Posts mit dem Label SCD werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label SCD werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 23. Februar 2015

Keep on Dancing

Ich war bei einem Ball. Bei einem richtigen. Mit Live-Musik, Programmheftchen und tollen Kleidern (und Kilts!) - meine Mama hatte mir mein Abiballkleid geschickt, das zu dieser Veranstaltung irgendwie passender wirkte als zu dem ursprünglichen Anlass (ich hatte auch schöneren Schmuck als damals). Ich stand ganz begeistert vorm Spiegel. 
Und habe ich schon erwähnt, dass es ein Maskenball war? Zuerst hatte ich mir Sorgen wegen der Maske und meiner Brille gemacht, aber dann habe ich eine aus einem weichen Material gefunden, die ich gut über meine Brille aufsetzen konnte (Kontaktlinsen wären zu einfach).

Der Ball wurde von der Scottish Country Dance Society der University of Glasgow organisiert. Das sind die, bei denen ich auch den Tanzkurs mache. Im Grunde haben wir uns seit Weihnachten auf diesen Ball vorbreitet und Tänze eingeübt. Es waren nicht nur die Leute aus unserer Society da, sondern auch Studenten aus Edinburgh, Aberdeen und St Andrews und einige ältere Leute, die in einer nicht universitären Scottish Country Dance Vereinigung sind und den totalen Durchblick hatten.
Samstagmittag hatten wir einen "Walk Through", also einer Art Generalprobe. Ich war davon ausgegangen, dass das "walk" wörtlich zu verstehen sei, aber nichts da. Nach den drei Stunden Probe-Durchlauf war ich schon völlig geschafft. Wir hatten kurz Zeit, um nach Hause zu fahren, uns frisch zu machen und umzuziehen, bevor es wieder los ging. Ich habe mich um sieben mit Amelie getroffen, um in einen kleinen Ort namens Bearsden zu fahren. Ich bin mir nicht mal sicher, ob das ein eigenständiger Ort ist oder ob er noch zu Glasgow gehört, jedenfalls fand der Ball da in der Stadthalle statt.

Aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen mit der Society waren Amelie und ich davon ausgegangen, dass wir nicht pünktlich anfangen würden (der offizielle Beginn sollte halb acht sein). Ich war dann aber sehr überrascht, als die Band um 19:32 Uhr anfing zu spielen und ich mir schnell einen Tanzpartner suchen musste.
Vor jedem Tanz gab es erst mal eine Trockenübung ohne Musik. Ein Mitglied des Society stand auf der Bühne und erklärte die Bewegungen, während das erste Paar sie nachlief. In den Programmheften stand auch jeder Tanz erklärt. Es hat allerdings etwas gedauert, bis ich hinter die Abkürzungen gekommen bin. Aber ich konnte mir das ohnehin nicht so gut vorstellen, wenn ich das gelesen habe. Trotzdem war das Programm sehr praktisch und Amelie und ich haben es schnell den anderen nachgemacht und haben das Programmheftchen mit einer Sicherheitsnadel an unserer Kleidung befestigt. Die Männer hatten es meistens in ihrer Tasche am Kilt.
Vor dem Ball war ich ziemlich nervös. Ich wusste ja, dass auch Leute von außerhalb unserer Society kommen würden und vor allem Leute, die richtig gut tanzen können. Ich lerne das ja erst seit einem halben Jahr und bin nicht unbedingt die schnellste Lernerin. Es passiert sehr oft, dass ich in die falsche Richtung hüpfe oder auf einmal einfach nicht mehr weiß, wo ich hin muss. Völlig egal, ob mir das vorher logisch erschien, ob ich den Tanz schon mal getanzt habe oder in dem Paar war, das bei der Erklärung die Schritte nachvollzogen hat - ich stehe oft genug auf dem Schlauch und kriege Panik. Wenn ich mit Amelie tanze, zieht sich mich dann öfter mal in die richtige Richtung und beim Kurs sind auch immer Leute dabei, die mir sagen: "This way!" Die Leute in meinem Kurs wissen ja auch, dass ich eher eine Wackelkandidatin bei der Partnerwahl bin. Und viele in meinem Kurs sind auch Anfänger (neben vielen anderen, die das schon ziemlich lange machen). Ich habe mir Sorgen gemacht, dass die Leute von außerhalb genervt sein könnten, wenn ich Fehler mache. Oder dass ich überhaupt nicht mitkomme und allen komplett im Weg rumstehe. Soweit ist es dann aber nicht gekommen.
Ich glaube, die meisten Leute von außerhalb waren recht erfahren. Jedenfalls waren da sehr viele, die uns beim Tanzen in die richtige Richtung gewiesen haben. Wenn ich mal keinen Tanzpartner mit Durchblick hatte, wusste zumindest eins oder zwei der anderen Paare Bescheid und haben zwischendurch Anweisungen gegeben. Und niemand hat mich angemeckert, sondern zumindest gute Miene zum bösen Spiel gemacht und mich in die richtige Richtung geschoben oder soweit Verständnis für mich gehabt, dass es nicht weiter schlimm war, dass ich nicht alles wusste. Zwei Tänze oder so habe ich auch ohne Hilfe geschafft (von insgesamt zwölf, aber psst). Ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass ich "The Kilt Maker", den ich beim Weihnachtsball noch komplett verhauen habe, jetzt ziemlich gut hin kriege. Ein anderer Tanz, den ich inzwischen gut kann und gerne tanze heißt "The Campbells are coming". Die beiden Tänze habe ich aber nicht auf Youtube gefunden. Aber der hier und der hier sind zwei Tänze, die wir am Samstag auch getanzt haben. Dadurch bekommt ihr einen Eindruck, was das eigentlich ist, was ich versuche zu beschreiben.


Allerdings habe ich nicht alle Tänze mitgetanzt. Uns war vorher gesagt worden, dass es ein paar "evil dances" gibt, die zu kompliziert für uns seien. Auch unter dem Gesichtspunkt war das Programmheft sehr hilfreich. Immer, wenn mir der Name eines Tanzes so gar nichts gesagt hat (nicht, dass ich mir die Namen merken könnte) oder die Aufstellung komisch aussah ("Fünf Paare in einem Set? Nichts wie weg hier!"), bin ich schnell an den Rand gegangen und habe staunend zugesehen, wie die erfahrenen Tänzer in einem scheinbaren Chaos immer genau wussten, wo sie hintanzen und wen sie drehen mussten, so dass dann doch irgendwie eine Ordnung im Chaos zu erkennen war. Einfach nur krass. Ein Tanz war sehr amüsant anzusehen. Er hieß "The Bees of Maggieknockater" und zwischendurch trennen sich manche Paare und tanzen alleine zwischen anderen Paaren durch. Einige der Tänzer taten dann so als seien sie Bienen, flatterten mit den Armen und machte "bzzzz". Einen Tanz habe ich übrigens deswegen ausgelassen, weil der mich mittags bei der Generalprobe komplett verwirrt hat. ;-)


Zwischendurch gab es ein Buffet, das die Leute von der Society vorbereitet hatten: Nudelsalate mit viel Mayo, grüner Salat ohne Dressing, Pizza, Suppe und viele leckere Kuchen. Amelie und ich hatten noch mit ein paar Französinnen, Spanierinnen und einer Schweizerin Fotos gemacht und irgendwie nicht mitgekriegt, dass das Buffet schon eröffnet worden war bzw. dass es keine offizielle Eröffnung gab und sich einfach alle schon angestellt hatten. Die Schlange hatte ein U gebildet und führte einmal an den Längsseite der Halle entlang. Wir gehörten dann zu den letzten zehn Leuten, die an den Tischen ankamen. Die Pizza war schon weg.
Außerdem es eine Verlosung und ein Gewinnspiel. Bei dem Gewinnspiel musste man raten, wann das Maskottchen der Society, eine Plüschente, Geburtstag hat. Ich habe bei beidem mein Glück versucht, aber leider nichts gewonnen.
Nochmal zu den Kleidern: Das Motto des Balls war Rot, Schwarz und Weiß, also trugen die allermeisten Kleider in den Farben. Ich hatte wie gesagt meine Abiballkleid (schwarz) an. Meine Maske war rot und dann hatte ich noch eine schwarze und eine weiße Blume für die Haare. Eigentlich hatte ich mir einen Knoten in die Haare gemacht, aber der löste sich schon beim ersten Tanz auf, also hatte ich den Rest des Abends einen Pferdeschwanz. Es waren einige richtig tolle Kleider dabei, teilweise auch sehr lange, dass ich mich gefragt habe, wie die Mädels darin tanzen konnten. Fast alle männlichen Teilnehmer trugen einen Kilt. Der passte dann manchmal nicht mit den Motto-Farben zusammen, aber gut. Ich bezweifele irgendwie, dass die meisten ein breitgefächertes Farbspektrum an Kilts im Schrank hängen haben. Übrigens habe ich einen Mann gesehen, der sogar einen Dolch im Socken stecken hatte! (Laut Wikipedia heißt dieses Messer Sgian-dubh) Das war einer der Älteren, die so gut tanzen konnten. Die brauchten nicht einmal mehr die Erklärung von dem Tanz. Sie wussten beim Namen immer schon, wie der zu tanzen ist. 

Um halb zwölf war der Ball vorbei. Wir nahmen und alle an die Hand und sangen "Auld Lang Syne". Ich dachte mir: "Super, das kann ich!" Haha, aber dann wurde die zweite Strophe gesungen und die konnte ich nicht mehr mitsingen. Bei der ersten Strophe hatten wir uns übrigens noch normal die Hände gereicht, während wir bei der zweiten die Hände dann überkreuzten. Danach spielte die Band nochmal ein schnelles Musikstück und alle schnappten sich einen Partner und bewegten sich im Walzerschritt (glaube ich) durch die Halle, während die Musik immer schneller und schneller wurde. Ich hatte zwischendurch schon Angst, mein Partner und ich würden über unsere Füße stolpern und als die Musik dann endlich stoppte, musste ich erst mal eine Minute stehen bleiben, um nicht beim Laufen umzukippen. Aber trotzdem und trotz des mordsmäßigen Muskelkaters, den ich jetzt habe, war es ein sehr toller Abend und eine klasse Erfahrung.

Sonntag, 25. Januar 2015

Burns Supper

Am 25. Januar vor fast 300 Jahren (1759, um genau zu sein) wurde der schottisches Nationaldichter Robert Burns geboren. Er wurde wohl deswegen zum National Poet erhoben, weil er viele Gedichte in Scots und im schottischen Dialekt geschrieben habe, was zu seiner Zeit nicht sonderlich viele Dichter getan haben, und so die Sprache der Schotten promoted hat. "Auld Lang syne", das auch immer an Hogmanay gesungen wird, ist von ihm, genauso wie "Scots Wha Hae", das eine Zeit lang die inoffizielle Nationalhymne Schottlands war. Außerdem müssen scheinbar viele Kinder sein Gedicht "To a Mouse" auswendig lernen (ein Vers aus diesem Gedicht "The best laid schemes o' mice an' men / Gang aft agley" wurde übrigens von John Steinbeck als Titel seines Romans Of Mice and Men aufgegriffen). Extrem wichtige Person also.
Um ihren National Poet gebührend zu feiern, wird jedes Jahr in Schottland das Burns Supper an seinem Geburtstag veranstaltet. Wir haben das im Schottland-Seminar mal nachgespielt, aber als ich dann festgestellt habe, dass das hier wirklich eine recht verbreitete Feier ist - auch in Privathaushalten (Laura erinnerte sich Donnerstag daran, dass sie noch Haggis besorgen muss) - wollte ich gerne zu einem Burns Supper gehen. Glücklicherweise hat die Uni Society, bei der ich den Ceilidh-Kurs mache, ein Burns Supper veranstaltet. Allerdings gestern schon. Wir haben sozusagen in den Geburtstag reingefeiert.
Das Supper fand in der Wohnung eines der Komitee-Mitglieder statt, das Komitee hat auch das Kochen übernommen. Es gab natürlich Haggis, Tatties und Neeps (also Haggis mit Kartoffelbrei und Steckrübenbrei). Bevor aber gegessen wurde, musste das Protokoll des Burns Supper eingehalten werden. Es gibt einen recht festgelegten Ablauf dieser Feier. Nach der Begrüßung des Gastgebers wird der Haggis in Begleitung von Dudelsackmusik hereingetragen und es wird das Gedicht "Address to a Haggis" rezitiert. Der Dudelsack wurde bei uns weggelassen, aber eins der Komitee-Mitglieder las das Gedicht vor. Danach durften wir uns alle unsere Portion holen und uns dann einen Platz auf dem Sofa oder dem Fußboden suchen, um diesen zu verspeisen.
Nach dem Essen bekamen wir alle einen Whisky in die Hand gedrückt, denn als nächstes folgte das Immortal Memory. In dieser Rede wird an Robert Burns und sein Leben und Werk erinnert. Zwei Mädels aus dem Komitee hatten die Rede zwischen sich aufgeteilt und erklärten uns Ausländern erst mal, wer Robert Burns überhaupt war, warum man das Burns Supper feierten und überlegten dann, wie Robert Burns wohl wäre, wenn er heute leben würde. Danach wurde auf ihn getrunken.
Als nächstes war der "Toast to the Lassies" an der Reihe. Das bestaussehende männliche Komitee-Mitglied - seinen eigenen Worten nach (danach sagte er, er sei der einzige Junge im Komitee, aber die Rednerin nach ihm, sagte, dass es noch einen zweiten gebe, zählen scheint nicht so seine Stärke zu sein) - hielt eine Rede über die Damenwelt und vor allem darüber, wie er sich auf diese Rede vorbereitet hat und natürlich nicht zu gemein sein darf (das Ganze soll immer eine humorvolle Betrachtung der Geschlechter sein), weil schließlich der größte Teil der Society weiblich ist. Weil das natürlich nicht unbeantwortet bleiben darf, kommt als nächstes immer die Reply to the Laddies (Achtung: laddies = schottisch für Kerle, ladies = Standardenglisch für Damen), bei der sich die Damen dann über die Männerwelt auslassen. Ich muss ehrlich sagen, ich weiß nicht mehr genau, was in den beiden Reden vorkam, weil ich mich vor allem daran erinnere, dass sie sehr lustig waren. Ich weiß, dass der Junge am Ende einen Witz über Adam und Gott erzählte, in dem Gott Adam die perfekte Partnerin an die Seite stellen wollte, für die er allerdings einen Arm und ein Bein von Adam forderte. Adam entschied sich dann für das weniger perfekte Model, das er für eine Rippe bekam. Die Antwortrede endete mit der Aufforderung, dass die Männer sich doch daran erinnern sollten, wo sie her kommen - von den Frauen und deswegen etwas Respekt zeigen sollten.
Mit den Reden endete der offizielle Teil. Normalerweise hört man wohl noch ein paar Gedichte von Burns und singt "Auld Lang Syne", aber das haben wir ausgelassen. Stattdessen gab es noch Nachtisch und Getränke. Annabel war auch da und ich habe mich recht viel mit ihr unterhalten. Sie wollte, dass ich ihr ein bisschen Deutsch beibringe. Mal sehen, ob sie bei unserem nächsten Treffen noch bis fünf zählen kann. Gegen halb 12 bin ich nach Hause gegangen, weil ich doch ziemlich müde war.

Da ich euch aber natürlich nicht gehen lassen möchte, ohne euch etwas Dichtung mit auf dem Weg zu geben, folgt nur hier sein Gedicht "A Red, Red Rose", das übrigens auch beim Immortal Memory erwähnt wurde, da Rabbie Burns (wie er auch gerne mal genannt wird) ein ziemlicher ladies man war, der 13 Kinder mit vier verschiedenen Frauen hatte, aber nur mit einer verheiratet war:

A Red, Red Rose
von Robert Burns
O my Luve's like a red, red rose
That’s newly sprung in June;
O my Luve's like the melodie
That’s sweetly play'd in tune.

As fair art thou, my bonnie lass,
So deep in luve am I:
And I will luve thee still, my dear,
Till a’ the seas gang dry:

Till a’ the seas gang dry, my dear,
And the rocks melt wi’ the sun:
I will luve thee still, my dear,
While the sands o’ life shall run.

And fare thee well, my only Luve
And fare thee well, a while!
And I will come again, my Luve,
Tho’ it were ten thousand mile.

Dienstag, 4. November 2014

Halloween

Was Karneval in Deutschland ist, scheint Halloween in Großbritannien zu sein: Süßigkeiten für die Kinder (bei Über-zehnjährigen werden die Trick-or-treat-Rundgänge laut meiner Tandempartnerin als betteln angesehen), Alkohol für die Großen und Verkleidungen für alle. Das ist zumindest die Kurzfassung. Nein, es gibt, soweit ich weiß, keine Halloween-Sitzungen und keine großen Umzüge durch die Stadt - auch wenn ich am Freitag verkleidete Subway-Mitarbeiter ("The transportation, not the fast food") gesehen habe, die in gruseligen Verkleidungen Süßigkeiten verschenkten. Aber es gibt Unmengen Halloweenfeiern und jede Institution und jede Gruppe hat ihre eigenene Feier.
Ich habe zweimal Halloween gefeiert. Im Ceilidh-Kurs gab es einen Halloween-Abend, bei dem wir weniger hart gearbeitet und viel mehr einfach nur getanzt haben. Die meisten kamen verkleidet, das beste Kostüm wurde prämiert und in der Pause gab es orangene Muffins und gruselige Süßigkeiten. Es war lustiger Abend. Mich haben die beiden spanischen Mädels vom Hocker gehauen, die beide im flauschigen Kuhanzug zur Stunde kamen. Sie müssen sowas von geschwitzt haben. Mir war in meinem kurzärmeligen Kleid schon ziemlich warm. Den Preis für das beste Kostüm hat ein Spiderman im Kilt bekommen. Unsere Tanz-Lehrerinnen kamen als Japanerin, blauer Buntstift, Tardis und Anna aus Frozen (der Film ist hier sehr beliebt - bei allen Jahrgangsstufen). Eins der männlichen Komiteemitglieder hatte sich ganz grün angemalt und stellte einen Spielzeugsoldaten dar. Das Problem war allerdings, dass er abfärbte und die Leiter der Society die Pause auf den Knien verbrachten, um die grüne Farbe (und Schuhabdrücke anderer Teilnehmer) vom Turnhallenboden zu wischen. Die taten mir etwas Leid.

Im Grunde hätte ich die ganze Woche hindurch Halloween feiern können, da es offenbar niemand so genau mit dem Datum nahm. Allerdings bin ich nur zu der Party der Uni am Freitag gegangen. Amelie und drei weitere GETs waren auch mit dabei. Da der Eintritt vor neun Uhr frei war, gingen wir frühzeitig hin und mussten ein bisschen warten, bis es richtig los ging, aber mir hat es gut gefallen. Die Musik war gar nicht mal schlecht (auch hier wurde irgendwann "500 miles" gespielt - das war dann der Punkt, an dem Amelie und ich nach Hause gingen, allerdings unabhängig von dem Lied) und die Dekoration war auch schön gruselig. Im großen Disko-Raum der Union gab es einen Blood Bath Corridor, bei dem man mit Kunstblut bespritzt wurde, wenn man sich hindurch wagte. Wir haben es aber lieber sein gelassen. Es hieß zwar, die Farbe sei abwaschbar, aber man weiß ja nie. Später musste ich allerdings feststellen, dass meine Jacke trotzdem irgendwie rote Farbe abbekommen hat. Ich habe sie schon ein bisschen sauber gemacht, muss da am Wochenende aber nochmal richtig in Angriff nehmen (vorzugsweise dann, wenn ich mir einen Wintermantel gekauft habe und meinen Anorak einfach in die Waschmaschine stecken kann).

Rut trinkt Blut ;-)
Bei der Uni-Party habe ich viele tolle Verkleidungen gesehen. Besonders beliebt schien Wally aus Where's Wally? (im Deutschen Walter, der Junge mit dem roten Ringelpulli in den Wimmelbildern) zu sein - auch in einer weiblichen Variante. Aber auch Charaktere aus Filmen und Serien waren häufig zu sehen: Disney-Prinzessinnen rauf und runter, teilweise in knappsten Röcken und/ oder in der Zombie-Variante, einige Pipers aus Orange is the New Black, der Joker natürlich, Alice im Wunderland, der Doctor (ich wäre enttäuscht gewesen, wenn ich keinen gesehen hätte), Mary Poppins (!) und ich habe zwei Mädchen gesehen, die sich als Daenerys Targaryen verkleidet haben. Das Kostüm der einen war echt gut. Sie hatte sogar einen kleinen Drachen auf der Schulter. Leider war ich ein bisschen zu schüchtern, um sie zu fragen, ob sie ein Foto mit mir macht. Ich war übrigens Rut, die Bakterien verschleudernde Vampirkönigin - ich bin immer noch erkältet.
Es waren auch ein paar gruselige Verkleidungen dabei (u.a. zwei Geister, die sich wirklich einfach nur ein Bettlaken übergeworfen hatten), aber eben auch viele ganz normale. Wie gesagt, Halloween scheint der britische Karneval zu sein.

Samstag, 25. Oktober 2014

I'm a Barbie Girl oder: British Council Training Day

Gestern hatten wir FLAs einen Training Day, der vom British Council organisiert wurde. Aus ganz Schottland kamen Assistenten nach Glasgow, um daran teilzunehmen. Aus diesem Grund hatte ich Marit, die deutsche Assistentin von den Orkney Islands für ein paar Tage zu Gast. Beim Goethe Institut-Treffen hatte sie erzählt, dass sie an diesem Tag teilnehmen und vorher gerne nochmal ein bisschen Glasgow erkunden würde, also habe ich ihr angeboten, dass sie bei uns in der Wohnung übernachten kann. Ich musste zwar schon wieder zur Schule, aber ich habe sie dann nachmittags irgendwo in der Stadt aufgesammelt und wir sind dann zusammen nach Hause gefahren. Sie hat mich auch auf die Idee gebracht, den Film Love is strange zu sehen, den ich auf jeden Fall empfehlen kann.

Zurück zum Training Day: Nachdem das British Council-Einführungstreffen für mich ein bisschen enttäuschend war, weil es vor allem organisatorisch und weniger inhaltlich war, war ich sehr gespannt, wie dieser Tag verlaufen würden. Es wurde ein großer Aufwand um die Anmeldung betrieben - online eintragen in einer Umfrage, bei der dann auch der Name des Mentor Teachers eingetragen und Essensgewohnheiten (vegetarisch oder nicht etc.) genannt werden mussten. Eine Woche vorher kam dann eine Mail mit der Erinnerung an den Tag. In dieser Mail wurden wir außerdem dazu aufgefordert, an dem Tag etwas Pinkes zu tragen, da Breast Cancer Awareness Day sei. Außerdem könne man für die Krebsforschung spenden. Die Person mit dem besten pinken Outfit bekäme auch einen Preis.
Nun ist Pink bzw. Rosa so gar nicht meine Farbe. Ich habe mir dann aber trotzdem pinken Nagellack und pinke Zopfgummis gekauft und außerdem meinen pinken Yes-Anstecker von der Unabhängigkeitsbewegung, den ich auf meinem Schreibtisch gefunden habe, angesteckt. Das "Yes" sollte "Ja zu Awareness", nicht "Ja zu Brustkrebs" heißen. (Natürlich hat Andreas, ein andere deutscher Assistent, das direkt falsch verstanden) Der Blick auf meine Fingernägel hat mich den ganzen Tag lang schaudern lassen... Um die Spannung vorwegzunehmen: Ich habe nicht gewonnen. Die Gewinnerinnen hatten alle ein Teil komplett in rosa an (die Chinesin, die den ersten Preis gewonnen hat, zum Beispiel einen schon wirklich Barbie-mäßigen rosa Blazer) und der männliche Gewinner des dritten Platzes hatte dunkel-rosa Streifen auf seinem Pulli und hat den Preis bekommen, weil er der einzige Junge war, der überhaupt etwas Rosanes anhatte. Meiner Meinung nach hätte die Frau vom Schottischen Sprachenzentrum gewinnen müssen, weil sie wirklich richtig rosa angezogen war und sogar eine rosa Perücke aufhatte. Aber sie war Mitglied der Jury.
Gestern gab es dann wirklich den inhaltlichen Input, der beim ersten Treffen mit dem British Council gefehlt hat. Zuerst gab es einen Vortrag über Behaviour Management, den der Vortragende selber mit den Worten "Be friendly (as far as possible)" zusammenfasste. Danach lernten wir alle ein bisschen Walisisch. Die Lehrerin sprach ausschließlich Walisisch mit uns, um uns zu zeigen, dass man eine Sprache auch unterrichten kann, ohne die Muttersprache der Schüler zu benutzen. So lernten wir von einer Frau mit spitzem Hut, die wie ein Kobold vor uns auf und ab sprang, die Zahlen von 1 bis 3, die Farben rot, grün und blau und ein paar Kleidungsstücke. Vermutlich wird uns allen das Wort für Unterhose im Kopf bleiben (Dillad isaf), weil die Lehrerin die entsprechenden Kleidungsstücke mitgebracht hatte und einen der Jungs dazu brachte, sich eine blaue Spitzenunterhose (Dillad isaf glas) über seine Jeans anzuziehen. Mir hat es geholfen, dass die Lehrerin zusätzlich dazu, dass sie die Wörter gesagt hat, sie auch noch auf Schildern hochgehalten hat. Allerdings ist die Schreibweise im Walisischen komplett anders als die Aussprache.
Nach diesem lustigen Part waren wir selber gefragt, eine Unterrichtseinheit von fünf Minuten vorzubereiten und den anderen Assistenten ein paar Worte in unserer Muttersprache beizubringen, ohne dabei Englisch zu sprechen. Dazu fanden wir uns mit unseren Leidensgenossen Mitmuttersprachlern in einer Gruppe zusammen. Abgesehen von den Italienern, die nur zu zweit waren, waren wir Deutschen mit fünf Leuten die kleinste Gruppe. Und wir waren alle hochmotiviert und voller Ideen. Nicht. Im Grunde war die Aufgabe ja gut und praxisorientiert. Das Problem war, dass unsere Gruppe die Aufgabe hatte, mit den anderen ein Möbiusband zu basteln. Alle Unterrichtsstunden hatten irgendwas mit dem Möbiusband zu tun (die Chinesen hatten z.B. eine Brücke, die davon inspiriert war, die Spanier einen Film über Möbius), aber wir sollten mit unseren fünf Minuten die Grundlage bilden. Wir standen dann aber Problem, was wir genau sprachlich unterrichten wollten, auf welche Klassenstufe wir unsere Überlegungen abstimmen sollten und was wir in den drei Folgestunden, die eh niemanden interessierten, die wir aber auf dem Zettel eintragen mussten, machen sollten. Im Endeffekt hat Marit die Schritte langsam übers Mikro erklärt ("Nehmt die Schere. Die Schere"), während wir anderen in Zweiergruppen die Schritte stewardessenmäßig vorgemacht haben. Etwa die Hälfte hat mitgebastelt, aber das war mir auch egal. Und alles was die anderen mitgenommen haben, war vermutlich "Hallo", "Tschüss" und "Sehr gut". Wenn überhaupt. Aber was soll's. Ich habe von der chinesischen Vorführung nur "mu" (oder so ähnlich) für "Baum" im Kopf behalten.
Bei Chinesisch hat man wirklich nochmal gemerkt, wie es ist, eine Fremdsprache ohne irgendwelche Kenntnisse und sei es nur durch andere Fremdsprachen zu haben. Ich kann Spanisch, ich hatte mal Französisch und bei Italienisch konnte ich mir dementsprechend ziemlich viel ableiten. Deswegen hatte ich keine Probleme, diesen Gruppen zu folgen. Auch bei Walisisch ging es einigermaßen, weil "côt" (Mantel) doch recht ähnlich wie "coat" klingt. Bei Chinesisch hatte ich gar keine Anhaltspunkte und konnte teilweise nicht mal die Wörter von einander unterscheiden. Vielleicht war es auch nicht so günstig, dass die Chinesisch-Gruppe das Bild mit der Brücke, also das Thema Architektur, hatte. Wir Deutschen hatten es mit den Gegenständen wie Papier und Schere deutlich einfacher.
Das Treffen wurde von einer Frage-und-Antwort-Runde beendet. Allerdings sah die so aus, dass wir Fragen aufschrieben und der British Council sie beantwortete. Es wäre interessant gewesen, wenn andere Assistenten auch etwas dazu hätten sagen können. Der Erfahrungsaustausch untereinander war auf die Pausen und die Zeit während des wirklich leckeren Mittagessens beschränkt. Ich persönlich fand das etwas schade, muss aber auch sagen, dass ich die Zeit nicht effizient genutzt habe. Nicht, dass ich keine netten Gespräche geführt hätte, aber wenn ich es gewollt hätte, hätte ich vermutlich mehr Schulerfahrungen austauschen können. Nun ja.
Nach zwei Gruppenfotos wurden wir entlassen. Die meisten machten sich auf den Weg, um irgendwo was (alkoholisches) zu trinken. Marit und ich gingen stattdessen in den Hidden Tearoom, wo wir einen sehr leckeren Chaitee getrunken und dazu Scones gegessen haben. Die Teestube hat mir sehr gut gefallen. Sie ist größer, als es von außen den Anschein hat (zwei Etagen), ist sehr niedlich eingerichtet und den Tee gibt es aus kitschigen, aber irgendwie passenden, Blümchentassen und -kannen. Auf einem Schild stand, dass man dort auch Junggesellinnenabschiede feiern könnte. Also, wenn es bei mir irgendwann mal soweit ist - ihr wisst Bescheid! ;-)
Abends waren Marit und ich noch bei einem Ceilidh, den uns der British Council empfohlen hat. Allerdings waren wir beiden die einzigen, die von den Assistenten gegangen sind. Es ware trotzdem sehr lustig. Der Ceilidh war längst nicht so ernst wie unser Kurs (natürlich nicht, das war ja zum Vergnügen, während wir bei unserem Kurs wirklich die Schritte lernen sollen) und es wurde alles genau erklärt, so dass meine Gedanken, ich könne nicht mitkommen, weil ich im Kurs auch eine der langsameren Lerner bin, unbegründet waren. Im Gegenteil: Ich hatte sogar das Gefühl, eine derjenigen zu sein, die zumindest ein bisschen eine Ahnung hatten, was gerade vor sich ging. Natürlich waren die beiden jungen Männer im Kilt diejenigen, die am besten Bescheid wussten, wie die Tänze gingen. So ganz dem Klischee entsprechend. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, aber leider konnten wir nicht bis zum Schluss bleiben, weil Marit am nächsten Morgen früh wieder zurück fliegen musste. Außerdem waren wir ja auch schon den ganzen Tag auf den Beinen gewesen. Von daher fand ich auch, dass das Bett nicht die schlechteste Idee war.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Dancing Queens

Von meinem Zumba-Kurs habe ich ja bereits berichtet, allerdings gibt es ein paar Änderungen im Kurs: Seit meiner zweiten Stunde sind wir ungefähr doppelt so viele Leute, also immer noch ein Winzkurs, aber immerhin ein bisschen mehr. In der zweiten Stunde war auch tatsächlich ein Mann dabei! Das sorgte natürlich für einiges Aufsehen. :-D Aber ich glaube, er war nur dabei, um seinee Mutter (oder Oma?) zu unterstützen. Die Dame ist bestimmt schon 80 und ist dementsprechend auch nicht so schnell. Und immer wenn alle anderen ihre Bauchtanz-Tücher umbinden (ich habe immer noch keins), braucht sie Hilfe. Vor zwei Wochen war es der Mann, letzte Woche hatte sie zwei Frauen dabei, diese Woche ist der Kurs leider ausgefallen.
Die Trainerin hat außerdem angekündigt, die Lieder zu ändern und hat jetzt auch 10 Minuten Zeit für Übungen auf den Boden eingeplant. Das gefällt mir gar nicht. Ich hatte Zumba doch gerade deswegen gewählt, weil ich nicht wie ein hilfloser Marienkäfer auf dem Rücken liegen und mit den Beinen strampeln wollte. Eigentlich hatte ich überlegt, die Übungen zu boykottieren, aber habe dann doch mitgemacht. Mal sehen, wie ich das in Zukunft machen, ob ich mir einen neuen Kurs suche, in den sauren Apfel beiße oder einen Aufstand im Kurs anzettele...

Montag war ich nochmal tanzen, aber nicht beim Zumba, sondern mit Amelie bei einem Ceilidh-Kurs (schottische Tänze), der von der Uni aus organisiert ist. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, auch wenn ich wirklich schlecht war. Ich glaube, manche Tanzpartner haben mich gehasst, weil ich ständig in die falsche Richtung gelaufen bin oder keinen Plan von nichts hatte. Ich muss zu meiner Verteidigung aber auch sagen, dass ich die erste oder sogar die ersten zwei Stunden verpasst habe. Und ich kann ja nur besser werden. Ich werde also wieder hingehen, nur verpasse ich den Kurs am Montag wieder, weil ich heute für ein paar Tage nach Nordengland aufbreche. Aber wenn ich Amelie ganz lieb frage, zeigt sie mir nach den Ferien vielleicht im Lehrerzimmer, was wir gemacht haben. :-D