Tafel mit Quidditch-Taktiken, Umbridges Kätzchenteller, der Stein der Weisen und vieles mehr sind ausgestellt. Auf mich wirkten die Studios wie der Raum der Wünsche. Aber gleichzeitig werden die Filme entzaubert, wenn erklärt wird, wie bestimmte Szenen gedreht wurden, wie der computergesteuerte Seidenschnabel entstanden ist, und welche Tricks angewandt wurden, um Harry unsichtbar zu machen oder auf einem Besen fliegen zu lassen. Trotzdem fand ich die Tour toll. Es gab nur auch Abteilungen, die ich mich weniger interessiert haben.
Obwohl wir früh aufgestanden waren, kamen ziemlich spät in Euston am Bahnhof an und verpassten den Zeitpunkt, für den wir eigentlich die Führung gebucht hatte. Aber das war zum Glück kein Problem und wir konnten an der nächsten teilnehmen. Wir mussten ohnehin anstehen. Die Führung war aber gar nicht soooo spektakulär. Im Grunde war es ein Herzlich Willkommen und eine Erklärung, wie das Ganze aufgebaut ist und wie wir uns verhalten sollen. Es gab einen Film, in dem die Schauspieler erzählten, was die Studios für sie bedeuten und was es heißt, einen Film zu sehen. Zum Schluss gab es eine Überraschung, die ich hier natürlich nicht beschreiben werden und danach wurden wir in die große Halle geführt.
Dort waren zwei Haustische aufgebaut und verschiedene Hogwartskostüme aller Häusers und einiger Lehrer ausgestellt. Faszinierend fand ich, dass der Fußboden aus echten Steinen war und im Stil der mittelalterlichen Kathedralen gebaut worden ist. Die Gästeführerin sagte, dass die Setbauer wussten, dass diese Boden lange würde halten müssen und sich deswegen entschieden haben, etwas Dauerhaftes zu bauen und nicht irgendwelche weniger stabile Materialien zu nehmen, die man leichter aufbauen kann und die vermutlich billiger sind. Es gab keine verzauberte Decke oder fliegenden Kerzen, die wurden beim Filmen später digital ergänzt.


Ich kann nicht sagen, was mein Highlight des Studios Tour ist. Die Überraschung zum Beginn war schon ziemlich großartig. Genauso wie der Gryffindor Schlafsaal und Gemeinschaftsraum. Und Dumbledores Büro. Und der Fuchsbau... Über Knöpfe konnte man das Strick selber stricken und das Gemüsemesser selber schneiden lassen. Und im Regal waren Cheeri Owls!
Es waren viele Kleinigkeiten, die man im Film nicht unbedingt gesehen hat, die ich ganz toll fand. Im Gryffindorgemeinschaftsraum hängt ein Porträt der jungen Minerva McGonagall. Überhaupt waren die Porträts ganz toll. Ich habe mir da keine Gedanken darüber gemacht, dass die ja auch alle gemalt werden mussten. Einige der Abgebildeten waren Leute, die hinter den Kulissen am Film mitgewirkt haben.
Rons Bett
Der Schlafsaal war mit persönlichen Gegenständen der Jungen dekoriert. Ein Fußballschal und -fahne für Dean, Chudley Cannons Fanartikel und eine bunte Strickdecke für Ron. In Dumbledores Büro  konnten wir die Porträts der schlafenden Schulleiter und Schränke voller merkwürdiger Gegenstände bewundern. Das Büro konnte man tatsächlich betreten. Zumindest mehr oder weniger. Mit ein bisschen Fantasie war es tatsächlich so, als wäre man in seinem Büro - wenn die gesichtslose Puppe im Dumbeldore-Kostüm einen nicht auf so merkwürdige Art und Weise ohne Augen angestarrt hätte.


Young McGonagall







Tolle Details gab es auch im Zaubertränkeklassenzimmer, auch wenn man lieber nicht allzu genau wissen wollte, was sich in den Gläsern mit den eingelegten Tieren befindet, und den Ausbildungserlassen von Umbridge. Besonders schön fand ich "Boys must be seen to keep their hands on the outside of their school capes." Ohne Worte. Allerdings fand ich schon im Film die scheinbare Fixierung Umbridges auf "sexuelle" Handlungen etwas übertrieben. Ich glaube, sie hatte ganz andere Sachen zu beanstanden. Auch das Heuler-Verbot fand ich etwas out of character. Wenn Umbridge drakonische Strafen wie Sätze mit dem eigenen Blut schreiben gutheißt, sollte eine Demütung vor der ganzen Schule im Form einen schreienden Briefs ihr doch eigentlich gut ins Konzept passen. Vor allen, weil sie sich dann nicht die Mühe machen muss, den Brief vorher zu lesen. Außerdem fand ich den Glasschaukasten mit den für den Film angefertigten Schriftstücken faszinierend. Bücher, Zeitungen, Briefe... Was hätten wir nicht für eine Ausgabe des Tagespropheten gegeben! Aber vermutlich wäre der, genau wie die Karte des Rumtreibers, völlig überteuert gewesen. In dem Schaukasten konnte man auch Umbridges "Letter of Concern" über Harry an McGonagall lesen. Der war sowas von großartig: "I would like to bring to your attention the insolent behaviour in class of Mr Potter." und eine Auflistung seiner Vergehen. Ich habe keine Briefe gelesen, die meine Kolleginnen an die Eltern unserer Schüler schreiben, aber so in etwa stelle ich mir das vor. Das passt auch so gut zu dem, was einer der Regisseure über die Harry Potter Bücher gesagt hat; nämlich, dass sie trotz Drachen und Magie immer noch eine britische Schulgeschichte sind. Ich fand das beim ersten Lesen etwas herablassend und habe mich gefragt, warum er dann überhaupt als Regisseur für die Filme angefangen hat (es war entweder der vom fünften oder vom sechsten Film und dem habe ich eh nicht verziehen, was er aus den Büchern gemacht hat), aber irgendwie stimmt es ja schon. Ich kann doch recht viel Schulalltag aus meiner Schule mit Hogwarts verbinden (oder zumindest mehr als mit meinem eigenen Schulalltag in Deutschland) - auch wenn Hogwarts natürlich viel cooler ist - und dieser Brief zeigt das trotz rosa Katzenbriefpapier sehr gut.

Für die Snape-Fans und Slytherins unter euch

Ein weiteres Highlight war natürlich auch der Hogwartsexpress. Ja, der Zug wurde ausgestellt! Es gibt immer einen wechselnden Teil der Ausstellung und wir haben eben den Hogwartsexpress gesehen.
Eigentlich wollte ich schon in Kings Cross ein Foto am Gleis 9 3/4 machen, aber mittlerweile machen die das Foto da professionell und man muss 10 Pfund bezahlen. Das habe ich nicht eingesehen, zumal ich ja auch eins aus den Anfangszeiten habe. Allerdings hätte ich gerne eins mit meinem Ravenclaw-Schal gemacht. In den Studios hatten sie auch Gepäckkarren in einer langen Reihe in der Wand stecken und Leute, die Fotos von einem machen. Ich habe auch eins von mir machen lassen, aber ein Foto kostet 12 Pfund. Vier bekommt man für 24, aber auch das fand ich extremst übertrieben. Zum Glück hat Melanie auch ein Foto von mir am Gleis gemacht, auch wenn ich nicht in ihre Richtung gucke.
Der Hogwartsexpress beendete den ersten Teil der Ausstellung. Als wir dort fertig waren, hatten wir schon drei oder vier Stunden in den Studios verbracht. Wir stärkten uns mit einem Sandwich und Butterbier, süßer Eischnee auf einer Art Apfelschorle. Butterbier ist überhaupt nicht empfehlenswert und ich bezweifele ernsthaft, dass das auch nur irgendwie an JKR Idee ran kommt. Es fängt schon damit an, dass es nicht heiß ist.
Nach dem Essenstop gab es ein paar Ausstellungsstücke draußen u.a. den fahrenden Ritter und die Brücke, auf der Harry und Lupin über Lily sprechen. Für ein Gruppenfoto stürmten Melanie, Angelina und ich fröhlich die Brücke und wurden von einer Aufseherin zurecht gewiesen, weil wir durch den Ausgang reingegangen waren. Ups. Die lustigsten  Fotos draußen sind aber im Ford Anglia und auf Hagrids Motorrad samt Beiwagen entstanden.


Eine Attraktion, die auf jeden Fall ein heißer Favourit für das ultimative Highlight des Ausflugs hat, ist die Winkelgasse. Das Schöne an ihr ist, dass man tatsächlich durchlaufen kann. Bei vielen anderen Orten wie dem Fuchsbau, Hagrids Hütte oder dem Schlafsaal kann man nur hinter einer Absperrung stehen und reingucken. In der Winkelgasse konnten wir tatsächlich zwischen den Läden her spazieren und die Schaufenster betrachten. Das war unheimlich cool. Die Geschäfte konnte man nicht betreten, aber das wäre wohl zu viel verlangt gewesen. Ich habe mich vor Flourish & Blotts fotografieren lassen und habe dann festgestellt, dass nur Lockhartbücher im Schaufenster liegen... Die Apotheke informiert darüber, dass der Handel mit Einhornblut illegal ist und Weasleys Zauberhafte Zauberscherze ist natürlich auch ein Hingucker.


Nachdem wir die Winkelgasse hinter uns gelassen hatten, kamen wir in Räume, in denen die Planungen ausgestellt waren. Skizzen und Modelle der Gebäude und gemalte Bilder, mit deren Hilfe Filmszenen geplant wurden. Manche fand ich besser gelungen als die eigentliche Szene. Außerdem gab es ein niedliches Bild von einem Plüschtier-Hippogreifen.
Den Schluss der Ausstellung bildet ein sehr großes Modell von Hogwarts. Es ist "nur" ein Modell, aber die Stimmung im Raum war toll und deswegen ist das auch ein Highlight-Anwärter. Zuerst ist man allein von der Größe des Modells fasziniert. Dazu gibt es eine ruhige Musik und es wird abwechselnd Tag und Nacht. Bei Nacht leuchten kleine Lämpchen an den Wegen. Ich hatte Gänsehaut. Es war auch einfach so toll, Teile von Hogwarts nicht nur aus den Filmen sondern auch von den Drehorten wiederzuerkennen. Den Kreuzgang der Durham Cathedral habe ich sofort entdeckt und nach kurzer Suche auch Alnwick Castle. Das Film-Hogwarts existiert komplett ja nur als Modell, weil es in vielen verschiedenen alten Gebäuden gefilmt wurde.



Unser Besuch endete im Souvenirladen. Wo sonst? Ich habe mich aber zurückgehalten und mir kein T-Shirt gekauft. Ich war versucht, aber Ravenclaw hat im Film die falschen Farben, ein anderes Haus wollte ich nicht, die Pixies waren mir zu verspielt und irgendwie habe ich es bezweifelt, dass ich tatsächlich in einem Chudley Cannons T-Shirt herumlaufen würde. Ein T-Shirt hat mir ziemlich gut gefallen. Es war schwarz mit einem roten Thestral (ja, etwas merkwürdige Farbwahl) und Lunas Zitat, dass Harry genauso wenig verrückt wie sie selber ist. Aber das T-Shirt gab es nur noch in S und damit hatte sich die Überlegung ganz schnell erledigt. Aber ich habe mir eine tolle Ravenclaw-Tasse und Postkarten gekauft.

Mein Zug nach Glasgow fuhr um zehn vor elf zurück. Die anderen haben noch lange mit mir am Bahnhof gewartet und ich war nicht sehr lange alleine, bis ich einsteigen konnte. Die Rückfahrt war allerdings eine Katastrophe. Ich hatte einen reclining chair im Nachtzug gebucht, konnte aber kaum schlafen, weil es kalt und unbequem war. In Edinburgh wurden wir morgens um sieben vor die Wahl gestellt, umzusteigen oder eine halbe Stunde Verspätung in Kauf zu nahmen (zusätzlich zu der Zeit, die wir planmäßig im Bahnhof rumstehen würden) und ich habe mich fürs Umsteigen entschieden. Ich dann letztendlich sogar eine Viertelstunde früher in Glasgow als ich ohne Verspätung mit dem anderen Zug gewesen wäre. Ich war total zerschlagen und am Ende, aber das war es definitiv wert.

Mittwoch, 8. April 2015

Besuche und Abschiede

Ich habe Osterferien. Das finde ich super. Allerdings sind die Osterferien auch meine letzten Ferien als FLA in Schottland. Das finde ich dann direkt weniger super. Ich bin noch knapp zwei Monate hier und habe das Gefühl, dass die Zeit mit der Geschwindigkeit eines ICEs an mir vorbei rast.

In der letzten Woche hatte ich gleich zweimal Besuch. Katharina, eine FLA, die in Südengland arbeitet und die ich beim Ambassador-Treffen in London kennengelernt habe, und Anja und Rebecca aus Deutschland. Katharina kam, als ich noch Schule hatte, aber zum Glück ist sie ja schon groß und konnte sich einen Tag alleine beschäftigen. Ich hatte vor den Ferien noch ein bisschen Stress, weil ich verschiedene Berichte und Präsentationen fertig machen und einen Text für den Schulnewsletter schreiben musste.
An Katharinas letzten Tag in Glasgow hatte ich dann aber frei und bin mit ihr ins West End gegangen. Das Wetter war wunderbar frühlinghaft und wir haben zugesehen, dass wir erstmal viel draußen gemacht haben. Ich habe den Kelvingrove Park neu entdeckt, nachdem ich im Winter gar nicht drin war. Das war wirklich schön. Später sind wir dann noch in die Hunterian Art Gallery und ins Kelvingrove Museum gegangen. Während ich die Art Gallery ja erst noch vor kurzen mit Amelie besucht hatte, ist es schon über ein halbes Jahr her, dass ich zuletzt im Kelvingrove Museum war. Im September hatte ich in der Ägypten-Abteilung ein Computerspiel entdeckt, bei dem man zwischen der Mumie und einem Talisman einen Weg mit Steinen legen musste (so ähnlich wie bei dem Spiel Carcassone) und dabei aufpassen, dass der Weg an keiner Seite offen ist - man bekommt natürlich immer Steine, die nicht passen, bzw. die verzweigen und jede Verzweigung muss entweder zugemacht werden oder zum Talisman führen. Die Seele soll nämlich durch das Talisman befreit werden oder so. Im September war ich zu doof für das Spiel und wollte nicht länger üben, weil Kinder hinter mir anstanden. Diesmal war das Museum leerer und ich hatte mehr Zeit. Ich habe es bis in den vierten Level geschafft und bin sogar in der Highscore-Liste gelandet. Es sind manchmal Kleinigkeiten, auf die man besonders stolz ist. ;-)

Kelvingrove Museum mit blühendem Baum
Kaum war Katharina abgefahren, kamen auch schon Rebecca und Anja. Das war ganz praktisch; ich musste die Gästematratze gar nicht wegräumen. Die beiden sind schon sehr Schottland-erfahren, aber hatten wenig bis gar nichts von Glasgow gesehen. Also habe ich versucht, ihnen in wenigen Tagen zu zeigen, dass Glasgow die schönste Stadt Schottlands ist: West End, Innenstadt, Central Station, der Ausblick vom Lighthouse, Kathedrale, Nekropolis, Clyde... Ich war ganz begeistert davon, meine Lieblingsorte im Sonnenschein zu sehen - die Sonne habe ich in letzter Zeit doch schmerzlich vermisst - und ich glaube, meinem Besuch hat es auch gut gefallen. Sie hatten natürlich auch ihre eigenen Ziele. Das Keksregal im Supermarkt zum Beispiel.

Am Karsamstag haben wir einen Ausflug in Richtung Süden gemacht. Gretna Green, Durham und the Angel of the North. Gretna Green ist die Marriage Capital des UKs. Im 18. Jahrhundert sind minderjährige Paare aus England, die ohne Erlaubnis der Eltern heiraten wollten, nach Gretna Green durchgebrannt, weil es in Schottland nicht nötig war, die Einwilligung der Eltern zu haben. Zu dieser Zeit war eine Eheschließung in Schottland gültig, solange das Eheversprechen vor zwei Zeugen ausgesprochen wurde. So konnte im Grunde jeder eine Eheschließung vornehmen. In Gretna Green war es meistens der Schmied, der "anvil priest", weswegen der Amboss auch das Symbol der Hochzeiten in Gretna Green wurde.  In Stolz und Vorurteil wird der Ort auch erwähnt, weil Wickham und Lydia dort vermutet werden. 
Mittlerweile ist das Örtchen ein Touristenziel, auch wenn da immer noch viele Leute heiraten. Um die berühmte Schmiede herum stehen süße weiße Häuschen und niedliche bis kitschige Skulpturen sowie ein Bogen, unter dem sich ganz viele Pärchen küssend fotografieren ließen.
Durham hatte ich schon mal besucht, aber diesmal hatten wir viel mehr Zeit. Außerdem war es hell als wir da ankamen. Rebecca, Anja und ich sind durch die Innenstadt geschlendert bevor wir zu Kathedrale gegangen sind. Die Kathedrale habe ich mir bei diesem Besuch auch viel genauer angesehen als beim letzten. Aber natürlich sind wir auch in den Kreuzgang gegangen, der aus den Harry Potter-Filmen bekannt ist. Wie im Alnwick Castle bekamen wir von unserem Reiseleiter Fotos, die wir mit der Architektur vor Ort ergänzen sollten. Wir hatten aber mehr Spaß daran, sie nachzustellen und Anja hat einen ganz tollen Snape hingekriegt.
Vom letzten Mal wusste ich ja noch, dass der Rasen verboten ist...

Snape erwischt Ginny und eine andere Schülerin ohne Schuluniform
Außerdem hatten wir Glück und das Chapter House war geöffnet. Professor McGonagalls Klassenzimmer. Normalerweise ist das geschlossen, aber das National Youth Orchestra machte in der ganzen Stadt für sein nächstes Konzert und ein Cello-Quartett spielte im Chapter House. Im November hatte ich durch das Fenster gelinst und gedacht, dass es wirklich wie das Klassenzimmer aussieht. Samstag fand ich es nicht mehr ganz so, vermutlich weil der Tisch und der Stuhl abgedeckt waren. Außerdem ist es merkwürdig, Cellisten im Verwandlungsklassenzimmer zu haben.
Im Gift Shop der Kathedrale habe ich außerdem geguckt, wie weit das Lego-Modell ist und sie sind ein ganzes Stück weiter gekommen. Ich fand es besonders toll, dass sie auch den Fußboden und die Orgel nachgebaut haben. Ich weiß nicht, ob mir das beim letzten Mal nicht aufgefallen ist, oder ob das auch neu war.
Der Angel of the North war nur ein Foto-Stopp und ich muss sagen, ich fand die Kelpies beeindruckender. Die Statue hat - laut Wikipedia - auch eine symbolische Bedeutung von wegen coal miners und der Übergang vom industriellen ins Informationszeitalter, aber ehrlich gesagt konnte ich das darin nicht erkennen. 

An Ostern waren wir drei in der St Mungo's Cathedral zum Gottesdienst. Das fand ich auch sehr schön. Der Pfarrer hat über die drei verschiedenen Wörter gesprochen, die in der Ostergeschichte im Johannesevangelum für "sehen" verwendet werden. Einmal im Sinne von "wahrnehmen", dann "wahrnehmen und verstehen" und zum Schluss "wahrnehmen, verstehen und glauben". Letztes Jahr Ostern in Rom, dieses Jahr in Schottland... Ich muss sagen, dass mir der Gottesdienst hier in der Kathedrale besser gefallen hat, als der auf dem Petersplatz. Aber trotzdem, nach zwei Jahren ohne die bekannten Osterlieder muss ich nächstes Jahr wieder in Deutschland feiern. 

Aber mein Post heute heißt ja nicht nur "Besuche" sondern auch "Abschiede". Die Osterferien bedeuten auch, dass Die GETs wieder nach Hause müssen. Amelie also auch. Ich bin nicht gut im Verabschieden und zögere das immer gerne raus, vor allem, wenn es um die Verabschiedung von Leuten geht, die ich mag. Bisher musste ich nur die GETs verabschieden (abgesehen von meine Besuchern, aber das ist ja was anderes) und die habe ich dann einmal in den Arm genommen und "Gute Fahrt" gewünscht. Ganz so, als würden sie nur zum einwöchigen Osterurlaub an die Ostsee aufbrechen.
Von Amelie gab es einen Abschied auf Raten: Abschiedsessen mit den Kolleginnen (vor ihrer letzten Schulwoche), ein letzter gemeinsamer ISUK-Ausflug, Abschiedstrinken mit anderen GETs, Abschiedspubbesuch mit der Scottish Country Dance Society, letzter gemeinsamer Schultag mit Kuchenessen und gestern bin ich mit Amelie, ihrem Freund und ihrer Schwester nach Falkirk, Edinburgh und Stirling gefahren und abends in einen Comedy Club gegangen. Diesmal war es wirklich ein Abschied.
Ich war schon sowohl in Edinburgh als auch Stirling, aber Edinburgh ist immer wieder schön (ich werde sicher nochmal hinfahren) und es schien die Sonne. Bei meinem letzten Ausflug auf den Calton Hill in Edinburgh bin ich schon um das National Monument herum geschlichen und wollte eigentlich gerne drauf klettern, sah aber ein, dass ich das alleine nicht schaffen würde. Ich bin zu klein. Gestern waren wir aber zu viert da und Amelie und ihre Schwester haben mich hochgezogen, während Amelies Freund am Fuß des Denkmals assistierte. Zuerst habe ich micht etwas geziert, weil ich ziemlich Schiss hatte, nicht hochzukommen und mich endlos zu blamieren, aber dann hat es doch super geklappt. Auf der Royal Mile in Edinburgh war ich auch fast versucht, mir einen Koffer im Tartan-Muster zu kaufen, habe mich dann aber doch dagegen entschieden, weil ich fürchtete, dass er trotz des stolzen Preises von 50 Pfund nicht lange halten würde. Auch die Kelpies in Falkirk kannte ich schon, aber wir waren auch beim Falkirk Wheel, einem irren Schiffshebewerk, das wie ein Reisenrad mit nur zwei Gondeln funktioniert und Schiffe von einem höher liegenden Kanal in einen tiefer liegenden transportiert und umgekehrt.
Falkirk Wheel
National Monument in Edinburgh
Robert the Bruce sonnt sich in Stirling
Im Comedy Club trafen wir dann auch Sebastian und seine Freundin sowie einen schottischen Freund von Amelie und Sebastian. Der Abend im Club war lustig. Es traten einige Nachwuchs-Stand up Comedians auf, einige besser als andere und ein Typ aus Yorkshire, den ich gar nicht verstanden habe. Danach gab es einen längeren Auftritt von einem erfahreneren Comedian, der (männlich) einen ziemlich guten Beitrag über die Menstruation und darüber hielt, dass das NHS kostenlos Kondome verteilt, aber Binden und Tampons als Luxusgüter bezeichnet werden. Ich hatte sehr viel Spaß. Aber leider ging der Abend dann auch zuende und der endgültige Abschied nahte. Amelie sagte etwas wie "Lass von dir hören!" und andere Sachen, die normale Menschen zum Abschied sagen. Ich sagte: "Gute Fahrt!" Wie bereits erwähnt, ich bin nicht gut bei Abschieden. Aber ich hoffe auch darauf, dass wir es schaffen, uns in Deutschland mal zu besuchen.

Donnerstag, 2. April 2015

Hogwarts, Hogwarts, Hoggy Warty Hogwarts

Eigentlich müsste ich meinen Blog jetzt umbenennen, denn am Samstag war es Hogwarts. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich war in Hogwarts, habe das Schloss erkundet, mich in lange Roben geworfen, mit magischen Kräutern hantiert und fliegen gelernt. Ein durch und durch magischer Tag und ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

So und jetzt nochmal ausführlich: Am Samstag stand wieder eine ISUK-Tour auf dem Programm, diesmal ging es ins Alnwick Castle (wird übrigens Ahnick ausgesprochen), in dem Teile der ersten beiden Harry Potter-Filme gedreht wurden, so wie zum Bamburgh Castle. Beide liegen in Northumberland, England. Die Tour zum Alnwick Castle war schon einmal angeboten worden, aber an dem Wochenende konnte ich nicht und wartete nur darauf, dass es wieder die Gelegenheit gab, dahin zu fahren. Ende März waren die Chancen auf gutes Wetter auch recht groß. Keine Frage also, dass Amelie und ich dahin fahren würden. Hatte ich schon erwähnt, dass es nach Hogwarts ging?
Viertel vor acht an der Uni, um acht Uhr ging es los, das kennen wir ja mittlerweile schon. Ein bisschen schlafen im Bus, weil wir am Abend vorher mit unseren Kolleginnen essen waren, eine Kaffeepause nach etwa eineinhalb Stunden in Dunbar. Eigentlich wollten wir nur an einer Raststätte an der Autobahn halten, aber die war geschlossen. Wir hatten eine Dreiviertelstunde Aufenthalt in Dunbar, ein nettes Städtchen an der Küste, in dem es etwas windig war. Amelie und ich haben uns die Beine vertreten und haben uns dann einen Tee organisiert.



Wieder in Bus stieg die Spannung, der Reiseleiter war wieder eine Herausforderung, aber wir hatten Spaß und sangen auch bei den ABBA-Liedern mit. :-D Je näher wir Hog... Alnwick Castle kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Wir bekamen eine Karte des Schlossgeländes, die sehr liebevoll gezeichnet war. Außerdem verteilte der Reiseleiter Fotos aus den Harry Potter-Filmen und gab uns die Aufgabe, die entsprechende Ecke des Schlosses zu finden.

Wir kamen in Alnwick an und das Wetter war toll. Amelie und ich entschieden uns, nicht direkt das Schloss zu stürmen, sondern erst ein Foto (oder zwei) von der Lion Bridge aus zu machen. Von dieser Brücke hat man eine gute Sicht auf das Schloss. Sie heißt Lion Bridge, weil der Gryffindor-Löwe ein Löwe auf der Mitte der Brücke steht.


Dann gingen wir zum Schloss und ja, ich habe es definitiv als Hogwarts wiedererkannt. Das Alnwick Castle ist (nach Windsor) der zweitgrößte Adelssitz Englands und gehört der Familie Percy (Percy ist diesem Fall der Nachname; es ist also mitnichten so, dass Percy Weasley Karriere im Zaubereiministerium gemacht und ein Schloss gekauft hat), den Earls und Dukes of Northumberland. Bereits im 11. Jahrhundert wurde an dieser Stelle ein Schloss gebaut, das damals aber noch von einer anderen Familie bewohnt wurde und von dem man heute nichts mehr sieht, weil es im 13. und 14. Jahrhundert komplett umgebaut wurde. Auch im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Änderungen vorgenommen. Die ISUK fassen die Geschichte des Schlosses auf dem Itinerary folgendermaßen zusammen: "over 700 years of drama, intrigue, tragedy and romance". Das trifft es vielleicht besser ein als Abriss über den Rosenkrieg. ;-) Übrigens ist nicht nur Harry Potter im Alnwick Castle gedreht worden, sondern zum Beispiel auch der Robin Hood-Film mit Kevin Costner oder Elizabeth mit Cate Blanchett. Auch Downton Abbey hat mal einen Ausflug in das Schloss gemacht.
Wir betraten also Hogwarts und wandten uns zuerst einmal der Knight's Quest zu. An einer Statue von Sir Henry Percy vorbei gelangten wir ein einen Säulengang, der um einen Innenhof herum führte. Im Säulengang gab es verschiedene Aktivitäten, Gaukler, Alchimisten, Verkleidungen und einen Seifenstand. Unter der fachkundigen Aufsicht von den Professoren Snape und Sprout - oder vielmehr einem Mann und einer Frau in mittelalterlichen Gewändern - wählten wir vier Pflanzen aus, die die Grundlage unserer Seife bildeten. Ich hatte Rosenblätter, Lavendel, Kamille und Echten Eibisch, der auf Englisch im Volksmund Marshmallow genannt wird, weil die Süßigkeiten daraus bestehen, und den ich nur genommen habe, weil ich den Namen so lustig fand. Ich hätte noch Ringelblume, Minze und ein oder zwei andere Pflanzen wählen können. Wir zerkleinerten die Pflanzen in einem Mörser, was bei dem Wind gar nicht so einfach war. Die zerriebenen Blüten wurden dann mit Haferflocken vermischt und damit das Gemisch auch zusammenblieb, verkneteten wir es mit Pflanzenfett (im Mittelalter wurde Tierfett genommen, aber das wollte man den Kindern wohl nicht zumuten) und rollten kleine Kugeln. Die mussten noch ein paar Tage trocken, aber inzwischen könnte ich die Seife benutzen. Sie sieht eher aus wie Müslikugeln, aber riecht ganz anders. Auf dem Bild links sieht man Amelies Mischung.


Nachdem Amelie und ich uns die Hände gewaschen hatten, beschlossen wir, dass wir uns als nächstes als Prinzessinnen verkleiden wollten. Es gab viele schöne Kleider im Kleiderschrank und die beiden Frauen, die darauf aufpassten, halfen uns dabei, das passende auszuwählen. Auch wenn wir Kleider anhatten, waren wir Damsels ganz und gar nicht in distress und posierten mit den gefährlichen Drachen und den Kampfpuppen.



Die Drachen hatte uns dann auch Lust auf die Dragon Quest gemacht, ein kleines Gruselkabinett mit integrierter Geschichte über Kämpfe mit Drachen und einem Quiz für Kinder, bei dem wir schon nach der zweiten Frage wussten, dass das Lösungswort "Percy" sein musste. Trotzdem hatten wir viel Spaß in der Dragon Quest (es gab einen Gang mit rotierenden Totenköpfen und ein Spiegelkabinett inklusive einer Gollum-ähnlicher Figur).
Als wir auf der Knight's Quest kamen, liefen wir einer Hochzeitsgesellschaft (mit Dudelsackspielern!) über den Weg. Ja, in Hogwarts kann man heiraten, aber die Warteliste ist wohl sehr lang. Ich könnte mich jetzt schon mal eintragen... Wir liefen über die Grünflächen von Hogwarts und suchten nach den Teilen, die auf unseren Fotos zu sehen waren. Unterwegs kamen wir an der Besenflugstunde vorbei und beschlossen, die später auch zu besuchen. Außerdem gingen wir ins Fusiliers Museum, verließen das aber auch ganz schnell wieder und liefen in die Richtung der Gärten, weil uns ein sehr großes Baumhaus als Attraktion angepriesen wurde. Für die Gärten hätte man ziemlich viel Eintritt zahlen müssen und obwohl wir das Baumhaus schon beeindruckend fanden, war Hogwarts doch viel interessanter und wir gingen zurück zum Schloss. Dort entdeckten wir dann auch beide Filmkulissen von unseren Harry Potter Bildern. 




Ich wäre gerne noch in die State Rooms, also in die tatsächlichen Gebäude des Schlosses herein gegangen, aber dafür hatten wir keine Zeit mehr, denn wir wollten nicht zu spät zu unserer eigenen Flugstunde kommen. Zwei Mädchen kamen zu spät und wurden von dem strengen Fluglehrer zurecht gewiesen.
Der ganze Besuch in Hogwarts war ein einziges Highlight und ich fand viele der Aktionen richtig toll, deswegen ist es schwierig zu sagen, ob die Besenflugstunde tatsächlich der Höhepunkt des Tages war, aber ich hatte wirklich unheimlich viel Spaß und ich kam mir kein bisschen blöd dabei vor (Ja, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr mich für bescheuert erklären könnt).
Wir hatten zwei Lehrer, ich habe leider die Namen beider vergessen, aber der eine war ein ungarischer Weltmeister im Fliegen. Zu Beginn der Stunde mussten wir uns aufwärmen, d.h. das Ticket, mit dem die Teilnehmer beschränkt wurden, in der rechten Hand halten und diese am Handgelenk einklappen, die linke in die Seite stimmen und dann gleichzeitig mit dem Po, den Knien und den Augenbrauen wackeln. Die Lehrer wählten dann vier Leute (u.a. Amelie) aus, die uns die Aufwärmübung nochmal vormachen sollten. 
Dann wurden die Besen verteilt. Wir mussten in die Knie gehen, die Hände ausstrecken und den Besen auffangen. Um das zu demonstrieren, wurde eine Frau aus der Klasse ausgewählt (wir waren eine sehr heterogene Lerngruppe was das Alter angeht), die sich etwas ungeschickt anstellte und danach immer wieder von dem Lehrer aufgezogen wurde. Als alle einen Besen hatten, wurde uns gezeigt, wie wir den Besen besteigen sollten und uns gesagt, dass wir das auf eine angeberische Weise machen sollte. Dafür benutzte der Lehrer in Wort, das ich nicht kannte. Es war auch wohl ungewöhnlich, denn der Lehrer suchte ein williges Opfer, das ihm das Wort erklären sollte. Er fand mich. "Are your a student?" Ich musste mich neben ihn stellen und das Wort definieren. Joa, ich habe auf ganzer Linie versagt. Fünfzehn Punkte Abzug von Ravenclaw.
Endlich waren alle Formalitäten geklärt und wir durften fliegen (für die ohne Fantasie: über die Wiese laufen und "Wuuusch!" rufen). Wir mussten um die Lehrer herum fliegen und sollten "Good afternoon, Sir" sagen, wenn wir an einem von beiden vorbei kamen. Der nächste Schritt war eine Art Ochs am Berge. Wir flogen auf unseren Lehrer zu, wenn er "Go!" rief, und blieben bewegungslos stehen, wenn das Kommando "Stop!" lautete. Diejenigen, die noch wackelten, wenn der Professor uns ansah, mussten wieder zurück an den Anfang. Die Übung haben wir zweimal gemacht. Einmal mit akustischen und einmal mit visuellen Signalen. Im zweiten Durchgang gab es auch das Kommando wie ein Kaninchen zu hoppeln. 
Damit war die Flugstunde beendet und die Lehrer berieten, ob wir bestanden hatten. Wir hörten die Worte "horrible" und "fools", aber ich hatte doch ein ganz gutes Gefühl. Trotzdem war ich die Einzige, die bei der Ansage: "Nobody, not a single one of you has... failed!" gejubelt hat. Ehrlich gesagt, hatte ich schon damit gerechnet, dass zumindest die Frau, die der Lehrer zu Beginn auf dem Kieker hatte, nochmal in die Nachprüfung musste oder so. Und ich fand, dass so ein bestandener Flugschein schon ein Grund zum Jubeln ist. Die Freude meiner Klassenkameraden kam etwas verspätet. Vermutlich brauchten sie einen Moment, um ihr Glück zu fassen. Wir durften noch ein paar Fotos mit den Besen machen und bekamen ein paar Tipps, wir wie uns am besten beim Fliegen fotografieren können. 


Nach dem Fliegen hatten wir noch ein bisschen Zeit, um in den Gift Shop zu gehen, aber ich hätte gerne noch mehr Zeit gehabt. Wir hatten mit dreieinhalb Stunden ziemlich viel Zeit, aber es gab noch so viel mehr zu sehen. Ich wäre gerne noch ins Castle Museum gegangen und hätte gerne die Innenräume oder die Downton Ausstellung gesehen, aber wir wollten den Hogwarts-Express, der uns zurück nach Glasgow bringen würde, nicht verpassen. Die Zeit in Hogwarts geht immer so schnell vorbei.

Es ging aber nicht direkt zurück nach Glasgow, sondern wir fuhren noch zum Bamburgh Castle. Das Schloss war schon geschlossen, aber wir wurden durch die Dünen zu einem wirklich atemberaubenden Strand geführt. Ich weiß nicht, ob gerade Ebbe war, aber das Strand war sehr breit und erstreckte sich so lang wie das Auge reichte. Es war ziemlich windig, und der Sand wirbelte ein paar Zentimeter über den Boden. Ich war ein bisschen übermütig und bin mit nackten Füßen ins Wasser gegangen. Das war eisig, aber hey, ich war dieses Jahr schon im Meer! 

 


Mir hat der Strand sehr gut gefallen, aber ich wäre lieber noch etwas länger in Hogwarts geblieben. Nach Bamburgh ging es zurück nach Hause und dann wurde auch "500 Miles" abgespielt und mitgesungen. Mittlerweile kann ich es schon so gut wie auswendig. Vielleicht wäre es mal eine Idee, dass wir das Lied beim nächsten Mal ganz ohne Unterstützung von der CD singen.

Übrigens vielen Dank an Amelie, die ganz viele von den Fotos hier gemacht hat. Ich war von Hogwarts so geflasht, dass ich selber nicht so viele Fotos gemacht habe. Außerdem drehen Muggelgeräte in Hogwarts ja sowieso durch, weil so viel Magie in der Luft liegt...