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Samstag, 23. Mai 2015

Dumbarton Castle

Als ich vor meinem Ausflug nach Inverness im Lehrerzimmer erzählte, dass ich zum Urquhart Castle wolle, fragte Laura mich, warum gerade Urquhart Castle. Irgendwie hat mich diese Frage verwirrt, weil ich davon ausgegangen war, dass das ein recht beliebtes Touristenziel ist. Schließlich liegt es am Loch Ness und was dieses Loch betrifft, flippen ja alle Touristen total aus und auch wenn ich hier lebe und arbeite, klappere ich ja schon auch die Touristenorte ab. Auf das Dumbarton Castle bezogen hätte ich diese Reaktion noch verstanden (viel kleiner) - obwohl das auch sehr schön ist.
Als ich nach Helensburgh gefahren bin, kam ich durch Dumbarton East und las auf dem Schild "Alight here for Dumbarton Castle". Ich dachte mir spontan, dass ich mir das doch auch mal ansehen sollte und bin Dienstag nach der Schule hingefahren. Es war nur eine semi-gute Idee, weil ich ziemlich hetzen musste und als ich am Castle ankam, war ich eigentlich schon zu spät dran. Ich hatte zwar im Internet die Öffnungszeiten nachgeguckt, aber Historic Scotland (oder die Mitarbeiter auf der Burg) hatten spontan beschlossen, doch schon um fünf und nicht erst um halb sechs zuzumachen, ohne das auf der Website zu vermerken. Ich war um viertel vor fünf da und mir wurde gnädigerweise eine halbe Stunde zur Besichtigung eingeräumt. 
Der erste Schock kam allerdings schon lange, bevor ich an der Burg ankam. Nämlich, als ich in die Straße einbog und Folgendes sah:
Oh, verdammt, würde ich den ganzen Berg hoch müssen?
Ich musste den ganzen Berg hoch, aber es ging erstaunlich gut, weil da Treppen waren. Die Aussicht war toll und die Burg fand ich auch super. Das Tor hat mich sehr an Ronja Räubertochter erinnert. Ich wäre gerne noch ein bisschen da geblieben, aber ich hatte ja nur 30 Minuten Zeit.

Die Wolfsklamm mit Stufen ;-)





Donnerstag, 21. Mai 2015

Abschied von den Highlands

Letzten Freitag war ich nochmal auf eigene Faust in Inverness und bin diesmal über Nacht bis Samstag geblieben. Als ich Samstagabend zurückfuhr, fiel mir auf, dass das die letzte Fahrt durch die Highlands während meiner Assistentenzeit sein würde und wurde etwas melancholisch. Glücklicherweise habe ich die zwei Tage in Inverness gut genutzt.
Am Freitag bin ich zuerst ein bisschen durch die Stadt geschlendert und habe zu meiner großen Begeisterung wieder einen Einhorn-Pfeiler entdeckt. Ich glaube, viel mehr als eine allgemeine Liebe zu Einhörnern, ist es einfach die Tatsache, dass das Einhorn das schottische Wappentier ist, die mich immer wieder ausflippen lässt, wenn ich ein Einhorn sehe.
Ich bin auch zum Castle gegangen, aber da sind irgendwelche Büro-Räume und das Gericht drin, deswegen habe ich es gar nicht erst versucht hineinzugehen. Vor dem Castle steht auch eine Statue von Flora MacDonald. Als die Jacobiter 1746 die Schlacht von Culloden nahe Inverness verloren, half Flora MacDonald Bonnie Prince Charlie zur Flucht. Ich hätte mir das Schlachtfeld von Culloden (auch eine wichtige Schlacht in der schottischen Geschichte) ansehen können, allerdings hätte ich dafür wohl am besten ein Auto gebraucht und dachte mir, dass das den Aufwand nicht wert sei.
Danach war im Inverness Musuem and Art Gallery und habe wieder viel Spaß mit den Kinder-Aktivitäten gehabt. Piktische Muster zeichnen, einen Mantel in der Mode des 14. Jahrhunderts anprobieren... Sowas eben. Im Erdgeschoss des Museums ging es vor allem um die frühe und mittelalterliche Geschichte Schottlands und das schottische Wildlife. 
Man durfte ausgestopfte Füchse, Dachse und andere Tiere anfassen. Das habe ich dann aber doch nicht gemacht. Ein bisschen irritierend fand ich auch, dass in den Glaskästen, die den Lebensraum der Tiere darstellten, auch Müll lag. Eine Getränkedose, kleine Plastikteile usw. Ich weiß nicht, ob das auf die Umweltverschmutzung aufmerksam machen sollte oder ob Museumsbesucher es geschafft haben, Müll in die Kästen zu werfen.
In der zweiten Etage habe ich gelernt, dass es ein Tree Alphabet gibt. Ich weiß nicht, wofür das nützlich ist, aber der Baum, der zum Buchstaben R gehört, ist Holunder (Elder im Englischen - ich frage mich, warum im siebten Harry Potter-Buch immer von Elder-Stab gesprochen wird, wenn es doch eigentlich Holunder sein sollte). Auf dem Schild wurde extra erwähnt, dass Holunder häufig mit Magie verbunden wird. Passt also.
Der Kunstteil des Museums beschäftigte sich mit Kurzfilmen, die ich übersprungen habe. Stattdessen bin ich direkt in die Abteilung gegangen, die sich mit Leben und Identität in den Highlands beschäftigte. Es wurden einige Gegenstände aus dem Alltag in Inverness zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert ausgestellt. Außerdem gab es Tafeln, die sich mit Liedern, Legenden und Traditionen beschäftigten und zu dem Schluss kamen, den ich schon aus der Uni kannte: Viele Traditionen sind invented traditions und gar nicht so alt wie wir denken.
Als ich aus dem Museum kam, regnete es so stark, dass ich mich entschied, wieder in den schönen Secondhand-Buchladen zu gehen, in dem ich schon bei meinem ersten Besuch in Inverness war. Ich habe den Laden mit drei Büchern wieder verlassen.
Danach habe ich im Hostel eingecheckt. Leider hatten die Leute vor mir ihren Schlüssel nicht abgegeben, deswegen bekam ich keinen. Zum Glück war abends eine andere Frau an der Rezeption, die mir den Schlüssel der Putzfrauen gab, sonst wäre das sehr blöd geworden. Ich habe mich kurz ausgeruht und mich dann wieder auf den Weg gemacht (so einladend war das Zimmer nicht).
Ich bin am Fluss Ness spazieren gegangen, bis anfing zu regnen und ich zurück ins Hostel gegangen bin. Es war noch früh, aber ich war schon müde und fand es ganz nett, alleine im Zimmer zu sein. Ich habe gelesen und ziemlich früh (für meine Verhältnisse) geschlafen. Die Ankunft der zwei Tamilen, die mit mir im Zimmer waren habe ich noch mit bekommen, aber den vierten Zimmermitbewohner habe ich erst am nächsten Morgen kennengelernt.

Der nächste Morgen begann auch viel zu früh. Um Viertel nach fünf wurde ich zum ersten Mal wach, weil jemand aufstand, seine Sachen packte und ging. Eine Weile später wurde gequatscht und jemand versuchte, das Schließfach im Raum zu nutzen. Und um acht sagte der vierte Mann, ein ca. 50-jähriger Alt-Hippie, zu mir: "Are you STILL sleeping?" Ich war kurz davor zu antworten: "It is f*cking eight o'clock on a f*cking Saturday morning. What do you think I'm doing?!" Ich habe mich damit begnügt, ihn darüber zu informieren, dass ich mittlerweile wach sei und die Rezeption und Küche doch eh erst um acht aufmachten. Er sagte, es gäbe aber auch schon im Gemeinschaftsraum Kaffee, und erzählte mir von seiner Thailand-Reise, bei der er immer umsonst im Tempel gegessen habe. Ich tat so, als hörte ich zu und war sehr froh, als er den Raum auf der Suche nach Kaffee verließ. Ich beschloss, nicht im Hostel zu frühstücken und setzte mich in ein Café. Durch das Fenster konnte ich Inverness erwachen sehen. Es ist ja nicht so, dass dort derartig der Bär steppen würde, dass man unbedingt morgens um sechs aus dem Bett springen muss...
Ich bin wieder ein bisschen durch die Stadt gewandert, habe mir den Victorian Market (eine schöne Markthalle aus dem 19. Jahrhundert) und die Kathedrale angesehen und dann mit dem Bus zum Urquhart Castle gefahren. 
Als ich ganz neu in Glasgow war, meinte meine deutsche Mitbewohnerin (mit der ich nur zwei Wochen zusammen gewohnt habe), bis zum Ende meine Assistentenzeit würde ich so oft zum Urquhart Castle fahren, dass es mir irgendwann zum Hals raushinge. Nun ja, ich war jetzt zum ersten Mal. Es ist eine Burgruine direkt am Loch Ness. Schon zum St Columbas Zeiten (6. Jahrhundert) hat ein Pikten-Oberhaupt an dieser Stelle gewohnt und wurde auf dem Sterbebett von St Columba zum Christentum konvertiert (laut der Legende). Im Mittelalter war die Stelle am Ufer des Lochs ein strategisch wichtiger Punkt. Es wurde eine Burg gebaut, die durch verschiedene Hände gegangen ist; nach der Schlacht von Culloden gehörte sie auch zwischendurch den Engländern. Im 16. Jahrhundert hat der MacDonald Clan bei einem Raubzug das Schloss komplett leer geräumt (als ich das gelesen habe, erinnerte ich mich, dass uns im Schottlandseminar erzählt wurde, dass die Clans sich gerne gegenseitig die Rinder geklaut haben). 1690 wurde das Castle aufgegeben und in die Luft gejagt, damit die Jacobiter nicht einziehen konnten.
Samstag war wieder so ein four-seasons-in-one-day-Tag. Innerhalb der zwei Stunden, in denen ich da war, haben Regen und Sonne sich sicher dreimal abgewechselt. Aber dafür habe ich sowohl Fotos vom Loch Ness in der Sonne als auch im Dunst machen können. Und weiterhin habe ich kein Anzeichen von Nessie gesehen...




Ich bin nach Inverness zurückgefahren und hatte eigentlich zu viel Zeit übrig. Um die Zeit zu nutzen, bin ich noch einmal durch die Stadt gebummelt, habe dann aber entschieden, mich einfach in den Busbahnhof zu setzen und zu lesen.


Montag, 13. April 2015

Norwegische Verstrickungen (Orkney Tag 1)

Den ersten Tag auf Orkney habe ich in Kirkwall, dem größten Ort der Inseln (ca. 9000 Einwohner) zu verbracht. Aufgrund von Marits Schilderungen hatte ich ihn mir kleiner vorgestellt, als er eigentlich ist, aber gleichzeitig gefürchtet, ich würde mich verlaufen. Na ja, es gibt tatsächlich eine Touristeninformation in Kirkwall und dort konnte man mir zwar keine Postkarten verkaufen, weil die Kasse gestört war, aber doch zumindest einen kostenlosen Stadtplan von Kirkwall und Stromness geben und mir einen Termin für die Besichtigung von Maeshowe organisieren.
Auch ohne Stadtplan hätte ich die St Magnus Cathedral problemlos gefunden. Ich binr schon auf dem Weg zur Touristeninformation an ihr vorbei gelaufen. Es gab eine ganz gute Broschüre, die einen durch die Kathedrale geführt hat. Die ältesten Teile sind aus dem 12., die neusten aus dem 15./16. Jahrhundert (wenn man vom Toilettenanbau aus dem 20. Jh. absieht). St Magnus ist ein norwegischer Heiliger, der von seinem Bruder getötet wurde. Die Kathedrale wurde von seinem Neffen St Rognvald gegründet und Knochen bei der beiden Heiligen befinden sich in der Kirche. 

 
















Ich fand, dass die Kathedrale definitiv Charme hat. Vermutlich wird sie keinen Preis für die eleganteste Kathedrale gewinnen, aber mir hat sie gefallen und es gab auch einige Sachen, die mir ins Auge gefallen sind. Hinter dem Chor befindet sich eine Kapelle mit einem Holzaltar, auf dem ein kleines Wikingerschiff steht. An einer anderen Stelle der Kirche entdeckte ich einen Mann mit Flügelhelm. Außerdem gibt es Haken an den  vier mittleren Säulen, an denen Oliver Cromwell und seine Soldaten ihre Pferde angebunden haben sollen, als sie in Kirkwall waren.

Altar mit Wikingerschiff
Von der Kathedrale aus bin ich zu den Earl's and Bishop's Palaces gegangen - die direkt daneben liegen. Da ich Mitglied bei Historic Scotland bin, konnte ich dort umsonst rein. Die Frau an der Kasse war sehr freundlich und wies mich darauf hin, dass ich nicht aus Versehen in das Gerichtsgebäude gehen solle, weil dort Leute arbeiteten und es nur für "bad boys" sei. Wo die Eingangstür ist, hat sie mir aber nicht gesagt und ich bin erstmal daran vorbei gelaufen. Vermutlich hätte ich ihn schneller gefunden, wenn ich auf den Plan im Guidebook geguckt hätte. Der Palast wurde von Earl Patrick Stewart gebaut. Sein Vater war ein außerehelicher Bruder von Mary Queen of Scots. Beide, Vater und Sohn, waren nicht sonderlich beliebt und ziemlich tyrannisch. Earl Patrick Stewart wurde letztendlich auch wegen Verrat hingerichtet. Vorher aber (ab 1607) hat er sich einen kleinen Palast in Kirwall gebaut; vier Privaträume, einen Saal, ein Zimmer für seinen Stewart, ein Gästezimmer, das als "Doctor's Chamber" bezeichnet wurde. Allerdings wusste niemand genau, wer dieser Doctor war... Wenn das nicht mal eine Steilvorlage für Doctor Who ist. :-D
Earl's Palace
Irgendwann wurde dem Earl der Palast zu klein und er hat noch den Bishop's Palace nebenan annektiert (der war durch die Reformation sowieso schon im Besitz der Familie). Nach seinem Tod ging das Ganze zurück an die Kirche. Heute führt eine Straße zwischen den beiden Palästen hindurch und keiner von beiden hat ein Dach. Auf den Schildern im Earl's Palace stand, dass die Decke früher kunstvoll mit biblischen Motiven bemalt war. Diese Dekoration wurde als bemerkenswert bezeichnet, da die Hinrichtung Patrick Stewarts angeblich verschoben wurde, damit dieser noch Zeit hatte, das Vater Unser zu lernen. Anscheinend fand er die Geschichten wohl spannender als den Rest der Religion.
Der Bishops's Palace wurde im 12. Jahrhundert gebaut und passte damals architektonisch zur Kathedrale. Dreihundert Jahre später ließ der damalige Bischof den Palast renovieren und teilweise neu bauen. König Hakon IV von Norwegen starb 1263 im Bishop's Palace und auch die Leiche der Maid of Norway (Margaret, die siebenjährige Enkelin des schottischen Königs Alexander III. und Prinzessin von Norwegen) wurde dort aufgebahrt. Im Vergleich zum Earl's Palace ist der Bishop's Palace etwas langweilig, aber es gibt einen Turm, von dem man eine gute Sicht über die Stadt hat.

Zum Mittagessen war ich bei Marit. Sie konnte in der Mittagspause nach Hause gehen und hatte noch Suppe im Kühlfach. Danach wollte ich ins Orkney Museum, bin aber mitten in der Mittagszeit da angekommen und habe vorher noch einen Abstecher zum Hafen gemacht. Das Museum widmet sich der Geschichte Orkneys - von der Steinzeit bis heute. Es gab auch tolle Mitmachaktionen für Kinder, auf die ich mich gestürzt habe. Ich habe mich als Archäologin versucht und eine Tasse zusammengeklebt, pitkische Muster mit Wachsmalern von einer Platte auf Papier gerubbelt und meinen Namen in Runen geschrieben. Bei den piktischen Mustern habe ich so viel Papier verbraucht, dass ich fast schon ein schlechtes Gewissen hatte - schließlich war ich nicht die Zielgruppe. Also habe ich etwas in die Spendenbox getan, die die Aufschrift "We cannot promose you a short-cut to heaven but your donation will help keep the museum out of purgatory" trug und - natürlich - in der Mittelalterabteilung stand.
Unter anderem habe ich im Museum gelernt, dass
  • es Igel seit gut 10 mio Jahren gibt und sie damit eine der ältesten Säugetierarten sind
  • Kirkwall ab 1154 zum Erzbistum Trondheim gehörte
  • die Pikten bunte Farben und Designs liebten und Brettspiele mit Vertiefungen hatten, um im Dunkeln oder auf Schiffen spielen zu können
  • Orkney und Shetland 1471 an Schottland annektiert wurden, nachdem Norwegen und Dänemark unter einer Krone vereinigt worden waren
  • "Up to the 15th century some better-off may have imported prefabricated wooden houses from Norway" (meine liebste Erkenntnis) IKEA lässt grüßen! :-D

Donnerstag, 2. April 2015

Hogwarts, Hogwarts, Hoggy Warty Hogwarts

Eigentlich müsste ich meinen Blog jetzt umbenennen, denn am Samstag war es Hogwarts. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich war in Hogwarts, habe das Schloss erkundet, mich in lange Roben geworfen, mit magischen Kräutern hantiert und fliegen gelernt. Ein durch und durch magischer Tag und ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

So und jetzt nochmal ausführlich: Am Samstag stand wieder eine ISUK-Tour auf dem Programm, diesmal ging es ins Alnwick Castle (wird übrigens Ahnick ausgesprochen), in dem Teile der ersten beiden Harry Potter-Filme gedreht wurden, so wie zum Bamburgh Castle. Beide liegen in Northumberland, England. Die Tour zum Alnwick Castle war schon einmal angeboten worden, aber an dem Wochenende konnte ich nicht und wartete nur darauf, dass es wieder die Gelegenheit gab, dahin zu fahren. Ende März waren die Chancen auf gutes Wetter auch recht groß. Keine Frage also, dass Amelie und ich dahin fahren würden. Hatte ich schon erwähnt, dass es nach Hogwarts ging?
Viertel vor acht an der Uni, um acht Uhr ging es los, das kennen wir ja mittlerweile schon. Ein bisschen schlafen im Bus, weil wir am Abend vorher mit unseren Kolleginnen essen waren, eine Kaffeepause nach etwa eineinhalb Stunden in Dunbar. Eigentlich wollten wir nur an einer Raststätte an der Autobahn halten, aber die war geschlossen. Wir hatten eine Dreiviertelstunde Aufenthalt in Dunbar, ein nettes Städtchen an der Küste, in dem es etwas windig war. Amelie und ich haben uns die Beine vertreten und haben uns dann einen Tee organisiert.



Wieder in Bus stieg die Spannung, der Reiseleiter war wieder eine Herausforderung, aber wir hatten Spaß und sangen auch bei den ABBA-Liedern mit. :-D Je näher wir Hog... Alnwick Castle kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Wir bekamen eine Karte des Schlossgeländes, die sehr liebevoll gezeichnet war. Außerdem verteilte der Reiseleiter Fotos aus den Harry Potter-Filmen und gab uns die Aufgabe, die entsprechende Ecke des Schlosses zu finden.

Wir kamen in Alnwick an und das Wetter war toll. Amelie und ich entschieden uns, nicht direkt das Schloss zu stürmen, sondern erst ein Foto (oder zwei) von der Lion Bridge aus zu machen. Von dieser Brücke hat man eine gute Sicht auf das Schloss. Sie heißt Lion Bridge, weil der Gryffindor-Löwe ein Löwe auf der Mitte der Brücke steht.


Dann gingen wir zum Schloss und ja, ich habe es definitiv als Hogwarts wiedererkannt. Das Alnwick Castle ist (nach Windsor) der zweitgrößte Adelssitz Englands und gehört der Familie Percy (Percy ist diesem Fall der Nachname; es ist also mitnichten so, dass Percy Weasley Karriere im Zaubereiministerium gemacht und ein Schloss gekauft hat), den Earls und Dukes of Northumberland. Bereits im 11. Jahrhundert wurde an dieser Stelle ein Schloss gebaut, das damals aber noch von einer anderen Familie bewohnt wurde und von dem man heute nichts mehr sieht, weil es im 13. und 14. Jahrhundert komplett umgebaut wurde. Auch im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Änderungen vorgenommen. Die ISUK fassen die Geschichte des Schlosses auf dem Itinerary folgendermaßen zusammen: "over 700 years of drama, intrigue, tragedy and romance". Das trifft es vielleicht besser ein als Abriss über den Rosenkrieg. ;-) Übrigens ist nicht nur Harry Potter im Alnwick Castle gedreht worden, sondern zum Beispiel auch der Robin Hood-Film mit Kevin Costner oder Elizabeth mit Cate Blanchett. Auch Downton Abbey hat mal einen Ausflug in das Schloss gemacht.
Wir betraten also Hogwarts und wandten uns zuerst einmal der Knight's Quest zu. An einer Statue von Sir Henry Percy vorbei gelangten wir ein einen Säulengang, der um einen Innenhof herum führte. Im Säulengang gab es verschiedene Aktivitäten, Gaukler, Alchimisten, Verkleidungen und einen Seifenstand. Unter der fachkundigen Aufsicht von den Professoren Snape und Sprout - oder vielmehr einem Mann und einer Frau in mittelalterlichen Gewändern - wählten wir vier Pflanzen aus, die die Grundlage unserer Seife bildeten. Ich hatte Rosenblätter, Lavendel, Kamille und Echten Eibisch, der auf Englisch im Volksmund Marshmallow genannt wird, weil die Süßigkeiten daraus bestehen, und den ich nur genommen habe, weil ich den Namen so lustig fand. Ich hätte noch Ringelblume, Minze und ein oder zwei andere Pflanzen wählen können. Wir zerkleinerten die Pflanzen in einem Mörser, was bei dem Wind gar nicht so einfach war. Die zerriebenen Blüten wurden dann mit Haferflocken vermischt und damit das Gemisch auch zusammenblieb, verkneteten wir es mit Pflanzenfett (im Mittelalter wurde Tierfett genommen, aber das wollte man den Kindern wohl nicht zumuten) und rollten kleine Kugeln. Die mussten noch ein paar Tage trocken, aber inzwischen könnte ich die Seife benutzen. Sie sieht eher aus wie Müslikugeln, aber riecht ganz anders. Auf dem Bild links sieht man Amelies Mischung.


Nachdem Amelie und ich uns die Hände gewaschen hatten, beschlossen wir, dass wir uns als nächstes als Prinzessinnen verkleiden wollten. Es gab viele schöne Kleider im Kleiderschrank und die beiden Frauen, die darauf aufpassten, halfen uns dabei, das passende auszuwählen. Auch wenn wir Kleider anhatten, waren wir Damsels ganz und gar nicht in distress und posierten mit den gefährlichen Drachen und den Kampfpuppen.



Die Drachen hatte uns dann auch Lust auf die Dragon Quest gemacht, ein kleines Gruselkabinett mit integrierter Geschichte über Kämpfe mit Drachen und einem Quiz für Kinder, bei dem wir schon nach der zweiten Frage wussten, dass das Lösungswort "Percy" sein musste. Trotzdem hatten wir viel Spaß in der Dragon Quest (es gab einen Gang mit rotierenden Totenköpfen und ein Spiegelkabinett inklusive einer Gollum-ähnlicher Figur).
Als wir auf der Knight's Quest kamen, liefen wir einer Hochzeitsgesellschaft (mit Dudelsackspielern!) über den Weg. Ja, in Hogwarts kann man heiraten, aber die Warteliste ist wohl sehr lang. Ich könnte mich jetzt schon mal eintragen... Wir liefen über die Grünflächen von Hogwarts und suchten nach den Teilen, die auf unseren Fotos zu sehen waren. Unterwegs kamen wir an der Besenflugstunde vorbei und beschlossen, die später auch zu besuchen. Außerdem gingen wir ins Fusiliers Museum, verließen das aber auch ganz schnell wieder und liefen in die Richtung der Gärten, weil uns ein sehr großes Baumhaus als Attraktion angepriesen wurde. Für die Gärten hätte man ziemlich viel Eintritt zahlen müssen und obwohl wir das Baumhaus schon beeindruckend fanden, war Hogwarts doch viel interessanter und wir gingen zurück zum Schloss. Dort entdeckten wir dann auch beide Filmkulissen von unseren Harry Potter Bildern. 




Ich wäre gerne noch in die State Rooms, also in die tatsächlichen Gebäude des Schlosses herein gegangen, aber dafür hatten wir keine Zeit mehr, denn wir wollten nicht zu spät zu unserer eigenen Flugstunde kommen. Zwei Mädchen kamen zu spät und wurden von dem strengen Fluglehrer zurecht gewiesen.
Der ganze Besuch in Hogwarts war ein einziges Highlight und ich fand viele der Aktionen richtig toll, deswegen ist es schwierig zu sagen, ob die Besenflugstunde tatsächlich der Höhepunkt des Tages war, aber ich hatte wirklich unheimlich viel Spaß und ich kam mir kein bisschen blöd dabei vor (Ja, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr mich für bescheuert erklären könnt).
Wir hatten zwei Lehrer, ich habe leider die Namen beider vergessen, aber der eine war ein ungarischer Weltmeister im Fliegen. Zu Beginn der Stunde mussten wir uns aufwärmen, d.h. das Ticket, mit dem die Teilnehmer beschränkt wurden, in der rechten Hand halten und diese am Handgelenk einklappen, die linke in die Seite stimmen und dann gleichzeitig mit dem Po, den Knien und den Augenbrauen wackeln. Die Lehrer wählten dann vier Leute (u.a. Amelie) aus, die uns die Aufwärmübung nochmal vormachen sollten. 
Dann wurden die Besen verteilt. Wir mussten in die Knie gehen, die Hände ausstrecken und den Besen auffangen. Um das zu demonstrieren, wurde eine Frau aus der Klasse ausgewählt (wir waren eine sehr heterogene Lerngruppe was das Alter angeht), die sich etwas ungeschickt anstellte und danach immer wieder von dem Lehrer aufgezogen wurde. Als alle einen Besen hatten, wurde uns gezeigt, wie wir den Besen besteigen sollten und uns gesagt, dass wir das auf eine angeberische Weise machen sollte. Dafür benutzte der Lehrer in Wort, das ich nicht kannte. Es war auch wohl ungewöhnlich, denn der Lehrer suchte ein williges Opfer, das ihm das Wort erklären sollte. Er fand mich. "Are your a student?" Ich musste mich neben ihn stellen und das Wort definieren. Joa, ich habe auf ganzer Linie versagt. Fünfzehn Punkte Abzug von Ravenclaw.
Endlich waren alle Formalitäten geklärt und wir durften fliegen (für die ohne Fantasie: über die Wiese laufen und "Wuuusch!" rufen). Wir mussten um die Lehrer herum fliegen und sollten "Good afternoon, Sir" sagen, wenn wir an einem von beiden vorbei kamen. Der nächste Schritt war eine Art Ochs am Berge. Wir flogen auf unseren Lehrer zu, wenn er "Go!" rief, und blieben bewegungslos stehen, wenn das Kommando "Stop!" lautete. Diejenigen, die noch wackelten, wenn der Professor uns ansah, mussten wieder zurück an den Anfang. Die Übung haben wir zweimal gemacht. Einmal mit akustischen und einmal mit visuellen Signalen. Im zweiten Durchgang gab es auch das Kommando wie ein Kaninchen zu hoppeln. 
Damit war die Flugstunde beendet und die Lehrer berieten, ob wir bestanden hatten. Wir hörten die Worte "horrible" und "fools", aber ich hatte doch ein ganz gutes Gefühl. Trotzdem war ich die Einzige, die bei der Ansage: "Nobody, not a single one of you has... failed!" gejubelt hat. Ehrlich gesagt, hatte ich schon damit gerechnet, dass zumindest die Frau, die der Lehrer zu Beginn auf dem Kieker hatte, nochmal in die Nachprüfung musste oder so. Und ich fand, dass so ein bestandener Flugschein schon ein Grund zum Jubeln ist. Die Freude meiner Klassenkameraden kam etwas verspätet. Vermutlich brauchten sie einen Moment, um ihr Glück zu fassen. Wir durften noch ein paar Fotos mit den Besen machen und bekamen ein paar Tipps, wir wie uns am besten beim Fliegen fotografieren können. 


Nach dem Fliegen hatten wir noch ein bisschen Zeit, um in den Gift Shop zu gehen, aber ich hätte gerne noch mehr Zeit gehabt. Wir hatten mit dreieinhalb Stunden ziemlich viel Zeit, aber es gab noch so viel mehr zu sehen. Ich wäre gerne noch ins Castle Museum gegangen und hätte gerne die Innenräume oder die Downton Ausstellung gesehen, aber wir wollten den Hogwarts-Express, der uns zurück nach Glasgow bringen würde, nicht verpassen. Die Zeit in Hogwarts geht immer so schnell vorbei.

Es ging aber nicht direkt zurück nach Glasgow, sondern wir fuhren noch zum Bamburgh Castle. Das Schloss war schon geschlossen, aber wir wurden durch die Dünen zu einem wirklich atemberaubenden Strand geführt. Ich weiß nicht, ob gerade Ebbe war, aber das Strand war sehr breit und erstreckte sich so lang wie das Auge reichte. Es war ziemlich windig, und der Sand wirbelte ein paar Zentimeter über den Boden. Ich war ein bisschen übermütig und bin mit nackten Füßen ins Wasser gegangen. Das war eisig, aber hey, ich war dieses Jahr schon im Meer! 

 


Mir hat der Strand sehr gut gefallen, aber ich wäre lieber noch etwas länger in Hogwarts geblieben. Nach Bamburgh ging es zurück nach Hause und dann wurde auch "500 Miles" abgespielt und mitgesungen. Mittlerweile kann ich es schon so gut wie auswendig. Vielleicht wäre es mal eine Idee, dass wir das Lied beim nächsten Mal ganz ohne Unterstützung von der CD singen.

Übrigens vielen Dank an Amelie, die ganz viele von den Fotos hier gemacht hat. Ich war von Hogwarts so geflasht, dass ich selber nicht so viele Fotos gemacht habe. Außerdem drehen Muggelgeräte in Hogwarts ja sowieso durch, weil so viel Magie in der Luft liegt...

Mittwoch, 18. März 2015

Oh wie schön ist Scottland

Der Frühling ist auf dem Weg und Amelie und ich haben Samstag einen Ausflug an die Südwestküste Schottlands gemacht. Als ich die Tour angekündigt gesehen habe, dachte ich mir "Schön, da war ich noch nie!" Nach dem Tag heute weiß ich auch, warum. :-D Nicht, dass es dort nicht schön wäre, aber angeblich ist für diese Region Schottlands "the spare bit" und irgendwie stimmt das schon. Wir haben viel mehr Schafe als Menschen gesehen. Die Schafe waren so schön puschelig und hoppelten über die Wiesen. Manche hatten schon Lämmer. Im nächsten Leben werden Amelie und ich definitiv Schafe in Schottland (oder wahlweise Irland).

Die Tour begann in Ayr, dem Geburtsort von Robert Burns (auch wenn der Stadtteil Alloway zu Burns' Zeit noch nicht zu Ayr gehörte). Als wir in dort ankamen, war alles ruhig, aber es war ja auch noch früh am Morgen. Amelie und ich gingen als erstes zum Strand. Kein Mensch da und auch das Meer war ohne jeden Wellengang. Schon fast unnatürlich diese Stille. Das Städtchen ist ganz nett. Im Stadtkern war auch ein bisschen mehr los als am Strand. 


Eigentlich wollten wir nach der Burns Statue suchen, die uns unser studentischer Reiseleiter empfohlen hatte, aber er hat uns den falschen Ort genannt. Nachdem wir uns drei Statuen, die definitiv nicht Burns waren, angesehen hatten, haben wir es aufgegeben und sind einfach so ein bisschen durch die Stadt gelaufen. Auf der Weiterfahrt sind wir an der Burns-Statue vorbei gekommen und haben auch das Burns Monument und das Cottage gesehen, in dem Burns geboren wurde. 
Außerdem kamen wir an mehreren "Wetterhähnen" vorbei, allerdings waren die Hähne Menschen, Pferde und Hexen. Als wir fast daran vorbei waren, fiel mir auf, dass mir das irgendwie bekannt vor kam... Die Wetterfahnen illustrieren Burns' Gedicht "Tam O'Shanter" (Mann betrinkt sich, beobachtet auf dem Weg nach Hause Hexen beim Tanz, wird von den Hexen verfolgt, kann ihnen entkommen, aber eine Hexe reißt seinem Pferd den Schweif ab). Es ist also doch einiges aus dem Schottland-Seminar an der Uni hängen geblieben. 
Ich hätte wohl auch Lust gehabt, mir das Cottage/ Burns Museum anzusehen, aber das war offenbar nicht vorgesehen, denn auf unserem Reiseplan wurde das Museum nicht erwähnt. Außerdem hatten wir nur eine Stunde Zeit und das hätte wohl nicht gereicht, weil wir da ja auch noch hätten hinlaufen müssen.

Es ging weiter zu unserem nächsten Ziel: Dunure Castle, eine Burgruine, in der zu besseren Zeiten Mary Queen of Scots übernachtet hat. Das Schild "Mary slept here" haben Amelie und ich leider übersehen. Wir waren zu sehr damit beschäftigt, die Sonne zu genießen. Das Dunure Castle hat Ähnlichkeiten mit dem Dunnottar Castle (Burgruine auf einer Klippe am Meer), aber glücklicherweise war das Wetter um Welten besser als im Januar und wir konnten schöne Fotos machen und in der Sonne sitzen.


Kein riesiger Bienenstock sondern ein Taubenschlag



Das Hauptziel des Ausflugs war Portpatrick. Ich hatte gedacht, dass Ayr klein war, aber Portpatrick war noch kleiner. Ein Hafen, ein paar pastellfarbene Häuser und eine Burgruine. Das war es dann auch schon mehr oder weniger. 
Amelie und ich haben mit Blick auf das Meer unser Mittagessen gegessen und haben dann das Dorf "erkundet". Wir sind erst die Klippen an der einen Seite entlang gegangen und sind dann umgekehrt, um uns das Dunskey Castle anzusehen ("dun" ist übrigens Gälisch und bedeutet "Burg"). Von außen sah die Burgruine etwas unspektakulär aus - but it's bigger on the inside. ;-) Viel kann ich eigentlich nicht schreiben, deswegen lade ich einfach ein paar Bilder hoch.







Nachdem Besuch des Castles hatten wir immer noch Zeit übrig, also haben wir ein Bier bzw. einen Tee getrunken und danach noch ein bisschen auf einer Bank am Hafen gesessen. Es ist eine ganz schöne Tradition, wie ich finde, dass Verstorbenen hier oft eine Bank gewidmet wird und diese an einem Ort aufgestellt wird, an dem die Person gerne war. Am Hafen standen bestimmt zehn Bänke in Andenken an John/ Mary/ Elizabeth/ William, der/ die immer gerne am Hafen gesessen/ gelesen/ viele glückliche Stunden dort verbracht hat. Ich finde, das ist eine schöne Erinnerung. Und es hat den positiven Nebeneffekt, dass es viele Bänke gibt.


Es war insgesamt ein schöner Ausflug. Allerdings muss ich den nächsten Natur-und-Burgruinen-Ausflug nicht mitmachen. Zwei Ausflüge dieser Art hinter einander reichen erst mal. Aber dafür freue ich mich um so mehr auf den Ausflug zum Alnwick Castle - das Schloss aus den ersten beiden Harry Potter Filmen!