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Montag, 13. Juli 2015

Rückblick und Tipps

Ich musste für verschiedene Organisationen einen "end of year survey" ausfüllen und über meine Zeit in Schottland und meine Erfahrungen berichten und Verbesserungsvorschläge machen. Das ist sicher auch ein ganz guter letzter Blogeintrag und weil ich, bevor ich nach Schottland geflogen bin, nach Erfahrungsberichten und Blogs früherer FLAs gesucht habe, dachte ich, ich könnte hier auch noch ein paar Tipps für zukünftige Fremdsprachenassistenten geben.

Rückblick:
Das dreiviertel Jahr in Schottland war auf jeden Fall ein Abenteuer. Ich habe viel erlebt, viele Menschen kennengelernt und viele neue Erfahrungen gemacht. Es war das erste Mal, dass ich länger als drei Wochen in einem englischsprachigen Land verbracht habe, was natürlich dazu geführt hat, dass ich eine ganze andere Perspektive hatte. Ich habe britischen Alltag kennengelernt, viel von Schottland gesehen und mit Sicherheit meine Sprachkenntnisse verbessert.
Wenn ich später Englisch unterrichte, werde ich meinen Schülern viel über Schule in Schottland erzählen können. Aber ich habe auch einen Einblick in das universitäre Leben bekommen, was für mich sehr interessant war. Ich wünschte, wir hätten in Deutschland auch so eine society-Kultur wie ich es an der Glasgow Uni gesehen habe.
In der Schule habe ich gemerkt, wie wichtig Kommunikation, Organisation und Zeitmanagement sind (ja, das wusste ich auch schon vorher, aber habe es doch in der einen oder anderen Situation nochmal vor Augen geführt bekommen) und habe selber auch gemerkt, wo ich noch an mir arbeiten muss. Außerdem habe ich einige Beobachtungen dazu gemacht, wie Klassensituationen den Unterricht beeinflussen, wie Schüler (-gruppen) sich innerhalb eines Schuljahres verändern können und wie vielfältig Schüler-Lehrer-Beziehungen sind. Und ich hoffe doch sehr, dass die Erfahrungen, die ich im Umgang mit den Schülern gemacht haben, mir auch im Referendariat helfen werden.

Ich bin der Meinung, dass es sich auf jeden Fall lohnt, diese Erfahrungen zu machen, auch wenn man Angst hat, dass neun Monate eine ziemlich lange Zeit sind, um von Familie und Freunden getrennt zu sein, und/ oder im Studium zu verpassen. Wenn man eine Fremdsprache studiert, sollte man einige Zeit in einem Land gelebt haben, in dem diese Sprache gesprochen wird. Außerdem bin ich der Meinung, dass jeder Auslandsaufenthalt einen unabhängiger und selbstbewusster macht.

Tipps:

Bewerbung und Interview: 
  • Man muss ziemlich viel einreichen, also sollte man nicht erst kurz vor Bewerbungsschluss anfangen, alle Unterlagen zu sammeln. 
  • Für das Interview kann ich sagen: Macht euch nicht so viele Gedanken! Ich habe das Gefühl, dass es von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ist, aber über NRW kann ich sagen, dass es ziemlich entspannt und ist nichts Übermenschliches verlangt wird. Man sollte eine Ahnung des aktuellen Tagesgeschehens haben und ein bisschen was über das Schulsystem des anderen Landes wissen (meine Interviewerin hat aber auch nicht gemerkt, dass ich das englische und nicht das schottische Schulsystem beschrieben habe - mir ist das auch erst aufgefallen, als ich in Schottland war) und in der Lage sein, ein paar halbwegs logische Didaktik-Ideen zu entwickeln (allerdings wissen die Lehrerinnen auch wenig von der wirklichen Situation vor Ort - zumindest ich hatte das Gefühl, dass sie die deutschen Schüler als Maßstab vor Augen hatten). Hier habe ich etwas ausführlicher von meine Bewerbung und dem Interview berichtet.

Vorbereitungen:
  • Spart vorher genug Geld. Das Gehalt bekommt man immer erst am Ende des Monats, d.h. dass man den gesamten ersten Monat vorstrecken muss. Das ist blöd, weil man im ersten Monat viele Ausgaben hat (Miete + Kaution, eventuell Sachen für die Wohnung, Hostel für die ersten Tage etc.). Es werden 1000 bis 1500€ empfohlen. Ich habe nicht so viel gebraucht, aber ich hatte auch Glück, weil ich für mein Zimmer keine Kaution zahlen musste und alles in der Wohnung vorhanden war.
  • Bevor ich geflogen bin, habe ich eine Kiste mit Material gemacht, das ich mitnehmen wollte. Ich muss aber sagen, dass die meisten Ressourcen, die ich wirklich gebraucht habe, digitaler Natur waren. Das Wichtigste, was ihr an Materialien mitnehmen solltet, sind Fotos. Und zwar von allem. Von eurer Stadt, von Deutschland, von Schulen, Weihnachtsmärkten, Pfandautomaten, Laternenumzügen, Karneval, Mülltonnen, Supermärkten - was auch immer euch irgendwie sinnvoll erscheinen könnte. Ich habe zu den verschiedenen (christlichen) Festen Präsentationen gemacht und da eben auch immer Fotos eingefügt und ich glaube, die Schüler fanden es schon cool, wenn sie mich darauf auch entdecken konnten. Ich fand es so persönlicher; die andere Assistentin an meiner Schule wollte das lieber nicht machen, was ich auch verstehen kann, aber ich glaube nicht, dass es irgendwie schädlich für mich war, dass ich die Schüler Foto von mir als 10-jährige gesehen haben. Ansonsten habe ich auch Lieder mit den Präsentationen verbunden (z.B. "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne"), was den Schülern meistens gefallen hat. Die Lieder gibt es natürlich auf diversen Video-Seiten, aber es ist vielleicht nicht schlecht, euch eine Liste zu machen. Außerdem funktioniert YouTube oft nicht in der Schule. 
  • In der Broschüre vom PAD steht auch was von kleineren Werbegeschenken für Verlosungen o.ä. Das hatte ich nicht dabei, allerdings fand eine Schülerin meinen deutschen Kuli von irgendeiner Bank, glaube ich, so cool, dass sie ihn gegen einen Bleistift eingetauscht hat. Wenn ihr also irgendwie an sowas kommt, könnt ihr das natürlich mitnehmen und da unter's Volk bringen. 
  • Wenn ihr rechtzeitig vorher mit eurer Schule Kontakt habt, könnt ihr auch nach fragen, was ihr mitbringen sollt, allerdings hatte ich bei meiner PT das Gefühl, dass sie sich nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht oder es mit ihren Kolleginnen abgesprochen hatte. 
  • Ich habe ein paar Bücher mitgenommen, aber das hat sich nicht so richtig gelohnt. Zwei Lernkrimis habe ich in der Schule gelassen, aber ich habe gar nicht mit ihnen gearbeitet, weil ich, was das Sprachliche angeht, im Grunde nur sprechen geübt habe oder im Unterricht, den die Lehrerin geplant hatte, dabei war und geholfen habe. Ich hatte auch ein paar Pixi-Bücher dabei, die ich auch in der Schule gelassen habe, aber auch mit ihnen habe ich nicht viel gearbeitet. Was ich zum Lesen vorbereitet habe, war kurze Geschichten in sehr einfachen Sätzen zu schreiben und die mit Bildern zu versehen, so dass die Schüler (Zielgruppe war Grundschule) anhand der Bilder und den Wörtern, die sie kennen, den Text verstehen konnten. Eine Kollegin hat das Ganze weitergeführt und in eine Schreibaufgabe verwandelt, in dem sie Teile aus den Sätzen gelöscht hat und die Schüler eigene Wörter einfügen mussten, um so eine neue Geschichte zu schreiben.
  • WICHTIG: Die meisten Gedanken macht man sich natürlich über die Zeit im Ausland, aber man sollte auch daran denken, dass die Zeit in Deutschland weitergeht. Wenn ihr noch nicht mit dem Studium fertig seid, müsst ihr vielleicht Prüfungen machen, wenn ihr wiederkommt, für die ihr euch vorher anmelden müsste. Oder je nachdem, wohin ihr ins Referendariat geht, fällt die Anmeldefrist in die Zeit, die ihr im Ausland seid. Sucht euch also jemanden, dem ihr eine Vollmacht ausstellt, damit die Sachen für euch geregelt werden. Macht der Person eine Liste mit Fristen und Dokumente, die eingereicht werden müssen, und stellt sicher, dass diese Dokumente bereits zusammen gestellt sind. 
Ankunft:
  • Ich bin knapp eine Woche vor Schulbeginn nach Glasgow geflogen, um eine Wohnung zu suchen. Zwar hatte ich vorher schon auf diversen Seiten im Internet geguckt, ich denke nicht, dass man einen Vertrag abschließen sollte, bevor man sich die Wohnung und die Umgebung mit eigenen Augen angesehen hat. Vermutlich reicht es, sich auf einer Wohnungssuchplatform (wie flatshare oder easyroommate) einen Account zu machen (auf Gumtree kann man übrigens suchen, ohne einen Account zu haben) und im Nachhinein denke ich, dass es vielleicht sinnvoll gewesen wäre, für eine oder zwei Wochen in einen Bezahl-Account zu investieren. Ich habe auch ohne einen bezahlten Account etwas gefunden, aber auf einige interessante Anzeigen konnte ich nicht antworten, weil wir beide einen kostenlosen Account hatten. FLAs haben einen Studentenstatus und müssen keine Council Tax zahlen (man bekommt eine Bescheinigung vom British Council).
  • Bei der Wohnungssuche wird einem immer geraten, das nicht alleine zu machen. Das kann potenziell problemtisch werden, wenn man nicht wie ich eine Freundin aus Deutschland mitnimmt. Aber ich weiß, dass einige andere FLAs sich über Facebook oder Sonstiges verabredet haben und dann kann man ja auch zusammen gehen. Ansonsten gilt: Wenn einem die Gegend und/ oder der Vermieter komisch vorkommt, lieber was anderes suchen. Ich habe vorher gegooglet, welche Nachbarschaften als problemtisch gelten und im Erfahrungsbericht war mir vom Norden und Osten Glasgows abgeraten worden. Andrerseits habe ich einige kennengelernt, die in Ibrox gewohnt haben (problematisch wegen des Fußballstadions) und damit durchaus zufrieden waren. Am praktischsten, um Studenten zu treffen, ist das West End, aber da ist es auch manchmal etwas teurer. Ich fand es praktisch, in einer WG zu wohnen, weil man so schon mal Leute kennenlernt und es billiger ist.
  • Am Freitag vor dem ersten Schultag bin ich den Weg mit dem Bus schon mal Probe gefahren. Wenn ihr das macht, seht zu, dass ihr zu gleichen Uhrzeit losfahrt, wie am nächsten Tag auch. Ich hatte das Problem, dass der Bus morgens von einer anderen Haltestelle abfuhr als mittags.
  • Eigentlich müsstet ihr ein Treffen mit eurer local authority in den ersten Tagen haben, um den ganzen Papierkram auszufüllen. Es ist nicht schlimm, wenn man bis dahin noch keine Wohnung und kein Konto hat. Allerdings ist es günstig, dann schon zumindest eine Wohnung zu haben (sonst werden die Ergebnisse des ganze Papierkrams ans Hostel/ den Couchsurfer oder wo ihr sonst eure ersten Nächte verbringt, geschickt). Ein Konto kann man erst eröffnen, wenn man eine feste Adresse hat. Eine Bank finden, kann schwierig werden. Manche wollen ein Council Tax-Formular oder eine Rechnung, die an euch in die Wohnung geschickt wurde, sehen. Das Rental Agreement reichte nicht (immer). Wenn ihr bei einer Bank abgewiesen werdet, versucht es einfach bei der nächsten. 
  • Ihr müsst euch auch bei einem Arzt anmelden.
  • Auf alle bürokratischen Sachen werdet ihr aber auch von eurer local authority und dem British Council (mehrfach) hingewiesen.
Transport:
  • Die öffentlichen Verkehrsmittel in Glasgow sind privatisiert, d.h. es gibt mehrere Busunternehmen. Es gibt ein Ticket, um alle Verkehrmittel in Glasgow (Bus, U-Bahn, Zug) zu nutzen: die ZoneCard. Aber die ist teuer und lohnt sich nur, wenn man wirklich jeden Tag verschiedene Verkehrsmittel nutzt (außerdem muss man festlegen, welche Zonen man nutzen will, sie gilt nicht in ganz Glasgow). Ich hatte eine Zehn-Wochen-Ticket für den First Bus und habe kaum einen anderen Bus genutzt, weil First Bus Glasgow schon ziemlich gut abdeckt. Man muss halt nur gucken, in welchen Bus man einsteigt. Außerdem habe ich mir eine Smartcard für die U-Bahn gekauft. Damit sind die U-Bahn-Fahrten günstiger als wenn man sie normal kauft. 
  • Für weitere Wege habe ich mir die Railcard 16-25 geholt. Sie kostet zwar 30 Pfund, aber man zahlt dafür ein Drittel des normalen Zugpreises weniger. Sie gilt ein Jahr und auch dann, wann man während des Jahres 26 wird. Wenn man älter als 25 ist, kann man sich eine Bescheinigung der Uni ausstellen lassen, dass man noch studiert. Wie gut es damit geht, weiß ich nicht. Auch eine Coachcard für die Überlandbusse kann sinnvoll sein, denn auch damit bekommt man Rabatte beim Fahrpreis.
Schule:
  • Der Dresscode an meiner Schule war (für mich) nicht so streng, aber angesichts der Tatsache, dass die Schüler Schuluniformen tragen und die Lehrer doch auch ziemlich gut angezogen zur Schule kommen, habe ich die Jeans und gemusterte T-Shirts (abgesehen von Blümchen) doch im Schrank gelassen. Blusen habe ich nur selten getragen, aber recht häufig einen Rock oder Kleid.  An anderen Schulen war der Dresscode aber auch strenger.
  • Seid nicht enttäuscht, wenn die Schüler nicht das Niveau haben, dass ihr von deutschen Schülern im Englischunterricht kennt. 
  • Meine Kolleginnen waren immer offen für Ideen und haben mich Sachen machen lassen. Von anderen Schulen habe ich leider auch anderes gehört, aber versuchen sollte man es immer, finde ich. Einfach mal mit den Lehrern sprechen, einen Vorschlag machen und gucken, wie der angenommen wird. Man sollte natürlich schon irgendwie realistisch bleiben und Einwände/ Ratschläge ernst nehmen. Amelie und ich hatten z.B. vor St. Martin überlegt, wir könnten mit den Kindern Laternen basteln. Im Goethe-Institut hatte und eine Frau eine Laterne gezeigt, die man ganz einfach aus einer abgeschnittenen Wasserflasche basteln kann. Laura fragte uns daraufhin, ob wir denn die Wasserflaschen alle selber abschneiden würden (sie sah vermutlich mehrere abgeschnittene Finger auf sich zukommen). Da haben wir dann schnell beschlossen, es mit den Laternen sein zu lassen. 
  • Wie oben erwähnt: Kommunikation, Organisation und Zeitmanagement sind sinnvoll. Wenn ihr mit den Schülern etwas Außergewöhnlicheres machen wollt, fragt rechtzeitig bei den Lehrern an und erzählt denen, was ihr euch vorstellt, wie das organisiert werden soll, wie lange ihr dafür braucht und ob ihr eventuell Hilfe dabei braucht.
  • Projekte sind schön, bieten Abwechslung und helfen dabei, die Schüler besser kennenzulernen und eine Funktion an der Schule zu haben. Hilfe gibt es beim British Council (wir haben da eine Liste mit vergangenen Projekten als Inspiration bekommen) oder auch bei UK-German-Connection. Bei Projekten ist ein Zeitplan ganz wichtig. Aber man muss auch flexibel sein und Schritte/ Aufgaben anpassen, für schnelle Schüler in der Hinterhand haben oder streichen können.
  • Klingt vielleicht blöd, aber ich finde das auch wichtig: Unterhaltet euch mit den Lehrern auch mal über andere Sachen als den Deutschunterricht. Dazu müssen natürlich die Gelegenheit und die Bereitschaft der Lehrer da sein. Aber ich fand es immer sehr schön, mit Laura und Victoria zusammen zu Mittag zu essen und dabei über verschiedene Dinge zu quatschen - sei es mein letzter Wochenendausflug oder die Gerüchte, die über die Lehrer in der Schülerschar umher gehen.
Freizeit/ Reisen:
  • Auf jeden Fall reisen! Wenn man Glück hat, hat man einen Tag frei. Wenn man ganz viel Glück hat, ist es der Montag oder der Freitag. Aber es gibt ja auch Ferien und die Zeit solltet ihr nutzen, um euch viel vom Land anzugucken.
  •  In Hostels bekommt man mit dem internationalen Studentenausweis oder eine Jugendherbergskarte Vergünstigungen (das steht dann im Zweifelfall auf der Seite).
  • Ich bin Historic Scotland und dem National Trust für ein Jahr beigetreten. Historic Scotland hat sich gelohnt, der National Trust nicht ganz so. Am besten vorher mal gucken, welche Sehenswürdigkeiten die beiden anbieten. 
  • ISUK Tours an der Uni Glasgow bieten Tages- und manchmal auch Wochenendausflüge zu Studentenpreisen für Studenten in Glasgow und Paisley an. Man muss die Karten an der Uni kaufen. Es gibt eine Facebookseite (und -gruppe), die die Fahrtziele und Ticketverkäufe veröffentlicht.
  • Besucht Assistenten in anderen Städten.
  • Um Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen bieten sich, gerade in Städten mit Unis, die Societies (Clubs) der Unis an. An der Uni Glasgow ist eigentlich für jeden was dabei (von joggen über Harry Potter bis zu religiösen Gruppen). Über die German Society habe ich z.B. meine Tandempartner gefunden - etwas was ich auch sehr empfehlen kann. Man spricht dann zwar auch wieder Deutsch, darf aber auch mal hemmungslos alle Fragen über die englische Sprache stellen, die man sich sonst nicht zu fragen traut. 
Das ist jetzt eine ziemlich lange Liste mit Tipps geworden, aber ich hoffe, dass sie weiter hilft. Ich weiß, dass ich vor meiner Abreise total nervös war, und versucht habe, so viele Informationen wie nur möglich zu bekommen. Es klingt vielleicht doof, aber macht euch keinen Stress. Es wird schon alles klappen. Manchmal muss man Geduld haben; manchmal klappen Sachen nicht auf Anhieb, aber verliert nicht den Mut. Ihr werdet sicher eine tolle Zeit haben!

Samstag, 25. Oktober 2014

I'm a Barbie Girl oder: British Council Training Day

Gestern hatten wir FLAs einen Training Day, der vom British Council organisiert wurde. Aus ganz Schottland kamen Assistenten nach Glasgow, um daran teilzunehmen. Aus diesem Grund hatte ich Marit, die deutsche Assistentin von den Orkney Islands für ein paar Tage zu Gast. Beim Goethe Institut-Treffen hatte sie erzählt, dass sie an diesem Tag teilnehmen und vorher gerne nochmal ein bisschen Glasgow erkunden würde, also habe ich ihr angeboten, dass sie bei uns in der Wohnung übernachten kann. Ich musste zwar schon wieder zur Schule, aber ich habe sie dann nachmittags irgendwo in der Stadt aufgesammelt und wir sind dann zusammen nach Hause gefahren. Sie hat mich auch auf die Idee gebracht, den Film Love is strange zu sehen, den ich auf jeden Fall empfehlen kann.

Zurück zum Training Day: Nachdem das British Council-Einführungstreffen für mich ein bisschen enttäuschend war, weil es vor allem organisatorisch und weniger inhaltlich war, war ich sehr gespannt, wie dieser Tag verlaufen würden. Es wurde ein großer Aufwand um die Anmeldung betrieben - online eintragen in einer Umfrage, bei der dann auch der Name des Mentor Teachers eingetragen und Essensgewohnheiten (vegetarisch oder nicht etc.) genannt werden mussten. Eine Woche vorher kam dann eine Mail mit der Erinnerung an den Tag. In dieser Mail wurden wir außerdem dazu aufgefordert, an dem Tag etwas Pinkes zu tragen, da Breast Cancer Awareness Day sei. Außerdem könne man für die Krebsforschung spenden. Die Person mit dem besten pinken Outfit bekäme auch einen Preis.
Nun ist Pink bzw. Rosa so gar nicht meine Farbe. Ich habe mir dann aber trotzdem pinken Nagellack und pinke Zopfgummis gekauft und außerdem meinen pinken Yes-Anstecker von der Unabhängigkeitsbewegung, den ich auf meinem Schreibtisch gefunden habe, angesteckt. Das "Yes" sollte "Ja zu Awareness", nicht "Ja zu Brustkrebs" heißen. (Natürlich hat Andreas, ein andere deutscher Assistent, das direkt falsch verstanden) Der Blick auf meine Fingernägel hat mich den ganzen Tag lang schaudern lassen... Um die Spannung vorwegzunehmen: Ich habe nicht gewonnen. Die Gewinnerinnen hatten alle ein Teil komplett in rosa an (die Chinesin, die den ersten Preis gewonnen hat, zum Beispiel einen schon wirklich Barbie-mäßigen rosa Blazer) und der männliche Gewinner des dritten Platzes hatte dunkel-rosa Streifen auf seinem Pulli und hat den Preis bekommen, weil er der einzige Junge war, der überhaupt etwas Rosanes anhatte. Meiner Meinung nach hätte die Frau vom Schottischen Sprachenzentrum gewinnen müssen, weil sie wirklich richtig rosa angezogen war und sogar eine rosa Perücke aufhatte. Aber sie war Mitglied der Jury.
Gestern gab es dann wirklich den inhaltlichen Input, der beim ersten Treffen mit dem British Council gefehlt hat. Zuerst gab es einen Vortrag über Behaviour Management, den der Vortragende selber mit den Worten "Be friendly (as far as possible)" zusammenfasste. Danach lernten wir alle ein bisschen Walisisch. Die Lehrerin sprach ausschließlich Walisisch mit uns, um uns zu zeigen, dass man eine Sprache auch unterrichten kann, ohne die Muttersprache der Schüler zu benutzen. So lernten wir von einer Frau mit spitzem Hut, die wie ein Kobold vor uns auf und ab sprang, die Zahlen von 1 bis 3, die Farben rot, grün und blau und ein paar Kleidungsstücke. Vermutlich wird uns allen das Wort für Unterhose im Kopf bleiben (Dillad isaf), weil die Lehrerin die entsprechenden Kleidungsstücke mitgebracht hatte und einen der Jungs dazu brachte, sich eine blaue Spitzenunterhose (Dillad isaf glas) über seine Jeans anzuziehen. Mir hat es geholfen, dass die Lehrerin zusätzlich dazu, dass sie die Wörter gesagt hat, sie auch noch auf Schildern hochgehalten hat. Allerdings ist die Schreibweise im Walisischen komplett anders als die Aussprache.
Nach diesem lustigen Part waren wir selber gefragt, eine Unterrichtseinheit von fünf Minuten vorzubereiten und den anderen Assistenten ein paar Worte in unserer Muttersprache beizubringen, ohne dabei Englisch zu sprechen. Dazu fanden wir uns mit unseren Leidensgenossen Mitmuttersprachlern in einer Gruppe zusammen. Abgesehen von den Italienern, die nur zu zweit waren, waren wir Deutschen mit fünf Leuten die kleinste Gruppe. Und wir waren alle hochmotiviert und voller Ideen. Nicht. Im Grunde war die Aufgabe ja gut und praxisorientiert. Das Problem war, dass unsere Gruppe die Aufgabe hatte, mit den anderen ein Möbiusband zu basteln. Alle Unterrichtsstunden hatten irgendwas mit dem Möbiusband zu tun (die Chinesen hatten z.B. eine Brücke, die davon inspiriert war, die Spanier einen Film über Möbius), aber wir sollten mit unseren fünf Minuten die Grundlage bilden. Wir standen dann aber Problem, was wir genau sprachlich unterrichten wollten, auf welche Klassenstufe wir unsere Überlegungen abstimmen sollten und was wir in den drei Folgestunden, die eh niemanden interessierten, die wir aber auf dem Zettel eintragen mussten, machen sollten. Im Endeffekt hat Marit die Schritte langsam übers Mikro erklärt ("Nehmt die Schere. Die Schere"), während wir anderen in Zweiergruppen die Schritte stewardessenmäßig vorgemacht haben. Etwa die Hälfte hat mitgebastelt, aber das war mir auch egal. Und alles was die anderen mitgenommen haben, war vermutlich "Hallo", "Tschüss" und "Sehr gut". Wenn überhaupt. Aber was soll's. Ich habe von der chinesischen Vorführung nur "mu" (oder so ähnlich) für "Baum" im Kopf behalten.
Bei Chinesisch hat man wirklich nochmal gemerkt, wie es ist, eine Fremdsprache ohne irgendwelche Kenntnisse und sei es nur durch andere Fremdsprachen zu haben. Ich kann Spanisch, ich hatte mal Französisch und bei Italienisch konnte ich mir dementsprechend ziemlich viel ableiten. Deswegen hatte ich keine Probleme, diesen Gruppen zu folgen. Auch bei Walisisch ging es einigermaßen, weil "côt" (Mantel) doch recht ähnlich wie "coat" klingt. Bei Chinesisch hatte ich gar keine Anhaltspunkte und konnte teilweise nicht mal die Wörter von einander unterscheiden. Vielleicht war es auch nicht so günstig, dass die Chinesisch-Gruppe das Bild mit der Brücke, also das Thema Architektur, hatte. Wir Deutschen hatten es mit den Gegenständen wie Papier und Schere deutlich einfacher.
Das Treffen wurde von einer Frage-und-Antwort-Runde beendet. Allerdings sah die so aus, dass wir Fragen aufschrieben und der British Council sie beantwortete. Es wäre interessant gewesen, wenn andere Assistenten auch etwas dazu hätten sagen können. Der Erfahrungsaustausch untereinander war auf die Pausen und die Zeit während des wirklich leckeren Mittagessens beschränkt. Ich persönlich fand das etwas schade, muss aber auch sagen, dass ich die Zeit nicht effizient genutzt habe. Nicht, dass ich keine netten Gespräche geführt hätte, aber wenn ich es gewollt hätte, hätte ich vermutlich mehr Schulerfahrungen austauschen können. Nun ja.
Nach zwei Gruppenfotos wurden wir entlassen. Die meisten machten sich auf den Weg, um irgendwo was (alkoholisches) zu trinken. Marit und ich gingen stattdessen in den Hidden Tearoom, wo wir einen sehr leckeren Chaitee getrunken und dazu Scones gegessen haben. Die Teestube hat mir sehr gut gefallen. Sie ist größer, als es von außen den Anschein hat (zwei Etagen), ist sehr niedlich eingerichtet und den Tee gibt es aus kitschigen, aber irgendwie passenden, Blümchentassen und -kannen. Auf einem Schild stand, dass man dort auch Junggesellinnenabschiede feiern könnte. Also, wenn es bei mir irgendwann mal soweit ist - ihr wisst Bescheid! ;-)
Abends waren Marit und ich noch bei einem Ceilidh, den uns der British Council empfohlen hat. Allerdings waren wir beiden die einzigen, die von den Assistenten gegangen sind. Es ware trotzdem sehr lustig. Der Ceilidh war längst nicht so ernst wie unser Kurs (natürlich nicht, das war ja zum Vergnügen, während wir bei unserem Kurs wirklich die Schritte lernen sollen) und es wurde alles genau erklärt, so dass meine Gedanken, ich könne nicht mitkommen, weil ich im Kurs auch eine der langsameren Lerner bin, unbegründet waren. Im Gegenteil: Ich hatte sogar das Gefühl, eine derjenigen zu sein, die zumindest ein bisschen eine Ahnung hatten, was gerade vor sich ging. Natürlich waren die beiden jungen Männer im Kilt diejenigen, die am besten Bescheid wussten, wie die Tänze gingen. So ganz dem Klischee entsprechend. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, aber leider konnten wir nicht bis zum Schluss bleiben, weil Marit am nächsten Morgen früh wieder zurück fliegen musste. Außerdem waren wir ja auch schon den ganzen Tag auf den Beinen gewesen. Von daher fand ich auch, dass das Bett nicht die schlechteste Idee war.

Samstag, 4. Oktober 2014

Ein Treffen bei Goethe

Beim Treffen vom British Council hatte ich ja das Gefühl, eine Exotin zu sein, weil außer mir nur ein anderer deutscher Assistent dabei war. Umso mehr habe ich mich also auf das Treffen im Goethe-Institut gefreut, wo wir deutschen dann "unter uns" sein würden, auch wenn ich mir nicht so ganz vorstellen konnte, wie das werden würde, weil ich nur von drei FSA in Schottland wusste und mir das recht wenig vorkam. Ich habe also haarscharf kombiniert, dass wir mehr als drei sein müssten, da es sich für so eine geringe Anzahl nicht lohnen würde, eine eigene Veranstaltung zu machen.
Bevor ich dann gestern im Goethe-Institut auf die anderen Assistenten getroffen habe (ja, es gibt definitiv mehr als drei von unserer Sorte), wartete am Mittwoch in der Schule eine angenehme Überraschung auf mich. Die Lehrerinnen hatten schon vorher davon gesprochen, dass noch ein "German girl" an die Schule kommen würde, aber aus irgendwelchen Gründen war ich davon ausgegangen, dass es sich um eine Austauschschülerin handeln würde, schließlich sind wir PAD-Assistenten schon seit einem Monat im Einsatz und ich konnte mir ohnehin schlecht vorstellen, dass wir zu zwei FSAs an meiner Schule sind. So groß ist die nämlich auch mal wieder nicht. Allerdings musste ich dann aber feststellen, dass es sich bei Amelie, die auf einmal in der Modern Language Base hockte (und mich anhand meiner Jack Wolfskin-Jacke direkt als Deutsche identifizierte), mitnichten um eine Austauschschülerin handelte sondern um meine neue Kollegin. Sie ist nicht über den PAD sondern als GET (German Educational Trainee) da, macht aber dasselbe wie ich, bleibt nur nicht so lange und wird sehr viel schlechter bezahlt. 
Ich habe mich mit Amelie direkt gut verstanden und wir haben natürlich auf Deutsch miteinander gequatscht (irgendwie ist man ja doch bequem), was dazu führte, dass die Lehrerinnen auf angefangen haben, Deutsch zu reden. Das war schon komisch. Normalerweise rede ich mit ihnen Englisch. Aber sie können ja Deutsch, das vergesse ich nur manchmal, weil der Unterricht zum allergrößten Teil auf Englisch läuft.

Die GETs waren dann auch alle beim Goethe-Institut-Treffen dabei und so kamen wir auf ein Anzahl von ca. 25 Leuten. Die GETs machten eindeutig den größeren Teil aus. Ganze neun Leute hatten das Kürzel FLA, aber es kann natürlich sein, dass nicht alle PAD-Assistenten zum Treffen gekommen sind. Könnt ihr mir bei all den Abkürzungen eigentlich überhaupt noch folgen?
Wir wurden mit Tee und Keksen begrüßt und sollten uns zunächst in einer Kugellagerrunde miteinander austauschen. Im Grunde fand ich die Idee gut, leider waren die GETs bisher kaum oder gar nicht an ihren Schulen gewesen, so dass der Austausch etwas schwierig war. Außerdem war der Raum nicht geeignet, weil er so eng war, dass sie der Innenkreis kaum bewegen konnte, und weil, wenn die Hälfte der Leute sprachen, es sehr laut wurde. Nach zwei Präsentationen über das Goethe-Institut wurden wir in Gruppen aufgeteilt, in denen wir Workshops besucht haben: Grundschule, Spiele im Unterricht und Einführung in die Bibliothek. Besonders der Grundschul-Workshop hat mir weitergeholfen, weil ich bis dahin überhaupt keine Ahnung hatte, was ich in der Grundschule überhaupt machen soll. Vor allem die Handpuppen zum Deutsch lernen haben es mir angetan. Allerdings habe ich auch gemerkt, dass es eine gute Entscheidung war, nicht Grundschullehramt zu studieren.

Es war sehr nett, die anderen Assistenten (ob nun PAD oder GET) zu treffen und nach Ende der Veranstaltungen sind viele noch zusammen was trinken gegangen und haben über das geredet, was beim Goethe-Treffen zu kurz gekommen ist: das Wetter auf den Orkney Inseln, das Abenteuer Wohnungssuche, Pläne für die kommenden Monate... Ganz spontan hat dann noch Anna, die in Aberdeen als Assistentin eingesetzt ist, noch bei mir übernachtet, weil sie sich gerne noch Glasgow ansehen wollte, aber kein Zimmer gefunden hat. Da helfe ich dann ja gerne weiter.