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Donnerstag, 2. April 2015

Hogwarts, Hogwarts, Hoggy Warty Hogwarts

Eigentlich müsste ich meinen Blog jetzt umbenennen, denn am Samstag war es Hogwarts. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich war in Hogwarts, habe das Schloss erkundet, mich in lange Roben geworfen, mit magischen Kräutern hantiert und fliegen gelernt. Ein durch und durch magischer Tag und ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

So und jetzt nochmal ausführlich: Am Samstag stand wieder eine ISUK-Tour auf dem Programm, diesmal ging es ins Alnwick Castle (wird übrigens Ahnick ausgesprochen), in dem Teile der ersten beiden Harry Potter-Filme gedreht wurden, so wie zum Bamburgh Castle. Beide liegen in Northumberland, England. Die Tour zum Alnwick Castle war schon einmal angeboten worden, aber an dem Wochenende konnte ich nicht und wartete nur darauf, dass es wieder die Gelegenheit gab, dahin zu fahren. Ende März waren die Chancen auf gutes Wetter auch recht groß. Keine Frage also, dass Amelie und ich dahin fahren würden. Hatte ich schon erwähnt, dass es nach Hogwarts ging?
Viertel vor acht an der Uni, um acht Uhr ging es los, das kennen wir ja mittlerweile schon. Ein bisschen schlafen im Bus, weil wir am Abend vorher mit unseren Kolleginnen essen waren, eine Kaffeepause nach etwa eineinhalb Stunden in Dunbar. Eigentlich wollten wir nur an einer Raststätte an der Autobahn halten, aber die war geschlossen. Wir hatten eine Dreiviertelstunde Aufenthalt in Dunbar, ein nettes Städtchen an der Küste, in dem es etwas windig war. Amelie und ich haben uns die Beine vertreten und haben uns dann einen Tee organisiert.



Wieder in Bus stieg die Spannung, der Reiseleiter war wieder eine Herausforderung, aber wir hatten Spaß und sangen auch bei den ABBA-Liedern mit. :-D Je näher wir Hog... Alnwick Castle kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Wir bekamen eine Karte des Schlossgeländes, die sehr liebevoll gezeichnet war. Außerdem verteilte der Reiseleiter Fotos aus den Harry Potter-Filmen und gab uns die Aufgabe, die entsprechende Ecke des Schlosses zu finden.

Wir kamen in Alnwick an und das Wetter war toll. Amelie und ich entschieden uns, nicht direkt das Schloss zu stürmen, sondern erst ein Foto (oder zwei) von der Lion Bridge aus zu machen. Von dieser Brücke hat man eine gute Sicht auf das Schloss. Sie heißt Lion Bridge, weil der Gryffindor-Löwe ein Löwe auf der Mitte der Brücke steht.


Dann gingen wir zum Schloss und ja, ich habe es definitiv als Hogwarts wiedererkannt. Das Alnwick Castle ist (nach Windsor) der zweitgrößte Adelssitz Englands und gehört der Familie Percy (Percy ist diesem Fall der Nachname; es ist also mitnichten so, dass Percy Weasley Karriere im Zaubereiministerium gemacht und ein Schloss gekauft hat), den Earls und Dukes of Northumberland. Bereits im 11. Jahrhundert wurde an dieser Stelle ein Schloss gebaut, das damals aber noch von einer anderen Familie bewohnt wurde und von dem man heute nichts mehr sieht, weil es im 13. und 14. Jahrhundert komplett umgebaut wurde. Auch im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Änderungen vorgenommen. Die ISUK fassen die Geschichte des Schlosses auf dem Itinerary folgendermaßen zusammen: "over 700 years of drama, intrigue, tragedy and romance". Das trifft es vielleicht besser ein als Abriss über den Rosenkrieg. ;-) Übrigens ist nicht nur Harry Potter im Alnwick Castle gedreht worden, sondern zum Beispiel auch der Robin Hood-Film mit Kevin Costner oder Elizabeth mit Cate Blanchett. Auch Downton Abbey hat mal einen Ausflug in das Schloss gemacht.
Wir betraten also Hogwarts und wandten uns zuerst einmal der Knight's Quest zu. An einer Statue von Sir Henry Percy vorbei gelangten wir ein einen Säulengang, der um einen Innenhof herum führte. Im Säulengang gab es verschiedene Aktivitäten, Gaukler, Alchimisten, Verkleidungen und einen Seifenstand. Unter der fachkundigen Aufsicht von den Professoren Snape und Sprout - oder vielmehr einem Mann und einer Frau in mittelalterlichen Gewändern - wählten wir vier Pflanzen aus, die die Grundlage unserer Seife bildeten. Ich hatte Rosenblätter, Lavendel, Kamille und Echten Eibisch, der auf Englisch im Volksmund Marshmallow genannt wird, weil die Süßigkeiten daraus bestehen, und den ich nur genommen habe, weil ich den Namen so lustig fand. Ich hätte noch Ringelblume, Minze und ein oder zwei andere Pflanzen wählen können. Wir zerkleinerten die Pflanzen in einem Mörser, was bei dem Wind gar nicht so einfach war. Die zerriebenen Blüten wurden dann mit Haferflocken vermischt und damit das Gemisch auch zusammenblieb, verkneteten wir es mit Pflanzenfett (im Mittelalter wurde Tierfett genommen, aber das wollte man den Kindern wohl nicht zumuten) und rollten kleine Kugeln. Die mussten noch ein paar Tage trocken, aber inzwischen könnte ich die Seife benutzen. Sie sieht eher aus wie Müslikugeln, aber riecht ganz anders. Auf dem Bild links sieht man Amelies Mischung.


Nachdem Amelie und ich uns die Hände gewaschen hatten, beschlossen wir, dass wir uns als nächstes als Prinzessinnen verkleiden wollten. Es gab viele schöne Kleider im Kleiderschrank und die beiden Frauen, die darauf aufpassten, halfen uns dabei, das passende auszuwählen. Auch wenn wir Kleider anhatten, waren wir Damsels ganz und gar nicht in distress und posierten mit den gefährlichen Drachen und den Kampfpuppen.



Die Drachen hatte uns dann auch Lust auf die Dragon Quest gemacht, ein kleines Gruselkabinett mit integrierter Geschichte über Kämpfe mit Drachen und einem Quiz für Kinder, bei dem wir schon nach der zweiten Frage wussten, dass das Lösungswort "Percy" sein musste. Trotzdem hatten wir viel Spaß in der Dragon Quest (es gab einen Gang mit rotierenden Totenköpfen und ein Spiegelkabinett inklusive einer Gollum-ähnlicher Figur).
Als wir auf der Knight's Quest kamen, liefen wir einer Hochzeitsgesellschaft (mit Dudelsackspielern!) über den Weg. Ja, in Hogwarts kann man heiraten, aber die Warteliste ist wohl sehr lang. Ich könnte mich jetzt schon mal eintragen... Wir liefen über die Grünflächen von Hogwarts und suchten nach den Teilen, die auf unseren Fotos zu sehen waren. Unterwegs kamen wir an der Besenflugstunde vorbei und beschlossen, die später auch zu besuchen. Außerdem gingen wir ins Fusiliers Museum, verließen das aber auch ganz schnell wieder und liefen in die Richtung der Gärten, weil uns ein sehr großes Baumhaus als Attraktion angepriesen wurde. Für die Gärten hätte man ziemlich viel Eintritt zahlen müssen und obwohl wir das Baumhaus schon beeindruckend fanden, war Hogwarts doch viel interessanter und wir gingen zurück zum Schloss. Dort entdeckten wir dann auch beide Filmkulissen von unseren Harry Potter Bildern. 




Ich wäre gerne noch in die State Rooms, also in die tatsächlichen Gebäude des Schlosses herein gegangen, aber dafür hatten wir keine Zeit mehr, denn wir wollten nicht zu spät zu unserer eigenen Flugstunde kommen. Zwei Mädchen kamen zu spät und wurden von dem strengen Fluglehrer zurecht gewiesen.
Der ganze Besuch in Hogwarts war ein einziges Highlight und ich fand viele der Aktionen richtig toll, deswegen ist es schwierig zu sagen, ob die Besenflugstunde tatsächlich der Höhepunkt des Tages war, aber ich hatte wirklich unheimlich viel Spaß und ich kam mir kein bisschen blöd dabei vor (Ja, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr mich für bescheuert erklären könnt).
Wir hatten zwei Lehrer, ich habe leider die Namen beider vergessen, aber der eine war ein ungarischer Weltmeister im Fliegen. Zu Beginn der Stunde mussten wir uns aufwärmen, d.h. das Ticket, mit dem die Teilnehmer beschränkt wurden, in der rechten Hand halten und diese am Handgelenk einklappen, die linke in die Seite stimmen und dann gleichzeitig mit dem Po, den Knien und den Augenbrauen wackeln. Die Lehrer wählten dann vier Leute (u.a. Amelie) aus, die uns die Aufwärmübung nochmal vormachen sollten. 
Dann wurden die Besen verteilt. Wir mussten in die Knie gehen, die Hände ausstrecken und den Besen auffangen. Um das zu demonstrieren, wurde eine Frau aus der Klasse ausgewählt (wir waren eine sehr heterogene Lerngruppe was das Alter angeht), die sich etwas ungeschickt anstellte und danach immer wieder von dem Lehrer aufgezogen wurde. Als alle einen Besen hatten, wurde uns gezeigt, wie wir den Besen besteigen sollten und uns gesagt, dass wir das auf eine angeberische Weise machen sollte. Dafür benutzte der Lehrer in Wort, das ich nicht kannte. Es war auch wohl ungewöhnlich, denn der Lehrer suchte ein williges Opfer, das ihm das Wort erklären sollte. Er fand mich. "Are your a student?" Ich musste mich neben ihn stellen und das Wort definieren. Joa, ich habe auf ganzer Linie versagt. Fünfzehn Punkte Abzug von Ravenclaw.
Endlich waren alle Formalitäten geklärt und wir durften fliegen (für die ohne Fantasie: über die Wiese laufen und "Wuuusch!" rufen). Wir mussten um die Lehrer herum fliegen und sollten "Good afternoon, Sir" sagen, wenn wir an einem von beiden vorbei kamen. Der nächste Schritt war eine Art Ochs am Berge. Wir flogen auf unseren Lehrer zu, wenn er "Go!" rief, und blieben bewegungslos stehen, wenn das Kommando "Stop!" lautete. Diejenigen, die noch wackelten, wenn der Professor uns ansah, mussten wieder zurück an den Anfang. Die Übung haben wir zweimal gemacht. Einmal mit akustischen und einmal mit visuellen Signalen. Im zweiten Durchgang gab es auch das Kommando wie ein Kaninchen zu hoppeln. 
Damit war die Flugstunde beendet und die Lehrer berieten, ob wir bestanden hatten. Wir hörten die Worte "horrible" und "fools", aber ich hatte doch ein ganz gutes Gefühl. Trotzdem war ich die Einzige, die bei der Ansage: "Nobody, not a single one of you has... failed!" gejubelt hat. Ehrlich gesagt, hatte ich schon damit gerechnet, dass zumindest die Frau, die der Lehrer zu Beginn auf dem Kieker hatte, nochmal in die Nachprüfung musste oder so. Und ich fand, dass so ein bestandener Flugschein schon ein Grund zum Jubeln ist. Die Freude meiner Klassenkameraden kam etwas verspätet. Vermutlich brauchten sie einen Moment, um ihr Glück zu fassen. Wir durften noch ein paar Fotos mit den Besen machen und bekamen ein paar Tipps, wir wie uns am besten beim Fliegen fotografieren können. 


Nach dem Fliegen hatten wir noch ein bisschen Zeit, um in den Gift Shop zu gehen, aber ich hätte gerne noch mehr Zeit gehabt. Wir hatten mit dreieinhalb Stunden ziemlich viel Zeit, aber es gab noch so viel mehr zu sehen. Ich wäre gerne noch ins Castle Museum gegangen und hätte gerne die Innenräume oder die Downton Ausstellung gesehen, aber wir wollten den Hogwarts-Express, der uns zurück nach Glasgow bringen würde, nicht verpassen. Die Zeit in Hogwarts geht immer so schnell vorbei.

Es ging aber nicht direkt zurück nach Glasgow, sondern wir fuhren noch zum Bamburgh Castle. Das Schloss war schon geschlossen, aber wir wurden durch die Dünen zu einem wirklich atemberaubenden Strand geführt. Ich weiß nicht, ob gerade Ebbe war, aber das Strand war sehr breit und erstreckte sich so lang wie das Auge reichte. Es war ziemlich windig, und der Sand wirbelte ein paar Zentimeter über den Boden. Ich war ein bisschen übermütig und bin mit nackten Füßen ins Wasser gegangen. Das war eisig, aber hey, ich war dieses Jahr schon im Meer! 

 


Mir hat der Strand sehr gut gefallen, aber ich wäre lieber noch etwas länger in Hogwarts geblieben. Nach Bamburgh ging es zurück nach Hause und dann wurde auch "500 Miles" abgespielt und mitgesungen. Mittlerweile kann ich es schon so gut wie auswendig. Vielleicht wäre es mal eine Idee, dass wir das Lied beim nächsten Mal ganz ohne Unterstützung von der CD singen.

Übrigens vielen Dank an Amelie, die ganz viele von den Fotos hier gemacht hat. Ich war von Hogwarts so geflasht, dass ich selber nicht so viele Fotos gemacht habe. Außerdem drehen Muggelgeräte in Hogwarts ja sowieso durch, weil so viel Magie in der Luft liegt...

Mittwoch, 18. März 2015

Oh wie schön ist Scottland

Der Frühling ist auf dem Weg und Amelie und ich haben Samstag einen Ausflug an die Südwestküste Schottlands gemacht. Als ich die Tour angekündigt gesehen habe, dachte ich mir "Schön, da war ich noch nie!" Nach dem Tag heute weiß ich auch, warum. :-D Nicht, dass es dort nicht schön wäre, aber angeblich ist für diese Region Schottlands "the spare bit" und irgendwie stimmt das schon. Wir haben viel mehr Schafe als Menschen gesehen. Die Schafe waren so schön puschelig und hoppelten über die Wiesen. Manche hatten schon Lämmer. Im nächsten Leben werden Amelie und ich definitiv Schafe in Schottland (oder wahlweise Irland).

Die Tour begann in Ayr, dem Geburtsort von Robert Burns (auch wenn der Stadtteil Alloway zu Burns' Zeit noch nicht zu Ayr gehörte). Als wir in dort ankamen, war alles ruhig, aber es war ja auch noch früh am Morgen. Amelie und ich gingen als erstes zum Strand. Kein Mensch da und auch das Meer war ohne jeden Wellengang. Schon fast unnatürlich diese Stille. Das Städtchen ist ganz nett. Im Stadtkern war auch ein bisschen mehr los als am Strand. 


Eigentlich wollten wir nach der Burns Statue suchen, die uns unser studentischer Reiseleiter empfohlen hatte, aber er hat uns den falschen Ort genannt. Nachdem wir uns drei Statuen, die definitiv nicht Burns waren, angesehen hatten, haben wir es aufgegeben und sind einfach so ein bisschen durch die Stadt gelaufen. Auf der Weiterfahrt sind wir an der Burns-Statue vorbei gekommen und haben auch das Burns Monument und das Cottage gesehen, in dem Burns geboren wurde. 
Außerdem kamen wir an mehreren "Wetterhähnen" vorbei, allerdings waren die Hähne Menschen, Pferde und Hexen. Als wir fast daran vorbei waren, fiel mir auf, dass mir das irgendwie bekannt vor kam... Die Wetterfahnen illustrieren Burns' Gedicht "Tam O'Shanter" (Mann betrinkt sich, beobachtet auf dem Weg nach Hause Hexen beim Tanz, wird von den Hexen verfolgt, kann ihnen entkommen, aber eine Hexe reißt seinem Pferd den Schweif ab). Es ist also doch einiges aus dem Schottland-Seminar an der Uni hängen geblieben. 
Ich hätte wohl auch Lust gehabt, mir das Cottage/ Burns Museum anzusehen, aber das war offenbar nicht vorgesehen, denn auf unserem Reiseplan wurde das Museum nicht erwähnt. Außerdem hatten wir nur eine Stunde Zeit und das hätte wohl nicht gereicht, weil wir da ja auch noch hätten hinlaufen müssen.

Es ging weiter zu unserem nächsten Ziel: Dunure Castle, eine Burgruine, in der zu besseren Zeiten Mary Queen of Scots übernachtet hat. Das Schild "Mary slept here" haben Amelie und ich leider übersehen. Wir waren zu sehr damit beschäftigt, die Sonne zu genießen. Das Dunure Castle hat Ähnlichkeiten mit dem Dunnottar Castle (Burgruine auf einer Klippe am Meer), aber glücklicherweise war das Wetter um Welten besser als im Januar und wir konnten schöne Fotos machen und in der Sonne sitzen.


Kein riesiger Bienenstock sondern ein Taubenschlag



Das Hauptziel des Ausflugs war Portpatrick. Ich hatte gedacht, dass Ayr klein war, aber Portpatrick war noch kleiner. Ein Hafen, ein paar pastellfarbene Häuser und eine Burgruine. Das war es dann auch schon mehr oder weniger. 
Amelie und ich haben mit Blick auf das Meer unser Mittagessen gegessen und haben dann das Dorf "erkundet". Wir sind erst die Klippen an der einen Seite entlang gegangen und sind dann umgekehrt, um uns das Dunskey Castle anzusehen ("dun" ist übrigens Gälisch und bedeutet "Burg"). Von außen sah die Burgruine etwas unspektakulär aus - but it's bigger on the inside. ;-) Viel kann ich eigentlich nicht schreiben, deswegen lade ich einfach ein paar Bilder hoch.







Nachdem Besuch des Castles hatten wir immer noch Zeit übrig, also haben wir ein Bier bzw. einen Tee getrunken und danach noch ein bisschen auf einer Bank am Hafen gesessen. Es ist eine ganz schöne Tradition, wie ich finde, dass Verstorbenen hier oft eine Bank gewidmet wird und diese an einem Ort aufgestellt wird, an dem die Person gerne war. Am Hafen standen bestimmt zehn Bänke in Andenken an John/ Mary/ Elizabeth/ William, der/ die immer gerne am Hafen gesessen/ gelesen/ viele glückliche Stunden dort verbracht hat. Ich finde, das ist eine schöne Erinnerung. Und es hat den positiven Nebeneffekt, dass es viele Bänke gibt.


Es war insgesamt ein schöner Ausflug. Allerdings muss ich den nächsten Natur-und-Burgruinen-Ausflug nicht mitmachen. Zwei Ausflüge dieser Art hinter einander reichen erst mal. Aber dafür freue ich mich um so mehr auf den Ausflug zum Alnwick Castle - das Schloss aus den ersten beiden Harry Potter Filmen!

Samstag, 31. Januar 2015

Die Wetterhexe dreht durch

Nachdem das Wetter in St Andrews durchaus reiseförderlich war, beschloss ich, dass Ausflügen im Januar ebenso wenig (oder genauso viel) entgegenzusetzen seien wie Ausflügen im November und entschied, auch am ISUK-Ausflug dieses Wochenende teilzunehmen. Amelie war dieses Mal auch wieder mit von der Partie. Also kaufte ich die Tickets und beschloss, dass wir gutes Wetter haben würden. Heute hatten wir dann alle vier Jahreszeiten und sämtliche Wetterlagen an einem Tag.
die Discovery

Wie üblich ging es um acht Uhr los. Nach 90 Minuten erreichten wir Dundee, die viertgrößte Stadt Schottlands, die aber eigentlich ziemlich winzig ist. Dundee liegt am Fluss Tay und dort passierte das Zugunglück auf der Eisenbahnbrücke, das Theodor Fontane zu seiner Ballade "Die Brück' am Tay" inspirierte (die habe ich ja schon mal im Post zum Highland Experience Day erwähnt). Außerdem wurde die RSS Discovery, mit der die erste offizielle britische Antarktisch-Expedition 1901 bis 1904 durchgeführt wurde, in Dundee gebaut und ist dort heute auch ausgestellt. Von dieser Expedition wurden Pinguin-Eier mitgebracht, weswegen die Stadt verrückt nach Pinguinen ist. 
Ich hatte schon verschiedene Fotos von den Pinguinen vor der Steeple Church gesehen und wollte auch unbedingt eins (oder mehrere) machen. Da sich aber die gesamte Reisegruppe zuerst zu den Pinguinen aufzumachen schien, beschlossen Amelie und ich, uns zuerst etwas Anderes anzusehen. Unser erstes Ziel waren die McManus Galleries, ein neogotisches Gebäude mit einer imposanten Treppe, auf der man sich sehr herrschaftlich fühlte. Natürlich konnten wir es nicht lassen, da Fotos zu machen. Danach gingen wir zum Tay und schauten uns das Schiff an.

McManus Galleries


Erst dann hatten wir bei den Pinguinen freie Bahn und haben eine ausführliche Fotosession gemacht. Wer kann es sich schon verkneifen, hinter einer Reihe Pinguine selbst einen von ihnen zu mimen? Richtig, niemand. Und nicht nur wir, sondern auch unsere plüschigen Reisebegleiter mussten posieren. Ein kleines Kind, vielleicht zwei Jahre, sah staunend zu, wie wir die Tierchen zwischen den Pinguinen drapierten. Aber es hat sich vorbildlich verhalten und die Kuscheltiere nicht angerührt.





Nach der Fotoaktion mussten wir auch schon wieder zurück in Richtung Bus und haben es dadurch nicht mehr zu der Eisenbahnbrücke geschafft. Unser Bus stand übrigens direkt am Capitol - ich wusste gar nicht, dass Panem in Schottland liegt. ;-)
Von Dundee aus fuhren wir zum Dunnottar Castle, eine Burgruine direkt an der Nordsee. Sie diente als Inspiration für die Burg in Merida. Amelie und ich stellten uns den Aufenthalt der Burg folgendermaßen vor: An den Klippen entlang spazieren, zum Strand, der auf dem Itinerary erwähnt wurde, herunter gehen, die atemberaubende Sicht auf Burg, Klippen und Nordsee genießen und ganz ganz viele tolle Fotos machen. Auf dem Weg zur Burg wurde uns aber schon mitgeteilt, dass sie wegen des Windes geschlossen sei. Nun ja, wir wollten ja nicht rein.

Als wir am Castle ankamen, sah das Wetter auch vielsprechend freundlich aus, aber kaum hatten wir den Bus verlassen, merkten wir, wie stark der Wind wehte. Ich richtete meine Kleidung windfest (Kapuze meiner Sweatshirtjacke auf, Mütze drüber und auch der Schal außen um die Kapuze herum), merkte aber, dass meine Stulpen, die meine Hände und Finger in Deutschland immer herrlich warm halten, nicht viel nutzten, weil der Wind trotzdem einen Weg zu meinen Fingern fand. Das war aber mein geringstes Problem. Der Wind war so kräftig, dass wir fast fürchteten, umgeweht oder direkt von der Klippe gefegt zu werden. 



 



Aber abgesehen vom Wind war das Wetter in Ordnung und so gingen wie die Stufen Richtung Burg herunter. Die Burg steht auf einer Klippe, aber um zu ihr zu gelangen, muss man erst einen Hügel herunter gehen, bevor man wieder zu Burg hinaufsteigen kann. Wir wollten aber nicht zur Burg (die ja eh geschlossen war), sondern zur der kleinen Buch unterhalb. Das letzte Stück des Weges führte einen schlammigen, teilweise begrasten Abhang herunter, den Amelie und ich geradezu graziös bewältigten - besonders im Vergleich zu einigen anderen Mädels, die ein bisschen alltagsunfähig wirkten (Nein, man rutscht nicht auf dem schlammigsten Teil des Wegs herunter, nur weil der in der Mitte ist...). An Steinstrand beobachteten wir fasziniert die Wellen, die gegen die Klippen und Felsen schlugen und guckten ungläubig dabei zu, wie zwei Jungs aus unserer Gruppe in die eiskalte Nordsee sprangen.

Als wir den Abhang und die Stufen wieder hoch kletterten, begann es zu regnen. Und dann kamen noch ein paar Schneeflocken oder winzige Hagelkörner dazu. Amelie entschied sich, zurück zum Bus zu gehen, aber ich wollte mir das Castle unbedingt noch aus einer anderen Perspektive ansehen. Trotz des ungemütlichen Wetter ging ich also auf die andere Seite und ließ mir Regen, Schnee und Hagel um die Ohren pfeifen.
Irgendwann wurde das aber auch mir zu viel und ich ging zurück zum Bus. Natürlich wurde es in dem Moment weniger und hörte kurze Zeit später ganz auf. Die Sonne kam raus und Amelie konnte sogar ein Foto machen, ohne dass sie zum Eiszapfen gefror, weil sie ihre Jacke nicht an hatte. Aber kaum saßen wir wieder im Bus, schlug das Wetter wieder um. Verrückt.




Für die Geschichtsfans ein paar Worte zur Burg: Die meisten der heute vorhandenen Gebäude stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, aber es stand schon viel früher eine Festung an diesem Ort. Während des Civil War im 17. Jahrhundert wurden dort die Kronjuwelen vor Oliver Cromwell versteckt. Und während der Jacobite risings war die Burg ein strategisch wichtiger Punkt. 
Im Sturm - das Weiße ist nicht der Geist ;-)
Nach dem 18. Jahrhundert verfiel die Burg allerdings, weil der damalige Earl Marischal auf der Seite der Jacobiter gekämpft und deswegen seine Titel verloren hatte.
Wie in jedem vernünftigen Schloss gibt es auch hier einen Geist. Die "grüne Lady" soll die Burg nach ihren verlorenen Kindern absuchen.
Wir hatten sehr viel Zeit für das Dunnottar Castle, von der wir am Ende einen großen Teil im Bus verbracht haben und auf die letzten gewartet haben, die dem Wetter trotzten. 




Um zehn vor zwei kamen wir in Aberdeen an und hatten knapp zwei Stunden für die Stadt. Zuerst war es kalt und windig, aber immerhin trocken. Amelie und ich gingen zum Strand. Wieder ein toller Anblick, wie die Wellen auf den Strand rollten und die Gischt spritzte.


Auf dem Weg in die Innenstadt fing es an zu regnen. Also gingen wir zuerst etwas essen und haben uns dann die Stadt im Regen angesehen.
Aberdeen wird auch "Granite City" (oder "Silver City") genannt, weil die Häuser der Innenstadt alle grau sind. Wenn das Capitol sich in in Dundee befindet, ist Aberdeen also definitiv District 2. ;-) "Silver City" ist aber auf jeden Fall ein Euphemismus. Ich fand die Stadt irgendwie trostlos und monoton. Vielleicht lag es am Wetter oder daran, dass wir wegen des Mittagessens nicht besonders viel Zeit hatten, irgendetwas zu sehen. Allerdings waren Amelie und ich auch in der Touristeninformation und haben nach Postkarten geguckt. Ich habe keine gefunden, die mir gefallen hat. Amelie hat eine gekauft. Irgendwie merkt man, dass Aberdeen eine Industriestadt ist, auch wenn die Gebäude nicht unbedingt modern sind. Im April werde ich Marit auf den Orkneys besuchen und dafür die Fähre von Aberdeen aus nehmen. Vielleicht macht die Stadt dann ja einen besseren Eindruck auf mich.






Aberdeen ist eine reiche Stadt, weil hier die Ölfirmen angesiedelt sind (es ist die Stadt mit der geringsten Arbeitslosenquote im UK). Vom Hafen aus hätten wir wohl die Ölplattformen sehen können, aber so weit sind wir gar nicht gekommen.
Komplett durchgefroren und pudelnass ging es um zwanzig vor fünf zurück nach Glasgow. Nein, es war nicht so schlimm wie die Tour nach Oban und zur Isle of Seil. Aber heute vermisse ich schmerzliche eine Badewanne.